Beinarbeit im Bergischen Land – Klasmühle

Setze gegen jeden trüben Gedanken einen Berg. Die Mühen ihn zu erklimmen lassen verblassen, was Du auf der Seele trägst.  So geschehen am wärmsten Tag im Mai 2017.

Ahnungslos wähle ich aus dem vielfältigen Angebot an Wanderwegen im Bergischen Land bei outdooractive die „kleine“ Wanderrunde an der Klasmühle aus. Eine hier ab und zu kommentierenden Leserin veröffentlicht regelmäßig ihre absolvierten Wanderungen dort. Auf diesen wenigen Kilometern rd. 400 Höhenmeter zu bewältigen ist schon herausfordernd für mich.

Wo geht es hin?

  • Start/Ziel: Wanderparkplatz Odenthal, An dem Scherf
  • Streckenlänge: 14 km
  • Höhenmeter: 407 m (lt. Navi)
  • GPS Track
  • Original Track bei outdooractive von Ulrike Tenzer
  • Einkehrmöglichkeit: Cafe Restaurant Heuser in Scheuren 

Das Herz ist voll

Manchmal schüttelt das Leben den gewohnten Rhythmus durcheinander und nicht immer sind diese Tatsache leicht zu akzeptieren. Eines der kleineren aber sehr wichtigen Themen ist Spike.

Spike wird künftig nicht mehr mit wandern, oft tut er sich schon auf kleinen Strecken schwer und trottet mit leeren Blick die Wege ab. Es wird Zeit ihm seinen verdienten Seniorentrott zu gönnen. Er schläft viel und wenn ich nach einer mehrstündigen Abwesenheit nach Hause zurückkehre, bekommt er oft erst nach Minuten mit, dass ich mich wieder in der Wohnung befinde.

Welch ein Dilemma, ich möchte wandern, auch mal längere Strecken und vor allem auch mal weiter weg von zu Hause, das wiederum würde bedeuten ihn für längere Zeit alleine zu lassen. Auswärtige Unterbringung ist nur in seltenen Fällen möglich.  Ich gebe zu, das macht mir schwer zu schaffen.

Diese und andere Themen möchte ich mir ein wenig von der Seele laufen.

Kaum begonnen treibt es mich den Berg hoch

Wirtschaftswege sind im Bergischen Land reichlich vorhanden. Damit muss die Wandersfrau leben, wenn sie hier unterwegs ist. Und so startet meine Wanderung dann, nach nur kurzer Schlenderei über Ortsstraßen, auch gleich mit einem dieser Wege und er führt über die kommenden 650 Meter kontinuierlich bergan.

Es ist warm, heute am 17. Mai 2017 soll es bis zu 30 Grad warm werden, also geradezu sommerlich. Das wird eine Herausforderung für Omis Kreislauf 😉

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Blick zurück auf Klasmühle
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Einmal tief Luft holen und ein Fotos für´s Album schießen

Am Berg eine Kunstpause

20170518_084227Nach diesem ersten Anstieg setze ich mich auf einen Baumstamm und krame das kleine Notizbüchlein aus dem Rucksack.

Ich möchte einige meiner Gedanken und Eindrücke aufschreiben, blättere durch die Seiten und entdecke die ersten Malversuche meiner Enkelin.

Hier oben herrscht eine göttliche Stille, obwohl gar nicht weit oberhalb die Scheurener Straße regelmäßig befahren wird. Das verordnete Tempolimit lässt das Geräusch der dahin gleitenden Fahrzeuge im Konzert der Vogelwelt untergehen. Das ist mir bisher nie so aufgefallen.

Hinter mir ertönt der Ruf eines Milans, Insekten summen um mich herum und vermutlich krabbeln gerade die unerwünschten Zecken heran.  Die Spinne, die sich gerade in dem obersten Fach meines Rucksacks geschummelt hat, finde ich nicht wieder,  um sie wieder heraus zu bitten.  Was wollte ich noch gleich? Gedanken aufschreiben? Irgendwie sind die gerade den realen Eindrücken meiner Umgebung gewichen.

Weiter wandern und Zweifel am Weg

Staunend stehe ich vor dem gelben Schild mit der Aufschrift „Selbstkontrolle“

Permanente Wanderwege des DVV starten in einem Startlokal, wo der Wanderer die Startkarte erhält. In dieser Startkarte können dann wohl Einträge vorgenommen werden. Der Schmitzchen- Schleicher Weg startet am Cafe Pieper auf der Altenberger Dom Str. 100

Leider führt der nun folgende Streckenabschnitt über rd. 2,5 km an gut befahrenen Ortsstraßen entlang. Ich muss sagen das ist so ärgerlich, das auch der Rest meiner ursprünglichen Gedankenpakete verblasste. Welch eine Methode einer Gehirnwäsche 😀

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Scheurener Straße

Kurzfristig kann ich, durch Abändern des Streckenverlaufes, der Straße entrinnen, aber eben nur kurz.

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Eine kurze Weile Luft holen und durchatmen

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Teerwege, aber wenigsten mit schöner Aussicht – mit sehr schöner Aussicht

Zurück an der Scheurener Straße holt mich die Zivilisation wieder ein. Ich zeige euch ein paar Eindrücke, da ich weiß, es gibt Wandersleute, die sich durch solche Streckenabschnitte nicht gestört fühlen.

Ab Busch wird es schön

Die Durststrecke sollte nicht ewig andauern. Nun folgt bis zum Örtchen Busch ein Wechsel zwischen Wald und Wirtschaftswegen, nicht so sehr schön aber erträglich.

Von nun an habe ich nur noch Vergnügen, allerdings bin ich nun auch schon über 4 km gewandert, das war also schon ziemlich heftig als Einstand.

Natur pur und viel auf und ab

Die nun folgenden Wege entschädigen auf großartige Weise für voran gegangene Qualen. Ein schmaler Wiesenpfad führt unterhalb der Häuser des Ortes ein Stück bergab und ja, ihr ahnt es sicher schon, es folgt wieder ein Anstieg.

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Ich mag diese Weidenbewohner, die ständig mit den Ohren wackeln und mit warmen Schnauben ihre Gemütlichkeit ausdrücken.

An einem Hof vorbei, wandere ich auf Feldwegen an den Weiden vorbei, die viel Platz für die grasenden Bewohner bieten.

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Ein wenig Wald tut jetzt gut und ausnahmsweise verläuft dieser auch ohne deutliche Anstiege. Ich spüre Schwere in den Beinen, seit fast drei Wochen bin ich täglich wandernd unterwegs gewesen. Mein Fitnesslevel könnte allerdings auch besser sein 😉

Was piepst denn da?

Während ich dahin schlendere und diese Idylle genieße, vernehme ich aufgeregtes Piepen aus einer Höhle im Baumstamm. Darüber ebenso aufgeregt, das wilde Verteidigungsrufen der Eltern und diverser anderer Vogelarten.

Mir ist leider verborgen geblieben welcher Art die Brut dort oben ist.

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Bruthöhle
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Mama oder Papa?

Ich konnte die offenen Fragen nicht klären, also ziehe ich weiter, damit die Eltern der kleinen Piepser nicht vor lauter Stress vom Baum purzeln.

Liesenberger Mühle (1857)

Weiterhin auf wunderschönen Wegen wandere ich an der alten und noch gut erhaltenen Liesenberger Mühle vorbei und quere hinter ihr die Odenthaler Straße.

Der kühle Wald fährt die Körpertemperatur ein wenig runter, die Mittagshitze ist extrem am heutigen Tag. Der Rosauer Bach plätschert gemütlich neben dem Wanderweg dahin.  Ich liebe das gluggern und plätschern fröhlicher, kleiner Bäche, die zusammen mit dem Gesang der Vögel ein so herrliches Konzert kreieren.

Kramerhof – Hochseilgarten

Langsam nähere ich mich einem Hochseilgarten, von dessen Existenz ich bis heute nicht wusste. Waldwege weichen erneut offenen Feldwegen, die Sonne prahlt mit voller Kraft mit ihrer Frühjahrsdominanz.

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Am Hof grasen hell gefärbte Pferde. Ein Fohlen liegt tief im Gras verborgen, nur sein wackelndes Stummelschwänzchen verrät seine Existenz.

Weidevieh – Ich liebe den Anblick

Wenige Meter weiter stehen die Rinder auf der Blumenwiese, ebenso mit der Nase tief im Gras, es wird gekaut, gerupft, gekaut, gerupft…keine Zeit den Kopf zu heben und die Frau mit dem Rucksack zu betrachten.

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Und ich muss einfach diese Idylle zeigen, die sich abhebt von den grausigen Zuständen in den meisten Milchviehbetrieben. Natürlich dienen auch sie dem Kommerz, sie werden irgendwann geschlachtet. Bis zu diesem Zeitpunkt leben sie aber ein bestmögliches Leben und das erfreut mein Herz.

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Paffenberger Siefen

Auf dem Parkplatz an der Schallemicher Straße wird eine Kirmes aufgebaut, vielleicht für das Pfingswochenende? Nach einer kleinen Pause auf einer Bank nehme ich die letzte kleine Strecke in Angriff.

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Wunderschön der Blick über die bergischen Hügel, die Bäume haben zum größten Teil ihr Sommerkleid angelegt, die jüngst ausgeschlagenen brüsten sich noch mit dem hellen grün, die Frühstarter schon recht dunkel.

Am Paffenberger Siefen ist es wieder angenehm kühl, die Waldwege hell und freundlich.

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Ich fühle mich wie in einem Zauberwald. Jeden Moment könnte hier ein kleiner Gnom oder eine Elfe heraus hüpfen, lustig ihre Hüte oder Elfenfedern oder Blumen mit langen Stielen  schwenkend.

Schallemich und bald Klasmühle

Kein einziger Einbruch mehr, auf diesem schönen Weg. Fortgesetzt habe ich bezaubernde Ausblicke in die Region, wunderbare Wege unter den Füßen.

Mit Blick auf mein Ziel kann ich auch den Weg sehen, den ich ganz zu Beginn hoch gewandert bin. JETZT möchte ich den nicht noch einmal vor der Nase haben.

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Für mich geht es jetzt relativ belastungsfrei zur Klasmühle zurück. Ein kleines Gespräch mit einem Hundehalter peppt das Ganze noch auf.

Fazit:
Die ersten Kilometer waren, aufgrund des parallel zur Straße verlaufenden Weges, sehr anstrengend. Danach kam Genuss pur. Ich würde bei einer Wiederholung schauen, dass ich die Wegeführung anders starte.

Fazit:

Bis auf die ersten Kilometer war diese Runde der pure Genuss, vielleicht lässt sich hier eine Änderung stricken, damit auch der Einstieg positiv in Erinnerung bleiben kann.

Über die gesamte Strecke verteilt findet man natürlich immer auch befestigte, geteerte Wege vor. Das ist ein Merkmal des Bergischen Landes, verursacht durch die vielen kleinen, aber sehr süßen Hofschaften zwischen den reinen Naturwegen.

11 Kommentare

  1. Genieße die Zeit mit Spike. Ich kenne das all zu gut, habe ich meinen geliebten Kater und Seelentier in sein Alter und Tod begleitet. Oft dachte ich auch, lieber vor die Tür zu wollen, blieb aber – weil ich ihn liebte. Am Ende ist jede Minute kostbar und man wünscht sich, mehr von der Zeit gehabt zu haben. Er fehlt mir unendlich. Mehr als jede Wanderung.

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    • Spike kann noch 1-2 Jahre, aber eben mit weit wenig Bewegungswünschen, leben. Da gibt es kein „Ich bleibe 2 Jahre drinnen“ Er pennt, während ich unterwegs bin und ich bleibe, vor allen Dinge psychisch, einigermaßen gesund wenn ich raus gehe. Da haben wir beide mehr von 😉

      Oh ja, ich werde ihn vermissen, vermutlich mehr als ich mir im Augenblick vorstellen kann. So war es bei allen Tieren in meinem Leben. Das Leben geht aber weiter….. mit Enkeln, mit wandern und vielem Anderen, aber sicher nicht mehr mit Haustier.

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  2. Ich muss 2 Dinge zugeben:
    1.) dass ich eigentlich keine Hunde mag (insb. dann, wenn sie größer wie ne Katze sind). Klingt für Hundehalter doof, ich weiß, ist aber so.
    2.) dass mir die Fotos mit Spike drauf immer die liebsten in den Berichten waren/sind. Ich glaub, bei ihm hätte ich ne Ausnahme gemacht, was die „Angst“ (wobei Respekt wsl das richtigere Wort ist) vor Hunden angeht.
    Aber der Lauf der Zeit macht nun mal auch vor Tieren nicht halt.

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  3. Hallo Elke,
    freue mich, dass du diesen Weg bei Outdooractive kommentiert hast und dass ich in deinem Blog erscheine. Ja,ja, er fängt schon nicht gerade schön an. Zu Hause, mit der Wanderkarte tüftele ich mir etwas aus und weiß auch nie so genau was auf mich zu kommt. Ich werde auch noch eine Alternative ab Klasmühle testen. Das es so viele Höhenmeter waren ist mir gar nicht aufgefallen. Mich hat es erst einmal in eine andere Ecke verschlagen. Dann kann ich mich immer so schlecht davon lösen, weil mir dort so viele Ideen über den Weg laufen.
    Liebe Grüße,
    Ulrike

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  4. Hallo liebe Elke, was für eine tolle Tour! Noch 3 Stunden und ich darf mein Büro auch endlich verlassen. Finde gar keine Worte zu deinem geliebten Spike. Leider werden wir alle nicht jünger und es ist immer traurig wenn man merkt das der langjährige Partner nicht mehr so fit ist. 😢 Genießt Eure Zeit noch zusammen!!!
    Die Kunst von deiner Enkelin ist aber nicht schlecht😀
    LG Nina

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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