Vom Josephskreuz nach Stolberg

An die Berge scheint die Sonne zuerst

So steht es auf dem Ticket, dass ich heute am Schalter unterhalb der Josephskreuz erstanden habe. Und gerade schaue ich auf den Preis und entdecke, ich hatte ein Rentnerticket.  Jetzt aber zurück auf Anfang……

Zum Kreuz geradeaus und Berg hoch

Am Großraumparkplatz am Auerberg 1 stehen mehrere Aufstiegsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Kurzvariante verläuft auf einem Kilometer steilen Wanderweg, den ich wähle.

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Ziemlich flott erreiche ich den Gipfel und sehe das große Josephskreuz durch die Bäume blitzen.

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Der erste Blick auf mein Ziel, das Josephskreuz

Freundliche Menschen im Südharz

Nachdem ich mein Heft der Harzer Wandernadel um einen Stempel bereichert und genügend Fotos von Wanderomi auf dem Chip sind, setze ich mich auf eine der Bänke und lausche den Vogelstimmen. Es ist noch so still hier oben.

Ein Auto erreicht den kleinen Parkplatz, der lediglich Gehbehinderten und dem Personal hier oben zur Verfügung steht. Die Gastwirtin des Bergstübl  steigt aus und winkt mich heran, verspricht mir ganz schnell einen Kaffee zu kochen.

Als das heiße Getränk auf meinem Tisch landet, kommen wir ins Erzählen. Sie ist überrascht und begeistert, als ich ihr erzähle, dass zwei meiner Söhne aus dem Westen in den Osten umgesiedelt sind. Nicht zum ersten Mal wird mir bewusst, wie deutlich die Trennlinie zwischen Ost und West noch spürbar wird. Urlauber aus dem westlichen Deutschland sind selten.

Es war einmal ein Gasthaus ohne Wasser

Seit dreißig Jahren lebt sie hier, damals mit Trockenklo und ohne fließendes Wasser. Das Wasser, für uns ganz selbstverständlich seit Jahrzehnten aus der Leitung kommend, musste den Berg hoch transportiert werden.

Die ersten Jahre forderten die Gastleute sehr heraus. Damals kamen aus der Nachbargemeinde Gruppen von Kindern, bis zu 500 an der Zahl, die auf Zuteilung Nahrung und Getränk erhielten. Der Betrieb der Gastronomie hat viel Lebenskraft gekostet.

Das Josephskreuz musste mehrfach saniert werden

Das Leben war in den 30 Jahren voller Entbehrung. Über mehrere Sommer verteilt wurde das Josephskreuz gesandstrahlt, es musste 1987 wegen Baufälligkeit gesperrt werden. In den Jahren 1889 und 1990  so konnte die Gastwirtschaft nicht planmäßig ihr Sommergeschäft machen. Heute schützt ein mehrfacher Anstrich, der 2003-2004 aufgetragen wurde, vor dem übermäßigen Angriff durch Witterungseinflüsse.

Seit ein paar Jahren gibt es ein neues Toilettenhaus und das Wasser wird aus einer Quelle weiter unterhalb nach oben gepumpt. Fördermittel nach der Wende haben im Grunde das Bergstüb´l gerettet.

Das Eichenholz, besonders unter dem Dach, hat durch Wasserschäden gelitten, immer wieder muss daran gearbeitet werden. Es ist ein altes Gebäude, teilweise erweitert. Heute wohnt die Tochter mit Familie in den Wohnräumen des Gasthauses.

Leider muss die freundliche Gastfrau nun in die Küche. Ich kann gar nicht sagen wie sehr mich die Eindrücke, die sie mir gab, berührt haben. Diese Mischung aus vergangener Verzweiflung, über so manches Hindernis und dem Stolz es immer wieder geschafft zu haben, das ist Leben. Ich kann auf diesem Wege nur noch einmal „Danke“ sagen.

Auf den Kopf des Josephskreuz

Das Josephskreuz ist das größte eiserne Doppelkreuz der Welt, wurde 1896 aus
123 Tonnen Eisen erbaut und wird mit ungefähr  100.000 Nieten zusammengehalten. DAS sind Zahlen, die man sich auf der Zunge zergehen lässt.

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Ich steige 200 Stufen und 38 Meter in die Höhe, pausiere auf der Plattform in der Mitte (natürlich nur, um die Aussicht zu genießen – HECHEL) und dann stehe ich dort oben, auf diesem uralten Doppelkreuz und fühle mich einfach großartig. Diese Weite ist so herrlich, der Blick hinunter allerdings mit etwas Grummeln im Bauch verbunden.

Eine Schulklasse kämpft sich den Weg nach oben, noch mehr hechelnd als ich und natürlich, ihrem Alter entsprechend, lärmend. Von oben betrachte ich das Bräustübl mit den akkurat ausgerichteten Tischgruppen.

Auch zwei ältere Herren – 83 und 85 Jahre jung, erkämpfen sich die hohe Aussichtsplattform und wieder einmal habe ich Grund  betagten Menschen meinen Dank auszuspreechen, für ein erfrischendes Gespräch und für die Gewissheit, mit 80 Lebensjahren ist das Leben nicht zwingend nur Sofa sitzen.

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Zum Ticketverkauf
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Noch einmal das Doppelkreuz schauen, bevor es den Berg wieder runter geht

Abwärts wähle ich den etwas längeren Wanderweg, der später über den Fahrweg führt, nicht sooo sehr schön, aber wandern hatte ich heute sowieso nicht vor.

Stolberg steht nun auf meinem Plan, die einzige Innenstadt meines 14-tägigen Urlaubes. Irgendwann werde ich mich auch den schönen Fachwerkstädten in der Region widmen.

Stolberg im Südharz

Auch auf Wanderwegen wäre Stolberg vom Auerberg aus erreichbar gewesen, doch mein Vierbeiner soll nicht all zu lange alleine in der Ferienunterkunft bleiben müssen. So fahre ich mit dem Auto nach Stolberg, um eine kleine Runde durch den Ort zu drehen.

  • Parkplatz: Stolberg, Kaltes Tal

Stolberg wurde 1252 erstmals urkundlich erwähnt. Dem Umstand während der Kriege nahezu frei von größeren Schäden geblieben zu sein, verdankt die Stadt ihr Aussehen, dass sich seit 100-200 Jahren kaum verändert hat.

Die erneute Anbindung an den Schienenverkehr Richtung Halle und Leipzig hat vor allem zu Beginn des sich entwickelnden Tourismus die Menschen in den Ort gebracht.

Informationen, die ich hier nieder geschrieben habe, stammen von der Webseite der Stadt Stolberg

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Fachwerk wohin das Auge sieht – Stolberg

Gassen wie im Mittelalter

Etwas unwirklich erscheint das Bild hier, als sei die Zeit still stehen geblieben. Wohl die modernen Autos und die Baustellenschilder zeugen vom Fortschritt. Wenn ich gleich um die Ecke biege, sehe ich dann moderne Häuserreihen, Fassaden mit Glas und belebte Straßen mit Menschen, die Einkaufstüten tragen?

Nein, hier ist nichts los. Keine Einkaufstüten, keine mit grell leuchtenden Reklameschildern winkende Ladeneingänge.

Ich werfe einen Blick in das Ladeninnere der Bäckerei. Das Angebot ist begrenzt, ein Roggenbrot bekomme ich nicht mehr. Die Auslage im Schaufenster ist schlicht und passt in das gesamte Stadtbild.

Ein Imbisstand bricht schon fast die traditionelle Bebauung, stört die Einheitlichkeit der mittelalterlichen Stadt.

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Der Marktplatz und die Rittergasse

An einem gewöhnlichen Wochentag wie heute, außerhalb der Ferienzeit, ist der Marktplatz angenehm leer. An den Wochenenden treffen hier die Biker mit ihren schweren Maschinen ein, um hier ein Getränk oder eine kleine Mahlzeit zu genießen.  Die schmalen, kurvigen Straßen laden sie zum Herkommen ein.

Dankbar, dass ich von dem Spektakel verschont bleibe ziehe ich weiter auf die Rittergasse, die ich bis zum Ende gehe, um dann auf dem Rückweg über einen schmalen Pfad oberhalb des Ortes hinunter auf die Stadt blicken zu können.

Blick auf Stolberg

Rathaus

Das prachtvolle dreigeschossige Bauwerk wurde 1452 erbaut und stellt ein Kuriosum der Architektur dar: um die drei Etagen, die unterschiedlich genutzt wurden, separat erreichen zu können, wurde der Zugang zu den einzelnen Stockwerken über die breite Außentreppe geschaffen.

Ursprünglich hatte das Rathaus 12 Türen (= Monate/Jahr), 52 Fenster (= Wochen/Jahr) und 365 Fensterscheiben (= Tage/Jahr). Heute sind es 53 Fenster mit je 8 Scheiben. Der Felderschmuck am Rathaus stellt die Zunftzeichen der damals in Stolberg vertretenen Handwerker dar. Die Sonnenuhr entstand im Jahre 1724 und seit dieser Zeit wird das Gebäude auch als Rathaus genutzt.

Im Rathaus ist der Sitz des Ortsbürgermeisters und der Verwaltung, Standesamt/Trauzimmer und es finden wechselnde Ausstellungen statt. Quelle: Stolberg.de

Weiter durch die Rittergasse

Hinauf zum Schlossberg

Ich habe mir das Schloss Stolberg, das den Blicken des Betrachters zum Teil durch Einrüstung und Verhüllung verborgen bleibt, nicht angesehen. Bei einem erneuten Besuch in der Region wird das sicher nachgeholt.

Der Blick hinunter auf Stolberg zeigt wie eingekesselt die Häuserreihen sind, und dass für eine aufgelockerte Bebauung kaum Platz bliebe, es sei denn es wird in den Hang gebaut.

Wieder zurück am Marktplatz

Einen Kaffee genieße ich am Marktplatz, sowie ein kleines Eis. Inzwischen sind mehr Menschen eingetrudelt, die Durchgangsstraße der Stadt werden nun auch häufiger von PKW durchfahren, eine ständige Geräuschkulisse.

Früher wurde hier die Langholz auf entsprechenden Fahrzeugen durchgefahren. Heute gilt für den Innenstadtbereich ein Durchfahrverbot für LKW. Auch die braunen Harzkühe nutzen die innerstädtischen Straßen nicht mehr, um auf ihre Weiden zu gelangen.

Nach der Rast auf den Heimweg

Einige schöne Ansichten erhasche ich noch und dann geht es, bei herrlichem Frühlingswetter zurück nach Allrode. Der Rest des Tages wird in dem großen Garten verbracht, mit Abendrunde durch die herrliche Landschaft die den Bungalow umgibt (dazu in einem separaten Artikel mehr)


Wanderomi war mit dabei

Mit ein wenig Fantasie kann man Wanderomi unterstellen Bäume zu fällen, sie in Einzelteile zu zerlegen und diverse andere Schandtaten begangen zu haben. Auf dem Weg zum Josephskreuz gelang es mir, sie auf frischer Tat zu ertappen und Beweise zu sichern.

Ja, ich bin mir bewusst, dass ich mit den Bildern und den damit verbundenen Spielereien ein TABU für erwachsene, ältere Damen breche. Vermutlich sind sie angeregt durch die Spielstunden mit den Enkeln.

Wer für´s Kind, Enkelkind oder sich selber an diesen hübschen Waldorfpuppen Freude findet, mag sich auf der Seite meiner Schwiegertochter umsehen, die nicht nur Puppen herstellt, sondern vieles im Bereich Upcycling. Schaut bei Rivkah oder direkt im Shop.

9 Kommentare

  1. Schönes Örtchen sozusehen, dieses Stolberg. Ich war in einem ähnlich von steilen Hängen eingezwängten Ort namens Wildemann. Das liegt im Westharz und sieht wesentlich heruntergekommener aus. Viel Leerstand und alles renovierungsbedürftig (so wie auch Hahnenklee). Ich habe mir sagen lassen, der Osten hätte nach der Wende kräftig investiert, während im Westharz alles so ziemlich den Bach runterging; auch der gesamte Tourismus hätte schwer eingebüßt.

    Dass du freundlich bedient wurdest, freut mich; wir hatten oft mit mürrischer ‚Beamtenbedienung‘ zu tun (Schierke, Brocken, usw) und in Goslar mit einer überheblichen wir-dulden-dich-kannst froh sein, dass du überhaupt was kriegst hier-Attitüde obendrauf. In der Hinsicht war Hildesheim vorbildlich.

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  2. Das hast du wieder alles ganz toll beschrieben, liebe Elke, und ehrlich gesagt vom „Josephskreuz“ habe ich noch nie was gehört. Das schaut ja imposant aus! Wünsche dir ein schönes Wochenende! Ich bin gedanklich ständig „beim Umziehen“ und planen, erledigen, Termine machen usw. usw. Es hängt mehr dran als ich gedacht habe! Liebe Grüße von Sigrid

    Gefällt 1 Person

Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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