Auf den Spuren der Vergangenheit unterwegs im Westerwald – Wildromantische Holzbachschlucht

In einem Gespräch in der vergangenen Woche erwähnt Tina eine Schlucht im Westerwald, genauer Hoher Westerwald, an die sie sich noch sehr gut erinnern kann. Ein toller Spielplatz für Kids, ein Ort an dem man einfach weg träumen kann, so hat sie es empfunden. Es war nur eine kurze Unterhaltung, wie tief ihre Erinnerungen sind, erfahre ich erst, nachdem sie erste Bilder gesehen hat.

Na klar bin ich neugierig auf diesen wundersamen Ort und flugs sind die Informationen von Tina zu einer Rundtour zusammen gebastelt. Wichtige Eckdaten  zu schönen Orten, an die sie sich erinnert, sind u.a. der Wiesensee – der Secker Weiher am Campingplatz – und die Holzbachschlucht. Einen guten Teil des Weges wandern wir über den Westerwaldsteig.

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0002Ich starte zu meiner rd. 21 km langen Tour an der Kirche in Westerburg, dicht beim Schloß. Hier der GPS Track, dazu gibt es noch reichlich Fotos im – Fotoalbum

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0003Wir wandern am Burgmannenhaus, das derzeit eingerüstet ist, vorbei an der alten gusseisernen Glocke, die früher in der Schlosskirche hing. Geschichte, zum anfassen, eine Erinnerung erhalten, die meiner Heimatstadt leider nicht gelungen ist.

Eine der wenigen offenen Flächen – heute gibt es viel Wald – gibt den Blick auf die Liebfrauenkirche auf der Marienhöhe frei. Stöbern im Internet lässt mich erfahren, dass diese Kirche eine Besichtigung wert wäre. Nach alten Plänen wurde sie innen wieder angemalt. Als Kapelle im 15. Jahrhundert gebaut wurde sie 1499 nach ihrem Ausbau geweiht. Viel Aufwand war nötig, sie nach einem Brand 1899 im neugotischen Stil auf den alten Fundamenten wieder aufzubauen.
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Wald, ja der beherrscht heute unser Wanderbild. Dicke Steine liegen wie dahin gewürfelt im Wald  herum, die Sonne zaubert mit ihren Strahlen wirre Licht- und Schattensituationen. Ein Zauberwald und es wird nicht der letzte sein, den wir heute betreten. Nichts stört die Ruhe und selbst der Radfahrer grüßt mit einem Nicken und zieht leise weiter, als wolle er den Frieden des heutigen Morgens nicht stören.

Wunderschöner Wiesensee

Mein erstes Etappenziel wird der Wiesensee sein. Ich bin so froh mitten in der Woche hier unterwegs zu sein, denn am Wochenende dürfte es hier reichlich gut besucht sein. Tretboote fahren, Golf spielen…alle erdenklichen Freizeitaktivitäten werden angeboten und dazu eine attraktive Gastronomie. Das alles erfreut das Wochenendausflüglerherz. Eine eigens errichtete Touristeninformation bietet dazu noch Tipps zum Wandern, Rad fahren und Ausflugzielen in der Umgebung. Auch ein Campingplatz befindet sich westlich vom See, ein großes Hotel für die Golfer wird ebenfalls geboten.

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0068Normalerweise bevorzuge ich ja einsame Wege, aber die Anlage ist tatsächlich ausgesprochen attraktiv gestaltet und so kommt trotz Teerwegen keine Langeweile oder Unmut auf.
Jedes Grün hat einen eigenen Friseur, der anscheinend täglich die Kurzhaarfrisur sichert.

Übrigens sind hier die Wäller zu Hause und einer der regionalen Dichter – Adolf Weiß– hat dieser Region einen Ruf gespendet: Hui Wäller, allemol“, ihm zu Ehren verläuft hier ein Wanderweg.

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0088Nachdem wir einen Teil des riesigen Wiesenseeterrains auf südlicher Seite bewandert hatten, tauchen wir wieder in die Stille der Natur ein, erreichen aber bald darauf die Secker Weiher und den angegliederten Campingplatz.

Secker Weiher

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0094Es ist Mittwoch, die Kinder sind in der Schule, die Ferien beginnen aber bald. Dann wird es hier sicherlich anders zugehen. Die Umgebung läd Alt und Jung ein, sich wohl zu fühlen.

Wer ein wenig Fantasie hat, kann sich vorstellen wie Kinderlachen die Gegend füllt, die Füße im Wasser an einem der Weiher. Die Erwachsenen zum Schwätzchen beim Nachbarn am Zaun stehend, entspannt weil der Jahresurlaub hier verlebt wird. Und wenn die Abendsonne tief steht, werden die kleinen Grünflächen gegossen. Das ist Campingplatzidylle, die nicht jedem liegt, bei mir aber Erinnerungen an eine schöne Zeit in Belgien wach ruft.

Ich weiche nach dieser kleinen Erinnerungseinlage, ein wenig von meinem geplanten Weg ab und besuche die nahe gelegene Klosterruine Seligenstatt,  ein Benediktinerinnenkloster (1181 dem Erzbistum Trier unterstellt). Es ist nicht viel übrig geblieben, von dem einst durch mangelnde Disziplin in Verruf geratene Klostergemeinschaft. Seit 1990 bemüht sich ein Förderverein um den Erhalt der verbliebenen Reste.

Es hat sich gelohnt, ich mag solche Orte und die wärmende Sonne lässt keinen Zweifel in mir offen, den Tag bis zur letzten Minute auszukosten.

Ein Stückchen gehen wir den Weg, den wir gekommen sind zurück und treffen dann wieder auf die ursprüngliche Route, die uns langsam aber beharrlich zur Holzbachschlucht führen soll.
Vorher erreichen wir aber das ausgesprochen attraktive Hofcafe Dapprich. Auch die Lage dieses Cafe´s erinnert mich an die Zeiten in Belgien, dort gibt die reichlich mitten in der Natur, meist nahe den vielen Radwegen gelegen. Hier aber stehe ich leider vor verschlossenen Türen, geöffnet wird um 14 Uhr 😦 schaaade, hier wäre ich gerne eine Weile geblieben.

Die Holzbachschlucht

Wandern_in_und_um_die_Holzbachschlucht_0133Nun steht aber der Begehung der Holzbachschlucht nichts mehr im Wege.

Urige Holzschilder weisen den Weg in die kleine Idylle.

An einem kleinen privaten Friedhof vorbei erreiche ich eine schöne Holzbrücke, die uns inmitten ein kleines Paradies führt.
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Fotos können die wunderschöne Stimmung hier nicht wieder geben, der Weg führt etwas oberhalb des Holzbaches und ist recht kurz. Für mich hätte er erheblich länger sein dürfen. Eine der Brücken ist aus dem für Hundepfoten vollkommen unverträglichen Gitterrosten gebaut. Um seine Pfoten zu schonen läuft er über den schmalen Holzrand.

Seit 1933 ist dieses 21ha große Gebiet unter Naturschutz gestellt. Es erstreckt sich zu beiden Seiten des Holzbaches in einer Breite von rd. 100 Metern. Teilweise ist die Schlucht 30m tief und wird von hohen und steilen Felswänden gesäumt. Der relativ wenig Wasser führende Holzbach hat über die Jahrmillionen dieses Bett in den Basalt gegraben.

Es ist still dort, nur der Holzbach ist zu hören, sein plätschern mal lauter mal leiser. Die Vögel haben sich schon zur Mittagsruhe begeben und nur hin und wieder ertönt ein Zwitschern, ist ein aufgescheuchtes Flattern zu hören.

Durch die Schlucht zieht vollkommen still, ohne einen einzigen Flügelschlag ein Bussard. Ein beeindruckendes Bild, wie im Märchen.

An der Brücke, die uns schnell wieder aus diesem schönen Bereich hinaus führt, sind Rastbänke aufgestellt. Hier lässt sich gut eine Weile aushalten, einfach um die Stimmung zu genießen.

An der Patschesmühle vorbei, immer am Feldrand entlang wandern wir allmählich wieder zurück zu unserem Startpunkt. Friedliche, aber äußerst neugierige Kühe treffen wir an, um dann bald wieder einmal im Wald zu verschwinden, der nun pfadreich, mit vielen Basaltbrocken bestückt bis nach Westerburg führt.

Wir kehren kurz im Biergarten am Katzenstein ein, irgendwie war man wohl auf Gäste nicht unbedingt eingerichtet. Ich bekomme ein alkoholfreies Erdinger und einen Kaffee (ja ja eine komische Mischung)

Was diesen Einkehrort so attraktiv für mich macht ist ein Gast, der offensichtlich öfter hier einkehrt. Im Verlauf unseres Gespräches äußere ich meine Verwunderung über die Kraft des Holzbaches sich durch den Basalt zu graben und spekuliere, dass Basalt evtl. sehr weich sein müsste. Dieser freundliche Gast erklärt mir nun, dass Basalt härter als Granit ist.

Basalt wird, erzählt mir der Gast, zur Abstützung von Deichen genutzt, hier inbesondere die Säulen wurden hier schon früher von den Niederländern zum Deichbau an der Zuidersee genutzt.

Kurz darauf landen wir beim Thema Natur in dieser Umgebung und er erzählt mir von einem Milan, der in der Nähe lebt und sich regelmäßig auf der Wiese hinter dem Gebäude zeigt, vollkommen ohne Angst.

Im Ort angekommen gehen wir noch einmal hoch zum Schloß, um dort genauer in Augenschein zu nehmen, was ich heute morgen nur kurz beäugelt hatte.

Hat sich aus meiner Sicht gelohnt, aber auch hier ist das Restaurant noch nicht geöffnet. Also das war nicht ertragreich, was kulinarisch rasten betrifft. Egal, der Tag war klasse. Den Verlauf auf der Karte könnt ihr hier sehen. Und ein paar Fotos gibt es am Ende auch noch, oder eben oben im Text auf „Fotoalbum“ klicken.

Ein Video habe ich bei Youtube gefunden, wen es interessiert der schaue hier: VIDEO

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3 Kommentare

  1. Hallo liebe Elke,

    das war wieder ein ganz tolles Blog und ich bin begeistert, wie schön und teilweise wirklich märchenhaft, deine Wanderung war.
    Da bin ich virtuell soooooooooooo gerne dabei und es tut gut !!!

    Ich bin auch über die Länge deiner Wanderungen immer wieder fasziniert und überlege sogar manchmal, ob ich das noch schaffen würde.
    Dein Spike ist ein toller Wanderbegleiter und jedesmal, wenn ich ihn auf den Fotos sehen kann, erfreut es mein Herz.

    Apropos Fotos, sie sind wie immer bei dir, ein HAMMER !!!

    Danke für’s dabei sein dürfen und einen ganz lieben Gruß zu dir

    Uschi ❤

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    • Liebe Uschi, so viel Lob 🙂

      Ja die Strecken sind schon lang, aber da ich ja geübt und erst kanpp 60 Jahre 🙂

      Spike ist für mich ein Hihlight, das stelle ich täglich immer wieder fest, ein solcher Gewinn für mein Leben

      Ich grüße dich und wünsche dir eine tolle Woche
      Knuddels Elke

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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