Auf dem Holzweg wandern

Hin und wieder überraschen mich Wege, dieser hat es getan. Der Holzweg zählt zu den 16 Erlebniswegen, die den Natursteig Sieg flankieren, der sich auf 200 km zwischen Siegburg und Mudersbach zieht.  Der Natursteig Sieg ist einer der wenigen Fernwanderwege, der sich nahezu problemlos per Nahverkehr erreichen lässt. Die Anbindungen zwischen den einzelnen Etappen ist tatsächlich hervorragend.

Ich werde heute jedoch – allein und ohne Spike – den Erlebnisweg Holzweg wandern. Da ich bis mittags arbeiten musste, starte ich erst um 13:20 Uhr. Ja, Mittagshitze!

Der Parkplatz liegt herrlich im Schatten. Wunderbar bei dieser Hitze zu wissen, dass am Ende eine relativ kühle Flasche Wasser im Auto liegt und das Wageninnere ebenfalls moderat temperiert ist.

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Die roten Symbole des Erlebnisweges, die mich nun für eine Weile begleiten und leiten werden, schicken mich zunächst auf die Landstraße, der ich nur kurze Zeit folge, bevor ich links in einen breiten Waldweg abbiege.

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Sogleich fordert der Holzweg die Wadenmuskulatur, denn auf den folgenden 1,6 km dürfen es 100 Höhenmeterchen sein, die bei Außentemperaturen von 34 Grad schon einigen Schweiß kosten.

Die Wege zeigen sich hier recht breit und geschottert, ein Umstand der mich nicht gerade zum jubeln veranlasst. Nachdem ich aber einen Wanderbericht einer ehemaligen Bloggerkollegin gelesen hatte wusste ich, dass die zauberhaften Wege auf jeden Fall noch kommen werden.

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Rennenbergkreuz (1788)

Die Autoren des Buches, das ich weiter unten vorstellen werde, lassen den Gedanken zu, dass das Rennenbergkreuz aufgestellt wurde, um der Kirche für die Genehmigung einer Heirat zwischen Blutsverwandten zu danken. Solche Genehmigungen wurden früher öfter erteilt.

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Gerade hier höre ich ein mir wohl bekanntes Gezwitscher, Kleiber müssen hier in der Nähe sein. Und ja, da fliegen sie aufgeregt und schnell vor meiner Nase und einer setzt sich so nett auf den Baumstumpf, dass ich ihn leicht ablichten kann.

Und wieder einmal bedanke ich mich, mit einem Blick nach oben, dass es mir vergönnt ist diese Herrlichkeiten zu sehen, zu genießen und so einen bunten Strauß Erlebtes mit heim zu nehmen.

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Hier stehen jung und alt beieinander. Alte Bäume stehen wie schützend über dem Junggemüse. Doch der Forstbetrieb hat ziemlich viel altes Holz geschlagen.

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Eine Bank lädt zum ersten Sitzpäuschen ein, das ich mir verkneife, möchte ich doch noch vor dem dunkel werden heim kommen 😀

Die Rinder haben es da besser, sie pausieren im Schatten so lange sie es möchten. Kluges Vieh. Übrigens stehen sie auf dem Ortsgebiet Schreckensberg, was hoffentlich kein böses Omen ist.

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Da hält einer Ausschau nach denen, die hier nichts zu suchen haben, oder?
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Auch diesen schönen Rastplatz lasse ich links – nein rechts liegen
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Blick durch ein Astloch eines halben Baumstammes

Nun folgt eine Wegstrecke der ständigen Veränderung, traumhafte Wiesenwege führen durch den Wald, wechseln dann wieder auf erdige Strecken, um dann an Feldern entlang zu führen.

Es ist ein so traumhaft entspanntes Gehen, mit solch vielfältigen Eindrücken.

Winterscheiderbröl ist erreicht, nette Häuschen stehen hier, und schön dekoriert sind sie auch. Zwei Herren grinsen sich an, wohl darüber sinnierend, wie man so wandersüchtig sein kann, in der Mittagszeit unter der brennenden Sonne unterwegs zu sein.

DER Gedanke sollte mir kurze Zeit später ebenfalls durch mein durchbratenes Hirn schlingern.

Die Bank ignoriere ich ebenfalls, vor mir liegt ein endlos erscheinender, bergan führender, wenn auch himmlischer Wiesenweg.

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Ungefähr auf der Mitte des Weges steht ein Schatten spendender Baum, also ein paar Mal tief Luft holen.

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Blick zurück zum Schattenbaum, also habe ich es gleich geschafft.

Ein kleiner Pfad mit geringfügigem Sonnenschutz führt hinauf zur Wendelinuskapelle

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Der Blick zurück auf Winterscheiderbröl
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Wendelinuskapelle
  • Ein gläubiger Schreiner hat Anfang des 19 Jahrhunderts dieses frühere Heiligenhäuschen (dem Wendelin gewidmet) errichtet. Die Landbevölkerung pilgerte von nun an zu Festtagen zur Kapelle. St. Wendelin, Schutzpatron der Bauern samt Vieh, sollte für gutes Wetter und daraus resultierend, eine gute Ernte sorgen.
    1840 wurde das alte Heiligenhäuschen abgerissen und durch diesen Backsteinbau ersetzt. Die Witwe des Erbauers ließ auch gleich zwei Opferstöcke bauen, die Einnahmen hat sie kassiert. Wegen der fehlenden Abriss- und Neubaugenehmigung ging das Häuschen nach einem längeren Rechtsstreit an die Kirchengemeinde.

Hier halte ich meine sehr verdiente Rast. Denn dies war der zweite Anstieg mit rund 120 Höhenmetern. Gierig wird die Flasche Wasser um die Hälfte reduziert. Ob das bis zum Ende des heutigen Wandertages reicht?

Nachdem die Eiche, deren Schatten ich so genieße, ihre Früchte immer wieder nach mir wirft, mache ich mich etwas unwillig auf den Weg. Es ist einfach zu schön hier!

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Eine schattige und sehr ergiebige Eiche

Über Wiesen und Waldwege erreiche ich den Ortsrand von Winterscheid, ein mehrfach im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ ausgezeichneter Ort.

Und ja, ich finde diesen Ort wirklich beschaulich, schön. Die Gebäude, teilweise schon sehr alt, sind gut gepflegt und auch die Außenanlagen laden zum stehen bleiben ein. Der Mittelpunkt des Ortes ist aber ganz offensichtlich der kleine Löschteich.

Seine Ufer sind liebevoll bepflanzt, das ganze Erscheinungsbild einfach schön. Eine Einkehr ist im Ort mehrfach möglich.

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Wunderschön thront die St. Servatius Kirche (12. Jahrhundert) über dem Ort.

Der Winterscheider-Geschichts-Weg schlängelt sich mit informativen Tafeln ausgestattet, durch den kleinen Ort.

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Richtung Winterscheider Mühle, die ich jedoch nicht sehen werde, führt mich das Zeichen des Erlebnisweges weiter und wandelt sich von Asphaltwegen bald in einen Waldweg, dem ich bis zur Landstraße folge.

Es folgt ein etwas unschöner, aber wohl unabänderlicher Teil auf der Landstraße. Es herrscht wenig Verkehr, dieser ist aber dafür um so schneller unterwegs. Ich bin dann doch dankbar, dass ich Spike nicht dabei habe.

Kurze Zeit darauf quere ich die Straße und biege auf einen aufwärts führenden Pfad ab. Puh, so langsam werden die Beine müde. Die Hitze setzt mir ziemlich zu.

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Nachdem ich ein anständiges Niveau erreicht habe prust geht es gleich wieder den Berg hinunter. Ein Stacheldrahtzaun hat sich über den Weg gelegt und findige Köpfe haben einige herausstehenden Enden unter die Erde gelegt.

Immer wieder ragen jedoch Fußangeln aus dem Boden. Ich bin unendlich dankbar, dass ich so aufmerksam geschaut habe. Ein Sturz hier hinunter hätte sicher üble Folgen haben können. (Der Wegebetreiber ist informiert und wird handeln)

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Was jetzt folgt ist einfach traumhaft. Abwechslungsreich, bunt, urig – na einfach wunderbar, zeigt sich nun der Holzweg.

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Selbst die kahlen, und etwas dunkel wirkenden Tannenwaldabschnitte weisen einen großen Charme auf.

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Ehrlich, ich könnte gleich wieder los!

In absoluter Abgeschiedenheit genieße ich den Rest dieser schönen Wanderung. Einen einzigen Radfahrer habe ich gesehen und eine junge Frau mit Hund. Ansonsten Stille und Einsamkeit.

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Der fährt hier rasant runter, an mir vorbei aber mit gemäßigtem, rücksichtsvollem Tempo!

Der Baum lag recht tief über dem Weg, der Radfahrer musste schon arg den Kopf einziehen.

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Und schon bin ich wieder am Derenbach ,der mäßig gefüllt vor sich hin dümpelt. Am Parkplatz erfreue ich mich meines kühlen Autos.

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ErlebniswegeSieg_Holzweg-(288)Für mich war es, trotz der nur 11 km Wanderstrecke, eine Erlebnisintensität, die man selten auf so kleinem Raum hat. Wer sich den Streckenverlauf und ergänzende Angaben auf sein Smartphone laden möchte, kann dies mittels des auf der Stele angebrachten QR Codes tun.

 

Das Buch, das ich weiter oben erwähnte, ist im J.P. Bachem Verlag erschienen und heißt:


Erlebniswege Sieg: 16 Themen-Wanderungen rund um den Natursteig Sieg

Gerti Keller und Michael Fehrenschild

6 Kommentare

  1. Hach, wenn ich deine Fotos sehe, bin ich – wie immer – hin und weg. Wann bist du ‚mal in der Eifel unterwegs? Vielleicht können wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Von dir kann ich bestimmt viel lernen

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  2. Puh, du hattest auf deiner Wanderung sozusehen genug Schatten bei der Bullenhitze; waren selbst auch unterwegs in Nederlands Limburg, fast immer im Offenen – auch recht spät angefangen (bedingt durch öffentlichen Verkehr) und somit in der Mittagshitze gelaufen bei 34 Grad. Am Ende musste man sich zwingen, die Schönheit der Natur überhaupt noch wahrzunehmen. Ist aber wie bei dir gelungen 😉

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