Karfreitag in der Eifel – Von Vulkanen – Römern und Mineralquellen

Karfreitag 2017 und das Wetter ist in weiter südlich gelegenen Regionen kalt aber sonnig. Der Entschluss in die Eifel zum Wandern zu fahren, steht schon am Vorabend, sodass nichts gegen einen frühen Start spricht.

Morgens 6:30 Uhr auf der A 1

Karfreitag sind auch die Raser früh wach, wer hätte das gedacht.  Ich muss, um nach Steffeln zu gelangen, über die A 1 Richtung Euskirchen. Was auf den ersten rund fünfzig Kilometern Fahrstrecke auf der Autobahn passiert, ist Angst einflößend.

So bin ich dankbar als ich so allmählich ländliche Bereiche durchfahre, begleitet von jungen Menschen mit den typischen Karfreitagsratschen, hölzerne Instrumente, die das Glockenläuten zwischen Gründonnerstag und der Osternacht ersetzen sollen. Mit den sorgfältig gebauten Ratschen werden die Bewohner an den Kirchgang erinnert.

Begleitet wird das akustische Signal von Düften von Geräuchertem, das deutlich wahrnehmbar in der kühlen Frühlingsluft liegt. Karfreitag und Fisch, das gehört einfach zusammen.

Mit diesen Eindrücken erreiche ich Steffeln

Wo Vulkane schlummern

  • Start/ Ziel: Duppach, Sportplatz – N50.26093°  E6.57226°
  • Streckenlänge: 16,2 km
  • Höhenmeter: 321 m
  • GPS Track
  • Fundort im Netz: Natur Aktiv Erleben
  • Tangiert den Partnerweg des Eifelsteig – Vulkanpfad
  • Einkehr in Steffeln möglich

Auf dem riesigen Sportplatz steht mein Auto erschreckend allein, aber gut sichtbar. Bei einem Start gegen acht Uhr morgens ist das auch kein Wunder. Spike, der mich heute begleitet, hat die Nase sofort am Boden und hebt diese auch erst einmal kaum.

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Spike mit der Nase am Boden

Über den Felder schwebt der Geruch von Dung, am Feldrand dampft der frisch entsorgte Mist aus dem Kuhstall. In der Eifel ist also, wie man so schön sagt, die Kacke am dampfen!

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Vulkanpfad-Steffeln-(13)-BearbeitetEs ist ziemlich kalt, die Wiesen sind gefrostet. Ich bin froh meine dicke Fleesjacke zu tragen, die für wohlige Wärme sorgt-

Schnell sammelt sich eine kleine Eisschicht auf meinen Wanderstiefeln. Irgendwie schön, dieser kleine Rückschritt, die Weigerung des Winters sich so schnell dem Frühling zu beugen. Im Gegenlicht liegt der kleine Ort – ich glaube Scheuern ist es.

 

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Eifeldorf im Gegenlicht

Schaue ich in die Gegenrichtung darf ich den blauen Himmel genießen und den Blick auf die aufgeräumten Felder. Wie glatt gebügelt sehen sie aus.

Spike und die Brücke über den Oosbach

Über den Oosbach führt eine kleine, marode Brücke. Vermutlich würde sie mich klaglos dulden, doch möchte ich kein Risiko eingehen und quere den Bach mit meinen wasserdichten Hanwag. Spike sollte mir folgen, aber wie ihr seht, hat er so seine eigene Meinung zu meinem Begehr. Der Blick ist so köstlich!

Wechselvolle Eifellandschaften

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Felder mit kreativer Formgebung
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Der Wald hat Gruselfaktor und wird fix durchwandert
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Aber nach dunkel kommt immer auch hell!
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Wir streifen den Rand von Weiermühle

Bisher punktet die Wegeführung mit höchst abwechslungsreichem Wege- und Landschaftscharakter. Hatte ich gerade noch einen Waldweg unter den Füßen und über mir ein Blätterdach, so biege ich im nächsten Moment auf einen Feld- oder Wiesenweg ein oder folge einer kurzen Weile einem Teersträßchen.

Die Natur ist hier bei weitem noch nicht so weit entwickelt wie es im flachen und wärmeren Leverkusen der Fall ist. Sie steht aber in den Startlöchern und wartet vermutlich nur noch auf den erlösenden, möglichst warmen Regen.

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Der Vulkanpfad begleitet uns auf weiten Strecken
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Roter Plüsch im Ansitz – ähem 😀

Kräuter und Insekten  werden vermisst

Auf dem Feldweg treffen wir ein Paar mit Hündin und während sich die Hunde in großer Vertrautheit mit den Nasen immer am gleichen Grashalm vergnügen, unterhalten wir uns über die feststellbaren Veränderungen in der Natur.

Die junge Frau sammelt regelmäßig Kräuter und stellt fest, dass bestimmte Arten jährlich immer schwerer zu finden sind und dass Hummel und Bienen fehlen. Wahrnehmungen, die so viele aufmerksame Menschen heute mit uns teilen.

Nach Kräuter und Insekten wechselten wir zum Thema Hund und Begegnungen draußen, um dann festzustellen, wir liegen sehr auf einer Linie und trotzdem möchten wir nun weiter 😉

Ein fröhliches „Tschüssi“ und ein weiteres Stück Wegstrecke wird unter die Stiefel genommen.

Wer telefoniert denn da?

Über die Felder höre ich eine Frauenstimme und wundere mich über diese nach außen getragenen Worte, die weithin über die Eifellandschaft schallen. Rätselhaft, wirklich rätselhaft.

Langsam kleckert in mein Hirn, dass die Stimme Gebetsmühlenartig spricht. Da hinten liegt, wenn mich nicht alles täuscht, Steffeln und die Kirche. Ob die eine Messe draußen abhalten und die Fürbitten sprechen?

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Kirche von Steffeln

Karfreitagsprozession von Steffeln zur Votivkapelle Wahlhausen

Während ich den Ortsrand von Auel erreiche fällt meine Konzentration in Richtung der merkwürdigen Stimme kurzzeitig ab. Doch dann höre ich sie wieder und dann trifft mich die Erkenntnis.

Wir haben Karfreitag und an diesem hoch heiligen Feiertag ziehen die Gläubigen zu ihren Kapellen, hier die Votivkapelle Wahlhausen, die wir nachher noch ganz nahe erleben werden.

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Karfreitagsprozession zur Votivkapelle Wahlhausen

Auel – Klein aber fein mit schicker Kirche

Der schnuckelige Ort Auel schmückt sich nicht nur mit netten kleinen Häusern, er hat auch Fußfallstationen aus rotem Sandstein, eine ausgesprochen schöne Kirche und einen Nepomuk auf der Brücke über den kleinen Tiefenbach.

Und bald dahinter wieder weites Land. Ich liebe die Eifel und die Weite ❤

Votivkapelle Wahlhausen

Dann gerät sie endlich in mein Blickfeld und auch der lange Prozessionszug ist nur deutlicher wahrnehmbar.

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Blick auf Prozessionszug und Votivkapelle Wahlhausen

Bevor wir aber den Feldweg hinauf zur Kapelle erreichen, wandern wir noch eine Weile an den bunt schattierten Eifelflächen entlang. Einige der Gläubigen wählen den bequemen Wg mit dem Auto, zurück zu ihren Häusern und Wohnungen.

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Ich liebe die frisch vorbereiteten Frühlingsfelder
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Blick auf Steffeln

Oben an der Votivkapelle – Besinnung

Hier oben an der Kapelle fühlt es sich an, als würde die Stille besonders intensiv sein. Ein wunderschöner Rastplatz lädt zum ausruhen und zur inneren Einkehr ein.

Den Berg hinab nach Steffeln

Während wir so dahin ziehen, noch immer die morgendliche Stille einatmen, werden hier und dort die Traktoren angeworfen. Nicht lange nach der Stunde der Besinnung, beginnt für die Landwirte wieder ihr Tagwerk. Karfreitag der Tag ohne Tanz, aber mit Arbeit.

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Kirche in Steffeln
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Wegkreuz

Eine kleine Familie steht vor einem der Fußfälle. Der kleine Sohn liest zu diesem Fußfall ein paar Zeilen vor, er tut sich noch schwer mit dem Text. Eltern und Großeltern stehen dabei, es herrscht eine andächtige, wunderschöne Atmosphäre.

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Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege
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Statue des Erzengel Michael als Drachentöter, der einen Fuß auf dem Kopf des Satans platziert und ein großes Schwert trägt.

Für ein so kleines Dorf ist das Ehrenmal recht groß. Beachtlich, wie ich finde!

Wir durchstreifen den Ort Steffeln, der außer Traktorengeräusche kaum menschliche Signale sendet, Gastwirtschaften haben natürlich auch geschlossen. Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch im Mai des vorigen Jahres und erkenne Häuser und Straßenzüge sofort.

Schnell ist dieser Abschnitt vorbei und wir erreichen wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen. Eine Pause in der wärmenden Sonne, oberhalb einer Pferdewiese, muss jetzt sein.

Vulkangarten Steffeln

Ich weiß, dass jetzt Unmengen Bilder kommen, aber ich empfinde sie als so aussagekräftig, dass ich bei späteren Lesen meines eigenen Blogbeitrages wieder an diesen tollen Vulkangarten erinnert werde.

Experimentierstationen ermöglichen den Besuchern ein Verständnis über das Zusammenwirken verschiedener Elemente, wie z.B. Wasser und Basaltgestein zu erlangen.

Es grünt so grün auf dicken Basaltbrocken

Raus aus dem Garten, runter auf den Wanderweg und schwupps schon erblicke ich die nächste Attraktion. Die herum liegenden Monster erinnern mich ein wenig an die Wolfschlucht bei Manderscheid.

Spike findet das Herumturnen zwischen den Steinen klasse und folgt mir gut gelaunt, überhaupt läuft er die 16 km des heutigen Tages verflixt locker.

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Die Augen schauen dankbar

Wieder wechselt die Landschaft. Grüne Wiesen in unterschiedlichen Farbnuancen, die weiß blühenden Schlehen, noch unbelaubte Baumreihen und dann wieder die dunkel braunen, frisch bestellten Felder geben dieser Umgebung so viel Kontraste und ‚Tiefe.

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Mineralquellen

Die Tätigkeit der Vulkane hinterlässt nicht nur Tuff, Basalt und Co, sondern auch Quellen. In sauberer Form sind sie sehr gesund und werden von der Bevölkerung und manchem Zugereisten gerne als Trinkwasserquellen genutzt. Der Geschmack ist für viele aber so anders, dass sie drauf verzichten.

Steffelner Drees

Wir erreichen die eisenhaltige ursprüngliche Mineralquelle Steffelner Drees. Ich komme mit einem jungen Ehepaar ins Gespräch und hier ergibt sich die Frage „Gibt es anpassungsfähige Lebewesen in Mineralquellen?“  Ich finde im Netz hierzu nichts, bzw. nichts was ich verstehen könnte.

Es sprudelt in der Quelle, das Wasser ist aber nicht so sauber, dass ich es trinken möchte. Spannend ist, dass das Wasser fast klar ist, wenn man es sammelt. Die rote Färbung am Grund entsteht durch Ablagerungen, die schmierig in rostrotem Ton an den Händen haften bleibt.

Das Eichholzmaar

Ein kleiner Pfad führt zum Eichholzmaar. Mit 120 m Durchmesser und einer Tiefe von rd. drei Metern, ein eher kleines Maar. Der Mensch hat auch hier in die Natur eingegriffen, in dem das Maar, um Wiesenflächen zu erhalten, trocken gelegt wurde.

Nach der Renaturierung entwickelte sich schnell wieder ein Unterschlupf für seltene Wasservögel und Reptilien. Oberhalb des Wanderweges wurde eine Aussichtsplattform mit Sitzmöglichkeit geschaffen.

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Auf schmalen Pfaden zur Aueler Drees

Auf den nun folgenden Waldpfaden tummeln sich tausende von Roten Waldameisen. Es tut mir immer so leid, wenn ich mir bewusst mache, wie viele von ihnen unter meinen Füßen ihr Leben lassen. Das ist nicht fair.

Wir passieren die Aueler Drees, eine weitere Mineralquelle.

Der kleine Bach, der das Eichholzmaar speist, speist auch Spike. Das Wasser scheint gut zu sein, denn er trinkt sehr gierig. Über eine kleine Brücke gelangen wir wieder auf Feldwege.

Römische Villenanlage

Eine kleine Weile darf ich nun noch die fantastischen Muster der Eifler Landschaft genießen, bevor wir zum Infopunkt Römische Villen-Anlagen gelangen.

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Um an die Villenanlage in Duppach-Weiermühle zu erinnern, haben ehrenamtliche Mitglieder des Archäologischen Förderverein Duppach e.V. (AFD) diesen Infopunkt errichtet. Hierbei entstand ein römischer Sitzkreis, ein römischer Kräutergarten und das Römische Speichergebäude.

Im Inneren des Gebäudes kann einiges an Wissen über Bautechnik und die Grabungsgeschichte angehäuft werden.

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Römische Villenanlagen – Speichergebäude

Der Weg zurück

Schade, der heutige Wandertag endet nach 16,2 Kilometern und unfassbar viel Freude. Da war eine Menge für´s Herz dabei, für den Verstand und für die Fitness auch ein wenig.

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Noch einmal ein Blick zurück auf das Römische Speichergebäude

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9 Kommentare

  1. Hallo Elke,
    ein sehr, sehr… toller Bericht 👍👍👍👍
    Meine Kollegin und ich haben letzte Woche festgestellt das die Welt doch sehr klein ist. Meine Kollegin folgt Dir auch schon länger und findet Deinen Blog super 👌

    Habe in meinem Blog hier und da Änderungen vorgenommen. Z.B. habe ich einige Beiträge mit YouTube verknüpft, so kann man dann auf meine Diashows zugreifen.

    Wünsche Dir noch eine schöne Woche!
    Liebe Grüße
    Nina

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    • Och Nina,
      Kommentare wie Deine sind ja das Sahnehäubchen auf dem Blogbeitrag ;-), vielen Dank für Dein Lob.

      Ja YouTube, ein Thema das mir immer wieder durch die Finger rinnt, weil dann doch auch aufwändig. Ich schaue gleich mal zu Dir rüber.
      Bestelle Deiner Kollegin unbekannterweise herzliche Grüße und wünsche Dir weiterhin viel viel Spaß beim wandern und bloggen.
      Liebe Grüße Elke

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  2. Wow, da hast Du ja, wettertechnisch, einen 6er im Lotto gehabt. Wir hatten ja am Kar-Freitag am Westrand des Harzes auch Glück mit dem Wetter und Sonne aber solch „Kaiserwetter“ natürlich nicht.
    Ich liebe es dass Du immer soviele Bilder in Deinen Berichten hast, ich habe immer zu wenig, was aber an zum Einen an meiner Faulheit liegt,- ich weiss wieviel Arbeit das Aufbereiten macht, daher doppelten Dank-, und zum Anderen daran, dass ich unterwegs manchmal vergesse Bilder zu machen…. . Die Farben in der Frühlingssonne sind tol, dazu dann die Mischung aus noch lichten Bereichen wo uach ein Waldstück noch sonnendurchflutet ist mit noch frischem Grün der ersten Triebe. Herrlich.
    Der Abschnitt über die Römer hat mir auch gut gefallen und erinnert mich doch sehr an die Zeit als der APXanten noch in der Anfangszeit war und noch nicht so stark kommerzialisiert. Obwohl ich immer noch gerne hingehe, fand ich es schöner als noch ausgegraben wurde.

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  3. Wunderschön der Beitrag 🙂 Früher fuhr ich die alte Jugendherbergsmutter von Prüm dort spazieren 😉 Sie war nicht mehr mobil, aber hat die Landschaft vom Auto aus jedesmal so sehr genossen. Yep, von Eifelluft geht einem das Herz auf 🙂

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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