Einfach Hund sein dürfen – Thomas Riepe

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(c)Ulmer Verlag

Ich zweifele hin und wieder an den Dingen die ich tue, wie ich sie tue und dann kommt ebenso häufig und unverhofft ein Mensch daher oder wie in diesem Falle ein Buch, dass mich ermuntert meinen Weg ganz genauso weiter zu gehen.

Allerdings wird mir auch klar,  dass es Bereiche gibt, die ich künftig möglicherweise anders gestalte.

Es geht um das Leben mit Hund, nein mehr um das ideale oder annähernd ideale Leben FÜR den Hund.

 

 

Ich stelle euch heute ein Buch vor, dass sich genau mit diesem Thema befasst, „Einfach Hund sein dürfen“

  • Thomas Rieper, der Autor dieses Buches aus dem Ulmer Verlag , schreibt schon seit vielen Jahren Bücher zu Hunden und hundeartigen Tieren. Auf seiner Webseite riepehunde.de  bietet er Psychologische Hilfen für problematische Mensch-Tierverhältnisse an.

Um den Aufbau des Buches verstehen zu können, rate ich dem Leser zunächst die Inhaltsübersicht zu studieren.  Hier erfahre ich etwas zum Aufbau des Buches.

Zur Orientierung welche Lebensweise zum „Selbstbestimmtem Hundeleben“ gehören, erläutert der Autor die unterschiedlichen Lebensräume selbst bestimmt lebender Hunde, wie Schensihunde, verwilderte Streuner, Bauernhofhund und Pariahunde.

Ein von mir vollkommen unterschätztes, jedoch scheinbar elementares Bedürfnis unserer vierbeinigen Begleiter ist ein festes Revier vorzufinden. Damit ist nicht der Wohnraum bzw. der Garten gemeint, sondern das unmittelbare, täglich aufgesuchte Gassiumfeld mit einem ordentlichen Radius und wechselnden Wegeführungen.

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(c) Illustratorin Susanne Dinkel aus „Einfach Hund sein dürfen“, Verlag E. Ulmer

Schon die ersten Seiten des Buches ermahnen mich zum nachdenken und reflektieren. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft und gerade in dieser lebt ein Hund oft den Tagesablauf des Menschen und gestaltet seinen Tag nicht mehr seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend.  Das gilt vor allen Dingen den nötigen Ruhepausen. Hunde verschlafen, wenn man sie lässt, nämlich viele Stunden des Tages.

Thomas Rieper vermittelt mir als Leserin auf glaubhafte und gut verständliche Art die natürlichen Bedürfnisse meines vierbeinigen Freundes. Dafür schildert er die Ergebnisse seiner Recherchen zu freilebenden Hunden und seinen verwandten Arten.

Nun lassen sich die Wünsche und Bedürfnisse unserer Familienhunde sicherlich nicht 1:1 vom selbst bestimmten Hund auf den unsrigen übertragen, jedoch gibt es immer praktikablen Ersatz.

img016Vorgestellt: selbstbestimmte Hundeartige

Damit wir Hundehalter verstehen warum ein Umdenken hier nötig ist, nimmt Thomas Rieper sich viele Buchseiten Zeit, um mich über die Lebens- und Verhaltensweisen freilebender und damit selbst bestimmter Hunde, Wölfe und Dingos zu informieren.

Übrigens die Zeichnungen im Buch sind zauberhaft (c) Illustratorin Susanne Dinkel aus „Einfach Hund sein dürfen“, Verlag E. Ulmer.

Ein Rückschluss des Autors auf seine Beobachtungen, nämlich das weder Wölfe noch Hunde in wirklichen Rudeln unterwegs sind, es sei denn es handelt sich hier um Elterntiere mit ihrem Nachwuchs, überrascht mich.

Hier habe ich keine eigenen praktische Erfahrungen, wohl aber Bilder von Menschen mit mehreren Hunden im Kopf, die schon einen Eindruck von Rudelleben vermitteln. In der Natur jedoch sind höchstens die Elterntiere mit Welpen bis zur Geschlechtsreife unterwegs, die allerdings bei den Jungtieren oft erst nach einem weiteren Wurf der Elterntiere erfolgt, sodass diese Rudel schon recht groß sein können.

Vorgestellt werden im Einzelnen

  • Der Wolf
  • Der Schensihund
  • Der Straßenhund
  • Der Bauernhund
  • Der Dingo

Für mich stellt sich die Erkenntnis ein, sie sind sich in ganz entscheidenden Lebensbereichen sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleichgeartet.

Angeboren und angepasst

Das hohe Anpassungsvermögen der Hundeartigen äußert sich nicht nur im Zusammenleben mit uns Menschen, sondern auch mit anderen Tierarten. Hierzu zählt Thomas Rieper einige nette Beispiele auf.

So vermutet man, dass das Zusammenwachsen Mensch + Hund aus einem gegenseitigen Nutzen-ziehen ergeben hat, wie es Hund und andere Tiergruppen schon länger tun.

Der Autor schließt aus seinen Beobachtungen und Recherchen auch darauf, dass Hunde sich eher dem Menschen zuwenden, als seinen eigenen Artgenossen. Auch eine für mich ungewöhnliche, aber aus dem Verhalten mancher Hunde logische Schlussfolgerung.

Das Hundeleben natürlich gestalten: so klappt´s im Alltag

In diesem Abschnitt werden die naturgegebenen Verhaltensweisen unserer Vierbeiner denen gegenüber gestellt, die wir für sie simulieren können. Begonnen wird mit dem sogenannten Reviergang und den Gründen für dieses Tun.

Nahrung muss unser Haushund nicht suchen, aber markieren und Nachrichten lesen tut er. Der Satz Neben der Nahrungssuche wird während der Streifgänge auch durch Urin- und Kotmarken markiert“ verursacht bei mir schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich die mühselig und sinnhaften Kotmarken regelmäßig eintüte. Was denkt sich unser hündischer Begleiter, wenn er unserem Tun zusieht?

Dieses Kapitel beschäftigt sich, mit Blick auf die Überschrift“  aus meiner Sicht etwas zu lange mit den wilder lebenden Hunden. Nur ein relativ kleiner Bereich beschäftigt sich mit Alternativen, die wir unserem Haushund anbieten können.

Interessant ist der Stoff auf jeden Fall, keine Frage und natürlich ergeben sich damit logische Verbindungen zu den angebotenen Simulationen, wie einer dem Hund angepassten Art und Weise unterwegs zu sein.

Ein Garten, so schreibt Thomas Riepe, kein Ersatz für Streifgänge in der Umgebung. Diese Streifgänge sollten abwechslungsreich sein, also nicht immer die gleichen Wege berühren und sie sollten vom Hund auch öfter mal frei gestaltet werden.  Markieren ist lt. Thomas Riepe ein vollkommen normales und wichtiges Hundeverhalten.

  • Dieses Buch möchte ich gerade in diesem Teil gerne so manchem Hundehalter zur Verfügung stellen, die ihre Hunde hinter sich herziehen, ihnen kaum Zeit geben zu schnüffeln und zu markieren oder die ihre Tiere am Fahrrad hinter sich her rennen lassen. Warum diese schnelle Form der Bewegung auf Dauer schädlich ist, steht in dem praktischen Ratgeber.

Ein Tipp des Autors, nämlich den Hund einfach mal ein einem eingezäunten Grundstück sich selber zu überlassen, damit er seinen Neigungen ungehindert nachgehen kann, halte ich für sehr gut.

  • Ich habe Spike im Urlaub beobachten können, wenn ein fest eingezäuntes Grundstück zur Verfügung stand. Er wechselte seine Liegeplätze immer wieder nach seinen Bedürfnissen, mal Sonne, mal Schatten, mal auf den harten Steinen, dann wieder ins weiche Gras oder in die Unterkunft.Immer war er wachsam, was jenseits des Zaunes geschah. Mit leisem Knurren meldet er mir dann, dass dort jemand geht, der nicht auf das Grundstück gehört.

Nahrung beschaffen, verstecken und bearbeiten

Tipps für eine etwas interessantere Nahrungsverabreichung finde ich klasse. So hat Hund eine geistige Beschäftigung, die er als wildlebender Hund naturgemäß hätte.

  • Meine fast leeren Naturjogourtbecher, sowie Quarkschalen bestücke ich mit ein paar Futterbrocken und schon hat Spike eine aufwändige Beschäftigungsmöglichkeit, die er gern ausübt.

Thomas Riepe gibt hier ein paar schöne, leicht praktikable Tipps die Spike mit Freude annimmt.

Interaktion mit Sozialpartnern

Sozialpartner können andere Hunde, aber auch Menschen sein. Wieviel Sozialkontakt für Hunde noch gesund ist und wie er sich mit seinem Menschen gestalten lässt wird hier kurz umrissen.

Regeneration – Schlafen und Ruhen

Die Tatsache dass Hunde zwischen 15 und 20 Stunden täglich schlafen bzw. ruhen war mir nicht so bewusst. Viel Schlafen ja, aber diese Menge an Zeit? Bei der Gelegenheit wird mir bewusst, dass Spike phasenweise wohl erheblich zu wenig Ruhezeiten hatte.

Der Autor dieses Ratgebers empfiehlt in der häuslichen Umgebung ausreichend Liegeplätze vorzuhalten, die sowohl die Nähe zum Menschen, als auch einen vollkommen ungestörten Platz mit einbeziehen.

  • Spike zieht sich nach längeren Wanderungen in Julias Kinderzimmer zurück und legt sich dort auf ihr Bett. Dort liegt er, bis er den Tag verdaut hat, dann nähert er sich mir wieder mehr an.
Ein paar hilfreiche Tipps im Umgang mit dem ruhenden Hund und der Vereinbarung mit den menschlichen Bedürfnissen erhalte ich auf diesem Wege gleich mit!
Damit rundet sich der Buchinhalt gut ab und mir wurde einige mir bisher unbekannte Wissenslücken gefüllt. Insgesamt aus meiner Sicht ein gelungenes Werk.

Einfach Hund sein dürfen: Das Hundeleben natürlich gestalten

Autor: Thomas Riepe

 

 Verlag Ulmer  Januar 2016)

  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3800133784
  • ISBN-13: 978-3800133789
  • Größe:     11,6 x 1,5 x 19,1 cm
  • Als Kindle Version:  11,99 €
  • Als Buch broschiert: 14,90 €

 

Alle Abbildungen unterliegen dem Copyright des Ulmer Verlages, bzw. der Illustratorin Susanne Dinkel

6 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    mal wieder ein interessantes Buch.
    Ich frage mich auch immer, ob unsere beiden Hunde immer Spuren müssen beim Gassi gehen. Ich lasse sie oft schnuppern, sie müssen ja schließlich wissen, was so los ist. Auch wenn sie dann mit mir spazieren gehen, mir geht es höchstens auf den Keks, wenn der alternde Sam nun gar nicht in die Puschen kommt. Dann gehen die kleine schwarze Hexe und ich ihn immer mal wieder abholen. 😉
    Definitiv zu verbessern ist das Sozialverhalten. Was mag sie wohl erlebt haben, da sie so reagiert, wie sie reagiert?
    Liebe Grüße, Bernd

    Gefällt 1 Person

    • Oh ja Bernd,
      da sprichst du etwas an, das mir hin und wieder auch extrem anstrengend erscheint, nämlich „Die Langsamkeit des Seins“ von Spike.
      Der schafft es tatsächlich 100x um den gleichen Glashalm zu wandern, Bein heben, neee doch lieber nicht, noch mal um den Pudding, ach da drüben ist vielleicht deutlicher zu lesen, och neeee war nichts.
      Da ich das Prozedere von meiner Enkelin kenne, die auch an jedem schönen Stein und Busch festklebt, fällt mir das nicht gaaaanz so schwer.

      Was dein Hexchen angeht, ich fürchte die braucht noch viel Zeit. Ich schaue gerne den Rütter im Fernsehen, es ist erstaunlich was der alles an einem Tier erkennt. Manchmal sind es Kleinigkeiten.
      Einen lieben Gruß, auch an die restliche Truppe
      Elke

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Elke, wir hatten auch mal eine Hund – der liebe Branko ist aber schon seit ein paar Jahren im Hundehimmel. Es war mein liebster Freund, und so manche Situation, die du mit meinem virtuellen Hunde-Freund Spike beschreibst, erinnert mich sehr an Branko 🙂
    Eine tolle Rezension, ich würde mir das Buch jetzt gewiss kaufen.
    Liebe Grüße von Claudia (und Anita in Abwesenheit)

    Gefällt mir

  3. Liebe Elke,
    ich kenne das Buch und kann mich deinen Worten nur anschließen.
    Ich habe es einer Freundin empfohlen, die sich einen Hund aus dem Tierheim holten.
    Sie war auch ganz begeistert.

    Liebe Grüsse,
    Uschi
    PS: Unsere beiden Familien-Vierbeiner verschlafen übrigens sehr viel Zeit
    und lieben ihre morgendlichen und abendlichen Gassirunden.

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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