Bergbaupfad in Muttental und Zeche Nachtigall

Heute (14.04.2012) war mir mal wieder nach Industriekultur in Verbindung mit eine Wanderung durch die Natur.  Fotoalbum

Einen der Orte, wo sich die Natur ihr Gebiet mehr oder weniger zurück erobert hat ist das Muttental. Es gibt Akten die belegen, dass schon 1552 Kohle dort abgebaut wurde.
Als 1972 die letzte größere Schachtanlage Herbede geschlossen wurde, entstand in der Gegend ein 9km langer Bergbaulehrpfad. Mit Hilfe von Schautafeln werden die einzelnen Stationen erklärt.

Tracks zu Wanderungen in der Region gibt es bei Outdooractiv

Hier sieht man sehr schön den schmalen, schwarzen Kohleflöz am Steinbruch Dünkelberg.
abgebaut wurde Kohle, so erzählte mir ein netter Herr vom Zechenhaus Herberholz,
ab einer Schichtdicke von etwa 80cm und es gibt wohl Flöze, die eine Dicke von 4m erreichen.

In den Anfängen des Kohleabbaus wurde lediglich offen liegende, sichtbare Kohle abgebaut. Später trieb man Schächte in den Boden, die noch mit s.g. Erbstollen entwässert werden könnten, bzw. deren Wasser durch abgeschrägte Lage abfliessen konnte.

Erst als es mit Dampfmaschinen angetriebene Pumpen gab, konnten Tiefbauzechen unterhalb des Ruhrwasserspeigels betrieben werden.

Muttental_0401Auf dem Weg liegt auch die Burgruine Hardenstein, die derzeit leider eingerüstet ist.

Die beiden weisen mir den weiteren Weg 🙂

Hier der Stollen Reiger, einer von unzähligen Stollen hier in der Gegend, 60 waren es zur aktiven Zeit des Kohleabbaus. Dieser Stollen war um 1783 schon 400 m lang.

Dieser Stollen steht in Verbindung mit einem Erbstollen, hier wurde die Kohle mit Grubenwagen aus dem Stollen gefahren.

Oberhalb dieses Stollen führt der Wanderweg mich weiter, hier sind überall Bereiche im Wald abgesperrt, da das Erdreich schon stark abgesackt ist und die Stollendecken einzustürzen drohen.

Der Schacht Moses gehörte zur Zeche Vereinigte Ankunft & Anclam. Er wurde im Jahr 1840 gebaut. Er war als durch Pferde betriebener Göpelschacht angelegt, da die hohe Tiefe mit einem Handbetrieb nicht wirtschaftlich überwindbar gewesen wäre. Bereits im Jahr 1847 wurde der Schacht wieder aufgegeben. Das Schachtgebäude ist eine Rekonstruktion an der Stelle des Originalschachtes.

Hier nur mal kurz ein Eindruck von der Landschaft, sie wird hier im Bericht etwas zu wenig beschrieben, aber rund um diesen Pfad kann man stundenlang auf kleineren Pfaden und Wegen unterwegs sein, ohne auf zu viele Mitwanderer zu treffen.

Hier erreiche ich das Zechenhaus Herberholz  gebaut1875, war es ein Betriebsgebäude der Zeche Louisenglück und Herberholz. Hier gibt es Getränke und lecker Futter und gaaaanz freundliche Menschen.
Die Dame, die dort sitzt ist mit dem Herrn vorn verheiratet und dieser Herr (Karl Ackermann) hat mir eine kleine Sonderführung  angeboten, die ich liebend gerne angenommen habe.
Hinter dem Haus nämlich, befindet sich eine richtig schöne Ansammlung von Werkzeugen, Maschinen und Wagen der damaligen Industriezeit. Auch im Zechenhaus selber finden sich Ausstellungsstücke, die der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. dort deponiert und in Ordnung hält.

Muttental_0459Ich muss gestehen, nicht alles habe ich behalten, aber in dieser Sammlung befinden sich z.B. diese Kübel dort hinten, in denen sich Material aus den Schächten transportieren ließ und auf dem Rand dieser monströsen Milchkannen standen die Bergleute. Später, wenn der Schacht fertig war, wurden an Stelle dieser „Kannen“ die Förderkörbe installiert.

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Gib eine Beschriftung ein

Hier stehen die verschiedenen Abstützungen in den Stollen, vom Holzbalken bis zu riesigen hydraulischen sich selber bewegenden Stützen, die mit voranschreitender Tiefe der Stollen mitfahren konnten.

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Wie das Teil hier heißt habe ich vergessen, aber auf jeden Fall wurde damit die Kohle rausgefräst.

Und hier eine Lampenstube. In diesen Lampenstuben holte sich der Bergmann seine Stirnlampe und einen Filter, der im Falle eines Brandes für eine halbe Stunde den Arbeiter mit Sauerstoff versorgt.
Leider kann ich gar nicht alles erzählen, das würde diese Seite hier sprengen, aber Herr Ackermann hat ganz viele Details beschrieben, hat davon erzählt, dass er einen der Grubenwagen aus der Zeche Wismut beschafft hatte und kurze Zeit später ein ähnliches Gefährt in der Lippe gefunden hat (Ironie des Schicksals, nun hat er zwei).
Im Fotoalbum sieht man ja noch mehr von der Ausstellung und wer das Glück hat, auf so liebenswerte Art durch den kleinen Park geführt zu werden, wird diesen Tag sicher so schnell nicht vergessen. Und mit etwas Glück wirft er dann auch die Maschinen an, die für die Werkzeugherstellung und Pflege benötigt wurden.

Muttental_0506Hier das s.g. Steigerhaus von 1860, der sauerländische Gebirgsverein hat hier seine Geschäftstelle.

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Und ein wenig weiter die Straße hinunter lande ich am s.g. Bethaus. Es wurde 1830 erbaut und diente den Bergleuten als Bet- und Versammlungsstätte, im Untergeschoß befand sich eine Schmiede für das Werkzeug. Diese Art Gebäude ist einzigartig im Ruhrbergbau. Heute befindet sich hier eine Ausstellung über die Arbeit und das Leben der Kumpel.

Ein wenig weiche ich nun vom Lehrpfad ab um das Schloß Steinhausen zu besichtigen

Hier findet sich eine Künstlerwerkstatt und eine Mountainbikeschule und ganz in der Nähe ein Skulpturenpark.

In einem der nahe gelegenen Gebäude ist ein wunderschönes Restaurant mit Biergarten untergebracht.

Oh und auf dem Weg zum Schloß sehe ich dies hier und die Bewohnerin des Hauses berichtet, dass es sich hier um ein ehemaliges Försterhaus handelt. Faszinierend wie freundlich die Muttentaler sind. Auch hier habe ich einiges zur Umgegend erfahren und immer wieder stelle ich fest, dass die Menschen mit der Geschichte der Gegend sehr vertraut und verwurzelt sind.
Muttental_0534_bearbeitet-1Diese Dame wusste auch zu berichten, dass im „Klösterchen“ auf Gut Frielinghaus früher mal ein Eremit gehaust haben soll, bzw. in dem Türmchen, den Anbau gab es damals noch nicht.

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Und überall diese alten Steinbauten.

Zum Abschluß der heutigen Tour (nicht alle auf dem Weg befindlichen Zeugnisse der Vergangenheit konnte ich hier zeigen) lande ich noch in der Zeche Nachtigall. Nach einer leckeren Currywurst im Biergärtchen und einem ebenso leckeren Kaffee, kaufe ich mir die Eintrittskarte und schaue mich auf der Zeche um.

Interessant fand ich die nach der Stillegung der Zeche entstandene Ziegelei.

Hier erfahre ich etwas über die Konstruktion eines Ringofens und es besteht zudem die Möglichkeit den Stollen der Zeche zu besichtigen. Wer längere Zeit in gebückter Haltung durch einen 1,14m niedrigen Stollen kriechen mag, sollte sich das keinesfalls entgehen lassen.

Die Ziegel in einem Ringofen werden je einen fingerbreit auseinander gesetzt. Für 1000 gesetzte Ziegel bekam der Arbeiter damals 30 Pfennig

Muttental_0620Von hier oben wurde die Kohle in die Öffnungen  geschüttet um den Brennofen auf Temperatur zu halten.

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Unter anderem gibt es hier auch Nachbauten der Ruhr-Nachen zu sehen, ein „Schiff“ in Holzbauweise, dass wenn es nicht auf Grund lief, ca. 10 Jahre gehalten hat.

Ich kann hier garnicht alles beschreiben, was ich heute zu sehen bekam.
Sehen Sie es sich selber an, es lohnt sich auf jeden Fall.
Nehmen Sie sich Zeit und geniessen Sie diese gelungene Mischung aus Natur und Industrie und lassen Sie sich von überaus freundlichen Menschen etwas zur Geschichte dieser Gegend erzählen.

Mein Dank gilt all denen, die mich heute so aufgeschlossen und aufmerksam durch den Tag begleitet haben, einschließlich dem Herrn, der schon bei Erreichen der Gegend  mit Hupen auf sich aufmerksam machte und mich fragte ob er mir helfen könne.
Konnte er, denn ganz schnell hatte ich einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten und einen Parkplatz.

Und nun noch ein Tip:  für einen weiteren Ausflug in unsere Industriegeschichte, nämlich das Industriemuseum in Hattingen   (Fotoalbum), hier habe ich im November 2011 einen wundervollen Tag verbracht.

7 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    bin am Wochenende den Fritz Golte Weg gewandert, der in Teilen auf dem Bergbaupfad verläuft. War überrascht wie schön es dort ist. Dank deines Berichtes und dem Foto weiß ich jetzt auch wo das alte Försterhaus ist. Die schönen Bilder in deinem Bericht lassen meine Tour nochmal aufleben.
    Werde auf jeden Fall ins Ruhrgebiet zurückkehren.
    Liebe Grüße
    Ulrike

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  2. Hallo Elke,
    hatte endlich Zeit, deinen lehrreichen und interessanten Beitrag in Ruhe zu lesen; die schönen Bilder hatte ich mir vorher schon angeschaut. Also ich finde es toll, wenn solche Sachen nicht verloren gehen, sondern von motivierten Mitmenschen gehegt und gepflegt werden. Schön auch, wie du auf die Leute zugegangen bist und sie ihr Wissen mit Liebe mitgeteilt haben. LG.

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    • Ja Guido, dieser Tag war ganz besonders schön und wenn da Menschen sind, die so freizügig ihr Wissen teilen, was will Frau mehr?
      Danke für deinen netten Kommentar 🙂
      LG
      Elke

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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