Halle an der Saale und ihre Hallenser/innen, Halloren und Hallunken

Halle, eine Stadt mit 230.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt im Bundesland, die dem Besucher viel Abwechslung bietet. Für mich besteht die Abwechslung schon allein darin, hin und wieder meine Söhne dort zu besuchen.  In diesem Jahr verbringe ich in der Weihnachtszeit ein paar Tage dort. Aber darüber hinaus gibt es auch für mich noch viel dort zu entdecken, leider hatte ich dazu bisher wenig Gelegenheit.

WintermarktEinige Leser wissen es schon, Halle hat einen Weihnachtsmarkt. Wie fast alle Weihnachtsmärkte ist auch dieser bis zum 23.12. jeden Jahres geöffnet ist.
Die Wiedereröffnung erfolgt am 26.12.  um dann  bis zum 06.01. des Folgejahres unter dem Begriff  „Wintermarkt“ geöffnet zu sein. Auch spät am Abend, bis 22:00 Uhr, kann der Hallenser und seine Besucher Glühwein trinken und Leckereien wie Donuts, Kräppelchen,  Fisch, Spezialitäten,  Steaks, Bratwurst und vegetarische Kost vertilgen. Ein Kinderkarussell für die Kleinen rundet das Ganze ab und auch das Schrottwichteln (Tauschen unbeliebter Weihnachtsgeschenke und die Freilichtfilmvorführungen finden die Zustimmung der Großen und Kleinen.
In Anbetracht der Tatsache, dass es in unseren Breitengraden erst Sylvester schweinekalt wird (außer in diesem Jahr z.B. ), halte ich das für eine gute Strategie. Obwohl….., am Tag meiner Abreise hatten wir in Halle ganze -0,5 Grad und ziemlich windig, während im Rheinland bei um die 8 Grad Frühlingsstimmung herrschte.

Zur Stadt Halle und ihrer Entstehung sei kurz etwas erzählt: Das Gebiet um Halle wurde vor rd. 260 Millionen Jahren von Vulkantätigkeiten heimgesucht. Viele Millionen Jahre später sollte dann eine s.g. Störung (eine tektonische Bruchlinie) dazu führen, dass sich hier Menschen ansiedelten. Durch diese Bruchlinie entstanden Solequellen, aus denen die Hallenser in mühevoller Arbeit durch Sieden Salz gewinnen konnten. Ab dem 14. Jahrhundert wurden verschiedene Brunnen zur Salzgewinnung genutzt.  1964 wurde die letzte Saline stillgelegt. Mittlerweile sind alle Brunnen versiegt,  Anfang des Jahrhunderts wurden noch mehr als 10 000 Tonnen Salz pro Jahr gewonnen wurden. Die Verwerfung führt unter dem heutigen halleschen Marktplatz entlang. Besucher haben Gelegenheit durch ein auf dem Marktplatz installiertes Geoskop die Gesteine der Verwerfung zu betrachten. Das mal so grob zur Geschichte von Halle mit ihrem weißen Gold.

Auf-dem-Weg-zur-PeißnitzinsInsbesondere bei einem Spaziergang entlang der Saale wird der Besucher feststellen, dass die vulkanische Geschichte nicht zu leugnen ist. Die o.g. Bruchkante zeigt sich in den stark unterschiedlichen Höhen der Stadt, so liegt Burg Giebichenstein auf der Hochscholle. während Teile der südlichen Kernstadt auf der Tiefscholle stehen.

StadtmitteHalle nahm 1891 die erste deutsche Straßenbahn mit Fahrdraht und Rollenstromabnehmer, in Betrieb und das Stadtbild wird sehr stark von dieser Art Transportmittel beherrscht.

Die historische Altstadt von Halle ist eines der größten vom Krieg fast unversehrt gebliebenen
Flächendenkmale Deutschlands.Im Jahr  1315 schon erwähnt und im Mittelalter ein Zentrum von Handel
und Gewerbe, war die Große Märkerstr. im 18. Jahrhundert  bevorzugter Wohnsitz der
Professoren der halleschen Universität. Heute werden mit großem Eifer die zu DDR Zeiten vernachlässigten und teils zu Ruinen verkommenen Schätze der Architektur vorangegangener Jahrhunderte  saniert. 1993 würdigte die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz die Bemühungen der Stadt Halle  anläßlich eines Wettbewerbes „Erhaltung historischen Straßenraums“ mit einer Goldmedaille. Auch das Haus, das mein Sohn derzeit bewohnt, wurde entkernt und komplett saniert.
Stadtmitte-TürmeAnsicht auf vier der fünf Türme auf dem Marktplatz in Halle. Rechts in dem roten Gebäude dem Marktschlösschen ist die Touristeninformation untergebracht.

Halle (1)Gleich daneben befindet sich im gleichen Gebäude das Hallorencafe, hier bekommen Sie die stadteigenen Pralinen aus der ältesten Schokoladenfabrik der Welt. Besuchen Sie als Schokoladenliebhaber das Schokoladenmuseum in Halle.

Die Halloren, das sind die Salzarbeiter bzw. Salzwirker, also die, die in der Saline gearbeitet haben. Die Hallorenkugeln stellen die runden Knöpfe ihrer Arbeitstracht dar, das waren wohl große runde goldene Knöpfe.

Also merke:  die Einwohner von Halle nennen sich „Hallenser“ und die Pralinen aus Halle nennen sich „Hallorenkugeln“, essen sollte man nur letztere, mögen darf man alle 🙂
Oh, und nun hier eine Ergänzung, es gibt noch die Hallunken – das sind die Zugezogenen, wie meine Söhne :-), verraten hat mir das Katrin, eine Hallenserin mit Herz. Schaut ihren Wanderblog „Wandern tut gut“, dann findet ihr die Bestätigung.

Roter-TurmDer Rote Turm von Halle, der höchste Turm des Mittelalters in Halle, gebaut 1418 bis 24. Juli 1506

Lange Bauzeiten waren das damals 🙂 Der Turm steht fast in der Mitte des heutigen Marktplatzes. Eine Inschrift, die in vier Meter Höhe in Stein gehauen wurde: „ANNO DOMINI millesimo CCCCXVIII locatus est lapis iste“ belegt den Baubeginn des Gebäudes, das als Sakralbau eingestuft ist.

Halle (13)Ackerbürgerhof – Gr. Klausstr. 15, hart erkämpfter Erhalt des Gebäudes aus dem 1600 Jh mit barocken Stuckdecken im Inneren.
Halle (9)vvDas habe ich schon vor ein paar Jahren fotografiert und nicht wieder gefunden, muss aber auch in der Nähe zum Marktplatz liegen. Solche Malereien finden sich im Osten sehr viel.
Und wie das Leben so spielt, hat mir das Schicksal wieder einen Menschen über den Weg geschickt, der/die das Rätsel zu lösen im Stande ist, Katja aus Halle verrät mir, dass sich dieses Restaurant an der Kreuzung Große Klausstraße/ Oleariusstraße befindet, inzwischen mit geändertem Namen. Herzlichen Dank liebe Katja-die du auch einen Blog schreibst.

Sparkasse-HalleHier ist die Sparkasse untergebracht. Ich hatte leider nicht viel Zeit, aber es lohnt sich, auch dieses Gebäude näher zu betrachten. Das Gebäude wurde 1914 vom damaligen Stadtbaurat Wilhelm Jostgebaut und 1995 – 1997 saniert.

Nutria
Halle verfügt auch über ansehnliche Grünanlagen innerhalb des Stadtgebietes und auch hier kann ich nur kleine Ausschnitte präsentieren. Besonders fasziniert haben mich die Nutrias, die vor allem an der Peißnitz zu finden sind.

Besuch-in-Halle-2012-(126)

BrückenhäuschenDie Brücke der Freundschaft oder auch Preißnitzbrücke und oben hängen die Freundschaftsschuhe :-). Diese Brücke ist die größte von 5 Brücken die zur Peißnitz führen. Sie führt mit einer Länge von 103m über die Saale. Die urspünglich hier installierte Brücke von 1899 wurde wegen der heranrückenden US Truppen zum Ende des 2. Weltkrieges gesprengt.
Hier sehen Sie das alte Brückenhäuschen.  Der Brückenzoll betrug für Erwachsene
10 Pfennig und für Kinder 5 Pfennig.

SchwanEntefliegerVon wegen häßliches Entlein, dieser jugendliche Schwan besticht jetzt schon durch eine gewisse Eleganz.

Für Kinder und Erwachsene ist die Peißnitzinsel beliebtes Ausflugsziel.

Peißnitzhaus

Fast noch beliebter und mit großem Aufwand mit Spendengeldern finanziert, wurde und wird die Sanierung des Peißnitzhauses (Bau 1892). Es steht für generationsübergreifendes Miteinander und wird für Veranstaltungen kultureller Art und Familienfeiern zur Verfügung gestellt.

Gebäude-an-der-SaaleDie neue Residenz 1531 gebaut. Um dieses alte Gebäude zu erhalten und in Stand zu setzen wurde im Jahre 2003  die Neue Residenz e.V. gegründet. Das alte Gemäuer gibt immer wieder Grund zur Sorge, weil der Verfall nur durch hohen Sanierungsaufwand zu verhindern ist.

Gottesacker-3Ach ja, hier der Gottesacker, der erinnert mich sehr stark an den Melatenfriedhof in Köln.
Diese Friedhofsanlage ist sehr alt, Erstbegräbnisse an der Stelle in Massengräber 1350, später hat man um diesen Platz eine Mauer gezogen. Die Wiederinstandsetzung der durch Krieg und Verfall geschädigte Anlage wird  ebenfalls durch großzüge Spenden finanziert. Auch hier lohnt sich ein Besuch.

Gottesacker-1Landgerciht-2Das Gebäude des Landgerichtes am HansaringSalinemuseumDas Halloren und Salinemuseum

Der Artikel wird um einiges zu lang, wenn ich noch mehr schreibe, deshalb kürze ich stark ab. Ich hoffe dass es dem ein oder anderen gefällt und er sich vielleicht entschliesst Halle an der Saale einmal zu besuchen. Nicht so sehr weit entfernt liegen die ebenfalls reizvollen Städte Leipzig und Dresden.

Für mich wird es ein nächstes Mal hier in Halle geben, logisch schon allein wegen meiner Söhne, aber auch um noch mehr über diese Stadt zu erfahren. Im Frühjahr oder Sommer lässt sich die Stadt und auch das Grün drum herum prima mit dem Rad erkunden. Hier noch ein paar Fotos:

11 Kommentare

  1. Hallo Elke,

    ich hatte deine Ankündigung über diesen Beitrag letztens schon bei Facebook (?) gesehen und wollte ihn doch unbedingt lesen. Jetzt kam ich endlich dazu. Halle kenne ich nämlich noch nicht, könnte sich dieses Jahr aber ändern. Danke für die schönen Bilder und interessanten Informationen (älteste Schokoladenfabrik ist auf jeden Fall gespeichert, mjam 😉 )
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende
    Michael

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  2. Liebe Elke,
    ich lese nun schon seit vielen vielen Monaten mit grossem Interesse Deinen Blog und bin immer wieder begeistert von den gigantische schönen treffenden Fotografien und den dazu so ausgefeilten historisch korrekten Texten.
    Halle ist für mich natürlich besonders interessant dort durfte ich studieren und es waren sehr schöne Jahre die wohl einiges in die Rentnertraditionecke befördert haben 🙂
    Danke das Du uns so teilhaben lässt.
    Wenn Du Dich fragst wie ich Deine Seite gefunden habe, vor vielen Monaten …..durch Empfehlung von Katrin und das hat sie gut gemacht 🙂

    wünsche Dir ein Gesundes Neues Jahr
    Liebe Grüsse Ilona

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    • Liebe Ilona,
      du machst mir eine riesige Freude mit deinem Post. Es ist so schön zu erfahren, dass es auch Leser gibt, die zwar lesen, aber nicht immer Kommentare verfassen. Mir macht das Blog schreiben sehr viel Freude und was gibt es schöneres als die Tatsache, dass auch andere daran Gefallen finden.
      Mein Sohn studiert auch in Halle, sein Bruder arbeitet an der Uni dort und forscht Biologisches :-). Halle zieht so machen an und ich verstehe das sehr gut.
      Die auch ein gesundes und zufriedenes Jahr 2013 und
      ganz liebe Grüße an dich
      Elke

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  3. Liebe Elke, ich verstehe nichts von Halle an der Saale, aber Du zeigst sehr schöne Bilder. Außerdem hast Du mich schon einige Male in München besucht und Dein Gefallen mitgeteilt. Dafür danke ich Dir und wünsche Dir Gesundheit und Glück im neuen Jahr. Herzliche Grüße aus München, Josef

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    • Hallo Josef,
      prima dass dir die Fotos gefallen.
      Hin und wieder schaue ich mir deinen Blog an und entdecke interessante Ansichten, wie die aus deinem Fenster fotografierten Eindrücke.
      Sie gefallen mir. Dir wünsche ich ebenfalls ein zufriedenes Jahr 2013
      LG
      Elke

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  4. Liebe Elke,

    da wird mir gleich ganz warm ums Herz – diese Bilder zu sehen und deinen Bericht zu lesen, das ist sooo schön für mich Hallenserin. Ja, bin ja eine – in Halle geboren und hab dort an der Uni studiert. Um ein Haar wäre ich zu Silvester nach Halle gereist, aber das ist mir leider gerade zu weit…
    Dankeschön für deinen liebevoll geschriebenen und fotografierten Bericht, liebe Elke.
    Aber du hast vergessen zu erwähnen, wer die Hallunken sind: Die Zugezogenen. 😀

    Ich bin nächstes Jahr sicher auch wieder in Halle, schmiede gerade schon erste Pläne. Ja, Halle ist wirklich ein hübsches Städtchen geworden mit viel Kultur und einer unglaublichen Gastronomie, zahlreichen netten Cafes. Empfehlen kann ich auch wärmstens die Moritzburg mit ihren Kunstsammlungen, vor allem den Halle-Gemälden von Lyonel Feininger, einem meiner Lieblingsmaler (na wie soll es anders sein!).

    Ok, ich höre ja auch schon auf.

    Freu mich auf den nächsten Halle-Besuch.

    Ganz liebe Grüße
    von Katrin

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    • Liebe Katrin,
      ich habe selbstverständlich meinen Bericht um die „Halunken“ bereichert 🙂
      Ich freue mich schon auf einen nächsten Besuch, der dann hoffentlich ein wenig länger andauern wird, damit ich auch mal ein Museum oder zwei und die Heidegebiete und und und, anschauen kann. Ich kann deine Sehnsucht sehr gut verstehen.
      Ganz liebe Grüße nach Schönbuche
      Elke

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  5. Welch ein schön anmutendes Städtchen – das hätte ich so gar nicht erwartet! Das Wetter passte auch perfekt – da wäre ich gerne mit gebummelt. Ein schöner Bericht mit guten Hintergrundinfos.
    Gut hinbekommen! 😉

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  6. Also, mich haste richtig auf den Geschmack gebracht! Ich hatte mich schon gewundert, was dich denn dorthin verschlagen hatte, aber jetzt wird alles klar 🙂 Irgendwann kombiniere ich Halle, Leipzig, Dresden und die Sächsische Schweiz. Lieben Gruß aus Flandern.

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    • Oh das freut mich aber 🙂
      Ja, zwei meiner Söhne haben sich in den Osten verzogen und so konnte ich dort schon einiges sehen. Dresden mit dem Zwinger und zig anderen Sehenswürdigkeiten lohnt sich und Leipzig mit der etwas graueren aber ebenso reizvollen Atmosphäre ebenso. Auf deine Sicht wäre ich doch sehr gespannt und ich hoffe du berichtest dann darüber. Harz und Elbsandsteingebirge sind aber dann ein MUSS 🙂
      Liebe Grüße
      Elke

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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