Felsenlandschaft Südeifel – Zwischen Grusel und Faszination

Spontan ist immer gut

Seit Tagen bemühe ich mich im eine Unterkunft an der Mosel und erhalte – logisch im Herbst – mit Vierbeiner nur Absagen. Das frustriert ein wenig, weil dieser Aufenthalt mir wichtig war. Aufgeben gibt es aber für mich nicht und so entscheide ich mich, nach einem ausgiebigen Jammer- und Ersatzfindegespräch mit Wanderfreund Rainer,  zu einem Besuch der Südeifel.

Südeifel und hier vor allem die Luxemburger Region steht schon lange auf meinem Wanderplan. Besonders die unter dem Thema „NaturWanderPark delux“ entstandenen Rundwanderwege sind mir in ihrer noch unbewanderten Form ein Dorn im Auge. Also eine kleine Tasche gepackt, für den Fall, dass ich Unterkunft finde, und sehr früh das Weite gesucht.

Gegen 9 Uhr erreiche ich das in tiefstem Nebel und lausiger Kälte liegende Ernzen. Gerade mal 1,5 Grad zeigt mein Autothermometer, na das macht ja Spaß. Welch ein Glück, dass ich auf Winterreifen unterwegs bin.

Gruseliges Felsenland

Ein verlassener Parkplatz auf der K 20, Koordinaten N49° 50.119′ E6° 26.335′ dient mir als Startpunkt. Hier mein GPS Track  und das Höhenprofil der Tour.

Im Pocketguide zu den Eifeltouren wird diese Rundwanderung „Felsenweg 6“ als leicht eingestuft. Diese Einschätzung teile ich ganz und gar nicht. Es sind zwar keine extremen Anstiege zu bewältigen, aber die Wege durch die Teufelsschlucht und die Felsenlandschaften nötigen den Wandernden schon eine Menge Kondition und vor allem Konzentration ab und das Höhenprofil zeigt schon ein ständiges auf und ab.

felsenweg_6-2Die Irrler Wasserfälle liegen nicht direkt auf dem Weg, hierfür sind rd. 2.5 km zusätzlich einzuplanen und so wie ich es auf der Karte sehe müssten Hin- und Rückweg auf gleicher Strecke zurück gelegt werden. Karin von den Wanderreportern war dort ebenfalls unterwegs, sie hat den Abstecher zu den Wasserfällen gemacht.

Ohne Einkehr im Ernzenhof ist die Strecke 17km lang, ich hatte rd. 21 km auf dem Tacho.

So allein im Nebelwald

Wir sind aber erstmal am Start und damit auf dem einsamen Wanderparkplatz. Nachdem Rucksack, Wanderstöcke, Leine und Spike aus dem Auto heraus sind, suche ich den Einstieg, der sich in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz befindet.

Felsenweg_6 (3)

Eine schmale Treppe führt hinab direkt in den nebeligen Wald und ich kann euch sagen, mir kriecht eine fette Gänsehaut über Arme und Rücken, ein Klößchen bildet sich im Magen ob des gruseligen Anblicks. Schaurig – schön würde ich die Atmosphäre beschreiben und vor 3 Jahren hätte mir niemand erzählen dürfen, dass ich mir das je alleine zutraue.

Kaum vorstellbar, dass es sich bei dieser Felsenlandschaft und zu Stein gewordenen Meeresboden handelt. Die Teufelsschlucht, die ich später durchwandern werde, ist durch einen Felsabbruch in der Eiszeit entstanden.

Schaurig schön

Hier ein paar Eindrücke, die kaum wiedergeben können wie man sich fühlt, so alleine zwischen den hoch aufragenden Felsen,  den teils abgestorbenen Bäumen, die wie knöcherne Finger durch den Nebel zu greifen scheinen. Auch mit weniger Fantasie kann es einem schon etwas mulmig werden 😀

Sonne und Nebel

Langsam gewöhne ich mich an die Stimmung hier, empfinde ja auch eine starke Faszination. Als sich die Sonne allmählich durch die Nebelschwaden kämpft und die Wärme Löcher in das Gespinst reißt, fühle ich mich wie in ein Märchenland versetzt.

Man setze sich auf den Waldboden und betrachte dieses Schauspiel. Kaum zu beschreibende Lichtspiele verzaubern den Wald, grelle Lichtstrahlen durch Lücken in den Baumwipfeln verpassen all dem etwas Grenzenloses.

Teufelsschlucht

Ich habe unglaublich viele Fotos hier geschossen, war einfach hin und weg. Irgendwann rappele ich mich dennoch  auf und schlendere weiter, erreiche den Zugang zur Teufelsschlucht.

felsenweg_6-79Zu meiner Freude treffe ich hier auf ein Wanderduett, denn  in dieser Schlucht ist es ja noch eine Ecke gruseliger, wenn man so allein unterwegs ist.

Gut sichtbar ein dicker Felsbrocken, der zwischen die hoch aufragenden Schluchtwände geklemmt ist. Wer weiß denn schon wann der sich von dort oben verabschiedet und uns hier unten besucht?

felsenweg_6-83

Der Partner der Wanderin beschließt sich in den schmalen Spalt zu wagen, kommt aber nicht besonders weit.

Ein Unterfangen, dass bei mir schon beim Zusehen Beklemmungen hervor ruft und auch hier trotzdem positive Spannung erzeugt, Erwartung….-

Wenn ich die Fotos sehe entsteht der Wunsch nach Wiederholung, aber bitte wieder mit Nebel, Sonne und Gruselstimmung. Bei einem weiteren Besuch möchte ich auch das Naturpakzentrum Teufelsschlucht besuchen. Dort gibt es eine Menge Information über die Entstehungsgeschichte dieser Felsenlandschaft und besonders dieser Schlucht.

Ferschweiler

Am Rande von Ferschweiler treten wir aus dem Wald heraus in die wärmende Sonne. Eine kleine Strecke müssen wir auf einem schmalen Feldweg, parallel zur K20 wandern, bevor wir links abbiegen können, um ein Weilchen an Feldrändern und Streuobstwiesen vorbei zu schlendern.

Es tut so gut die Sonne zu spüren, gerne hätte ich sie noch eine Weile länger für mich beansprucht, aber bald schon erreichen wir den nächsten Waldabschnitt.

Schweineställe

Nachdem ich die Schweineställe durchwandert habe, das ist eine 30m lange Schlucht in die man früher die Schweine getrieben hat, damit sie sich an den Herbstfrüchten satt fressen konnten, lande ich wieder unter freiem Himmel. Leider bin ich an einem der romantischen Plätze dieser Tour vorbei gelaufen, dem Felsenweiher (unbedingt eine Besichtigung wert).  Das Vergnügen die Nachmittagssonne zu genießen wärt nicht so lang, da finde ich mich wieder zwischen Fels und Bäumen.

Das war ziemlich viel Wald

So arbeite ich mich langsam an das Ende dieser Wanderung heran. Ich muss sagen, für heute war das Wald genug. Am Ende des Berichtes gebe ich noch ein paar Tipps für kürzere, aber ebenso interessante Touren.

Im folgenden noch ein paar bildliche Eindrücke, bevor ich an die Liborius Kapelle und damit die südliche Seite der heutigen Tour erreiche. Dort erwarten mich noch einmal herrliche Überraschungen in Form der Aussichten auf Echternach.

Echternach von oben

Nachdem ich den Wald dann dieses Mal hinter mir gelassen hatte folgt ein wirklich übles Endstück. Die letzten paar 100 Meter befinde ich mich im Endspurt direkt neben der inzwischen gut befahrenen K20, bis ich meinen Parkplatz wieder erreiche.

Eine wirklich spannende Tour liegt hinter mir, die ich in verkürzter Form ganz sicher wiederholen werde.

Eine kürzere aber sich nicht leichtere Tour ist der örtliche Wanderweg: Wanderweg 54: Teufelsschlucht – Prümtal – Hälbach – Ernzen mit 8,1 km Streckenlänge. Die Wegeführung reicht unmittelbar an die Irrler Wasserfälle. Siehe folgende Galerie, der Besuch lohnt.

Irrler Wasserfälle

Es gibt weitere Rundwege

Auch die Teuflische Acht  mit nur 5,1 km Streckenlänge aber ordentlichen Höhenmetern bietet sich an, um attraktive Punkte in dieser Region anzusteuern. Hier ein Bericht von Peter Winninger

Weitere Wandermöglichkeiten finden sich auf der Seite des Naturparkzentrums Teufelsschlucht. Dort können auch iPod geliehen werden, um während der Wanderung hierauf gespeicherte Informationen abzurufen. Die entsprechenden Stellen sind auf der Wanderstrecke mit einem leuchtenden Kopfhörersymbol gekennzeichnet. Bitte Öffnungszeiten auf der Webseite erlesen

Nach einer kleinen Rundreise und Suche nach einer Bleibe gerate ich nach Bollendorf zum Waldhotel Sonnenberg. Das kleine gastfreundliche Hotel trohnt geradezu über Bollendorf. Der Blick hinunter ins Tal ist wunderschön und den genieße ich auch von meinem Balkon.

Spike durfte mit auf mein Zimmer und auch in das angegliederte Restaurant Bellevue. Das Personal war ausgesprochen freundlich und zuvorkommend. Wohlfühlen steht dort offensichtlich auf dem Programm.

Leider habe ich das fotografieren auf den darauf folgenden Morgen verschoben, der aber ebenso nebelig begann, wie mein Wandertag in den Felsenlandschaften. Das bedauere ich wirklich, denn auch die Gartenanlagen mit Sitzmöglichkeit sind herrlich.

Direkt vor der Tür startet der Wanderweg: Felsenweg 2  hierüber wird unter anderem die imposante Burgruine Beaufort und das Renaissanceschloss gleich nebenan gestreift. Besuch beider Gemäuer ist möglich, ebenso wie eine angenehme Rast. Siehe Bildergalerie. Einen Bericht liefert uns Peter Winninger

Burgruine Beaufort

Der Felsenweg 5 ist leider noch nicht komplett fertig gestellt. Der wird an der Prümerburg vorbei führen, auch eine schaurig schöne Ruine.

Nachtragen möchte ich noch eine wirklich interessante aber heftig anstrengende Tour, nämlich den E 1, in Echternach startend. Thomas Häger hat hierzu einen Bericht gefertigt. Auf den 13 km liegen haufenweise Highlights aber auch einige Höhenmeter. Echternach als Endziel bedeutet auch die historische Innenstadt besichtigen zu können und eine prima Möglichkeit einer Schlusseinkehr zu haben.

17 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    erst Mal muss sagen, wirklich schöne Bilder und ein toller Bericht.

    Für uns war Luxemburg lange Neuland, doch in diesem Frühjahr haben wir uns entschlossen im Müllerthal zu wandern und es war faszinierend, schlicht überwältigend wie spannend und vielfältig dort die Gegend ist.
    Falls du Lust hast kannst du bei uns auch etwas darüber lesen und sehen:
    http://outdoor-hoch-genuss.de/mullerthal-trail-kleine-luxemburger-schweiz-grandioses-wandern-zwischen-den-felsen/

    Und einen Tipp für eine spaßige Unterkunft in Echternach haben wir auch:
    http://outdoor-hoch-genuss.de/kotas-zeltplatz-camping-officiel/

    Viel Spaß bei all deinen weiteren Wanderungen und vor allem beim Fotografieren :),

    herzliche Grüße, Thomas und Silke.

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  2. Gebe Ursula gerne Recht 😉 Wunderschöne Fotos, wo du die Stimmung absolut richtig eingefangen hast. Würde mir mit der Kompakten nicht gelingen 😦 Selbst war ich mit Annette vor zig Jahren an den Prümer Wasserfällen und in der Teufelsschlucht und neulich mit dem Fahrrad in Bollendorf und Echternach: dein Bericht verstärkt ja nur die Lust, dort wieder hinzufinden. Der Müllerthaltrail steht auch schon lange auf der Wunschliste… … die mittlerweile soooo lange ist…. na ja, kommt scho 😉

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    • Mit der Kompakten gelingen mir solche Aufnahmen auch nicht 🙂

      Oh oh meine Wanderliste sprengt alles, das schaffe ich in diesem Leben nicht mehr 🙂 Immerhin schaffe ich es jetzt mich zu mehrtägigen Aufenthalten zu motivieren. Da sind ausgedehnte Regionserkundungen eher möglich.
      Luxemburg, Prpm etc. haben mich sich auch nicht das letzte Mal gesehen 🙂

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  3. ja, ja die Südeifel ist immer ein lohnendes Wanderziel. Besonders die Felsenlandschaft um Irrel, Bollendorf, Ernzen, Ferschweiler und Echternach, Ich, als waschechter Eifellaner , der sein ganzen Leben in Irrel verbracht hat, kann sehr wohl ihre Begeisterung verstehen. Bin am Sonntag, ich weiß gar nicht, zum wievielten Male, auf dem jetzigen Felsenweg 6 gewandert. Ist für mich auch nach Jahrzehnten immer noch ein Erlebnis. Danke für die wunderbare Reportage und die vielen fantastischen Fotos von meiner Heimat.
    Liebe Grüße
    Werner Adam

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      • Vielleicht war das ja im Kaffee „ Am Erlenweg“? Kann man lecker selbstgebackenen Kuchen essen. Da es mein unmittelbarer Nachbar ist, holen wir uns ab und an, wenn meine Frau nicht zum Backen kommt, dort auch etwas zum Nachmittags Kaffee. Wenn sie es nicht kennen, unbedingt mal einkehren, bei ihrem nächsten Besuch in der Südlichen Eifel. Denn hier gibt es noch unendlich viel Interessantes zu erkunden.
        Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
        Werner

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  4. Hallo Elke,
    toller Bericht und Bilder. Bin damals eine ähnliche Tour gegangen. Von Echternach zur Teufelschlucht und zurück vorbei an dem Felsenweiher nach Echternachbrück.
    Ich hatte auch so ein ähnliches Wetter und fand die Stimmung sehr mystisch. Wenn ein Fabelwesen um die Ecke gekommen wäre, hätte mich nicht gewundert. 🙂
    Kann Dir auch das Müllertal in Luxemburg empfehlen. Der E1 geht direkt von Echternach los. Tolle Schluchtenwanderung. Habe zu beiden auch Berichte geschreiben.
    Wenn ich so deine Bilder sehe, denke ich, dass ich nicht mehr lange warten möchte, bis ich auch wieder runter fahren möchte.

    Lg Thomas

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  5. Samma, Elke, hast Du nicht irgendwo irgendwas von nicht so guten Fotos geschrieben??? Die sind doch allesamt grandios!!! Geben toll die Stimmungen wieder!
    Liebe Grüße
    Ursula

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    • Nein Ursula,
      das war ein anderer Bericht. Hier hatte ich wirklich Glück und Geduld für die Suche nach den richtigen Einstellungen.
      Ach so doch, die Langzeitbelichtungen an den Irler Wasserfällen habe ich bei dir bestaunt und bei mir sind sie nicht gelungen. Also muss ich nochmal hin 🙂
      Liebe Grüße
      Elke

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