Beitrag zur Blogparade: Wandern ist für mich….

Warum Liebe?

Weil ich mich beim Wandern wie verliebt fühle, vor allem, wenn ich

schöne Aussichten, Moos bewachsene Wurzeln und verschlungene Pfade unter
orangem Herbstlaub sehe. Einfach phantastisch!
„Man genießt die Natur
auf keine andere Weise so schön
als beim langsamen, zwecklosen Gehen.“
(Wilhelm von Humboldt)
Ich fühle mich unheimlich glücklich, sobald ich unterwegs bin. Dieses Gefühl ist aber
erst nach und nach mit der Zeit gewachsen.
Ich kann mich an mein „1. Mal wandern“ nicht wirklich erinnern. Ich bin als Kind mit meiner Familie jeden Sonntag mit Buddelhosen ins Sauerland gefahren. Wir Kinder haben im Wald und an Bächen gespielt und sind an Felsen hoch und auf Bäume geklettert. Schon als Kind bemerkte ich, dass ich auf der Rückfahrt einen Phantasieschub bekam und unheimlich kreativ wurde. Die sonst üblichen Streitigkeiten mit meinem großen Bruder blieben oft aus.
Heute weiß man, dass der Aufenthalt im Wald Aggressivität schmälern kann.
Als junge Erwachsene habe ich nach jedem Umzug meine neue Umgebung
ausgiebig erkundet, habe mir Ausflugsbücher gekauft und bin überall herumgefahren.
Aber nicht unbedingt gewandert. Bei einem Urlaub allein in der Schweiz war ich das
erste Mal jeden Tag wandernd unterwegs. Die Wege waren nicht weit und auch nicht
jenseits der Baumgrenze (bin leider nicht schwindelfrei), aber ich entdeckte dabei die
Freiheit, die sich als deutliches Gefühl beim Wandern in mir breitmachte.

Dann schlief das Wandern erst einmal wieder ein.

Beruflich war ich sehr eingespannt, Urlaubsreisen machte ich kaum. Erst eine neue Bekanntschaft, heute eine gute Freundin von mir, brachte mich 2012 wieder dahin. Zunächst hatte ich Bedenken, mithalten zu können, denn eigentlich war ich ein Bewegungsmuffel und machte damals gar keinen Sport. Jeder Anstieg war ein Gräuel für mich! Jeder Abstieg bedeutete, dass ich das auch wieder hochlaufen musste. Doch überwogen die tollen Erlebnisse und ich wurde stolz über jeden weiteren gelaufenen Kilometer.
Der Natursteig Sieg wurde unser Projekt, außerdem die Traumpfade und die
Traumschleifen. Wir beide lieben die Wahner Heide, das Rheintal, aber auch das
Wiedtal. Unsere Touren sind meistens 9 – 16 km lang. Doch gab und gibt es aus
terminlichen Gründen nur etwa alle 2 Monate eine gemeinsame Wanderung.
2015 gab es einen Wendepunkt in meinem Leben, den ich als den deutlicheren
Beginn meines persönlichen Wanderhobbys bezeichnen würde. Ich war seit etwa
einem Jahr beruflich an einem Punkt angekommen, an dem ich keine Lust mehr
darauf hatte und auch ziemlich erschöpft war. Ich suchte nach neuen Zielen in
meinem Leben. Mir ging es eigentlich gut, aber das Leben plätscherte so dahin. Das
gefiel mir nicht, hatte ich doch noch nicht einmal die Hälfte meines Berufslebens
hinter mir! Da bekam ich eine Eigenbedarfskündigung und musste umziehen. Was
zuerst der große Schock war, entpuppte sich nachher als der richtige Weg.
Und eines Tages plante ich eine Kurzwanderung an einem Mittwochnachmittag nach
der Arbeit, ohne meine Freundin. Ich mag Blumen, besonders Küchenschellen finde
ich seit meiner Kindheit sehr schön. Da las ich auf der NAE-Website von einem
Wanderweg bei Zülpich, wo wilde Küchenschellen wachsen. Es war Frühling und
strahlendes, warmes Wetter – genau der richtige Zeitpunkt. Ich fragte eine Kollegin,
ob sie mitkommen wolle und sie sagte zu.
Am Wandertag aber musste sie wieder absagen. Da entschied ich kurzerhand, einfach mal alleine loszuziehen. Anfangs musste ich mich ganz schön überwinden und hörte in jedem Knacken ein imaginäres Wildschwein im Busch, aber mit der Zeit bekam ich immer mehr Mut und brachte den Weg zu Ende. Und an einer Stelle, als der „Wanderflow“ (nach Angelica Hocke) sich einstellte, durchfuhr es mich wie ein Blitz: Ich habe ein neues Ziel!

Ich will einen Weitwanderweg bewandern!

Und wenn keiner mitkommt, gehe ich eben allein!
Seitdem wandere ich immer öfter allein. Im Sommer 2015 wurde der Rheinsteig mein
persönliches Projekt. Ich wandere immer nur einzelne Etappen (nur bei gutem
Wetter) und fahre jeweils dorthin. Nur einmal habe ich eine Übernachtung gebucht.
Meine Befürchtung, mich einsam zu fühlen, trat nicht ein. Der Abend in einer
Straußenwirtschaft in Lorch wurde unheimlich nett! Und ich liebe den Rheinsteig, die
„wanderigen“ Pfade (dieses von M. Andracks Tochter erfundene Wort beschreibt es

sehr treffend), die tollen Aussichten und die netten Begegnungen auf dem Weg.

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(c) Myria

 

Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich mich allein recht unwohl fühle (es gibt
dunkle und lichte Wälder) oder auch Angst habe, wenn ein Weg sehr steil
abwärtsführt, ich stolpere und weit und breit kein Mensch ist. Oder wenn ich ein
Weidegatter erklommen habe und dann oben hänge und nicht mehr herunterkomme,
weil ich plötzlich so großen Höhenschwindel habe. Es muss echt komisch aussehen!
Ich gehe auch gern in der Gruppe, aber wenn ich mit anderen zusammen laufe, kann
ich mit meinen kurzen Beinen nicht immer Schritt halten. Ich gehöre wohl eher zu
den Wanderschnecken wie Elke und ihre Freundinnen
Am liebsten wandere ich allein oder zu zweit. Letzteres vor allem, um die vielen tollen Momente mit jemanden teilen zu können. Ich muss zwar einerseits keine Kilometer abreißen, andererseits führe ich Tagebuch über meine Touren und zähle jeden Kilometer und bin total stolz, dass ich in 18 Monaten etwa 1000 km gewandert bin!

Das Freiheitsgefühl…..

beim Wandern tritt bei mir aber eher ein, wenn ich alleine unterwegs bin. Ich fühle mich dann, als hätte ich gar keine Verpflichtungen im Leben und unendlich viel Freizeit. Der Alltags(-stress) tritt völlig in den Hintergrund. Dass die Arbeit währenddessen zu Hause liegen bleibt, ist in diesem Moment unwichtig. Ich schalte ab, wenn ich den Rucksack aufsetze und losziehe. Auch das Belohnungsbier oder Kaffee und Kuchen im Anschluss müssen sein!

Jede Wanderung hinterlässt bei mir ein großes Glücksgefühl, das noch gut zwei Tage
anhält. Danach beginnt dann die gedankliche Planung und die Vorfreude auf die
nächste Tour – die konkrete Planung beginnt aber oft erst am Abend vorher, meist
sehr spontan.
Ich liebe es, Wanderblogs, wie den von Elke, mit tollen Fotos zu lesen und mich
inspirieren zu lassen. Ich bin eine Sammlerin. Ich habe sehr viele Wanderbücher und
Landkarten, aber so viel Input kann auch lähmend wirken und so bleibt manches nur
eine Idee. Es gibt so viele schöne Ecken, allein schon in Deutschland…
„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“ (Goethe)
2017: Mittlerweile mache ich neben Wandern auch anderen Sport, habe vor einem
Anstieg kein Grausen mehr und auf dem Rheinsteig fehlen mir nur noch 40
Kilometer. Natürlich überlege ich schon, welcher Weg der nächste sein könnte.
Insgeheim bewundere ich Menschen, die einmal durch Deutschland oder gar um
Deutschland rundherum gewandert sind. Oder wie Jessi von „bunterwegs“, die von
Hamburg nach Nepal wandert. Wer weiß, vielleicht habe ich ja irgendwann wieder
ein neues Ziel….?
Möglicherweise kreuzen sich mal unsere Wege und wir begegnen uns eines Tages.
Eure Myria Aurora

5 Kommentare

  1. Dein Bericht könnte auch von mir stammen, das Wandern befreit meine Seele und gibt ihr Flügel.
    Die Traumpfade sind wir alle gegangen, die Traumschleifen noch nicht alle. Mein absoluter Traum ist die Alpenüberquerung, aber nicht die zum klettern, sondern zum wandern. Ich glaube, die Wege sind mit einem „Ü“ gekennzeichnet.
    Mein Mann teilt das wandern mit mir und das ist auch gut so, denn ich bin absolut nicht schwindelfrei. An manchen Stellen biete ich auch wohl ein tolles Bild. „Hilfe, es geht nichts mehr“. Meistens reicht mir dann der kleine Finger von meinem Mann, absolute Kopfsache.
    Im Moment ist das Wandern leider in den Hintergrund gerückt, aus gesundheitlichen Gründen. Aber bald soll es wieder losgehen.

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