Wilde Wege

Mitten im Nationalpark Eifel hat sich der Wilde Kermeter und sein Wilder Weg versteckt. Die Besonderheit dieser Wege ist, sie sind barrierefrei und haben sich damit die Auszeichnung „UN-Dekadeprojekt Biologische Vielfalt“ verdient.

Nicht nur Menschen mit Einschränkungen im Bewegungsapparat finden hier Bedingungen vor, die es ihnen ermöglichen an einem solchen Projekt teilzunehmen. Unsere Mitmenschen mit eingeschränkter Seh- oder Hörfähigkeit erhalten mittels erhabener Großschrift und Punktschrift oder akustischer Vorträge die gleichen Informationen wie ich sie lesend erhalte. Auch ein Faltblatt ist in Punktschrift erhältlich

Wilder Kermeter, das hört sich spannend an. Die sonnigen Tage des vergangenen Wochenendes locken hinaus in die Natur und mich hinein in die Eifel, hinauf auf den Höhenzug des Kermeter, hin zu diesem besonderen Waldlehrpfad

Informationen zur Wanderung

Schon vor sieben Uhr in der Frühe packe ich Spike ins Auto, erreiche die verwaisten Parkplätze am Waldlehrpfad eine Stunde später. Der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, er reist auch über leere Autobahnen und findet immer einen Parkplatz. 🙂

Der Wilde Kermeter

Ein Wegenetz von 6,2 km Länge ist barrierefrei, ich baue meine Strecke aus und komme so auf 15 km. Hier stelle ich wieder einmal fest, wie gut es mir geht, dass ich zwei gesunde Beine habe und mich fast überall uneingeschränkt bewegen kann.

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Der Wilder Weg

Selbstverständlichkeiten wie: „Hunde an die Leine“ werden am Eingang des Weges erklärt, dort steht auch ein Behälter mir Beuteln für Bellos Hinterlassenschaften.

Ziemlich fix bewegen wir uns auf den noch im Schatten liegenden Pfad, der uns auf Holzbohlen durch den Nadelwald leiten wird. Die Gesamtlänge des „Wilden Weg“ umfasst 1,6 km, davon verlaufen 210 m auf diesen Holzstegen.

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Hier hat die Natur Vorfahrt

Ich lausche den Ausführungen über die Gewohnheiten des Spechtes. Ich erfahre, dass der Buntspecht einen härteren Schnabel hat, als der Schwarzspecht und dass er hierdurch nicht warten muss, bis sich eine natürliche Bruthöhle gebildet hat, z.B. durch Baumfäule im Totholz. Er baut sie sich einfach.

Übrigens, Spechte klopfen nicht nur auf Holz, wenn Sie Bruthöhlen bauen, sie locken mit Klopfzeichen auch Weibchen an und markieren ihr Revier.

In weichen Biegungen schlängelt sich dieser attraktive Weg, der zum größten Teil mit Holzinstallationen versehen ist, durch den Wald. Es ist noch so still hier, ich bin der einzige Mensch auf dem Steg.

In nur wenigen Stunden wird hier das muntere Geplapper kleiner Kinder zu hören sein, die aufgeregt erfahren wollen, was diese Region, was die Natur grundsätzlich bereit hält. Ich kann es förmlich sehen, wie sie sich über die Brüstung beugen, um auch außerhalb der Streckenführung etwas Spannendes zu entdecken. Die verschiedenen Knöpfe drücken, den Stimmen lauschen.

Vielleicht wird aber heute auch eine Gruppe Rollis hier auftauchen, erlebnishungrig und auf der Jagd nach Neuigkeiten mitten in der Natur.

Die akustischen Installationen in greifbarer Nähe, die Wege breit genug um einem Rollstuhl und seinem Fahrer freie Fahrt zu erlauben.

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Die Sonne gewinnt, der Frühling auch

Vom Holzpfad auf den Erlebnisweg

Auf fein geschotterten und Rollstuhlgerechten breiten Wegen erfahren wir weitere spannende Einzelheiten über die Waldbewohner, und da macht die Informationsbreite nicht an den Grenzen der Eifel Halt.

Das Besondere hier sind die vielen Ruhebänke und Sinnesliegen, die alle 250 m angeboten werden. Gemütlichkeit ist oberstes Gebot auf diesen liebevoll angelegten Wegen.

Waldbauern

Was war der Wald für unsere Vorfahren? Natürlich waren auch die in den Wäldern unterwegs, hungrige Nutztiere wurden hindurch getrieben, die sich dann an den Waldfrüchten satt fressen konnten und so dem Menschen ihre Mahlzeiten sicherten.

Lauschen durch den Trichter

Das Ohr an die Öffnung gelegt, sind auch sehr weit entfernte oder leise Waldtiere vernehmbar. Total spannend sich die Ruhe zu gönnen, einmal ganz genau zu hören!

Es ist ebenso überraschend wie deutlich sich das aufgeregte Gezwitscher in der nahen Umgebung von den weit entfernten Rufen trennen lässt.

Gerade jetzt im Frühjahr habe ich das Gefühl, dass wirklich jede Vogelart bemüht ist einen Anliegen Stimme zu verleihen. Selten sind die dazu gehörigen Flöter irgendwo auszumachen, flink huschen sie von Ast zu Ast und Baum zu Baum.

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Ein Kletterpfad durch den Windbruch

Ein ganz besonderes Highlight für Kinder aber auch sicherlich deren Eltern, ist der Kletterpfad durch ein recht großes Windbruchgebiet.

Spike geht ein paar Meter mit.

An der ersten Leiter ist allerdings Schluss und wir kehren um. Für Fälle wie uns oder eben Menschen mit Behinderungen, gibt es eine Umgehung mit Blick auf die schöne Strecke mitten durch die Wildnis des Windbruches.

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Auf schmalem Weg und den Gleichgewichtssinn fördernd

Der Wilde Weg verabschiedet sich, wie es an und auf Baustellen üblich ist, mit Schildern. Hier wird allerdings ausdrücklich darum gebeten erneut wieder her zu kommen und dem Verfall und Gedeihen der wilden Region beizuwohnen. Es braucht Zeit, bis aus diesem Waldgebiet ein Urwald wird.

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 Auf zur Hirschley

Ebenfalls auf barrierefreiem Weg erreichbar ist die Aussichtsplattform Hirschley mit Blick auf den Rursee und die umliegenden Eifelortschaften.

Eine großzügige Wetterschutzhütte steht dort und Tische, die mit Rollstuhl unterfahrbar sind. Es ist tatsächlich an aus meiner Sicht, alles gedacht um den in ihrer Bewegung eingeschränkten Menschen höchsten Genuss zu bieten.

Wer auf breite, gut begeh- bzw. fahrbare Wege angewiesen ist, sollte nun umkehren und nicht weiter meinem Weg folgen, der von nun an ein Wegeprofil aufweist, das mit tiefen Furchen und sehr wasserreichen Abschnitten punktet.

Waldreich an der Rurtalsperre

Auch auf diesen Wegen werde ich per Informationstafel über Eigenarten der Landschaft informiert, wie z.B. über die Entnahme der hier lange Zeit vorherrschenden Fichtenbestände, auf die man viele Jahre als schnell wachsende Baumart gesetzt hatte.

Ein winziger Abstecher auf einen schmalen Pfad ermöglicht noch einmal fantastische Ausblicke und das Klettern auf dem Moos bewachsenen Hang ist ein herrliches Gefühl. Das empfindet offensichtlich auch Spike so.

Dieser Punkt liegt genau unterhalb der Hirschley, daher auch diese ähnliche Blickausrichtung

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Die weiteren Wege leiten uns permanent durch Wald, der jetzt in seiner Laublosigkeit noch hell daher kommt. Bizarre Felsfaltungen zeigen sich am Wegesrand, immer ordentlich mit Moos bewachsen.

Mich erstaunt immer wieder wir lange sich Bäume mit ihren Wurzeln in das locker wirkenden Gestein krallen. Diese Kraft und Energie, die von Ihnen ausgeht, herrlich und eindrucksvoll.

Hin und wieder erhasche ich noch einen Blick auf die Rurtalsperre und auf den Rurberg

Der Wilde Weg ruft erneut

Je näher wir auf unserem Rückweg wieder an den Wilden Weg gelangen, um so reichlicher finde ich auch Bänke und Rastplätze in unterschiedlicher Größe.

Wildschweine haben freie Wiesenflächen gründlich umgegraben, was die dort wohl gefunden haben? Bei dem hohen Aufkommen an Buchen im Kermeter, würde ich auf Bucheckern tippen, die auch in höher Zahl auf den Wegen liegen.

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Staumauer zwischen Rursee Obersee und Urftsee

Wenn ich die Fotos heute sehe, dann bin ich wieder einmal froh mich auf eine erneute Wanderung begeben zu haben. Einige wunderschöne Wegabschnitte erlebe ich noch, begegne der Buntsandsteinroute, von der ich nicht wusste, dass sie hier verläuft und kann von einem letzten Aussichtspunkt einen Blick auf die Ordensburg Vogelsang werden.

Spike, der zunehmend trinkfauler wird, wenn wir unterwegs sind, überliste ich, indem ich im Möhrenstücke in den Wassernapf gebe. Er liebt Möhren.

Wieder zurück am großen Rastplatz Wilder Weg

Wer in Begleitung eines Rangers unterwegs ein möchte, der findet hier den Treffpunkt und auch Auskunft wann geführte Touren stattfinden. Oder ihr lest euch zu diesen und zahlreichen anderen Führungen schlau auf der Webseite „Nationalpark Eifel

Da kann ich nicht vorbei fahren – Glehn

Glehn ist ein winziges Eifelörtchen und neben den wunderschönen Häusern hat mich auch der Hinweis auf ein Gartencafe gereizt.

Um es vorweg zu nehmen, das Gartencafe beginnt seine Saison im Mai, war also nichts für die durstige Kaffeetante Elke.

Glehn gehört zu Mechernich und damit zum Kreis Euskirchen.

Der Ort feierte seinen 800ten Geburtstag im Jahre 1983, ausgehend von der vermuteten ersten Erwähnung im Jahr 1183.

Lt. Wikipedia und auch von außen sichtbar, leider aber mit Auto zugestellt, ist die Die Pfarrkirche St. Andreas mit ihrem spätromanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert ist weithin sichtbar. Die Kirche selbst ist spätgotisch mit einem Anbau von 1866 und besitzt unter anderem Glocken von 1424, 1485 und 1613. 1961 wurden bei Restaurierungen Wand- und Gewölbemalereien aus dem 15. Jahrhundert freigelegt.

Im Pfarrhaus sind noch Reste des ehemaligen Fronhofes zu erkennen und das fünf Meter tiefe Verlies für die Gefangenen ist erhalten.

Um den Dorfplatz herum, der momentan offensichtlich aufgehübscht wird, versammeln sich wunderschöne Fachwerkhäuser. Eine Augenweide, die auch den Ausschlag für den Zwischenstopp gaben

Eifel Nord
(c)Conrad Stein

Der Wanderführer 24 Wanderungen Eifel Nord ist direkt beim Conrad Stein Verlag oder im Örtlichen Buchhandel erhältlich und kostet 12,90. Bestellungen mit ISBN 978-3-86686-427-6

Siehe auch Buchbesprechung

 

 

 

8 Kommentare

  1. Liebe Elke, ja der Kermeter. Der hat es auch mir angetan. Immer wieder bin ich fasziniert, von Deiner Art, de Bilder zu bearbeiten. Bei anderen sind sie oft über alle Maßen koloriert bzw. getönt. Aber bei Dir habe ich immer das Gefühl, dass es stimmig ist. Liebe Grüße, Joachim

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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