Moorbachtal- Schleife von Altwied nach Monrepos

Eine Wanderung der besonderen Art sollte mich heute erwarten.

Angeregt durch die Wanderbeschreibungen von Karl Georg, bzw. auf dessen Wanderseite „Schlenderer“ und verführt durch die Tatsache, dass Neuwied sehr nahe an Linz liegt (Enkelkind ich kommeeeee), habe ich mir für heute, Samstag den 29.09.2012) die im Wanderatlas beschriebene „Moorbachtal- Schleife“ vorgenommen.
Diashow zur Wanderung

Das sollte ein Abenteuer werden.
Aber dazu später, denn erst muss ich ja mal dahin.
Die Wanderung startet an der Burg Altwied und um dort hin zu gelangen muss ich sowieso über Linz fahren, also los.

Mein Navi hat heute seinen eigenen Willen und es zeigt mir auf gnadenlose Weise wie es geschehen kann, dass Menschen einfach in den Rhein fahren. Wenn es nach der Technik gegangen wäre, hätte ich in Linz an der Fähre einen kleinen Schlenker durch den Rhein (nahe am Ufer) gemacht und wäre dann wieder auf die Straße zurück gekehrt. Meine Herren, was ist das für eine strubbelige Verkehrsführung?

Glücklich, dass mir das morgendliche Bad erspart blieb, lande ich in Altwied an der Burg, die dort im Morgenlicht trutzig wirkt. Aber die Burg hebe ich mir für das Ende meiner Wanderung auf, sind ja nur schlappe 10 km, nach meiner Einschätzung auch relativ flach.

Ich werde bald eines besseren belehrt, erstens sind es schlappe 13 km, die ich am Ende auf dem Tacho habe und außerdem ist der Weg teilweise gar kein Weg mehr. Davon spricht die Wegbeschreibung auch ein wenig, denn es heißt da: „Die Wege sind hier teilweise zugewachsen und umgestürzte Bäume machen die Wanderung durchs Moorbachtal ETWAS beschwerlich. Grund Gütiger, das war schamlos untertrieben.

Zunächst sieht es aber ganz nach einer gaaaanz normalen Wanderung aus. Über die Wiedbrücke hinweg folge zunächst dem Rheinsteig und dem Wiedweg, die ich aber beide bald wieder verlassen.

Einige Zeitzeichen weisen darauf hin, dass hier sehr daran gearbeitet wird, dass diese Gegend als Naturschutzgebiet geachtet und verstanden wird. Etliche Schrebergärten sind gesperrt, weil ihre Nutzer den Hinweis der Behörden nicht verstanden haben, dass hier keine großen und kleinen Bauten erlaubt sind.

So langsam wird es enger auf den Wegen.

Schon bald erkenne ich, dass ich hier in der Wildnis gelandet bin. Brennnesseln zwacken mich, Disteln in allen Größen siedeln sich an meinem Flanellhemd an und Spinnweben streifen Gesicht und Hände und mindestens 5x habe ich vor mich hin gemurmelt „Beim nächsten Baum der quer liegt, kehre ich um“.

Es ist nass, es ist teilweise steil und ungeheuer glitschig, aber irgendwie glaube ich daran, dass ich das schaffen kann :-). Wie schon so oft, nehme ich mir vor meinem Sohn demnächst die GPS Daten zu nennen, nach denen ich wandere, damit im Falle meines Verlustes wenigstens einigermaßen das Gebiet eingegrenzt ist, in dem gesucht werden muss. Denn auf der ganzen Wanderung bin ich nur auf den breiteren Wegen jemandem begegnet.

Gefühlt habe ich mich allerdings überwiegend einfach nur abenteuerlustig und begeistert. So etwas habe ich so lange nicht mehr gemacht und nun im nachhinein bin ich dankbar für jeden Meter unwegsames Gelände.
Irgendwann verlasse ich das Waldgebiet und erreiche diese herrlich  offene Landschaft hier. Je nachdem in welche Richtung ich schaue sehe ich entweder düstere Wolken oder von blau des Himmels unterbrochene Wolkendecke und es ist Herbst, ja er ist da mit seinem berauschend bunten Kleid. Ich lande wieder auf dem Rheinsteig.

Eine Weile geht es so dahin, über offene Felder, die Morgensonne lässt sich hin und wieder blicken und das lässt dann auch die gute Laune noch ein wenig höher schwappen.

Bald geht es noch einmal ein Stück durch Wald. Immer wieder gibt es Blicke ins Tal zu erhaschen. Der Wald ist in dieser Jahreszeit meiner Meinung nach einfach nur schön.

Dieser Wanderweg ist offensichtlich ein sehr alter, denn auch die Hinweistafeln haben etwas nostalgisches. Überall stehen diese Häuschen und erläutern dem Wanderer die hier existierenden Pflanzen und Tiere. Und die Farben dieser Fotos sind typische Herbstfarben.

Das hier ist aber für mich doch eines der Highlights der Wegstrecke, entlang der Streuobstwiesen zu wandern, sich hier und da einen Apfel zu stibitzen, hach ja…so liebe ich den Herbst.
Wer kann daran vorbei gehen, ohne hinzulangen?

Ich nicht, leider ist mein Rucksack zu klein für größere Vorräte, denn auf dem Boden liegen herrlich runde, leckere Früchte, die der Baum im Übermut und mit Hilfe starker Winde herunter geworfen hat 🙂

Eine Weile geht es nun wieder durch ein kleines Waldstück und links von mir höre ich extrem lautes und vielstimmiges Geblöke. Hier müssen irgendwo Schafe sein, ich kann sie riechen. An der nächsten Kreuzung entscheide ich mich, aus lauter Neugierde, einen kleinen Abstecher nach links zu wagen. Keine 400m weiter liegt dann diese große Weide mit den blökenden Tieren vor mir. Die Herbstlämmer und deren Mütter sind ununterbrochen damit beschäftigt sich gegenseitig zu versichern, dass sie noch in der Nähe sind.

Der Schafkindergarten.

Ich wusste nicht, dass es das bei Schafen auch gibt. Mir ist wohl bekannt, dass sich die Kitzen zu Kindergärten sammeln.

Hier die Skihütte Monrepos.

Es hat sich heute hier eine Wandergruppe verabredet, die munter schnatternd (erzählend) dort ihren Mittag verbrachten.

Im Winter wird man hier prima diesen kleinen Abhang als Loipe nutzen können.

Wenig weiter liegt der Hahnhof
Ganz idyllisch, mit Biergarten aber leider heute geschlossen, wegen geschlossener Gesellschaft (sowas sollte an den Tagen, wenn ich Kaffee trinken will, verboten werden) 🙂

Und leider kam ich trotz mutiger Versuche, an den Hof nicht nahe genug heran, um diese prachtvollen Tiere näher zu beäugen. Später lese ich, dass dies hier wohl zum Anwesen des Schloßes Monrepos gehört.

Ganz in der Nähe liegt das ehemalige Schloß Monrepos, das heute ein Museum beherbergt. Hier zu sehen: Villa „Waldheim“ (auch „Palais der Prinzessinnen“ genannt). Seit 1986 Sitz des „Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS“ 2010 wurde das Museum geschlossen, es soll mit erweitertem und geändertem Angebot 2013 wieder eröffnet werden.

Dies hier ist „Max“ das Mammut

Keine Ahnung ob das jetzt dort steht, weil hier auch Mammutbäume zu finden sind, oder weil Mammuts früher der Ernährung des Menschen dienten.

Hier das naheliegende „Schwedenhaus“ 1988 gebaut für den schwedischen Kronprinzen und späteren König Gustav V. als Jagdhaus.

Weiter geht es durch wunderschöne Landschaft, auch über eine Kastanienallee. Die Bäume dort ließen bei dem starken Wind viele ihrer Früchte herab regnen und erstaunlich, es traf mich keine einzige dieser stacheligen Gesellen.

Nach einem erneuten Trip durch unwirtschaftliches Gelände, lande ich dann irgendwann auf breiten Wegen entlang der Wied um bald die Burg Altwied zu erreichen.

Da die Burg nur Wochentags zu besichtigen ist, gab ich mich mit einem Kaffee am nahegelegenen Minigolfplatz zufrieden und einem Foto vom Wehr über die Wied.

Das war eine ziemlich ereignisreiche Tour, für die paar Kilometer, doch es hat mir dann auch gereicht. Nun schnell ab nach Linz, dort wartet die Familie.

Nach meiner Heimkehr erreicht mich abends noch ein Anruf von Freunden, die eine kleine Wanderung am Sonntag, bei allerschönstem Wetter planen. 10:30 Uhr Abfahrt Richtung Nideggen.

Es war ein super schöner Tag, mit viel Gelächter (meist auf Kosten des „Herrn“ in unserer kleinen Runde). Nideggen war restlos übervölkert, es gab Trödelmarkt und viele Leckereien, an denen wir auch nicht vollkommen standhaft vorbei kamen.

Für unseren Ausflug hatten wir uns zudem noch Königswetter ausgesucht, sodass die roten Felsen und die Burg herrlichen Glanz bekamen.

Das war ein Wochenende nach meinem Geschmack, wenn auch etwas reichlich bewegt 🙂

Die Fotos hierzu sehen Sie hier

8 Kommentare

    • Bei uns lieber Guido, scheint heute vollkommen ungeplant und unangemeldet, die Sonne. Das sieht zusammen mit den Wolken ganz toll aus. Für heute habe ich mir allerdings einen Ruhetag verordnet, mal sehen ob ich das duchhalte 🙂
      Euch einen schönen Sonntag

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  1. Ein sehr schöner Wanderbericht, Elke, du bist ja direkt vor meiner Haustür gewandert. Wo stammt denn diese Wegebeschreibung her, gibt’s die im Internet zum Herunterladen?

    Die archaischen Hinweistafeln stammen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus derselben Zeit wie das Mammut. Die Wege um Monrepos herum geht man immer mit Verlaufgarantie; Längenangaben wie “10 Kilometer” sollten also immer mit einem “bis” versehen werden, wobei dieses “bis” abhängig ist von der Orientierungsfähigkeit des Wanderers.

    Mehr Informationen zum Museum Monrepos finden sich hier: http://www.museum-monrepos.de/ Der Ausbau des Museums ist sehr gelungen; obwohl es erst im nächsten Jahr wieder eröffnet wird, konnte meine Ehefrau bereits einen längeren Blick hineinwerfen: sie war begeistert.

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    • Hallo Georg,
      ich bin diesen Weg nach GPS Track aus dem Wanderatlas gewandert.
      Eine detailierte Wanderbeschreibung hierzu gibt es meines Wissens nicht.
      Dank GPS Gerät konnte ich zumindest immer wieder sehen, wo ich mich gerade befinde, leider sind aber die alten Wanderwege auf der OSM nicht verzeichnet, aber es sind ja auch stellenweise keine wirklichen Wege mehr.
      Das Museum werde ich sicher zu einem späteren Zeitpunkt ab 2013 mal ansehen. Das dürfte interessant sein.

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  2. Liebe Elke,
    ich war an diesem Wochenende gar nicht unterwegs und habe an meinen Urlaubs-Wanderberichten geschrieben. Wenn ich deine herrlichen herbstlichen Fotos sehe, bereue ich das ein wenig. Schöne Tour! Gut, dass du heil heraus gefunden hast aus dieser „Wildnis“ und nicht erschlagen wurdest von umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Kastanien oder Äpfeln. 😀
    Das macht mir nun wieder Lust, und ich plane gleich mal die Tour für nächstes Wochenende. 🙂
    Liebe Grüße
    von Katrin

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    • Liebe Katrin,
      deine Wanderberichte habe ich nun auch gelesen. Aber in drei Wochen werden doch sicher noch mehr Berichte angefallen sein????? Ich bin gespannt.
      Ja, die Tour am Samstag war schon speziell 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück
      Elke

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