In den Steilhängen der Lahn

Auf einer einzigen, gerade mal knapp 12 km kurzen Wanderung solch einen Reichtum an Besonderheiten anzutreffen, ist wahrlich eine Seltenheit. Kommt mit mir an die Lahn, wandert mit mir in den Steilhängen der Lahn zwischen Runkel und Villmar…….

Hier geht es hin – In die Steilhänge an der Lahn

  • Start/ Ziel: Runkel, Parkplatz am Bahnhof
  • Streckenlänge: 11,5 km
  • Höhenmeter: 210 m
  • GPS Track
  • Einkehr Eiscafe´Mancuso – direkt an der Lahn in Runkel
  • Lahn Marmor Museum
  • Burg Runkel
  • Mehr von der Lahn? – Schaut mal in den Blog von Jörg  Lahntastisch 
  • Hinweis: Bitte unbedingt Gebietskarte mitnehmen,die Beschilderung ist lückenhaft.
  • Der Lahnwanderweg feiert seinen fünften Geburtstag mit vielen Aktionen. Infoseite

Runkel – Burgen und Eiscafe´

Kuschelig eingebettet zwischen Westerwald und Taunus hat es sich diese Stadt an der Lahn bequem gemacht. Damit auch ja niemand auf die Idee komme ihnen das lauschige Plätzchen zu stehlen, bauten sie Burgen. Auch um sich untereinander ihre Macht und Stärke zu demonstrieren, entstehen erst die Burg Runkel und dann die Burg Schadeck.

Heute zankt man sich vielleicht noch um einen günstigen  Platz vor der Theke des Eiscafe´s Mancuso, in dem ich nach meiner kleinen Wanderung einen Erdbeerbecher konsumieren durfte. Vor dem Genuss des Gaumens steht jedoch der Genuss aller Sinne, die ein Mensch beim wandern aktivieren kann.

Der Parkplatzgott hatte eine Lücke direkt unterhalb der Burg Runkel frei gehalten. Da bin ich nicht zimperlich und greife zu! Schnell sind Rucksack und Kamera gegriffen.

Wenige Meter die Straße herunter biege ich dann auch gleich links ab und betrete die erste Brücke des Tages, mit Blick auf Burg Schadeck, eine Trutzburg gleich gegenüber der alten Burgruine Runkel.

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Burg Schadeck, Trutzburg in Runkel-Schadeck. Hat man sich früher gezankt, wurden fix mal Burgen gebaut. So auch hier in den Jahren 1276 bis 1288.  Wikipedia weiß dazu noch einiges mehr. Geschichte

Brücke und Bannmühle zu Runkel

Eine unendliche Geschichte, so mussten die Einwohner den Eindruck vom Bau der Brücke haben, denn damit wurde 1441 begonnen, die Fertigstellung dauerte sieben Jahre.

Links neben der Brücke entdecke ich die Bannmühle aus dem 13. Jahrhundert. Eine Bannmühle nannte man Mühlen, zu deren Nutzung die umliegend angesiedelten  Landwirte  gezwungen wurden, dem s.g. Mahlzwang.

Aus beinahe jeder Perspektive musste ich das nette Ensemble aus Brücke Bannmühle und Burg, sowie den hübschen Fachwerkhäusern fotografieren. Ich gebe zu, die Lahn ist sehr verführerisch. Der Abschnitt zwischen Runkel und Villmar hat mich aber zusätzlich mit seiner wunderschönen Natur bestochen.

Verlieben leicht gemacht

Gleich hinter der Brücke verlaufen die Gleise der Lahntalbahn. Zur unendlichen Freude der Wanderer auf dem Lahnwanderweg  verläuft das Gleisnetz parallel zum sanft geschwungenen Lahnverlauf und ermöglicht so eine stressfreie Rückreise zum Startpunkt. Dem Lahnwanderweg werde ich heute eine ganze Weile folgen. Dessen Beschilderung ist übrigens perfekt!

Runkel

Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, bzw. noch gibt. Sehr sympathische Einrichtung, finde ich!
Ich folge, sofern vorhanden, dem roten „S“, da wäre wirklich Nachbesserung nötig. Es ist so traurig einen Weg mit Premiumcharakter, in dieser Hinsicht so zu vernachlässigen.

Der schmale Pfad verläuft zwischen den nordöstlich gelegenen Orten Runkels und der Lahn. Er trennt damit auch die Bebauung vom nahezu unbebauten Ufergebiet der Lahn.

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Blick auf die Lahn

Die braune Farbe des Wassers zeigt an, dass auch hier heftige Wassermengen den Weg aus den Wolken in den Fluss gefunden haben. Hin und wieder padeln die Kanuten gemächlich dahin und schnell kommt ein tiefes Gefühl von Frieden und Gemächlichkeit in mir auf.

Der Bruchhäuser Tempel bietet sowohl die Möglichkeit einer ersten kurzen Rast, als auch einen weitläufigen Blick zurück nach Runkel und auf die Lahn.

Der Blick hinunter belehrt mich zudem, dass auch Radfahrer auf bequemen, flachen Wegen zu ihrem Naturerlebnis kommen. Zwischen Bahnlinie und Lahn wurde hierfür ein komfortabler Radweg angelegt. Der Lahnradweg  verläuft von Marburg bis Braubach

Auf schmalen Weg entlang des Steilhanges darf ich weiter genießen. So liebe ich das!

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Schmale Pfade im Steinhang an der Lahn

Die Weg weisenden Symbole des Lahnwanderweges finde ich an den Bäumen und auch der Lahnhöhenweg ist hier ausgeschildert. Reichlich Wanderpotential an dem Fluss, der von Nordrhein Westfalen kommend durch Hessen nach Rheinland Pfalz fließt, um dort in den Rhein zu münden.

Die Felder sind bereits abgeerntet, lediglich die Stopeln zeugen davon, dass hier Getreide angebaut wird. Nur flauschige Wölkchen verzieren den Himmel, es ist angenehm warm. Meine heutige körperliche Verfassung ist denkbar schlecht, meine Beine fühlen sich schwer an und trotzdem möchte ich um nichts in der Welt woanders sein.

Über mir schwebt ein Rotmilan, ist also auch diese Region Heimat dieser wunderschönen Flieger. Er lässt sich von der Thermik tragen, so federleicht sieht das aus, bis er etwas entdeckt und pfeilschnell herabstürzt.

Die Maispflanzen sind sehr schlank hoch gewachsen, die Maiskolben erscheinen mir klein. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sie erntereif sind. Wieviel Rehwild, Füchse und Mäuse sich wohl zwischen den hohen Pflanzen verbergen? Der Hochsitz steht günstig, um sich abends das Treiben der Tiere zu betrachten.

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Maisfelder und Hochsitz

Blick auf das König-Konrad Denkmal

Ein kleiner Abstecher ist nötig, um von dieser Seite der Lahn einen ersten Blick auf das König-Konrad Denkmal zu werfen. Ein netter kleiner Pfad leitet den Neugierigen dort hin. Nachher werde ich dem steinernen Herrn noch unmittelbar gegenüber stehen

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Blick auf das gegenüberliegende Lahnufer und das König-Konrad-Denkmal

Ibach Eiche

Den Namen hat dieses Naturdenkmal von einem Pfarrer Johannes Ibach (1868 bis 1908). Der mächtige Baum hat schon einiges an Verlusten hinnehmen müssen, erscheint aber vom Blattwerk in der Krone her, sehr gesund.

Villmar in Sicht

Über die Bahngleise hinweg schlendere ich in äußerst gemächlichem Tempo Villmar entgegen. Am Bahnübergang gilt es zunächst per Hebeldrücken den Wunsch zum Überqueren der Gleise zu signalisieren. Mit einem freundlichen Gruß wird die Schranke geöffnet und auf mein „Danke“ kommt ein wieder freundlicher Abschiedsgruß zurück und die Schranke schließt wieder. Ich liebe solche „Begegnungen“ und die Schranken.

Fröhlich zwischen den Radfahrern an der Lahn entlang

Es ist einiges los hier, so kurz vor der berühmten Marmorbrücke von Villmar, mit dem Nepomuk als Wächter.

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Katholische Kirche St. Peter und Paul

Marmorbrücke von Villmar (1894)

Als besonderes Bauwerk ist diese Brücke seit 1885 als Baudenkmal geschützt. Zum Bau wurde das so genannte Lahnmarmor verwendet. Dieser polierfähige Kalkstein ist gesteinskundlich kein Marmor, wird aber so genannt. Die Brücke wurde errichtet um aus dem Ort hinüber zur Lahnbahn und den Marmorbrüchen zu gelangen.

Wie im wahren Wirtschaftsleben wurde die Baugenehmigung beschleunigt erteilt, nachdem Bürgermeister Simon Dill und der Pfarrer Johannes Ibach beim Überqueren der Lahn per Kahn gekentert und beinahe ertrunken wären. (Quelle: Wikipedia)

Etwas über 2 Mio Deutsche Mark hat die Sanierung 1994/1995 gekostet (Ich denke da gerade an die Dhünnbrücke in Leverkusen, die mehr als 3 Mio Euro verschlingen wird.)

Villmar und die Suche nach dem Weg

Eigentlich habe ich ihn, den Weg, nicht wirklich gesucht. Das habe ich aber meinem Garmin zu verdanken, das mich mit zuverlässigem Gehorsam auf dem richtigen Weg hält. Wegezeichen sind hier absolute Mangelware, bzw. ich habe kein einziges gefunden und das ist wirklich jammer schade.

Bis zur Schleuse laufe ich am Lahnufer entlang, bekomme gegenüber der Schleuse Möglichkeit mich über die Marmorverarbeitung zu informieren. Über die Ortsstraßen von Villmar schraube ich mich immer höher, nehme links und rechts ein paar adrette Bauten wahr und schnaufe beim Schlussanstieg……

meine Beine….nääää ich sollte doch ein paar Kilo Ballast abwerfen.

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Geschafft, endlich wieder oberhalb der Bebauung, im frischen Grün der Regen getränkten Wiesenwege. Eine Bank kommt jetzt gerade günstig daher. Ein Apfel, einen ordentlichen Schluck Wasser und  schon bin ich wieder auf dem Weg, der als nächstes einen kleinen Aussichtspunkt mit Marmorkreuz bietet. Hier oben finde ich auch die Wegezeichen wieder.

Auf der Bank sitzen still zwei Damen, anscheinend in „intuitives Schreiben“ vertieft. Gelegentlich werde ich eine meiner Wanderungen für diese Art Schreiben nutzen. Sie ist sicher nicht für eine Wanderbeschreibung geeignet, wohl aber, um die Umgebung intensiver wahrzunehmen, mit Geräuschen, Gedanken, Gerüchen und sicherlich ganz vielen Gefühlen.

Noch ein Blick auf Villmar und die Schleuse

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Hin zum König-Konrad Denkmal

Romantische Waldpfade verführen zum langsam gehen. Freche Meisen sausen durch die sommerlich grünen Bäume, ihr frecher Gesang ist deutlich vernehmbar.

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Die König-Konrad Straße muss ich überqueren, damit ich über einen Parkplatz und kleinen Weg zum Denkmal gelangen kann. Hier schaue ich noch einmal auf Villmar, mit dem Blickfang der St. Peter und Paul Kirche.

König Konrad   911 – 918

Auf einem Felsen über der Lahn thront das imposante Denkmal aus belgischem Sandstein auf seinem Sockel aus Lahnmarmor. Ich bin mir nicht sicher, welche Schreibweise nun korrekt ist. Die Inschrift lautet: „Conrad I., 911-918, Deutscher König und Graf des Lahngaues übertrug in treuer Sorge für des Reiches Sicherheit und Macht sterbend Heinrich von Sachsen Krone und Herrschaft.“ Mit dieser Kronübergabe übergeht er seinen Bruder Eberhard.

Von hier oben genieße ich eine Weile den weiten Blick über die Wiesen vor der Ortsbebauung. Auch hier oben und diese Art der Aussicht, wie jegliche Begegnung vorher, vermitteln eine Ruhe die wohltuend ist.

Ein letzter Blick noch hinauf, zum König, das wende ich mich ab, um den kleinen Rest meiner Wanderung anzugehen.

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Auf Feld- Wiesen und Waldwegen Richtung Runkel

Ziemlich flott bin ich, nach kurzem parallel zur Straße verlaufenden Pfad, wieder in der Natur. Feld- und Wiesenwege, dann wieder Wald, ohne große Ablenkung, einfach nur wandern – herrlich! Die Wiesenschlüsselblume und der Wiesenklee blühen fleißig.

Noch einmal eine Aussicht – Der Feldberg winkt

Noch einmal bekomme ich Gelegenheit in das verwunschene Lahntal zu schauen. In der Ferne ist der Feldberg auszumachen. Dieses Wissen habe ich von einem Ehepaar, das sich zur gleichen Zeit dort oben aufhält.

Endspurt ganz dicht an der Lahn

Auf steilen Pfaden gelange ich an das Lahnufer auf einen Wiesenweg. Sonntagsausflügler haben es sich dort bequem gemacht, genießen die sommerliche Wärme. Der Wiesenweg trennt die Wochenendhäuschen von der Lahn.

Runkel und die Burg

Der erste Weg in Runkel führt mich zur Eisdiele Mansuso. Lange Schlangen vor der Theke, aber noch Platz im Garten, also nix wie hin. Lecker, lecker und noch einmal lecker, sowohl das Eis als auch der Kaffee.

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Ein wenig streune ich nun noch durch Runkel, bis zum Eingang der Burg, die ich heute jedoch nicht besichtigen werde. Es lohnt sich, ganz sicher. Ich komme irgendwann wieder und dann hole ich das nach.

Das Fachwerk in den Straßen des kleinen Ortes ist einfach bezaubernd. Schaut es euch bei einem Besuch an.

Das Niedliche zum Schluss

Auf der Burgmauer erwische ich diese sehr zutrauliche und neugierige Katze mit einer total süßen Zeichnung. Der Witz ist, eines dieser Bilder habe ich bei Facebook veröffentlicht und prompt kommt ein Kommentar: „Das ist meine Katze Pünktschen!“ Die Einwohner Runkels sind sehr aufmerksam, denn selbst auf einem Foto der Brücke erkennt sich eine Runkelerin wieder, deren Kopf gerade mal Stecknadelgroß am Brückenende zu sehen ist!

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4 Kommentare

Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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