Wetter an der Ruhr

Eine überraschende Wendung meiner Tagesplanung führt mich nach Wetter im Ruhrgebiet. Ein Bekannter sagte einmal: Täusche dich nicht, auch im Ruhrgebiet gibt es schöne Ecken“ Meine einzige Wanderung durch das ehemals dunkelste und schmutzigste Gebiet Deutschlands führte mich im November vergangenes Jahr mit der Wandergruppe „Wanderfieber“ in die Gegend von Essen- Kettwig. Doch, diese Wanderung hat mir schon gefallen und Kettwig ist ja eines der schönsten Essener Stadtteile. Ein Besuch lohnt sich dort auf jeden Fall. Fotos von damals finden Sie hier. Der kleine Stadtteil mit süßen Fachwerkhäusern direkt an der Ruhr ist wirklich ausgesprochen schön und vor allem in der Weihnachtszeit und bei Schnee total romantisch.
Da diese Gruppe sehr flott unterwegs war, kam ich kaum zum fotografieren. Vielleicht finden Sie im Archiv der Wandergruppe mehr aussagekräftige Fotos.

Heute aber führt mich mein Weg nach Wetter, dort treffe ich auf einen Freund,  der aber nicht so wanderbegeistert ist und so drehe ich meine Runde zunächst allein und besuche ihn später.

Start in den Wald von WetterIch hatte mir grob schon eine Strecke ausgedacht und so starte ich am Parkplatz nahe dem Bahnhof in Wetter und bin auch sehr schnell und für mich überraschend, im Wald. Im Sommer dürfte es hier für die Anwohner paradiesisch sein in den Wald abzutauchen, denn das Umfeld hier ist zumindest für mich, grauselig. Aus dieser Sicht möchte ich auch die heutige Wanderung beschreiben, nämlich aus der Sicht der Menschen, die hier leben und arbeiten und für die die nahe gelegenen Wald- und Wiesengebiete die schnellste Möglichkeit sind im Alltag mal auszuspannen.

Nun zum Weg. Wie schon beschrieben, lande ich innerhalb weniger Gehminuten schon im Wald und es geht auch recht zügig bergan – nein das Ruhrgebiet ist nicht plattes Land. Es liegen noch Schneereste überall und links neben mir blubbert der Schnodderbach, dessen Name etwas schnodderig klingt, aber das Wasser sieht OK aus 🙂

Der Untergrund ist hier zunächst sehr felsig, von federnden Waldböden erstmal nichts zu spüren, aber es wird zunehmend stiller, wenn auch Bahn und Autobahn als fernes Hintergrundgeräusch stets zu vernehmen sind. Bei dem beschäftigten Gezwitscher der Vögel geht das allerdings bald unter. Es ist ohnehin erstaunlich wieviel Grün noch zwischen dem Laub zu finden ist, fast frühlingshaft mutet das an.

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Hier gibt es Grund genug sich auf die Nase zu legen, eine spiegelglatte Eisschicht mitten auf der Wegkreuzung.

Rechts von mir, hinter einer Anhöhe, fliesst die Ruhr und weil ich neugierig bin, kraxele ich natürlich dort hoch und weiche von meiner Route ab. Die Ausblicke auf die Ruhr sind natürlich nicht mit Rhein oder Mosel vergleichbar, denn die Besiedelung ist doch sehr dicht und vor allem hoch. Meine Güte die wohnen hier zum großen Teil in riesigen Mehrfamilienhäusern.

2012 12 15_0423_bearbeitet-1Ein kurzer Abstecher führt mich zu einem Aussichtspunkt Richtung Ruhr und der alten Ruine eines ehemaligen Teehauses „Schirm“. Leider habe ich nichts zur Geschichte finden können.

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Zurück auf meinen Weg, wandere ich eine ganze Weile parallel zur Ruhr, die immer wieder durch die unbelaubten Baumreihen blitzt.

2012 12 15_0427_bearbeitet-1 2012 12 15_0432_bearbeitet-1EiswegKurz nach dem aufmüpfigen Gedanken es sei doch arg viel Wald hier und ich will Pfade, treffe ich auf diesen eisigen Weg hier. Das zieht sich ganz ordentlich und es ist a…glatt. Die Aussicht zeigt mir dann nochmals wieso die Anwohner dieser Gegend sicher froh sind Wald hier zu haben.

Wohnen im Grünen

Teuer wohnen 2012 12 15_0458_bearbeitet-1Um die Runde ziehen zu können und auf dem Weg zurück wieder in Waldgebiete zu gelangen. muss ich durch Herdecke und seine abwechslungsreiche Bebauung. Auf dem Weg des Poethen wird dann deutlich, dass es hier auch gut betuchte Menschen gibt. Die Häuser hier haben teilweise erstaunliche Ausmaße und eine tolle Bauweise.
WischmippHeute ist für mich der Tag des Hundes, denn die begleiten mich auf ihre Weise durch meinen Wandertag. Dieser hier fegt mit seinem Haarkleid gleich die ganze Straße und Frauchen, ganz solidearisch, hat einen Schal aus seinem Fell????? Dieser Mopp auf vier Beinen war schon lustig anzuschauen, der konnte kaum durch die dichte Wolle vor den Augen schauen.

Dieser Teil der Strecke ist mit Abstand der schönste des heutigen Tages. Die Aussichten sind sehr schön.

Ein etwas ungestümer Irish Terrier, ein zugegeben absolut hübscher Kerl…nee war ja eine Hündin, lief mir immer wieder vor die Füße und küsste mit seinen Pfoten meine schöne hellblaue Fleecejacke. Ja, ich weiß die ist kuschelig :-)Herrchen hatte das goldige Tierchen nicht unter Kontrolle.

TrailpfadNun gelange ich auf einen Trailpfad, den ich am liebsten herunter gerannt wäre (ich brauche dringend wieder Rennschuhe), herrlich hier über Wurzeln und Erdlöcher zu laufen, mit den dicken Stiefeln zwar etwas grobschlächtig, aber es hat Spaß gemacht.
Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich ohne Rucksack, mit einer Wasserflasche stundenlang über solche Pfade gelaufen bin. Das ist wieder eine andere Art Natur zu geniessen, ich spüre sie in den Füßen und es kribbelt mich das wieder zu erleben.

2012 12 15_0490_bearbeitet-1 2012 12 15_0491_bearbeitet-1 2012 12 15_0494_bearbeitet-1 Hier lande ich in Schede, dieser Hof hier ist toll angelegt. Die Kühe sind im Offenstall untergebracht, das heißt sie können selber entscheiden ob sie raus wollen. Und den typischen Misthaufen gibt es hier auch. Das Heu für die Kühe riecht allerdings so verflixt gut, dass ich den Misthaufen gar nicht wahrnehme.

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2012 12 15_0500_bearbeitet-1Die Gute geniesst ganz offensichtlich die Sonne, die ihr durch den Stall auf die Nase scheint. Vollkommen gelassen und ausgesprochen zufrieden liegen hier die älteren und jüngeren Tiere im dick ausgelegten Stroh.AnsichtenDas ist so ein Beweis dafür, dass man sich nur richtig stellen muss, um etwas zu fotografieren. Aus jedem anderen Blickwinkel ist das einfach nur ein kleiner Teich und da hinten ist ein Haus, vollkommen uninteressant so isoliert betrachtet. Hier ist die einzige Stelle, die zudem von einem Zaun abgegrenzt wird, der sich zum fotografieren lohnt.
Sönnchen kommtAuf die letzten Meter kommt auch die Sonne noch richtig heraus, leider praktisch am Ende meiner Tour, aber immerhin 🙂

SteinmännchenSteinhaufen wie diese findet man im Wald heut zu Tage recht häufig.Baumgesicht

Und Bäume die einem etwas mit ihrer Form und Struktur sagen können, wie ein Gemälde, gibt es auch zu Hauf. Hier z.B. sehe ich ein Gesicht.

Es ist total idyllisch hier, ein toller Fast- Abschluss meiner Tour, denn  es geht jetzt nur noch ein kleines Stück durch den Wald und schon bin ich wieder am Parkplatz.

Fazit zu dieser Tour.
Für Bergisches Land, Rheinsteig oder Mosel Fans ist das hier eher nichts, einfach zu wenig ruhige Gegend.

Für den eingefleischten Städter und Ruhrpöttler allerdings, ist das hier sicherlich eine traumhaft schöne Tour in nächster Umgebung. Für mich hat sich der Spaziergang gelohnt und vor allem das Treffen mit einem wirklich lieben Menschen.
In dem Sinne, bis zum nächsten Wandererlebnis

Sollte jemand den Wunsch verspüren diese Wanderung nach zu laufen, hier der GPS Track zur Tour
Wer sich mehr für die Industriegeschichte der Ruhrgebietes interessiert kann sich meine Fotos zum Industriemuseum in Hattingen ansehen und sich einen kleinen Einblick verschaffen. Ein Besuch dort lohnt auf jeden Fall.

6 Kommentare

  1. Hallo Elke
    Ich wußte garnicht das man dort Wandern kann. Dachte als du schreibst, es gibt viele Hohe bauten, dass dort alles zu Betoniert ist, sieht auf den Bildern nicht so aus.

    Wir waren in Bad Münstereifel sind dort gewandert. Leider noch ohne GPS 😉 aber da ist ja Abhilfe in Sicht, wir hätten es gestern gut brauchen können

    Schönen rest 3 Advent aus Lohmar

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      • Da bin ich auch mal gespannt, dass wird sicher komisch werden 😀 , und vor allem kann man dann sehen wenn ich mich mal wieder verlaufen habe*rot anlaufe* 😀
        Ich kann es nicht mehr abwarten bis es hier ist. Ich werde mal einige tests machen, hier in der nahen umgebung, bevor es weiter weg geht 😉 Das wasser ist mir zur dieser jahreszeit dann doch eindeutig zu kalt 😀

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        • Naja du wirst doch wohl ab und an auf den Weg gucken und nicht nur auf das Navi, also nix mit ins Wasser gehen 😀
          Wieso dauert das denn so lange? Bei Amazon habe ich meist 2-3 Tage später, was ich bestellt habe.

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  2. Hallo Elke; die Sippschaft meiner Frau wohnt dort, mitten in Steele. Früher haben wir sie öfters besucht, sind dann aber auch immer an der Ruhr radeln oder spazieren gegangen. Meine Frau führte mich dann an das frühere Ruhr-Freibad in Steele und an die Reste der Zechen aus ihrer Kindheit. Mit dem Onkel ging ich reiten (ich auf einem Hafflinger so breit, dass es weh tat, er auf hohem Ross) oder radelte die Ruhr entlang. Für mich sind die Ruhrpöttler total warme Menschen und werden es immer bleiben. Und Kettwig bleibt für immer verbunden mit der ‚kleinen Oma‘, die uns auf ihren kurzen Beinchen ins Café lotste und Käse-Sahnekuchen spendete. Müssen unbedingt nochmal hin. 🙂

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    • Hach Guido, so wie du das erzählst wird es einem total warm ums Herz, schööööön 🙂
      Ja warmherzig sind die Ruhrpöttler wohl, das habe ich auch schon gehört.
      Kettwig hat für mich besondere Bedeutung, wenn auch eher traurige, aber der Ort ist sehr sehr schön und Steele wohl auch, dort kenne ich aber nicht so viel.
      Ganz liebe Grüße
      Elke

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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