Myria – Unterwegs auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Vorwort:

Myria liest schon sehr lange meinen Blog. Im vorigen Jahr durfte ich sie und ihre Freundin auf der Tour Natur persönlich kennen lernen. Irgendwie war da sofort eine gewisse Vertrautheit. Heute schickt sie mir ihren kleinen Erlebnisbericht zum ersten Wandertag auf dem Saar-Hunsrück Steig und ein Video, das ich euch gerne zeigen möchte.

Myria und Freundin unterwegs im Hunsrück

Der Saar-Hunsrück-Steig lockt mich, seit ich 2012 das erste Mal im Wandermagazin darüber etwas lesen durfte. Einige Traumschleifen entlang des Steigs durfte ich schon erwandern und war jedes Mal völlig geflasht von den naturnahen, wunderschönen Wegen. Nun feiert der Steig in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen!

Welche Etappen sollen es sein?

Grund genug für meine Freundin Doris und mich, ihn in einer Kurzurlaubswoche unter die Stiefel zu nehmen. Doch wo fängt man an bei über 415 km? An seinem Anfang in Perl an der französisch-luxemburgischen Grenze oder an deinem Ende in Boppard am Rhein, welches näher zu unserem Heimatort liegt? Wir hatten drei Tage Zeit zum Wandern. Da bot sich förmlich der ca. 40 km lange Abschnitt nach Trier an, wo sich der Saar-Hunsrück-Seig teilt und die sog. Ruwerroute in drei Tagesetappen bis nach Trier abzweigt.

Nun ging es ans Organisieren.

Die Hunsrück Touristik GmbH in Haan bietet Pauschalen mit Gepäcktransfer, Hotelübernachtung und Lunchpaketen an. Das gefiel uns recht gut, man ging dort sogar auf individuelle Wünsche ein, doch bekamen wir es in Eigenregie noch günstiger. Da bis kurz vorher nicht klar war, ob wir wirklich fahren können, war es uns auch angenehmer, nichts Festes zu buchen. Wir fanden eine angenehme Bleibe im Landhotel Haus Doris in Kell am See für die ersten 2 Nächte. Lunchpakete und der Transfer zum Wanderweg waren inklusive und gehörten zum Hotelservice. Toll, nicht? Die weiteren Übernachtungen waren in Riveris und in Trier geplant.

So fuhren wir am Mittwoch, den 19.7.2017 in nur zwei Fahrstunden nach Kell und bezogen schon mittags unser Hotelzimmer, in welches wir trotz Ruhetags des Hotels über den Schlüsselsafe Einlass fanden. Es war heiß und schwül und so lockte uns der Losheimer See zum Entspannen und Baden (im Stausee Kell darf man nicht baden). Dafür war es gut, ein Auto vor Ort zu haben.

Losheimer See

Für Deutschland waren an diesem und dem nächsten Tag heftige Unwetter angesagt: mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Und wir wollten doch am nächsten Tag los! Na, erst mal abwarten…

Bild1

1. Wandertag, Donnerstag 20.07.2017

Etappe 25 des SHS,

  • Grimburger Hof nach Kell am See,
  • 14,4 km
  • Aufstieg 343 m
  • Abstieg: 257 m
  • Ein paar Fotos habe ich auch

In der Nacht öffneten sich die Himmelsschleusen und ein ergiebiger Regen kam herunter. Doch Gewitter gab es in Kell keines. Morgens beim Aufstehen goss es noch in Strömen. Wir ließen uns beim Frühstück viel Zeit, denn unsere Wetter App hatte am Vorabend noch angezeigt, dass wir erst nachmittags vom Regen verschont werden würden und dann kein Gewitterrisiko mehr bestünde. Zum Glück gehörte ein überdachter Balkon zu unserem Zimmer, auf dem wir uns sonst Karten spielend die Zeit vertrieben hätten. Doch änderte sich die Vorhersage stündlich, so dass wir uns schon um 11h startklar machen konnten! Der gesprächige Hotelier brachte uns an den Abholpunkt 13 in der Nähe von Grimburg und dem Hotel Grimburger Hof, wo die heutige Etappe laut meines Wanderführers aus dem ideemedia Verlag starten sollte. Auf dem Weg dorthin wurden wir über die Planungsanfänge des S-H-Steigs unterrichtet. Am Startpunkt machte der Hotelier noch ein Foto von uns und dann ging es los.

Von unten war es noch sehr nass und da der Weg überwiegend auf schmalen Pfaden verlief, waren die Schuhe und Hosenbeine bald klatschnass. Aber vom Himmel kam an diesem Tag kein Tröpfchen mehr herunter. Hatten wir ein Glück!

Nach dem kurzen Zuweg zum Hotel Grimburger Hof über Asphalt tauchten wir sodann ins Grüne ein. Sofort nahm uns der Steig uns gefangen. Durch das Tal der Wadrill schlängelte sich der Weg fast ohne Steigung, mal entlang des Baches, mal unterm Blätterdach des Waldrands hindurch, aber auch über die freie Flur. Reich behängte Himbeersträucher luden zum Naschen ein, hohe Farne oder Ginsterbüsche säumten den Weg. Über kleine Brücken querten wir dreimal die Wadrill.

Bild3
Doris liebt es, auf Brücken von mir ein Foto zu machen, so gibt es mehrere Brückenfotos von mir.

Verwirrend waren unterschiedliche Kilometerangaben auf den Hinweisschildern nach Kell am See. Erst nach und nach leuchtete uns ein, dass mal die Ortsmitte gemeint war, die man über einen frühen Zuweg erreicht und beim nächsten Schild aber der außerhalb des Ortes liegende Stausee gemeint war, an dem diese Etappe offiziell endete. Die verschiedenen Symbole hinter dem Ortsnamen haben uns detektivisch zu diesem Schluss kommen lassen.

Am Keller Steg, an dem sich die Hauptroute des Saar-Hunsrück-Steigs von der Ruwerroute trennt, kam dann auch die Sonne heraus. Und gleich sahen die Fotos so viel schöner aus!

Doch von den im Wanderführer erwähnten Bibern waren am Keller Steg keine frischen Spuren mehr zu sehen. Schade.

Nun ging es einen Berg hinauf. Die Wegführung ist hier mittlerweile etwas anders als noch im Wanderführer oder auf der Homepage des Steigs angezeigt, da er wegen Flurbereinigungsmaßnahmen verlegt werden musste. Dies soll in nächster Zeit alles neu angepasst werden.

Auf einem Wirtschaftsweg erreichten wir entlang eines Fichtenwaldes die Höhe und genossen dort das erste Mal Weitsicht über den Schwarzwälder Hochwald (ja, so heißt der) und den Ruwer Hochwald. Der Ort Kell am See lag in der Senke direkt vor unserer Nase, aber wir wussten, dass wir noch fast 6 km Wanderung bis zum Stausee vor uns hatten, weil der Weg einmal im großen Bogen um den Ort herumführte.

Ein Schild leitete uns nun quer über eine Wiese. Ein Weg war nicht zu erkennen und auch mein GPS-Gerät bemängelte den Verlauf des Weges. Aber wir waren richtig und steuerten auf eine sonnige Bank zu, um hier eine ausgedehnte Mittagspause einzulegen. Die Wiesen entlang des Steigs standen übrigens voll unterschiedlichster Blumen: Mohn, Kornblume, wilde Möhre, Schafgarbe, duftendes Mädesüß, Sauerampfer, Kamille, Klee und Wegerich – um nur die mir bekannten zu nennen. Wunderschön! Es summte und brummte zwar nicht sehr, doch begleiteten uns unzählige Schmetterlinge auf dem Weg.

Nach der Mittagspause ging es hinab zur noch jungen Ruwer durch ein Stück Windbruch mit Stegen über ein Sumpfgebiet. Und immer wieder wechselte der Weg innerhalb kürzester Zeit sein Erscheinungsbild: vom offenen Feld hinab in die sumpfige Senke entlang knarzender und vom Sturm verbogener Bäume in einen dunklen Fichtenwald, vorbei an einer sonnigen Lichtung mit Waldteich und wieder durch Mischwald hinaus auf offenes Wiesenland. Die letzten Kilometer bis zum Stausee Kell vergingen wie im Fluge.

Die Ruwer-Fichte. „Mach dir ein Bild von Nachhaltigkeit“

Weiter führte der Weg entlang einer Waldschule mit Schautafeln und Insektenhotel und zu einem Jugendzeltplatz. An der Kreuzung bei der Waldschule haben wir uns allerdings vertan, denn wir sind dem ausgeschilderten Asphaltweg nach Kell am See gefolgt. Dass es sich hierbei aber um den zweiten Zuweg in den Ort handelte, merkten wir erst kurz danach. Wir wollten aber doch zum Stausee, dem eigentlichen Endpunkt der Etappe! Dieser war aber auf den Richtungsschildern gar nicht mehr aufgeführt. Doch wofür hat Frau eine Wanderkarte? Die nächste Abbiegung rechts genommen und wir erreichten wieder den Steig, dem wir noch einige hundert Meter bis zum See folgen konnten.

Dort machten wir auf der Terrasse des Hotels Fronhof (mit angeschlossenem Reitergestüt) eine ausgiebige Kaffeepause, bevor wir uns die nächsten 1,5 km unter die Sohlen nahmen, um in den Ort Kell und zurück zum Hotel zu kommen. Da wir noch etwas Sightseeing im Dorf machten, wurden daraus 2,5 km.

Fazit: Ein wunderschöner, nicht zu erschöpfender Auftakt unserer Wanderkurzwoche!

Aurora P.

26.07.2017

Zum Abschluss gibt es noch ein Video zur Etappe 25, der einen guten Überblick gibt

 

2 Kommentare

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