Die Sonne hält sich schon seit Tagen als klare Siegerin der Wettermächte und erfreut uns mit blauem Himmel, immer mehr erblühenden Landschaften und dem Gesang der brutwilligen Vogelscharen.

Noch immer gehandicapt beschließe ich die kurze, mit 6,3 km angegebenen Wanderung L´Ommer jon in Lindlar, zu genießen. „Lass uns gehen“ das Thema unserer heutigen Tour. Die Beschreibung lockt mich schon eine Weile und heute ist DER Tag.

Gegen vier Uhr morgens treibt mich die Unruhe aus dem Bett und so sitzen Spike und ich schon um sechs Uhr im Auto und fahren nach Lindlar, um schon vor sieben Uhr mit der heutigen kleinen Tour zu beginnen.

Tipp für Nachwanderer, derzeit erscheint mir dieser Weg auch nicht zweifelsfrei ausgewiesen zu sein, bitte nehmt eine Karte mit oder lauft dem GPS Track nach.

  • Start: Wanderparkplatz in Lindlar/ Frangenberg – Josefstr.
  • Streckenlänge:  7,3 km
  • Höhenmeter: 150 meter
  • GPS Track
  • Lindlar Touristik

Wir wandern heute ab Frangenberg, an Spich vorbei, berühren den Ortsrand von Kurtenbach und wenden uns links ab um nach Kaufmannsommer zu gelangen. Rölenommer und Müllersommer, sowie Linde vervollständigen den munteren Reigen der kleinen Ortschaften.

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Nach einigem Rätselraten schaue ich doch auf mein Navi und ziehe los. Es ist schon so warm, dass ich außer T-Shirt und Weste keine weitere Oberbekleidung benötige. Die Sonne steht noch tief und versorgt die Umgebung mit einem warmen gelben Licht.

An der Sportanlage wandern wir vorbei, streifen kleine und größere Häuschen. Vor einem wunderbar bepflanzten Garten stehen Tische mit Setzlingen und Ablegern von Gemüse- und sonstigen Gartenpflanzen. Gegen einen kleinen Obolus kann man sich bedienen. Ich plane am Ende der Tour hierher zurück zu kehren, vergesse dies aber leider.

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Die Umgebung nimmt mich sofort gefangen. Das frische Grün, die Stille nur unterbrochen vom munteren Vogelkonzert zieht mich in seinen Bann, lässt sofort ein so tiefes Glücksgefühl in mir aufsteigen, dass es schon fast weh tut.

Tief sauge ich dieses Gefühl in mich auf.

Wer wandern für sich und sein Wohlbefinden braucht wird es gut verstehen können, dass ich es unglaublich genieße hier zu sein. Allein, nur mit Spike an meiner Seite, einfach gehen, jeden Schritt wohl überlegt setzen, die Körperhaltung beachten. Nur um mir ja nicht wieder diese Unbeweglichkeit zurück ins Körperhaus zu holen.

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Wer bei dem Anblick nicht ins Schwärmen gerät, den verstehe ich nicht ;-), ich bin voll im Flow und Spike genießt offensichtlich ebenfalls die geruchsintensive Landschaft.

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Das Bergische ist deshalb so bezaubernd, weil es immer etwas zu entdecken gibt. Kleine Hofschaften verstecken sich jetzt hinter voll bekleideten Bäumen, irgendwo schimmert immer ein rotes Dach oder das Fachwerk einer der schönen typischen Bergischen Häuschen hervor.

Wir wandern über einen asphaltierten Weg und müssen uns ein wenig vor den rasenden Jungs und Mädels in ihren Kleinwagen hüten. Die kennen oft kein Pardon und rauschen zügig an uns vorbei.  Hier ist jedoch genug Platz und so erreichen wir bald sicheres Terrain.

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Diese Weite, diese unglaublichen Aussichten, die Stimmung. Wenn ich Bilder sehe ist die Erinnerung sofort wieder da und ich fühle es…..

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Lommer_jon (68)Wir sind sehr langsam unterwegs, so getrödelt habe ich lange nicht mehr. Es gibt aber auch so viel zu sehen.

Wir streben Kaufmannsommer entgegen, einen schönen, schnuckeligen Ort.
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Dann erreichen wir einen kleinen Rastplatz, der eine süße Überraschung bereit hält. Zunächst aber nehme ich außer einer Sitzgruppe nichts besonderes wahr.

Beim näher kommen entdecke ich die kleine Metalldose, die Zettel mit daran befestigten Wollfäden enthält, und einen Stift. Ein wenig ratlos schaue ich darauf, bis ich den Blick ein Stück nach rechts wende und den Wunschbaum entdecke, gestiftet und bereitgestellt von der Initiative Natur Zeit.

Dazu habe ich folgende Geschichte gefunden:

2008 machten sich einige Männer unter dem Projekt „Dem Ommerbach auf der Spur“ zwei Jahre lang jeden Monat einmal auf den Weg und erkunden das Umfeld des Ommerbach mit wachsendem Verständnis für die Natur und deren jahreszeitlichen Veränderungen.

2012 hat das Freilichtmuseum die während des Projektes entstandenen Fotos ausgestellt. Hier hat diese Initiative auch eine nette Idee umgesetzt.

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Bäumen wird es auch hin und wieder kalt 😉

Wir bleiben eine Weile hier, Spike legt sich hin und genießt ebenfalls die Ruhe, nicht nur in der Landschaft sondern auch in Frauchen. Wir üben uns in Gelassenheit, nein ich übe es, denn Spike hat diese Eigenschaft in seinen Genen. Er neigt nur selten zu übertriebener Hektik.

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Wie so oft auf meinen Wanderungen, entdecke ich auch heute einen roten Milan über mir.

Lommer_jon (94)Lautlos schwebt er in königlicher Gelassenheit über uns hinweg. Dieser Greifvogel entwickelt sich zu meinem persönlichen Lieblingsvogel. Es steht für das, was mir so häufig fehlt, „Gelassenheit“

 

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Wie so oft auf Lindlars Wegen, begegnet uns auch heute der L-Weg.  Startpunkt: z.B. Wanderparkplatz Ommerborn (L129) Anspruch: extrem Länge: 55 km Steigung: max. 15%, ø 4% Höhendifferenz: 1200m

Ein Weg der mich reizt, natürlich erst wenn ich wieder fit bin und in mehreren Etappen zu laufen. Wer kann, wird auch in ein-zwei Tagen diese wunderbaren Landschaft durchstreifen können oder mit einem robusten Rad, wie einem Cross- oder Mountainbike.

Und da liegt Kaufsommer in typisch ländlicher Stille. Nirgendwo Menschen zu sehen, dafür schmucke Häuser und blütenreiche Gärten. Alles wirkt wie gemalt.

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Lommer_jon (133)Auf dem Weg liegt regungslos eine Ringelnatter, erkennbar an den beiden hellen Flecken im Nacken. Sie rührt sich erst, nachdem ich sie vorsichtig mit einem Halm kitzele, will doch wissen, ob sie lebt.

Lommer_jon (129)Gut, dass Tanja nicht dabei ist, sie wäre jetzt schon einen Kilometer voraus geeilt. 😀

Wir lassen den kleinen, stillen Ort hinter uns. Ich gehe, rein nach Gefühl, mal in die Hocke um ein Foto zu schießen, den Rücken etwas entlasten. Ich fühle mich steif wie eine alte Frau, hoffentlich ändert sich das bald wieder.

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Wieder weite Landschaften, junge frisch geschorene Schafe grasen friedlich
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Spike wie immer, die Nase am Boden. Ich wüsste gerne, was er alles erschnüffelt

Plötzlich ein Geräusch im dunklen Unterholz und eine Gruppe Rehwild macht sich davon. Ich mache gar nicht erst den Versuch sie zu fotografieren, beobachte sie lieber, wie sie gelassen davon stiefeln.

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Ein Blick nach oben, der Himmel blau blau blau
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Endlich der Ommerbach, auch für Spike erreichbar

Wir erreichen über herrliche Feldwege den Ort Müllersommer.

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Ahnungslos nähere ich mich diesem Fahrzeug. Schnell wird klar, es ist besetzt
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Sehr ungewöhnlicher Insasse, sehr plüschig und in sehr merkwürdiger Gesellschaft
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Schnell mache ich mich vom Acker, bevor der Typ aussteigt und seinem Job nachgeht

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Bevor wir wieder den Parkplatz erreichen, queren wir den Ort „Linde“. Wie es in letzter Zeit häufig geschieht, komme ich in ein Geplauder mit einer Anwohnerin. So ruhesuchend und im Alleinsein verwurzelt ich auch daheim meistens bin, so sehr genieße ich die Plaudereien mit solchen spontanen Begegnungen.

Es dauert sicher zwanzig Minuten, bevor ich mit Spike im Schlepptau weiter ziehe

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Nach 3 1/2 Stunden erreichen wir wieder den Parkplatz. Vollgesogen mit all den schönen Eindrücken und fast 200 Bildern auf der Kamera bin ich ebenso zufrieden und erfüllt wie nach einer 15 km Wanderung. Die Dankbarkeit für solche Tage steigt, wenn sie so rar gesät sind.

Rund um Lindlar gibt es unzählige Wandermöglichkeiten. Lasst euch verführen.

Auf den Seiten der Lindlar Touristik werden einige Wandervorschlage gemacht, sowie die GPS Daten bereitgestellt. Auch eine PDF lässt sich herunter laden und ausdrucken.

Es lohnt sich das Bergische Land ins eigene Wanderprogramm zu nehmen. Genuss ist garantiert.

 

12 Kommentare

  1. Ich möchte dir gern ein herzliches danke für deine liebevolle beschreibung mit den fantastischen Fotos zukommen lassen. Ich habe vor, den weg zu gehen und bin bereits jetzt positiv inspiriert. Erst seit kurzem habe ich das wandern für mich entdeckt und liebe daran die verbundenheit mit der Natur, finde ruhe und bin mit all meinen sinnen wunderbar berührt, genuss pur….dein beitrag ist bereichernd und hilfreich, thank you

  2. Es müssen nicht immer weite Wanderungen sein, um abzuschalten, runterzukommen und das Gefühl von Glück zu spüren. Was zählt, ist die innere Einstellung, sich auf den Weg, die Natur einzulassen. Du hast das perfekt umgesetzt. Schau dir ruhig mehr von Spikes Gelassenheit ab. Wir können viel von unseren Hunden lernen, wenn wir ihnen gut zuhören. Auf die nächste schöne Wanderung hier mit dir auf deinem Blog!

    Ganz liebe Grüße
    Silvana

    1. Liebe Silvana
      mir fällt in letzer Zeit auf, dass die kurzen Strecken eine besondere Erlebnisfülle für mich bereit hält, vielleicht weil auf längeren Distanzen die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge nachlässt. Ja, ganz sicher ist das so.
      Spike darf sich jetzt, ebenso wie ich auch, erlauben einfach ruhig dahin zu traben. Es wird wohl Zeit für eine Änderung meiner Grundhaltung einzuläuten.

      Einen lieben Gruß an dich und Dein Fellknäuel
      Elke

  3. Eine reiche Beute an bunten Frühlingsbildern hast du von dieser Wanderung mitgebracht und das leicht extatische Gefühl des Einzelwanderers 🙂 Schöner Bericht. Liebe Grüße, Guido

  4. Liebe Elke,
    vielen Dank für diese wunderwunderschönen frühmorgendlichen Bilder.
    Ich wünsche dir und deinem Rückung Heilung und Genesung.
    Ich kann im Moment auch nur wenig wandern, weil ich viel arbeiten muss. Deshalb kenne ich die Sehnsucht, die du beschreibst, sehr gut! Und da ich Ende Juli auch noch für 5 Wochen in die Reha fahre, bleibt mir von meinen (Schul-)Sommerferien auch nicht mehr viel zum Wandern übrig. Seufz.
    Aber vielleicht klappt es ja doch noch, dass wir eine Etappe des Bergischen Panoramasteigs zusammen laufen. Bin gespannt.
    Liebe Grüße
    Myria

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