Ein Besuch bei den rot gelockten Mangalitzaschweinen

Ja richtig gelesen, rote Locken schmücken diese besondere Ur- Schweinerasse, vor allem im Winter. Mehr Informationen zu dieser Rasse und den vorzüglichen gesundheitlichen Vorteilen dieses Fleisch zu geniessen, lesen Sie bitte am Ende des Artikels.

Das Fotoalbum zu diesem Tag finden Sie wie immer bei Picasa: Album

Erstmalig habe ich von diesen leckeren und sehr gesunden Schweinen von Michael, unserem Oberwanderteufel, gehört und gelesen. Er arbeitet in der Lebensmittelbranche und war nach einem Besuch in Ungarn, dem Ursprungsland der Mangalitzas, total begeistert. Immer wieder hat er mir die Nase lang gemacht, wenn er von dem einmaligen Geschmack dieses Fleisches erzählt.

_EBL1273Im Herbst des vergangenen Jahres erfuhr ich auf irgend einem Weg von Barbara und ihrer Wollschweinefarm in den Niederlanden. Seit dem stehen wir in Kontakt und wir verabredeten, dass ich sie nach der Geburt der Winterferkel besuchen komme. Einem der neu geborenen Ferkel durfte ich einen Namen geben „Frauke“ heißt es nun. Aber aufgrund meiner Erkrankung muss ich von einem Besuch leider Abstand nehmen. Monat um Monat wird verschoben und nun, fast ein Jahr später sind wieder Ferkel da. Noch einmal verschieben?

Nein, nun lässt sich mein Vorhaben verwirklichen und so war ich gestern in Ermelo in einem wunderschönen Haus in Gelderland, erlebe einen wirklich schönen Tag.

Mangalitza_Tag (20)Nach einem Kaffee, den ersten Plaudereien und ein paar köstliche, von ihrem Gatten produzierten Keksen, machen wir uns auf den Weg zu den Wiesen mit den rothaarigen  Schweinen. Inzwischen habe ich schon eine Fülle an Informationen erhalten, die ich gar nicht alle in meinem kleinen Hirn speichern kann 🙂

Die beiden Sauen mit ihren Ferkeln kommen so schnell angesaust, dass ich so schnell gar nicht die Kamera schussklar habe. Und unmittelbar hinter den Weibern erscheint auch der Herr der Rotte.
_EBL0917_EBL0942Inzwischen erreicht uns Igor bedrohlich schnell. Barbara hatte mich gewarnt ihn nicht zu unterschätzen. Da Igor derzeit an keine der Sauen darf, ist er manchmal etwas unberechenbar. Die Damen wimmeln ihn unsanft ab, wenn er decken will, solange sie noch säugen. Während ich den Guten auf mich zukommend fotografiere, kommt von Barbara: “ Ich würde mich jetzt in Deckung bringen“, schwups schnell über den kleinen Elektrodraht geklettert, den Igor so gar nicht berühren mag. Igor ist nett zu seinem Nachwunchs, es sei denn sie stehen auf irgendeinem Wiesenstück, wo er noch etwas fressbares vermutet.

_EBL0962_EBL0958Dann begibt sich Barbara zu ihrem Pascha und krabbelt ihn an seinem Schinken und flüstert ihm etwas in seine Schlappohren und siehe da, dieses riesige Tier legt sich genüßlich grunzend auf die Seite. Der fällt geradezu in einem hypnotischen Zustand einfach um. Also mich bringt niemand in seine Nähe, die Hauer sind trotz seines noch jungen Altern, recht beachtlich.

_EBL0959Mit völlig verklärtem Blick rappelt er sich am Ende der Krabbelminuten wieder auf.
P1140909In sicherer Entfernung zu Igor traue ich mich an die Ferkel, die sich säuberlich in eine Reihe gelegt haben, um zu ruhen.
_EBL0983 Mangalitza_Tag (140)

Wer im Weg steht, vorallem auf Futterplätzen, wird sanft aber bestimmt aus dem Weg geräumt
Wer im Weg steht, vor allem auf Futterplätzen, wird sanft aber bestimmt aus dem Weg geräumt

Bevor wir auf die andere Weide gehen gibt Barbara dem kastrierten Homer ein Brot. Was dann geschieht, als Igor das von sehr weit weg mit bekommt, sehen Sie in dem folgenden Video.

Da gibt es Leckrchen, gaaaaanz bestimmt
Da gibt es Leckerchen, gaaaaanz bestimmt
Darf ich vorstellen? Ich bin ein Bentheimer Schwein, auch eine besondere Rasse
Darf ich vorstellen?
Ich bin ein Bentheimer Schwein, auch eine besondere Rasse
Ich häng mich an die Milchbar, irgendwann legt Mama sich schon hin
Ich häng mich an die Milchbar, irgendwann legt Mama sich schon hin

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Da ist bestimmt was leckeres drin
Da ist bestimmt was leckeres drin. Meine Handtasche hält eine Menge aus 🙂
Platz da, ich will auf den warmen Kuschelplatz
Platz da, ich will auf den warmen Kuschelplatz
two noses
two noses
Mama und Sohn
Mama und Sohn
Der  Speck des Mangalitzaschweins
Der
Speck des Mangalitzaschweins

Nach dem ausgiebigen Besuch der Schweinerl und rd. 500 Fotos kehren wir zum Haus zurück.

Dort kündigt Barbara an, Speckpfannkuchen backen zu wollen. Gesagt, getan und schon bald habe ich den leckersten Pfannkuchen vor mir stehen, den ich je gegessen habe. Hauchdünn der Teig und lecker knusprig und gar köstlich die fleischliche Einlage.

Mangalitza Speckpfannekuchen
Mangalitza Speckpfannkuchen

_EBL1220Die Hausherrin isst den Pfannkuchen mit Speck ebenso, verteilt aber vorher noch eine ordentliche Portion selbst gemachte Marmelade auf dem lecker, herben Stück….grusel

Gut verteilt in dem bisherigen Tag, hat Barbara mir die verschiedenen Produkte vor gestellt, die sie aus dem Schweinefett her gestellt hat. Dabei ist sie ausgesprochen fantasievoll. Dann bittet sie mich, meine Hände mit einer Ladung des sehr weißen Fettes einzuschmieren. Widerwillig tue ich, wie mir befohlen. Mir ist nämlich in Erinnerung wie schwer Fett von den Händen zu bekommen ist. Der folgende Film zeigt, wie irrig diese Annahme beim Fett des Mangalitza Schweins ist.

Unglaublich, aber dieses Fett lässt sich mit wenig Seife und Wasser schnell und rückstandslos beseitigen.

_EBL1235Im Anschluß an diesen Teil des Tages machen wir uns zu einem kleinen Spaziergang durch die nahe Umgebung auf. Während dieser Zeit kam auch wieder eine unglaublich Fülle an Information zur Gegend, zu den Gepflogenheiten, zu den Orten die wir aufsuchen, wie z.B. einen Dachshügel,  das Landgut Staverden dessen Zuwegung „golden laantje“ genannt wird, also Goldener Weg oder Allee, auch die weißen Pfauen haben ihre Geschichte hier im Ort.

Mangalitza_Tag (498)_EBL1238 _EBL1244 Mangalitza_Tag (540)_EBL1278Dies alles könnte man sicher auch bei Barbara buchen, wenn das Interesse besteht und Sie einmal in dieser Gegend Urlaub machen. Sie würden dann nicht nur diese tollen Schweine kennen lernen, sondern auch eine Menge über die Gegend in Erfahrung bringen können. Urlaub dort macht Spaß. Immerhin ist das Gelderland, bzw. die Hooge Veluwe Naturschutzgebiet. Dort gerade in der bald beginnenden Brunftzeit auf Rehe zu treffen ist ausgesprochen wahrscheinlich. Die Kontaktdaten finden Sie hier Barbara

Am liebsten hätte Barbara das ein oder andere ihrer Lieblinge in ihrem Garten.
Am liebsten hätte Barbara das ein oder andere ihrer Lieblinge in ihrem Garten.

Ich habe hier in der Gegend vor vielen Jahren Urlaub gemacht und die Zeit dort sehr genossen. Einer der Landalparks „Rabit Hill“  bietet auch dort für Familien oder Paare schöne Unterkünfte.

So nun zu den Besonderheiten eines Mangalitza Schweines.
Mangalitza ist eine ursprüngliche europaeische Schweinerasse, die seit 200 Jahren unverändert geblieben ist. Das, was wir heute in den Supermärkten und beim Fleischer kaufen ist eine Kreuzung aus diesem Urschwein und dem Chinesischen Fleischschweinerasse. Der Unterschied zwischen beiden ist in jeder Hinsicht sehr groß und bemerkenswert.

Um 1770 wurden erstmalig die Rassen gekreuzt um vor allem schneller wachsende und größere Tiere zu züchten und die Anzahl der Ferkel in einem Wurf zu erhöhen. Man erkennt eine Urrasse  am Ferkel, dass noch den so genannten Pyjama trägt, die hellen Streifen nach der Geburt.

Die Mangalitza´s sind stark behaart und wechseln zu den Jahreszeiten ihr Fell. Im Winter ist die dunkle Haut mit langen, lockigem Haar bedeckt und im Frühjahr verlieren sie dies wieder. Das macht sie zur Außenhaltung geeignet, die sie auch dringend benötigen. Wollschweine wollen graben und viel laufen. Das ist ein wirklich munteres Völkchen.

Mangalitza Sauen werfen nur zwischen 4-8 Ferkel, das ist erheblich weniger als die Hausschweinrassen bringen. Sie können bei bis -20 Grad in ihren von Mama gewärmten Nestern geboren werden. Außerdem sind sie frühestens nach 1 1/2 Jahren schlachtreif. Sie wachsen erheblich langsamer, als ihre gekreuzt gezüchteten Schweinebrüder.

Ein gewöhnliches Schwein ist nach 7 Monaten schlachtfertig heran gewachsen.

Das Fleisch des Mangalitza gesund, es ist stärker marmoriert und sehr fetthaltig. Das Fett ist aber so gesund wie Fischöl- Es enthält einen großen Anteil ungesättigter Fettsäuren, Omega 3 und 6 Fettsäuren.

Mehr zu diesen außergewöhnlichen und hier in Deutschland kaum käuflichen Fleisches erfahren Sie auf den Seiten der IGWÖ  und Arche Austria

17 Kommentare

  1. Das ist ja ein wirklich interessanter Bericht über diese Schweinefarm. Was hat es damit auf sich, dass man das Fett leicht abwaschen kann? Fehlt da etwas ansonsten Ungesundes? Die sehen alle so sauber aus: hat es da auch nach Schwein gerochen?
    LG Ursula

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    • Nein da fehlt nach meiner Information garnichts gesundes, ganz im Gegenteil. Es riecht gut und schmeckt super lecker.
      In dem hinteren Feld war die Suhle und ich sag dir, der Maggigeruch war ordentlich. Es sind auch nur die Sauen, die so nach Magi riechen, sagt Barbara.
      Die graben sehr gerne in der Erde nach Wurzeln und gehen vermutlich nur bei Hitze richtig in die Suhle.
      Da war ja sonst alles recht trocken :-), aber richtig sauber waren die nicht. Das stellt man erst beim Anfassen fest 🙂
      LG Elke

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    • Ursula das Fett der Mangalitza rasse ist grundlegen anders als das anderer Schweine. Es hat sehr viele ungesättigte fettsäuern als „gute Fette“ und ist dewegen sehr fein und nicht „klebrig“ sondern eher ölig! Es ist weicher als andre Schweinefette und schmilzt bei 32 C. Mangalitza’s haben viel „gute gesunde fettsäuren“ cholesterol armes Fleisch und Fett das Schnee Weiss sein sollte bei gutter gesunder Fütterung und ohne Schweine Geruch oder Geschmack daher kann man alles mögliche damit machen was bei anderem Schweinefeet unmöglich ist! Aber ich kann viel erzählen :-)…mann sollte es kosten dann weist du das ich nicht ne tolle Geschichte erzähle sonder es echt so ist 🙂 Ihr seit alle herzlich Wilkommen…:-)

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  2. Wenn man kein Vegetarier ist, kann man das schon ertragen 😉 Ich bin keine, werde keine, esse aber dennoch so wenig Fleisch wie möglich. Wenn Schweine (bzw. Tiere überhaupt) aber so natürlich gehalten werden, dann finde ich das völlig in Ordnung. So sollte es sein.

    Auch für mich ist das jetzt eine Fülle von Informationen, die ich mir wohl noch ein zweites Mal durchlesen muss. Davon mal abgesehen – die Schweinchenfotos sind richtig schön und lassen mich schmunzeln. Ich glaube allerdings auch, wenn man eine persönliche Beziehung zu einem Tier hat, kann man es nicht mehr essen, auch wenn man es nicht selber töten muss. Tja, … wieder so einiges zum Nachdenken. Danke für deinen ausführlichen Bericht.

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    • Das war für mich auch ausgesprochen lehrreich Franka. Mich hat gewundert, dass ich mir aber über die Schlachtung wenig Gedanken gemacht habe, weil ich sehe wie die leben und wieviel Zuwendung die bekommen, auch untereinander.
      Sie können wenigstens in Ruhe und Zufriedenheit leben 🙂
      Tot möchte ich sie mir denoch nicht vorstellen 🙂
      LG
      Elke

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      • Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ‚wir alle‘ (ich nicht) so viel Fleisch essen: wir haben den Bezug zu unseren LEBENsmitteln verloren, wir wissen nicht, wo sie herkommen, dass Fleisch von den Tieren kommt, die wir so nett und niedlich finden. Es ist sicher eine Gratwanderung. Alle Extrempositionen sind nichts für mich, aber ich denke, dass man aus vielerlei Gründen nicht so viel Fleisch essen sollte und dass auch Gemüse und Obst anders produziert werden müssten, als es heutzutage der Fall ist.

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        • Ich esse fast garkein Fleisch, lege einfach keinen besonderen Wert darauf, aber wenn ich es esse, möchte ich möglichst gutes Fleisch.
          Es gibt vieles, das geändert werden müsste und wenn ich von Bioeiern 3 weg werfen muss, weil die schon in der Schale kulern, dann finde ich das ziemlich bedenklich

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        • Franka du hast 100% Recht!!!
          Wir sehen nicht mehr all das was zuvor passierte wenn wir das Schnitzel auf de teller haben :-(……ich schmuse lieber mit denen und sorge dafür das sie gut gelebt haben bis sie „gehen“ müssen……alles ist immer eine Frage wie man es sieht und was man „gelernt“ hat…….und ja ich kann mit denen schmusen und sie zum Metzger gehen lassen. Bei der eigentlichen schlachtung bin ich nicht dabei…das möchte ich auch nicht……..
          Und es ist keines wegs leicht sie aufzu laden und weg zu bringen …..den ich nehme dem Tier das Leben DAS Weiss ich nur zu gut! Aber eine Rasse die nicht gegessen wird stirbt leider aus….DAS war beim Mangalitza 1980 beina der Fall………also hat „essen“ von Mangalitza noch einen weiteren Sinn…aber ich denke machen sehen das anders! So soll und darf es auch sein…..:-)

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  3. Mein „Gefällt mir“ gilt diesmal nur bis zum Bild „Mama und Sohn“. Der abrupte Wechsel vom idyllischen Familienleben zum Speckpfann(e)kuchen hat mich ziemlich kalt erwischt. Da wünsche ich mir, die Schweinchen würden kantapper, kantapper in den Wald hineinlaufen.

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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