Und noch ein kalter Wintertag im Bergischen – Industriegeschichtliches im Gelpetal

WegezeichenUnd wieder unterwegs im Bergischen Land und auch wieder ein Tipp des allgemein bekannten Einheimischen aus dem Örtchen Lüttringhausen. Es geht heute auf den industriegeschichtlichen Pfad des Gelpetals. Hämmer und Schleifkotten bestimmten seit dem 16ten Jahrhundert das Landschaftsbild der Region des Gelpe- und Saalbachtals. Heute will ich mir bei winterlichen Temperaturen (-7 Grad) und leichtem Schneefall ein wenig geschichtliches gönnen.

Den Winter habe ich eigentlich satt, aber wenn ich dann einmal unterwegs bin, warm eingepackt und dieses Mal sogar mit Wanderstöcken bewaffnet, dann söhne ich mich schnell mit den ungewollten Wetterbedingungen aus. Erst gegen mittag bin ich so weit, dass ich mich auf den knapp 40 km kurzen Anfahrtsweg nach Wuppertal begebe.

Ich parke auf der Zillertalstraße, dort steht mein Auto eisfrei, keine Gefahr wieder stecken zu bleiben. So lerne ich auf dem Zuweg ungeplant, dass es im „Zillertal“ auch eine Skisprungsschanze gab.

Gelpetal (37)Die Straße runter ins Zillertal endet in einem kleinen Pfad, der wiederum stößt am Ende auf die frühere Skisprungschanze Zillertal.  Noch eine kleine Erklärung zur Skischanze. Es gab sie tatsächlich, die Skisprungschanze im „Zillertal“. Im Januar 1959 hat der WDR hierzu einen Film gedreht. Da die Auslaufstrecke der Schanze eigentlich zu kurz war und eine Verlängerung über den Gelpebach nicht erlaubt wurde, landeten einige der Skispringer im Gelpebach. Platsch ich sehe es vor meinem geistigen Auge 😀

Gelpetal (2)Dort unten steht auch das Gasthaus Zillertal, in dem man Gerüchten zufolge, gut essen kann. Wie ich inzwischen relativ sicher weiß, ein ganz wichtiger Aspekt bei den männlichen Wanderern, deshalb sei es hier erwähnt. Das „Kottenschnitzel“ wurde besonders lobend erwähnt. Nun, ich habe außer meiner SchoKaKola und frischen, heißen Ingwertee nichts dabei, also schnell weiter, bevor es hier noch anfängt zu duften.

Hier am Gasthaus startet auch meine Rundwanderung. Wie schon beschrieben, befinde ich mich hier auf einem industriegeschichtlichen Pfad und zu zahlreichen Standorten der Hämmer sind hier erklärende Schilder aufgestellt. Ich muss gestehen, bei der Kälte habe ich mich nicht sehr lange an Waldstücken aufgehalten, in denen nichts mehr zu sehen war, außer einem Stauteich oder ein paar Mauerreste, die unter Schnee vergraben waren. Ein erneuter Besuch in der grünen Jahreszeit, wird mich sicherlich schlauer machen 🙂Gelpetal (1)

Gelpetal (3)
Der Gelpebach

Die von mir gewählte Route wechselt ab zwischen Waldstücken, Wiesen und Feldern, sowie kleineren Dörfern. So laufe ich auch recht abwechslungsreich mal auf breiteren Wegen aber auch auf schmalen Pfaden, und Asphaltstrecken führen stets durch ruhige Dorfstraßen.

Was des einen Freud ist oft des anderen Menschen Leid. Im bergischen Land regnet es sehr viel und genau diese Tatsache hat begünstigt, dass hier so viel Industrie ansiedeln konnte. Für den Betrieb der Hämmer war Wasser wichtig und das gibt es hier in Form von kleineren und größeren Bächen reichlich. Stets sucht sich das Wasser von den Hängen kommend seinen Weg und speist so Saalbach und Gelpebach. Der Saalbach füllt zum großen Teil die Ronsdorfer Talsperre.

Gelpetal (11)
Ginster und Heide wachsen hier seit der Renaturierung wieder

Gelpetal (10)Plötzlich erblicke ich einen ungewohnt bunten großen Flecken in der Landschaft. Dort wo seit dem Bau der Hochspannungstrasse  Adlerfarn den heimischen Pflanzen des Garaus gemacht hatte, hat der Mensch mit Planierraupen 2006/2007 eingegriffen und so dem Adlerfarn ein Ende bereitet. Seit dem wachsen hier zunehmend wieder die unsprünglichen Pflanzen, nämlich insbesondere Ginster und Heide, die als Samenkörner tief in der Erde darauf gewartet haben wieder ans Tageslicht zu dürfen.

Gelpetal (15)Für den, der keine Lust hat sich die Augen zu verbiegen um des Schildes Nachricht zu lesen, hier für Bequemies: „Und wenn ich wüßte, daß morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen“ so sagte Martin Luther einst und das steht hier als Symbol für die Bemühungen der Stadt und Naturschützer, den Erhalt der Streuobstwiesen wieder zu fördern.

Gelpetal (22)Die Ronsdorfer Talsperre wurde 1998/1899 gebaut und war die 6te Talsperre in Deutschland. Früher als Trinkwasserspeicher für Ronsdrof genutzt musste sie nach und nach wegen baulicher Mängel auf 6 Meter Staustand reduziert werden.

Der 1994 gegründete Förderverein Ronsdorfer Talsperre e. V. setzte sich für den Erhalt der Talsperre ein, bis diese 1999 vom Wupperverband übernommen wurde. Während der Sanierung ab Jahr 2000 wurden Maßnahmen zum Schutz der Wassertiere eingeleitet, u.a. das Einsammeln der dort lebenden Flußkrebse und das Abfischen aller dort lebenden Fische. Der Erhalt der hier lebenden Tier- und Pflanzenwelt ist in diesem Gebiet bis heute ein mit vielen Schautafeln unterstützes Interesse der Naturschutzbehörde.

Was hier an Naturschutz sonst noch geleistet wird, kann der interessierte Wanderer auf einer 8km kurzen Wanderung über den mit 16 Schautafeln versehenen Wanderweg  Naturerlebnis Grund  erfahren

Gelpetal (27)

Gelpetal (26)

 

Hach mir ist nach Pause und einer anständig warmen Tasse Tee. Prima, da vorne ist eine Hütte, da will ich halten und mich stärken. Die Strecke ist ja wahrlich nicht lang, aber schnell legt man sich lang. Die Pfade sind schneebedeckt und darunter verbirgt sich nahezu überall Eis. Ein Glück, dass ich heute die Stöcke mit dabei habe, die kommen doch hin und wieder zum Einsatz.

Gelpetal (28)Heute leider nicht so nah wie sonst, aber ein paar Pferde müssen immer auf den Chip.

Ich kann und will hier keinen Geschichtsunterricht abhalten und so beschränke ich mich des weiteren überwiegend auf Fotos.

Gelpetal (25)Ach ja, dieses nette Schild war auch zu sehen, wohl mit dem Wunsch hier die menschlichen Ferkel zu vertreiben oder mindestens zu ermahnen. Nur wäre mir lieber, sie würden nicht in andere Reviere weichen, sondern von der Krankheit „Ich werfe meine Abfälle ins Gebüsch“ geheilt werden.

Gelpetal (30)Und nun musste ich doch grinsen, denn der Name Speckshämmerchen ist ja wirklich niedlich.

Leider macht der glatte Untergrund ein näheres Heranpirschen an das fotografisch interessante Objekt unmöglich und so muss ich auch dieses Vorhaben auf eine eisfreie Jahreszeit verlegen. Den Zoom der Kamera bemüht, kann man wenigstens ein wenig erkennen.

Gelpetal (31)

Gelpetal (32)Es gibt viel zu sehen, auf dieser Runde, wie auch den Schornstein des Jansenkotten. Hier gibt es auch einen prima vereisten Parkplatz, also nichts für mich und mein Auto.

In der unmittelbaren Nähe befand sich hier einst das Gasthaus „Bergisch Nizza“ das aber schon vor langer Zeit abgerissen wurde.

 

Gelpetal (33)

Mehr will ich hier nicht erzählen, denn der interessierte Leser wird sich gerne auf den Weg machen und sich vor Ort anschauen, was das Gelpe- und Saalbachtal zu bieten hat. Wenn die Bäume wieder ihr grünes Kleid tragen, macht das wandern dort noch viel mehr Spaß.

 GPS Track und hier die Karte zur groben Orientierung und unter Berg-Mark-Wege gibt es Informationen zu einer abgekürzten Version meiner heute vorgestellten Tour.

Karte

Und nun ein wenig gewürfeltes

17 Kommentare

  1. Halo Elke, schön geschriebener Bericht mit eindrucksvollen Bildern untermauert. Sollte mir die Gegend auch mal näher anschauen. Es scheint sich zu lohnen. Deine Zeilen machen jedenfalls Lust aufs Bergische Land.

    Liebe Grüße Michael

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    • Für mich ist die Anfahrt in eure Richtung auch jedes Mal eine Himmelfahrt :-), da muss man schon Nerven zeigen :-), aber das Bergische ist schon eine schöne Ecke und wenn die Sonne scheint, geht die Zeit schneller herum 🙂

      LG Elke

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    • Hallo Wolfgang,

      wenn ich einmal draußen bin ist es fast egal, wie das Wetter ist, hauptsache draußen.
      Jetzt habe ich wieder eine Kompaktkamera, die alte ist ja kaputt gegangen. So schleppe ich bei Kälte oder Regen die große nicht mehr unbedingt mit. 🙂
      LG an euch
      Elke

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  2. Dein Wanderbericht hat mir wieder sehr gut gefallen, Elke. Schön, dass Du auch Gefallen an menschlichen Aktivitäten (industriellem Erbgut) findest und schön, wie sich die Natur manches (mit oder ohne Hilfe) zurückerobert. Eigentlich sind wir naturmäßig seit den schrecklichen 60-er Jahren schon einen weiten Weg gegangen; das gibt Hoffnung und stimmt optimistisch für die Zukunft. Wollte noch sagen, dass ich gestern auf meiner Wanderung die ersten Kiebitze gesehen habe. Auch das stimmt hoffnungsvoll … obwohl es jetzt schon den ganzen Tag schneit.

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    • Ja die Tätigkeiten unserer Vorfahren interessieren mich sehr. So vieles kenne ich noch nicht und wenn ich bedenke, dass die 12 Stunden täglich solche schweren Arbeiten verrichten mussten, wundert es nicht, das die Lebenszeit unserer Vorfahren doch recht kurz war.
      Heute gab es eine Sendung über den schwierigen Versuch die Lachse wieder zu ihren Laichplätzen gelangen zu lassen, welche ungeheuren Hindernisse in Form von Kraftwerken gebaut wurden und welcher Aufwand nötig ist, den Tieren eine Umgehungsroute zur Verfügung zu stellen. Überall muss renaturiert werden.
      Ich habe schon in deinem Bericht über die Kiebitze gelesen, Kraniche, Störche, Kiebize….nun soll es doch was werden, mit unserem heiß ersehnten Frühjahr 🙂

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  3. Hallo Elke
    Als ich die Überschrift las dachte ich, au weih 😮 wo isse den da gegangen 😀 Industrie? Da dachte ich zuerst, Mensch die Läuft doch nicht etwa zwischen alten Hochöfen, und anderen Industriellen Anlagen herum 🙂

    Als ich den Beitrag dann aber gelesen habe, war ich begeistert, es steckt sehr viel altes geschichtliches drin, was ja immer interessant ist, die Bilder bringen das auch ganz gut rüber. Was es da mit der Fläche wo nun das viele Erika wächst, genau mit auf sich hat da Rätsele ich noch etwas. Du schreibst Hochleitungstrassen, wie muss man sich die vorstellen? Ich vermute mal eher nahe am Boden liegend?

    Die Strecke sieht sonst sehr abwechslungsreich aus und ist im Frühling wenn es etwas grüner ist bestimmt wunderbar zu gehen.

    Danke für den schönen lehrreichen Beitrag, den muss ich auch mal nach gehen 🙂

    LG Markus

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    • Hallo Markus, ich habe einen falschen Begriff gewählt, ich meinte Hochspannungstrasse. Durch Rodung der Wälder hatte der Adlerfarn Platz sich auszubreiten. Ursprünglich wuchsen hier aber vor jahrzehnten andere Pflanzen, deren Samen noch in den unteren Bodenschichten ruhte.
      Übrigens, ein Besuch der Zeche Zollverein steht bei mir schon seit Jahren auf dem Plan. ALso so abwegig ist der Gedanke garnicht und in Hattingen im Industriemuseum war ich auch schon. Sehr interessant

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