Eine Zeitreise durch Lindlar und warum mir Altes besser gefällt

Lindlar, das habe ich in meinem vorangegangenen Bericht zum Sülzbahnsteig bereits erzählt, hat einige Rundwanderwege ausgezeichnet, die uns Wanderleuten die Region nahe bringen sollen.

Darauf lasse ich mich gerne ein, zumal ich durch verschiedentliche Besuche dort die Landschaft schätzen und lieben gelernt habe. Schaut im Blog unter dem Begriff Lindlar

Heute habe ich mir die Zeitreise vorgenommen, einen mit 11 km Länge angegebenen Rundwanderweg, der am Freilichtmuseum Lindlar begonnen werden kann, so denn der Parkplatz gegenüber geöffnet ist. Da dies nicht der Fall war, verschiebe ich meinen Startpunkt nur wenige hundert Meter östlich zum großzügigen Parkplatz des wunderschönen Schloss Heiligenhoven, das Bestandteil meiner heutigen Reise sein wird.

  • Start: Freilichtmuseum Lindlar oder Schloss Heiligenhoven (bei auf der Straße „Heiligenhoven“
  • Streckenlänge nach meiner GPS Messung 16 km
  • Höhenmeter : 420 Meter
  • GPS Track

Zeitreise_Lindlar (48)Der GPS Track von der Betreiberseite stimmt nicht mit der Ausschilderung vor Ort überein. Es fehlen auch nach Aufeinandertreffen dieser Rundwanderung mit dem Bergischen Panoramasteig sämtliche Leitsymbole. Diese Tatsache verunsichert sehr. Also rate ich dazu eine Übersichtskarte mitzunehmen

Ich bin dankbar das wunderschöne Schlossgelände Heiligenhoven gleich zu Beginn meiner Tour besichtigen zu können. Ich mag den leichten Dunst über den Schlossgräben und die zauberhafte Stimmung am Morgen.

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Es ist herrlich die sauberen Grünanlagen zu durchwandern, der Vogelwelt beim Morgenkonzert zu lauschen, Joggern bei ihrer ersten frühen Runde zuzuschauen und in den Gewässern das verdächtige „PLATSCH“ der Bewohner zu vernehmen. Die Straßengeräusche der naheliegenden Landstraße gehen dabei vollkommen unter.

Am Ende meiner heutigen Beschreibung gibt es einige Fotos zum Schloss und auch mehr Input, das würde hier zu viel Raum einnehmen.

Wir ziehen derweil nach ausgiebiger Erkundung auf unseren ausgezeichneten Wanderweg, der uns zunächst an der Heilighovener Straße entlang führt, vorbei an der Linnefehalle, einem Parkbad und einer daran angeschlossene Parkanlage. Schon hier erweist sich der GPS Track als abweichend von der Beschilderung, der ich jetzt folge.

Durch den Ort erreichen wir den Marktplatz. Die Touristikinformation hat hier ihren Standort und auch eine Tafel des Bergischen Streifzuges Steinhauerpfad. Ich mag es auf Erinnerungen zu stoßen, wenn ich unterwegs bin.

Das grüne Wandersymbol mit der Eieruhr führt mich nun aus der Ortsmitte heraus in stillere Straßen und bergauf geht es auch. Oberhalb des Ortes erreichen wir die Jugendherberge Lindlar auf der gleichnamigen seeeehr lang gezogenen Straße, die uns zu einem kleinen Kreisverkehr führt an dem ich das erste Mal schon rasten muss. (Vielleicht doch keine so gute Idee heute unterwegs zu sein?)

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Die schönen Socken von wrightsock polstern meine Füße prima, aber sie verhindern nicht den Schmerz, der sich vom Rücken bis in die Beine fortbewegt. Eine kleine Massage gefällig?

Eine Weile bleibe ich hier sitzen und schaue dem fleißig fließenden Verkehr an der kleinen Insel zu, bevor ich mich auf die gegenüberliegende Seite in den Wald bewege.

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Ich bin glücklich dem städtischen Getümmel entflohen zu sein und tauche mit Begeisterung in die angenehme Ruhe der Landschaft ein. Tief einatmen und einfach nur genießen. Meine Güte wie sehr vermisse ich derzeit ausgiebige Touren, heute möchte ich ungeachtet evtl. Folgen den Wandertag in der Gänze genießen.

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Zeitreise_Lindlar (105)Der scharfe Geruch der ausgebrachten Gülle durchströmt die Landschaft. Wo kurz vorher der Acker grob aufbereitet wurde, landet nun der Dung auf dem Boden, der später die Saaten aufnehmen wird.

Erinnerungen an meine Kindheit im Oberbergischen gelangen an die Oberfläche und irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Geruch der heutigen Gülle nicht mehr mit der damaligen übereinstimmt. Ob sich die Chemie darin wiederfindet? Ich weiß es nicht, auch sind Erinnerungen nicht immer so zuverlässig.

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Nicht weiter darüber nachdenkend ziehe ich weiter und erfreue mich an der wunderschönen Umgebung und weil mich die Bilder, die ich jetzt sehe, vor Sehnsucht fast zerreißen, bekommt ihr noch weitere zu sehen 😉

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Zeitreise_Lindlar (120)Hier machen wir eine weitere Rast, heute geht es sehr langsam voran, aber das Auge, die Ohren, die Nase, sie sind fit und nehmen alles tief auf.

Über uns reisen eine ganze Horde Bussarde, 6 Stück habe ich gezählt, die teilweise zeitgleich im Sturzflug einem Nahrungsmittel entgegen fliegen.

Nach einer ausgedehnten Pause und einer ordentlichen Portion Wasser ziehen wir weiter. Die Sonne verkriecht sich hin und wieder hinter Wolken, die anscheinend die Oberhand gewinnen wollen. Doch wenn sie es zu uns hinunter schafft zeichnet sie wunderschöne Bilder

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Diese Wanderung unternehmen wir unter dem Thema „Zeitreise“ und so bleiben uns die Modernen auch nicht erspart. Nicht wirklich attraktiv gestaltet sich der folgende Wegabschnitt, der uns am Rande des Industriepark Klause entlang führt.

OK, dann schaue ich dort hin, wo es mir gefällt, aber so ganz kann ich den Blick in die für mich unattraktive Umgebung nicht lassen und es zieht sich weit länger, als es hier auf den Bildern erscheint.

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Irgendwann haben wir es geschafft und nach Überqueren des letzten Kreisverkehrs landen wir wieder in der Natur und an einem besonders schönen Platz an und in der Ökumenische Schöpfungskapelle Remshagen.

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Zeitreise_Lindlar (150)Die kleine Kapelle ist noch nicht sehr alt.

Die in den 1990er Jahren gegründete „Dorfgemeinschaft Remshagen e.V.“ beschloss auf dem von einem Remshagener Landwirt zur Verfügung gestellten Grundstück die „Ökumenische Schöpfungskapelle“ zu errichten. Ein Symbol für die Menschen in der Region, egal welcher Religionszugehörigkeit, an einem Ort der Besinnung inne zu halten. Die Zahl sieben findet sich in vielen Teilen des Bauwerkes wieder, z.B. bei der Anzahl der Außenwandelemente.

Mehr ist hier zu lesen: Schöpfungskapelle Remshagen

Für mich solche Gemeinschaftsprojekte ein wärmender Bestandteil unserer Gesellschaft, obwohl ich mehr Nutznießer als Akteur bin. Mein Dank gilt immer wieder jenen Menschen, die sich zusammen finden und solches erschaffen!

Zeitreise_Lindlar (153)In der Ferne ist das metabolon zu sehen. Daran habe ich heute kein Interesse, ist aber ganz sicher einen Besuch wert.

Wir wandern dann doch lieber durch das helle Grün des Frühjahres. Unfassbar was ein wenig warmer Regen und eine ordentliche Portion Sonne so zum Vorschein bringen.

Zeitreise_Lindlar (155)Zeitreise_Lindlar (156)Zeitreise_Lindlar (162)Zeitreise_Lindlar (165)Die Beschilderung des Rundwanderweges „Zeitreise“ werden wir nun nicht mehr sehen, der hat den Symbolen des Bergischen Panoramasteiges Platz gemacht. So bin ich von nun an auch nicht sicher meinem ausgesuchten Weg zu folgen.

Am Rande von Eichholz folgen wir einem kleinen Pfad bergan zum Ort. Nach einer kleinen Weile landen wir in einem Wäldchen, dessen Pfad nicht immer eindeutig erkennbar ist. Nur die gelben Symbole des Panoramasteigs lassen mich vertrauensvoll auf dem weichen Waldboden weiter wandern, wunderschön! Wieder steigt der Wunsch in mir auf endlich die Etappen des Steigs zu erkunden.

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Fußangeln, deren Sinn sich mir nicht unbedingt erschließen, ich vermute hier sollen Wildschweine von den Äckern gehalten werden. Die Dinger kann man aushängen und so dem Vierbeiner ermöglichen ohne Stromschlag weiter zu laufen.

Von nun an bleiben wir mitten im landwirtschaftlichen Leben, immer auch von den scharfen Gerüchen der Gülleverteiler begleitet. Das ist Frühjahr. Die Ortschaften und Höfe sind alt und recht ursprünglich belassen.

Schon der Anblick dieser in die Landschaftskuhle gedrückte Scheune macht meinem Auge Freude. Der Ort „Burg“, den wir hier durchwandern, wurde 1470 erstmals erwähnt und weist ein paar uralte Wegekreuze.

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Hinter Zäunen, so erscheint es mir, verbirgt sich ein alter Steinbruch, Grauwacke wurde hier ja reichlich abgebaut.

Zeitreise_Lindlar (210)Auch die Schlüsselblumen konnten das Tor nicht öffnen, hinter dem sie stehen!Zeitreise_Lindlar (205)Zeitreise_Lindlar (204)

Wir nähen uns Feldern, die über große Flächen eine merkwürdige Färbung aufweisen. Meine Gedanken wandern hin zum großen Bienensterben und die Vermutung, dass dieses Geschehen mit der vermehrten und jetzt neuerdings weiterhin mit Unterstützung der Politik verwendeten Glyphosat zusammenhängen könnte. Diese Tatsache macht mich traurig. Wir brauchen die fleißigen Sammler.

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Nur eine Stunde später ist der Acker grob umgepflügt und es ist wird nichts mehr zu sehen sein. Was färbt Gras so bunt?
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Eigentlich sollten die Blümeleins scharf abgebildet sein. Da mir der Rücken gefühlt aber beinahe auseinanderbricht, halte ich einfach drauf, naja das Ergebnis ist halt dies!
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Wen oder was soll die Fahne abschrecken? 😀
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Das sieht merkwürdig aus, eine Schur wäre sicher eine gute Wahl, oder?
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Eine Einkehrmöglichkeit, mit Biergarten, direkt am Weg

Wir laufen an der Die Johanneskapelle vorbei, die ich  nun nicht mehr von innen besichtige.

Zitat Wikipedia:
Sie wurde im 17. Jahrhundert erbaut und 1982 von Grund auf durch die Stegerwaldstiftung saniert. Heute dient sie als Hochzeitskapelle für Schloss Heiligenhoven. Außerdem steht dort eine Dreifaltigkeitskapelle aus dem 18. Jahrhundert.

Zeitreise_Lindlar (265)Wir erreichen nach 16 km wieder das Schloss, bzw. einen kleinen Weg rechts vom Linnefer Bach, eine blöde Entscheidung, denn über diesen muss ich rüber, damit ich das Schlossgelände betreten kann.

Vorher zeige ich euch aber noch den Etappenstein von Lindlar, der den Abschluss einer erfolgreich bewanderten Etappe des Bergischen Panoramasteigs symbolisiert.

Was für Spike kein Problem ist, stellt sich für mich als Hürde heraus. Vorsichtig lasse ich mich in das flache Bachwasser hinunter „gleiten“ und durchquere ihn, um auf einem kleinen Weg zu landen.

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Erleichtert die unerwartet lange Wanderung hinter mir zu haben, durchstreifen wir zum Ausklang noch ein wenig den Schlosspark. Das Restaurant ist leider geschlossen.

Nun hier die versprochenen Eindrücke vom Schloss Heiligenhoven, auch Oberheiligenhoven genannt, weil es drei Bauten diesen Namens gab, das mich immer wieder und zu jeder Zeit durch seine Schönheit erfreut.

 

Der heutige Wandertag war ein Rütteln durch sämtliche Gefühlswelten, weil es Teile auf diesem Weg gab, die mir absolut nicht gefallen haben.

Wenn ich mir jetzt die Bilder anschaue, bin ich dankbar ihn gegangen zu sein, denn das Gesamtfazit ist für mich wesentlich. Eine Region kann ich nur kennenlernen, wenn ich sie ganz nehme, sie nicht in Teilen ausschließe. Das gilt übrigens auch für Menschen 🙂

Hier nun ein paar Vorschläge für Touren in der nahen Umgebung:

  • Von mir bewandert wurden der Kulturlandschaftsweg, der Sülzbahnsteig und der Sagenweg, alle Informationen hierzu erhaltet ihr auf der Betreiberseite Lindlar Touristik   Hier gibt es auch unzählige Tipps für Ausflüge in die Region.
  • Eine tolle Unternehmung mit Familie stellt das Freilichtmuseum Lindlar dar. Günstige Eintrittspreise, eine wunderschone Anlage und sehr nette Einkehrmöglichkeiten. Das frisch gebacke Brot aus dem Steinofen schmeckt…. mmmh lecker und Hunde dürfen mit!
  • Wandern auf dem Bergischen Panoramasteig, ein Genuss den Wanderer(innen sich nicht entgehen lassen sollten „Bergisches Wanderland“
  • Ein kleiner Wanderrundweg, der Bergische Streifzug Steinhauerpfad informiert über die Steinabbauarbeiten in der Region, mich hat er sehr interessiert Bergisches Wanderland

 Buchvorschläge:


Hierhin sind herrliche Schlösser und Burgen beschrieben und zu jedem Ausflugtipp auch Ideen für Abschweifungen in der näheren Umgebung angeboten.

Die schönsten Schlösser und Burgen im Bergischen Land aus dem Droste Verlag von Jens Höhner

 


Der Bergische Panoramasteig aus dem J.P. Bachem Verlag
Es beinhaltet nicht nur Etappenvorschläge sondern auch Einkehrtipps und Angaben zu Übernachtungsmöglichkeiten und ÖPNV Verbindungen.

 

 

 

 


Die 24 Bergischen Streifzüge habe ich fast alle erwandert und finde sie zum größten Teil sehr sehr schön. Einkehrtipps und am Rande dieser Wege liegende Ausflugsziele machen das Buch zu einem nützlichen Begleiter.

Das Buch stammt ebenfalls aus dem J.P. Bachem Verlag

 


4 Kommentare

  1. Schön beschrieben. Werde die Tour mal nachlaufen, so direkt vor der Haustür 🙂
    … die Wrightsock Socken sind wirklich Klasse. Habe auch welche und bin begeistert. Finde sie sogar besser als meine auch sehr guten von Falk

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