Schritt für Schritt mit Manuel Andrack

Nachdem ich Manuel persönlich kennen lernen durfte, stöberte ich ein wenig in seinem Blog und stieß auf sein neuestes Buch „Schritt für Schritt“ mit dem Untertitel „Wanderungen durch die Weltgeschichte“

Über die Art eines Menschen Bücher zu verfassen, erhoffe ich mir auch immer ein Stück seines Wesens mit zu erfassen. Ob mir das wohl gelingen wird?

cover
Nun denn, der Piper Verlag stellt mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung, dem im mich in der folgenden Zeit widmen werde. Und schon die ersten Seiten lassen mich froh gelaunt und gespannt sein auf das, was 316 Buchseiten mir wohl bringen werden.

Vorwort

Schon hier erfahre ich, Manuel Andrack hat einen persönlichen Fitnesstrainer, WOW

Außerdem entschuldigt sich der Autor für eventuelle Oberflächlichkeiten im Hinblick auf die Behandlung historischer Ereignisse in seinem Buch, wendet sich hier an berufene Historiker. Da hätte er gleich eine Entschuldigung für die einseitige Blickrichtung auf Smoothiefans anhängen können. Herr persönlicher Fitnesstrainer von Manuel Andrack, smoothies enthalten bei den meisten Genießern nicht mehrheitlich Obst, sondern Gemüse! So, Frust abgelassen, kann ich also weiterlesen 😉

Inhalt

  • Wenn der Neandertaler Hunger hat
  • Geh´n wie die Ägypter
  • Auf dem Pfad des Verräters Ephialtes
  • Was soll schon Gutes aus Nazareth kommen
  • Als römischer Legionär auf dem Ausoniusweg
  • Mit dem Volk unterwegs ins Gelobte Land
  • Den Pilgern entgegen – Ein Jakobsweg Quickie
  • Mit Luther über den Rennsteig, Rom immer im Blick
  • Ein Wanderanarchist und die Schwedenlöcher
  • Seitensprünge in Luxemburg
  • Der Marsch der Poissarden von Paris nach Versailles
  • Ein studentischer Protestzug zum Schloss Hambach
  • Auf den Schlachtfeldern von Verdun
  • Die Schuhprüfstrecke im KZ Sachsenhausen
  • Weltmeisterliche Spaziergänge in Spiez
  • Der Flüchtlingstrek am Grenzübergang Hanging

Einige der Kapitel sind mir vom Thema her vollkommen fremd, da fehlt mir eine Menge Bildung. Gerade deshalb möchte ich sie lesen, erfahren was es damit auf sich hat. Besonders aber bin ich an dem letzten Kapitel interessiert und würde es gerne dem Restbuch voranstellen.

Ich zügle mein Lese Temperament und hangele mich schön der Reihenfolge nach durch die spannenden Erfahrungsberichte. Damit nehme ich vorweg, dass sie mir gefallen. Sie gefallen mir sogar sehr gut (bis auf die Sache mit dem smoothie)

Welt – Geschichten

Der Untertitel sagt es, es sind Geschichten aus der Welt, zu jedem ausgesuchten Thema ein Weg. Die ersten drei verlaufen einigermaßen komplikationslos, bis auf eine Beinaheverhaftung in Ägypten.

Schon die vierte Reise jedoch, zeigt auch die Hindernisse auf, die sich beim pilgern/ wandern auf alten Wanderpfaden unerwünscht in den Weg stellen können. Unfeine Hindernisse, wie Müll, viel Müll, unschön und über längere Strecke.

Diese vierte Reise lässt mich auch über den Begriff Auslautverhärtung stolpern. Ich weiß es, und ihr so? Während Manuel Andrack schreibt, ist kaum die Mühsal zu spüren, der er sich ganz offensichtlich unterzog. Ich würde gerne wissen, schweigt er, flucht  oder jammert er? Immerhin sind am Ende dieses Tages rd. 35 gewanderte Kilometer auf seinem Tacho.

Mmmmh, das wäre eine Frage gewesen, die ich ihm hätte stellen können….schade!

Fein eingeflochten sind Informationen über den Weg – hier der Jesus Trail ohne je den sehr locker daher kommenden Sprachgebrauch zu verlieren. Was es über die damalige Zeit als Jesus von Ort zu Ort wanderte um zu predigen Wissenswertes gibt wird eingeflochten in die Beschreibungen eines Wandertages.

Begegnungen, wie die mit Anke berühren tief, nicht nur ihrer Geschichte wegen. Die Art des Autors daran teilzunehmen, seine Hilflosigkeit im Umgang mit einer  Betroffenen des Holocaust, sie ist nachvollziehbar, glaubhaft.

Der Running Gag dieses Buches ist aus meiner Sicht die sich wiederholenden Irrungen, selten geht es frei von Mehrkilometern Richtung Ziel. Erinnert mich ein wenig an Karl Georg (Autor) und KD  (seinen besten Freund).

Die Römer und ihr schweres Geschirr

Einen diebischen Spaß hat mir die Beschreibung des Ansoniusweg bereitet, allerdings auch einen nachgefühlten Schmerz am rechten Fuß 😀

„Erstmal die Klamotten runter“
Ups will der Autor naggisch wandern?

Nein, nein will er nicht, wobei unterwegs hätte er vielleicht wollen?

Zusammen ein paar Akteuren der Reenactment Szene, die für gewöhnlich eher mittelalterliche Märkte belagern, macht Manuel Andrack auf einen 10 km langen Marsch.

Er trägt, und das Wort „tragen“ ist hier wörtlich zu nehmen, eine 36 kg schwere Ausrüstung.

  • Kettenhemd 11 kg
  • Helm 5 kg
  • daneben Eine „Kantine to go“ bestehend aus Kelle, Kochtopf und einem Napf, zusätzlich einen Speer

Schon nach recht kurzer Zeit verabschiedet sich die Sohle seiner Legionärssandale, so dass der tapfere Berufswanderer, Schreiber und Sänger (letzteres nach eigener Aussage mehr zur Qual aller die zuhören müssen) einfüßig besohlt weiter wandern muss.

Trotz zeitweiligem Nacktfußwandern kommt er zusammen mit der weniger wandererfahrenen Gruppe am Zielort an. Es lohnt sich seinen Gedankengängen zu folgen, die auch das Verkloppen einiger Mitwanderer beinhalten.

Natürlich erzähle ich nicht den gesamten Buchinhalt, das wäre ja blöd und die Spannung wäre futsch. Selber lesen macht gute Laune und die habe ich tatsächlich mit diesem abwechslungsreichen Querbeetwanderer.

Im Folgenden versucht er sich als Kreuz“ritter“ und führt eine Truppe FC Fans auf ihrem Weg in Stadion an. Der Versuch einen Esel auf diese Reise mitzunehmen scheitert am Tierschutz. Der Versuch zwei HSV Fans (weiblich) zu bekehren scheitert ebenso 😀

Eine Pilgerreise entgegen der vorgeschlagenen, nein vorgeschriebenen Pilgerrichtung vervollständigt meinen Eindruck, dass der Autor seine ganz persönlichen Vorlieben so oft wie möglich umsetzt 😀

Da fängt der Schelm tatsächlich am Zielort an und pilgert den Zielsuchenden entgegen.

Poissarden

Was bitte ist der Marsch der Poissarden von Paris, im Deutschen „Marsch der Fischweiber“ ? Glücklicherweise hat auch der Autor VOR Verfassen dieses Buches nicht vom Weiberfischzug gelesen.

Irgendwie haben wir entschlossen, mit 10 Jahren Abstand von einander, den Geschichtsunterricht selig verschlafen? Gut, dass ich auch diese Reise lesend mitgewandert bin. Interessant, es waren Frauen, die dem Ziel der Französischen Revolution erheblich näher kamen. „Hüte Dich vor der Wut einer Frau“

Zwischendrin bekomme ich Nachhilfe in Sachen Asterix, deren Erzählungen meine Brüder wohl lesend folgten, die ich eher ignorierte. Die Namen regen auf jeden Fall zum grinsen an „Verleihnix“ z.B.

Ein wenig hinten über gekippt bin ich  beim Preis des Bieres, dass Manuel Andrack kurz vor dem Schloss in Versailles getrunken hat. Satte 9 Euroren für ein belgisches Leffe, lecker aber….STOPP Frau Bitzer, erinnern Sie sich an den Kaffee auf dem Markusplatz in Venedig? Mit 8 Euro war das ein echtes Schnäppchen.

Schuhprüfstrecke

Noch nie habe ich von einer Schuhprüfstrecke gehört, damit stehe ich vermutlich nicht allein. Die Nazis haben sich mittels dieser Prüfstrecke eine weitere Möglichkeit sadistisch tätig zu werden geschaffen. Interessant, dass die Firma Bayer hier, ob wissentlich weiß ich nicht, eine Rolle spielt.

Flüchtlingstrek

Dieses Kapitel erscheint mir etwas flach, da hatte ich mehr erwartet. Da sind wir aber alle wohl so aktuell informiert und auch in eigenen Eindrücken gefangen, dass es schwer sein dürfte den Leser zu fesseln.

 

Eines zieht sich durch das gesamte Buch, meist nimmt er auch sehr intensiv Bezug auf die Geschichten seiner Wanderführer und Begleiter. So werden die Geschichten seiner Begleiter und die Entwicklungen der bewanderten Landstriche miteinander verwoben.

Das ist kein Wanderführer, es ist ein Wandergeschichtenerzählbuch und es ist aus meiner Sicht eine leichte, gut zugängliche Lektüre, die mir auf nette Art und Weise Regionen nahe bringt, die ich zum größten Teil nie persönlich sah und vermutlich auch nicht sehen werde.

Es wird mir Wissen vermittelt, das ich gerne auf diese Weise in mich hinein sauge. Wissen von dem ich nicht einmal wusste, dass sich das Wissen lohnt. 😉


Schritt für Schritt: Wanderungen durch die Weltgeschichte

Erschienen am 01.03.2016
320 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-89029-460-5
€ 19,99 [D], € 20,60 [A]

4 Kommentare

  1. LIebe Elke, da hast Du aber eine schöne Variante der Buchbesprechung gewählt, indem Du uns direkt an Deinem Leseerlebnis quasi live teilnehmen lässt. Und was ich mit dem Andrack hab, erzähl ich Dir mal, wenn wir uns das nächste Mal persönlich sehen. Liebe Grüße, Joachim

    Gefällt 1 Person

Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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