Wanderschnecken sind zwar langsam, aber nicht langweilig

Heute ist mein Ruhetag – ob Schnecken wohl auch mal einen ganzen Schneckentag ausruhen? Wie lang ist so ein Schneckentag überhaupt, sie werden immerhin rd. 15 Jahre alt. Nun, ich kann sie nicht fragen, aber beobachten das geht. Glücklicherweise muss ich für dieses Vorhaben nicht mal vor die Tür – außer vor die Balkontüre, die führt ja auch nach draußen.

P1150949Ja ja ich weiß, wer schreibt schon über Schnecken? Erinnert mich an ein gewisses Auto, dem Statussymbol mit „D“.

Schnecken sind kein Statussymbol und trotzdem oder gerade deshalb schreibe ich über sie, die meist verachtet, bekämpft und aus der häuslichen Nähe verbannt werden.

In dieser Geschichte  handelt es sich um die Bänderschnecke, auf meinem Balkon beheimatet. Wie die hier hoch gekommen sind, auf meinen Balkon, das wollten sie mir nicht verraten. Sie waren überhaupt sehr schweigsam, obwohl ich irgendwo las, dass Schnecken beim fressen durchaus als laut schmatzend wahrgenommen werden können.

Heute ist also Wanderruhetag für mich, nicht für die Schnecken, warum das wird später ersichtlich. Mein Körper möchte Ruhe, der ist müde, also widme ich mich dem sehr vernachlässigten Balkon. Abgeblühte Pflanzen entfernen, aufräumen, putzen – alles das was die ordentliche Hausfrau regelmäßig macht und ich als eher weniger perfekte Hausfrau nur sporadisch.

P1150906In meinem großen Pflanztrog, der ebenfalls eine gründliche Reinigung nötig hätte, tummeln sich Schnecken. Zwei habe ich gezählt, später finde ich eine weitere. Noch werden beide Schleimtierchen gut behütet, die eine im Trog, die andere, die Mutterschnecke (vermute ich, weil sie so groß ist) durch die überhängenden Blüten auch draußen an der Außenwand.

Durch meine Aufräumarbeiten werden Sie beide empfindlich gestört.  Sie sind sozusagen ihrer Petunien- Bedachung beraubt und suchen verzweifelt nach Unterschlupf und Nahrung, während die paar Läuseleins sich die Nahrung auf der Schnecke suchen oder darauf hoffen, dass die Schnecke als findige Sucherin eine Pflanze auftreiben wird, unter oder auf der sie alle zufrieden leben können.

P1150929Nach einer Weile des Rastens meinerseits, finde ich keine Schnecke mehr.

P1150970Nach längerem Suchen finde ich sie unter dem Lavendel im gleichen Trog innerhalb kürzester Zeit umgesiedelt. Der Lavendel wird nun von mir radikal beschnitten, ist nötig  und wieder sind beiden obdachlos.  Mama Schneck hat sich erst einmal schmollend in ihr Schneckenhaus verkrochen.

P1150964Auf dem Balkonboden entdecke ich eine sehr kleine Schnecke, die sieht irgendwie ziemlich mitgenommen aus, trotzdem setze ich sie in den großen Trog  und diesen neben meine noch immer fleißig blühenden Fleißigen Lieschen.

Ich wechsele den Ort meines Aufenthaltes und bereite meine Pflaumenpfannkuchen zu und vertilge sie. Bei meiner Rückkehr auf den Balkon hat sich die kleine Schnecke schon in das Fleißige Lieschen Paradies begeben und die große Schnecke ist auf einem Weg….. wohin kann ich nur ahnen.

P1150984 P1150982Inzwischen ist Familie Schneck in ihr neues Heim umgesiedelt, eine hängt an ihrem Trockenruheplatz außen am Pflanzgefäß des noch immer fleißgen Lieschen – solche Plätze brauchen vor allem kleinere Schnecken, damit ihr Gehäuse schön hart wird. Die beiden anderen Schleimer sitzen unten auf der Erde und scheinen zufrieden. Läuse hab ich keine mehr gesehen.

P1150915So langsam geht der Blumensommer auf meinem Balkon zu Ende, einige der letzten Himbeeren reifen noch, Geranien und Impatiens werden noch eine Weile durchhalten und dann teilweise in ihre Winterquartiere wechseln.

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P1150907 P1150910

Ja und die Schnecken, das habe ich gerade erlesen, gehen im Oktober auch in den Winterschlaf, verschließen ihre Gehäuse und wachen erst im Frühjahr mit riesigem Appetit wieder auf. Bis Oktober ist noch Zeit und wer weiß, vielleicht treffen noch mehr der gebänderten Schnecken ein. Geschadet haben sie den Sommer über meiner Pflanzenpracht nicht, also gebe ich ihnen weiterhin ein Heim und vielleicht berichte ich auch irgendwann einmal, was sich weiter ereignet.

Ich hoffe der Ein oder Andere hat ein wenig Spaß an meiner Schneckengeschichte.

Viele liebe Grüße an all die treuen oder auch Gelegenheits-Leser/innen und Kommentarschreiber/innen.

9 Kommentare

  1. Hallo Elke, oh Schneck lass nach… dachte ich zuerst. Eine Story über Schnecken, was gibt’s denn da zu erzählen. Aber weit gefehlt – Du hast mich angenehm überrascht! Allerdings ist mir ein Rätsel, wieso die Deine Blumen nicht anknabbern, bei mir fressen die lieben Kleinen alles ratzekahl!
    Hast Du die Makros mit der kleinen Kamera gemacht? Sind sehr gut geworden!
    Liebe Grüße Ursula

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    • Ich habe keine Ahnung wieso die so zurückhaltend sind, waren ja auch nur die drei Schleimis. Die kleine Kamera setze ich bei fast allen einigermaßen still haltenden Makroobjekten ein. Die Flieger sind für den langsamen Fokus zu schnell. 🙂

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  2. Da hast du dir wieder einen sehr schönen Beitrag aus dem Kreuz geleiert, das du eigentlich schonen solltest, anstatt zu wühlen, zu räumen und zu putzen. Deshalb nimm hier meine Rüge!
    Aber ich kann es dir nachfühlen. Stillhalten kannst du wohl nur unter physischen Zwang 😉
    Pass gut auf dich auf!

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  3. Das sind wirklich richtig spannende und beeindruckende Aufnahmen. Ich werde in Zukunft noch genauer hinschauen, wenn ich am Boden oder im Gestrüpp so ein Schneckchen entdecke. Und aufpassen, dass ich niemals eines mit dem Rad erwische! 😮

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    • Da fällt mir gerade ein, wie ich in meinem letzten Garten jeden Abend die Schnecken aus dem Kartoffelbeet gesammelt habe. Die kleinen Schleimerchen fühlten sich da besonders wohl und haben auch meine zarten Sonnenblumen immer wieder runter gemampft. Ich habe es aber nicht über mich gebracht, ein Tötungsmittel einzusetzen. Da fiel mir das Buch „Der Schneckenflüsterer“ in die Hände, und ich habe ihnen einen Platz auf dem Komposthaufen eingerichtet, wo ich sie täglich mit frischen Salatblättern versorgt habe. 😀

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      • Oooooh liebe Katrin, solche Geschichten finde ich ja sooooo schön. Hi hi, ich habe meinen drei tapferen Wanderern gestern ein Gurkenstück geschenkt :D.
        Ich denke beim wandern oft darüber nach wieviele Ameisen und Kleinstwesen wir dabei zwangsläfig zertreten. Mag übertrieben sein, aber wenn wir als Menschen ständig damit rechnen müssten, dass ein Riese auf uns tritt, weil er uns garnicht wahrnimmt. 😉

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  4. Liebe Elke,
    mir gefällt deine Geschichte sehr gut.
    Es ist eine Freude sie zu lesen und die Fotos reihen sich in deinen erstaunlichen Bilderschatz ein.
    Vielen Dank für den Ausflug auf deinen Balkon.
    Schönen Sonntagabend
    Ilona

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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