Das Leben des Heinrich Böll – Ein Bergischer Streifzug durch Much

Nach kurzem Ringen um eine Entscheidung welcher Weg es denn heute sein soll, gewinnt der Bergische Streifzug Böllweg, den ich erkunden möchte, seit dem mir klar wurde, dass dieser berühmte Schriftsteller aus Köln, der im Jahr 1972 den Nobelpreis für Literatur erhielt,  während der Kriegszeiten in Much gelebt hat. GPS Track

Boellweg_0001Eine berührende Geschichte, der ich auf diesem Weg hautnah begegnen kann, wenn ich die zahlreichen Informationstafeln lese. Genau das habe ich vor und nehme die überwiegenden Asphaltabschnitte auf diesem Weg in Kauf. Entlohnt werde ich mit neuem Wissen, einem traumhaft schönen Tag sowie reichlich Gelegenheit unter freiem Himmel, mit Blick in Felder und Wiesen zu wandern.
Ich starte am Fit Hotel, achte darauf die Parkplätze des Hotels links liegen zu lassen, um die Gäste desselben nicht zu vergrätzen. Noch bevor die Wanderstiefel an meinen Füßen und der Rucksack auf dem Rücken deponiert ist, versammelt sich eine mittelgroße Wandertruppe, die ebenfalls auf den Böllweg möchten. Einige Hunde warten ungeduldig auf den Start.

Damit es sich nicht so knubbelt, ziehe ich schnell ab und bekomme mit auf den Weg „Wir sehen uns bestimmt noch auf dem Weg“. Jo, aber anders als vermutet, denn schon an der ersten Informationsstele wird mir klar, ich wandere mal wieder verkehr herum….tataaaa
Nach rund 6km treffen wir uns später unter Lachen in der Mitte der Strecke!

Boellweg_0007Schnell sind wir auf Feldwegen, sodass Spike sofort ohne Leine seinen wichtigen Amtsgeschäften nachgehen kann.

Interessiert, neugierig wird er beobachtet. Ob der uns das Gras weg frisst?

Nein keine Sorge, die paar Halme sind zu verschmerzen.

Boellweg_0026Es ist kalt. aber windstill und so ist es der pure Genuß in der noch von Nebel verhangenen Landschaft unterwegs zu sein. Bizarre Reste der während des Sommers von Insekten geradezu bevölkerten Pflanzen, stehen dürre am Wegrand. An zarteren Gräsern haben sich die Tautropfen versammelt.
Boellweg_0043Ich liebe den Winter inzwischen ebenso wie die anderen Jahreszeiten. Die von Laub befreite Natur gibt den Blick auf die Dinge frei, die sonst im verborgenen liegen. Das Auge sucht nach etwas Attraktivem und findet dies am ehesten in den kleinen Dingen. So schult jene als dunkel bezeichnete Jahreszeit den Blick für Details viel mehr, als die Jahreszeiten der Fülle und Pracht.

Hier in Much hat also Heinrich Böll gelebt. Zitiert werden etliche Passagen des bekannten Briefes an seine Söhne, in dem er schildert, was sich im Krieg zugetragen hat. Er erinnert an die vielen Menschen in Much, die ihm und seiner Frau hilfreich zu Seite standen, wie z.B. ein Arzt, der ihn immer wieder krank schrieb, ihm Mittel zur Verfügung stellte, die er sich spritzen konnte, um Fieberschübe zu erreichen.

Boellweg_0055Es berührt stark, so intensiv mit dieser finsteren Vergangenheit in Berührung zu kommen, auch mit dem Tod des ersten Kindes Christoph, der Eheleute Böll. Auf dem Friedhof in Marienfeld wurde er beerdigt.

Ich will jetzt nicht so viel verraten, macht euch auf die Reise, lasst die Texte und Bilder auf euch wirken. Nur so lässt sich das Gesamtpaket erfahren.  Unter den folgenden Fotos gibt es hin und wieder Text zum nachlesen.

Germana-Kapelle bei Wersch, BJ 1714
Germana-Kapelle bei Wersch, BJ 1714
Ehemaliger Pfarrsaal in Marienfeld, in dem das Ehepaar den Kriegsinter 1944/1945 untergebracht war.
Ehemaliger Pfarrsaal in Marienfeld, in dem das Ehepaar den Kriegswinter 1944/1945 untergebracht war.

Boellweg_0107Beinahe am Ende der Tour begegnen wir diesen jungen Rackern und schon sind die drei in eine lustige Hetzjagd verwickelt. Der Anblick ist für mich immer wieder total schön. Welch einen Spaß meine alte Fellnase hat, wirklich schön. Spike ist übrigens seit Anfang September 11 Jahre jung 🙂

Am Ende unserer schönen Wanderung treffen wir wieder auf das lustige Wandertrüppchen, die mir teilweise schon fröhlich winkend in ihren Autos entgegen kommen.

Heute ist mein Wohlfühlkonto bis zum Anschlag voll gepackt. Ein herrlicher Vormittag, der über eine ordentliche Strecke auch mit Sonne bestrahlt war zeigt auch jetzt noch Wirkung, während ich diese Zeilen schreibe.

Wer sich für solche Themenwege interessiert und Asphalt nicht zu sehr scheut, ist mit diesem Weg sehr gut beraten. Die Fotos zeigen sicherlich, dass der Bodenbelag zwar hart, die Aussicht ins Bergische Ländle aber traumhaft sind.

So wünsche ich euch, wenn wir uns nicht mehr lesen, jetzt schon wunderbare Weihnachtstage und einen eleganten Rutsch ins Neue Jahr ( Den Wunsch wiederhole ich ab jetzt bis zu den Festtagen) 🙂

7 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben und dann die tollen Bilder dazu! – H.Böll war übrigens meine Einführung in die deutsche Sprache. Seine Romane und Kurzgeschichten waren in so einem klaren, „unaufgeschmückten“ Deutsch geschrieben, dass ich mit meinen wenigen Sprachkenntissen Zugriff hatte auf seine bewegende Thematik. Als ich dann später zur Armee musste, habe ich oft schmunzelnd an „Ende einer Dienstfahrt“ zurückgedacht.

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  2. Much scheint ja bis heute eine große Anziehungskraft auf Prominente zu haben. 🙂
    Für mich als Wandergebiet bislang „terra incognita“. Um in diese südlichste Ecke des Bergischen Landes zu gelangen, fahre ich als Mittelbergischer genauso lange wie zu den Eifel-Traumpfaden. :/
    Sehr einfühlsamer Bericht!

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    • Ja Much ist „IN“ 🙂

      Die Strecke von rd. 40 km geht von mir aus gesehen noch, aber deine Anfahrt ist dann doch etwas lang 🙂

      Sind aber wirklich schöne Wege dabei, einfach von der Informationsfülle und dem landschaftlichen Umfeld her.

      Danke für deinen lieben Kommentar 🙂

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  3. Liebe Elke,
    auch wenn ich auf Facebook des öfteren durch deine Bilder stöbere, so möchte ich NIE deine tollen Blogs dazu vermissen.
    Du schreibst einfach sowas von erfrischend und dann die Fotos dazu, eine Harmonie wie selten.

    Das Frosthalm-Bild und die Tautropfen sind einfach der Wahnsinn !!!

    Vielen Dank liebe Elke und auch dir ein ganz wundervolles Weihnachtsfest
    und mit dem eleganten Rutsch lassen wir uns noch bissel Zeit 😉

    Liebes Grüßle
    Uschi ❤

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