Eine Runde über den Rheinsteig bei Unkel

P1020835Die kleine Wanderfibel Siebengebirge hat es mir angetan. Also nehme ich auch heute eine dieser Wanderungen als Grundlage für meine heutige Tour. Die Seite Siebengebirge – Geh doch mal  bietet Informationen zur Gegend und die GPX Tracks und so bediene ich mich an diesem Service und schnell befindet sich die Tour „Unkeler Rheinsteig“ auf meinem Dakota 20.

P1020594Den Rheinsteig  auf der Strecke Bad Honnef- Unkel-Linz  habe ich in Teilen und auch komplett schon einige Male erkundet. Unkel selber habe ich aber bisher nicht näher angeschaut. Das habe ich natürlich nachgeholt, lag ja auch auf der Strecke.

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Wie so oft, gelingt es mir mit gewohnter Präzision die Strecke verkehrt herum anzugehen. Das sollte sich später als Gewinn heraus stellen, denn die Uferpromenade von Unkel in der morgendlichen Sonne zu erleben war unglaublich schön. In dem Augenblick, als ich die historische Altstadt von Unkel betrat habe ich mich verliebt. Passiert selten, dass ich ein Gefühl von Heimat irgendwo verspüre, aber hier ist das geschehen. Diese Asphaltstrecke durch Unkel ist eine der schönsten der letzten Wochen.

P1020612Unkel ist bekannt geworden durch den Rotwein und einige berühmte Persönlichkeiten wie Willy Brandt ( Er hat 1979 bis zu seinem Tod 1992 dort gewohnt) Das Willy Brandt Forum enthält ein zeitgeschichtliches Museum mit dem privaten Arbeitszimmer des Politikers als Mittelpunkt der Ausstellung.

Ich laufe auf den Rhein zu, entlang herrlicher Gebäude (Unkel bekommt einen Einzelbesichtungstermin) und schwenke dann auf die Günther- Lauffs- Promenade.

Günther Lauffs PromenadeEiner der Geschäftsleiter der Firma Rabenhorst
Günther Lauffs Promenade
Einer der Geschäftsleiter der Firma Rabenhorst

Die Promenade wurde nach dem Ehrenbürger Günther Lauffs  benannt. Er hat über viele Jahre die Firma Rabenhorst geleitet. Viele kennen noch den regelmässig verabreichten Rotbäckchensaft dieser Firma.

P1020640Die Promenade wirkt sehr gepflegt und es macht Spaß in der Frühjahrsonne den Schiffen nach zu schauen. Unkel wirbt hier mit umweltfreundlichem Umgang sowohl mit der Natur als auch sorgsamen Gebrauch von Energien.

Gleichzeitig befinde ich mich schon auf dem Lein- bzw. Treidelpfad, der sich hier am Rhein von Basel bis in die Niederlande, fast vollständig erhalten, zieht. An der Ruhr bin ich erstmalig auf solche einem Pfad gewandert. Früher wurden diese Pfade genutzt um die Frachtschiffe per Zugtier zu ziehen.

Dem Leinpfad folge ich bis Rheinbreitbach, dort biege ich nach rechts ab (links wäre ich im Rhein gelandet). An Kleingartenanlagen geht es auf schmalem Wiesenpfad entlang bis zur Bahnstrecke.

P1020657Die Schranke öffnet sich auf Zuruf (wenn nicht gerade, wie hier, ein Zug anrollt), es gibt hier tatsächlich noch einen Schrankenwärter. Nach Überqueren der Gleise wieder ein kurzer Zuruf „Gleise frei“ und die Schranke schliesst sich wieder. Schöne alte Tradition.  Wobei die Zugdichte auf dieser Strecke ein Wohnen in der unmittelbaren Nähe für mich unerträglich machen würde.

Rheinbreitbach ganz alt
Rheinbreitbach ganz alt

Nun folgt ein Gang durch die Straßen Rheinbreitbachs, auch „Das Fenster zum Siebengebirge“ genannt.Hier erblicke ich ebenfalls alte Häuser und Fassaden.  Alles wirkt auf mich, als sei ich rd.  50 Jahre zurück versetzt in den damaligen Wohnort meiner Oma, in Nümbrecht.

Ich habe bereits Kaffeedurst und ein kurzer Blick über die Straße verleitet mich ein Geschäft zu betreten, das skurriler kaum sein kann. Eine Mischung aus Antiquitäten- und Blumenladen, links eine Sitzgruppe mit großem Tisch, belegt durch zwei ältere Damen des Ortes und im hinteren Teil eine Bäckertheke.
Auf meine Frage nach einem Kaffee läd mich die Dame des Hauses ein doch Platz zu nehmen. Und so sitze ich zusammen mit den Damen des Ortes bei einem Schwätzchen.

„Wo kommen Sie den her“
„Aus Leverkusen“
„Ach, da arbeitet mein Sohn“

Heiliger Bimbam, so klein ist die Welt. Nach ausführlicher Erläuterung wie man es am besten anstellt vernünftige Kinder groß zu ziehen, läutet die Uhr zur Mittagszeit.
12:30 – 15:00 Uhr wird nämlich das Geschäft geschlossen.

Ein Blick zurück auf Rheinbreitbach
Ein Blick zurück auf Rheinbreitbach

P1020673Weiter geht es durch Rheinbreitbach, dessen inzwischen sanierte Unterburg sicher auch mal eine eingehendere Besichtigung wert sein dürfte. Den steil aufgehenden „Klettersteig“ zur Koppel hoch finde ich nicht und nehme einen ebenso steilen Pfad mit Stufen ein Stück weiter. Nichts für Weicheier, die Stufen sind richtig hoch und für Kinder unerreichbar. Und oben geht es dann nach links zum Aussichtspunkt Koppel

Der Koppel ist eine ca. 100 Meter hohe Erhebung östlich des Ortskerns von Rheinbreitbach. Bei klarer Sicht kann man von hier den Kölner Dom und bis weit in die Eifel hinein sehen.

Blick auf den Drachenfels
Blick auf den Drachenfels
Blick auf Rheinbreitbach
Blick auf Rheinbreitbach

Nach ausgiebiger Betrachtung der umliegenden Umgebung und den Ausblicken (den Drachenfels liebe ich besonders, weil ich ihn sofort erkenne 🙂  ), geht es für mich weiter, wieder den Weg hinunter.

P1020685Es muss hier Satanisten geben und das beunruhigt mich schon etwas. Warum lässt eine Gemeinde so eine Hütte stehen und mit dieser Aufschrift? Sieht nun nicht wirklich unheimlich aus, leider ist die fast gegenüber liegende Rasthütte nicht viel einladender. Mag sein, dass da noch ein Frühjahrsputz aussteht, so setzt sich dort aber sicherlich niemand hin.

P1020688Die Wege waren bis hierher recht gut begehbar und die Witterung war, obwohl jetzt langsam Wolken aufzogen, sehr angenehm. So allmählich konnte ich die Fleecejacke ausziehen.

P1020687Dieses Bild hier habe ich nur aufgenommen, weil auch hier spontan Bilder aus den Jahren 1994-2001 aufstiegen. In dieser Zeit verbrachten mein damaliger Partner und ich viele Wochenenden und Urlaube in Lommel/Belgien. Die Landschaft dort hat einen ähnlichen Charakter wie hier auf dem Foto zu sehen ist. Vorallem die Kiefern sind es, die diese Erinnerung wecken. Es war eine wunderbare Zeit, an die ich gerne zurück denke.

P1020689Um ein wenig dem Asphalt zu entfliehen wich ich später auf Reitwege aus, die ihrer Natur nach schon matschiger sind. Trotzdem empfinde ich das dann doch als angenehmer, als nur Häuschen zu schauen.

Teilweise liegt noch Restschnee an schattigeren Stellen, der hoffentlich bald verschwinden wird. Das Sonnenlicht fällt zwischen die Bäume auf den Laubboden und malt herrliche Schattenbilder.

Reste einer Kupfererz-Aufbereitsanlage des Bergwerks Virneberg
Reste einer Kupfererz-Aufbereitsanlage des Bergwerks Virneberg

P1020714_bearbeitet-1Breite Heide, ein Ortsteil Rheinbreitbachs, ist 16/17. Jahrhundert durch die Anfänge des Bergbaus entstanden.
Hier gerate ich dann auch auf den Rheinsteig, dem ich im groben für den Rest des Weges zurück nach Unkel, folgen werde.

P1020735Vielleicht nicht für jeden verständlich, aber irgendwie hat mich diese kleine Kriegsgräberstätte angesprochen und meine Rast für Bütterchen und Ingwertee halte ich hier ab.

P1020736Weiter geht´s an vollkommen abgesoffenen Weiden und Wiesen entlang. Man hat dort derzeit nicht mal Vieh stehen.

P1020754Diese Eindrücke habe ich noch gut von vorigen Touren in dieser Gegend im Sinn.

P1020761Rasten muss ich an diesem Aussichtspunkt noch nicht, aber kurz schauen und mich erinnern, wie es im Herbst hier ausgesehen hat, dafür reicht die Zeit.

Rechts von diesem Rastplatz liegen die Weinberge von Unkel, zur Zeit nicht so attraktiv anzuschauen.

Die Weinberge entlang geht es dann hinunter wieder nach Unkel. Auf dem Weg höre ich über mir die Kraniche rufen. Inzwischen ist mir klar geworden, dass die den Frühling zwar rufen, aber mitbringen tun sie ihn nicht. Es hat bei Eichsfeld ein Sterben dieser Vögel gegeben, weil sie in Nebel und sehr ungünstigen Thermiken die Orientierung verloren haben und gegen Gebäude und LKW geknallt sind. Ein trauriges Ende unserer Frühjahrsboten.

P1020773Am Stuxhof angekommen, entscheide ich mich noch für einen Abstecher zum Aussichtspunkt Stux mit Blick auf Unkel.

Hier am Stuxhof gibt es übrigens so manche Leckerei zu kaufen, u.a. auch Wildfleisch.

Blick von Stux auf Unkel

Blick von Stux auf Unkel

P1020793Nur kurz verweile ich hier und laufe in einem Bogen wieder auf den Abwärtspfad Richtung Unkel Innenstadt. Und auch im Wald beginnt das Frühjar seine Wirklung zu zeigen. Leider kenne ich das Pflänzchen nicht, aber es gab reichlich Knopsen hier.

Unten in Unkel angekommen, geht es schnurstracks zum Auto und flink den kleinen Rest Fahrstrecke bis Linz zurück gelegt. Dort wartet die kleine Enkelin auf die Oma. Und der gemütliche Teil meines Aufenthaltes hier ist eingeläutet.

Den GPS Track zur Strecke finden Sie hier: GPS

Und noch ein paar fotografische Eindrücke folgen nun

16 Kommentare

  1. […] Unkel soll es sein und hierzu gibt es die Tour  – Hähnerbach und Erpeler Ley aus der Wanderfibel Siebengebirge.  Auf der Seite Siebengebirge – Geh doch mal  bekomme ich den GPS Track und die Information zur Tour. Besonders der Reichtum an Pfaden macht diesen Weg für mich interessant. Weite Teile der Strecke führen über den Rheinsteig oder/und dessen Zuwegungen. Im Frühjahr war ich schon einmal hier, allerdings auf anderen Wegen. Schauen Sie auch meinen Bericht: “Eine Runde über den Rheinsteig bei Unkel” […]

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  2. Liebe Elke,
    so einer schöner Bericht! Ganz lieben Gruß aus Unkel…
    Ich fühle mich geehrt unser Zuhause auf einem der Bilder zu finden.
    Nächste wichtige Termine für Unkel:
    Pfingsten: „design + gestaltung am rhein“ in Unkel am Rhein
    https://www.facebook.com/Design.Gestaltung.Unkel
    1. Juniwochenende: Unkeler Gärten
    http://www.gartenfesttage.de/besucher.html
    1. Septemberwochenende: Kunst in Unkeler Höfen und Wein-und Heimatfest
    http://www.unkeler-hoefe.de/
    Viel Spaß beim Stöbern….nicht zu vergessen „Ars Fontana“ Musik in Unkeler Gassen
    http://gitarrenhommerich.de/arsfontana/

    Bestimmt habe ich noch ein paar Events vergessen…

    Lieben Gruß
    Stefanie Marinkovic

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    • Hallo Stefanie,
      vielen Dank für die Veranstaltungstipps. Ich werde ganz sicher noch öfter in Unkel sein. Es herrscht eine so schöne Stimmung in den Straßen und die Promenade ist wunderschön. Ganz liebe Grüße nach Unkel
      Elke 🙂

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  3. Hallo Elke

    Mir viel dein beitrag besonders auf, weil ich die Ansichten so noch nicht kannte, und ich mich letztens schon fragte ob man da oben nicht auch mal wo gehen könnte 🙂 . Wenn man in Bad Honnef ist, geht man ja erst mal 45minuten durch die Stadt bis man am Wald angekommen ist 😦 . ich meide diesen Ecken daher meist.

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  4. Liebe Elke,
    in dieses hübsche Unkel hätte ich mich sicher auch gleich verliebt. Schon wegen des Namens! Und gute Tipps, wie man vernünftige Kinder groß zieht, konntest du auch noch mitnehmen. Naja, du wirst das sicher nicht an deinem Enkelchen ausprobieren, denke ich. 😀
    Um die Kraniche ist es traurig…
    Aber du hattest eine schöne Frühlingstour, und ich würde mich dem Frieder gern anschließen.
    Ganz viele liebe Grüße an dich, und ich schicke dir viele Sonnenstrahlen
    Katrin

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    • Ja, das war schon witzig, aber so ist es auf den kleineren Dörfern. Da wird über so etwas gerne erzählt.
      Meine kleine Maus besucht mich am Dienstag wieder für ein paar Tage :-). Ich freue mich schon so sehr 🙂
      Dir ganz liebe Grüße und bis ganz bald
      Elke 🙂

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  5. Hallo Elke,
    das ist auch unsere nächste Etappe. Jetzt freuen wir uns noch mehr darauf. Sehr schöne Beschreibung !!
    Gruß aus dem verschneiten Herford
    Bernd

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    • Oh bei euch schneit es auch, wie toll 😦
      Wenn ihr die Etappe geht, müsst ihr um an den Rhein zu kommen, an der Stux Höhe runter nach Unkel. Der Rheinsteig führt nicht direkt daran vorbei.
      Ich wünsche euch viel Spaß, wenn ihr loszieht
      und liebe Grüße
      Elke

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        • Achja, ich gehöre ja selbst in der Arbeitswoche zu denjenigen, die Freitags 12:30 Uhr Feierabend machen können. Da lohnt es sich, noch eine Runde durch nahe gelegene Gebiete zu machen.
          Aber Samstag Guido, Samstag soll es zwar kalt und zugis, aber trocken und auch sonnig werden. Warm eingepackt geht da vielleicht eine kleine Runde 🙂
          Wie auch immer, es wird Zeit für ein wenig Stabilität in der Wetterlage aber in die richtige Richtung 🙂

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  6. Hallo liebe Elke,
    das hast du aber sehr nett geschrieben. Man erkennt doch deine Liebe zu deiner Heimat. Dazu ist dein Bericht auch sehr informativ. Wenn es von mir aus nicht über 450 Kilometer wären ich käme bestimmt manches Wochenende hierher, um deine Touren nachzuwandern.
    Liebe Grüße
    von Frieder

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    • Danke lieber Frieder 🙂
      es war gestern einfach ein herrlicher Wandertag mit ganz besonders schönen Anblicken :-). Ja, leider ist auch für mich die Entfernung für einen Kurzausflug, zu weit.
      Ich sende dir liebe Grüße aus dem Schneeregengebiet Leverkusen
      Elke

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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