Die NIEDERlande sind flach – Denkste

Flach wandern, so war mein Plan. Die Niederlande haben das Wort „flach“ doch schon im Namen, drum heißen sie NIEDERlande. Dort fahre ich also hin, um dort eine kleine Runde zu drehen, dabei zwei Schlösser zu besichtigen und eine Mühle.Ich habe nur ein Schloss gesehen, weil der Zugang zum zweiten am Tag meiner Ankunft in Wijlre verwehrt wurde. Die Öffnungszeiten sind auf zwei Tage die Woche beschränkt und zwar Donnerstag und Sonntag. Schade, denn nun muss ich ein Foto aus dem Internet organisieren, das ich nicht selber geschossen habe.

Kaseel Wijlre
rijksmonumentcomplex number 526599

Mit flach wandern war auch nichts, denn in der Region geht es doch recht häufig auf und ab. Von wegen gemütliches dahin spazieren.

Informationen zur Wanderrunde

  • Start/Ziel: Wijlre, Kasteel Wijlrestraat oder Van Wachtendockplein
  • Streckenlänge: 12 km
  • Höhenmeter: 225 m
  • GPS Track 
  • Einkehr: Einige in Wijlre

Bei einer erneuten Wanderungen auf diesen Wegen würde ich die entgegen gesetzte Laufrichtung wählen. Die herrlichen Landschaften zeigen sich hier besonders intensiv und das Licht ist auch besser (für die Fotografen)

Die Otten Mühle

Das Auto stelle ich in einer Wohnsiedlung (s.o.) ab, die Parkfläche ist riesig und nur mäßig belegt.  Nur kurz durch die Wohnstraßen und schon erreiche ich die alte Mühle – Molen van Otten. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1776. Seit ein paar Jahren sind Scheune und Ställe zu Ferienwohnungen umgebaut. Die Ottenmühle steht unter nationalem Denkmalschutz und ist eine der wenigen Mühlen mit doppeltem Wasserrad.Wijlre (1)Wijlre (2)
Ich gebe zu, so einen Urlaub in dieser wunderschönen Umgebung könnte ich mir gut vorstellen. Die gesamte Provinz Limburg gefällt mir gut. Die Ferienwohnung liegt so ideal, dass es für Groß und Klein ein Vergnügen sein dürfte die Natur zu genießen.

 

Dicht an dem Mühlengraben wandere ich, über die Spuren der Weidetiere, die hier fleißig geköttelt haben. Das laufe ich mir nachher auf den Wiesen wieder ab. 😉

Wijlre (21)
Trutzige Baumriesen stehen hier!

Bier für den königlichen Hof

Die Brauerei Brand hat ihren Produktionssitz hier. Die Brauereitradition des Ortes Wijlre reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Den Namen „Brand“ trägt die Brauerei seit 1871 und sie war eine der ersten Brauereien in den Niederlanden, die Pils auf den Markt brachten. Inzwischen hat „Heineken“ den Betrieb übernommen und ist Hoflieferant des niederländischen Königshauses.

 

Visvijver

Hier wird geangelt, deshalb laufe ich im gebührenden Abstand zum Wasser an den Angelplätzen vorbei.

 

Und ab in die „nieder“ländische Natur

Vorbei an adretten Häusern und ebenso adretten Wegweisern weist mir der Track den Weg und zwingt mich per Wiesenweg hinauf – hinauf – hinauf…

Schon jetzt stelle ich fest, der Blick zurück ist sowohl was die Lichtverhältnisse betrifft attraktiver, als auch vom landschaftlichen Eindruck. Also wende ich mich immer wieder um und fotografiere den Weg rückwärts.

 

Wijlre (39)

Ich bin begeistert und freue mich auf den weiteren Verlauf. Zunächst schickt mich mein GPS Track ein Stück durch den Wald, ebenfalls Berg hoch.

 

Auf dem Weg Richtung Gulpen ist Weitsicht angesagt. Die Felder erstrahlen im geradezu frühlingsfrischem Grün, eine Augenweide. Ich versuche etwas sparsamer mit den Fotos umzugehen, ich habe natürlich unzählige geschossen.

 

Gulpen

Auch hier in Gulpen gibt es eine Brauerei (Gulpener Bier). Für mich das Higlight dieses Ortes ist die trutzige Kirche mit dem alten Friedhof davor. Es macht Spaß durch die Straßen mit den flachen Häusern zu streifen, immer der Versuchung widerstehend durch die gardinenlosen Fenster zu linsen.

Wijlre (56)
Kirche in Gulpen mit altem Friedhof

Durch Gulpen fließt die Gulp. Stark begradigt aber sehr grün an den Ufern, plätschert sich deutlich wahrnehmbar dahin. Ich überquere das Fließgewässer und folge dem Verlauf und lande dann bald wieder mitten in der Natur.

 

Weite Wiesen breiten sich aus, Hier und da sind Spaziergänger, meist mit ihren Vierbeinern, unterwegs.

Und doch gibt es jetzt eine Reihe Bilder.

 

Der weiche Wiesenweg endet an der Wittemer Allee und damit am Kasteel Cartils. ICh traue mich nicht auf das Gelände, obwohl ein älterer Herr mir erklärt das sei kein Problem. Er erklärt mir aber auch, dass Frau Bundeskanzlerin uns in unseren Untergang schicken wird. Flott mache ich mich vom Acker, denn politische Diskussionen liegen mir auf Wanderungen wirklich fern.

Kasteel Cartils

Der Turm auf der Rückseite des heute rechteckigen Gebäudes ist vermutlich ungefähr aus 1500. Der Rest wurde 1883 großzügig umgebaut.

 

Die Wiesen haben uns wieder

Lange bleibe ich nicht in der Zivilisation, biege ab auf einen offenen Waldweg hinter dem Schloss entlang, das sich jedoch meinen neugierigen Blicken geschickt entzieht. Dieses kurze Stück Weg führt dann auch gleich wieder so richtig an die frische Luft, ohne Baumbedachung.

Wijlre (71)

Wijlre (73)Über die Gleise hinweg, die geradezu beschützt in einem Graben liegen, bleibt der Weg zunächst offen und traumhaft geruchsintensiv.

Dieser Bahnabschnitt wurde „Schaesberg–Simpelveld“ genannt. Wenn man die Niederlande als Flachland kennt, wird man kaum glauben können, dass eine Bahn so eingegraben werden muss. 😉

 

Bevor ich es vergessen, diese Wegeführung findet deutliche Zustimmung bei der niederländischen Bevölkerung. Selbst an Wochentagen wird sie fleißig bewandert.

Maisfelder wohin das Auge schaut

Der nun folgende Wegabschnitt ist nicht ganz so attraktiv. Relativ monoton führt der Track an Maisfeldern vorbei. Eine Umgehung durch angrenzenden Wald, über deutlich schmalere Pfade ist aber möglich und wertet dann den Gesamtweg deutlich auf.Wijlre (89)

An landwirtschaftlich genutzen Flächen vorbei wechselt der Weg plötzlich auf einen Pfad, der so zugewachsen ist, dass ich über eine ganze Weile mit erhobenen Armen wandere, um wenigstens meinen Oberkörper vor den beißenden Brennnesseln zu schützen.

Wem diese Art wandern nicht behagt, kann auf die parallel verlaufende Straße ausweichen.

 

Weiträumig am Ortsrand von Wijlre

An diesem Tag empfinde ich mich mal wieder als Glückskind, immerhin wage ich mich in Gefilde, die sonst kaum deutsche Wanderer ins Auge fassen. Unter dem mit zarten Wolkenfäden verzierten, blauen Himmel darf ich tief einatmen. DieHolunderbeeren wechseln langsam in reifes dunkelblau und der Mais wächst, dieses Mal neben Feldwegen zu Futter für Nutztiere heran.

 

Wieder wechselt der Wegeuntergrund zu einem schmalen Pfad an dessen Ende es parallel zu den Bahngleisen auf schmalem Wiesenweg zurück nach Wijlre geht.

 

Leider ist die imposante Kirche in Wijlre eingerüstet, sodass ich auch hier auf eindrucksvolle Aufnahmen verzichten muss. Da ein Ort auch im Wintr, sofern die Sonne scheint, ein attraktives Ausflugsziel sein kann, erwäge ich eine Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt, in Verbindung mit einigen Sehenswürdigkeiten in der nahen Umgebung.

Für heute bleibt mir eine Einkehr im Bäckerei/ Cafe gegenüber der Kirche und dann eine flotte Heimreise. Also, wer die Niederlande mag und dort eine Art Bergisches Land erleben möchte, der ist in der Region um Wijlre gut aufgehoben.

7 Kommentare

  1. Klasse, Elke, dass du nun auch dahin gefunden hast 🙂 Ich schulde dir übrigens als „Wandertipp“ noch eine Tour, die man gut von Aachen aus machen kann. Stell ich rein, sobald es regnet. Persönlich finde ich die Gegend wunderschön zum Wandern, übrigens auch auf belgischer Seite. In der ‚Voerstreek‘ wird ein Dialekt gesprochen, der dem Deutschen sehr ähnlich ist. Sowieso ist die ganze Grenzgegend (Deutschland, Belgien, Niederlande) ein attraktives Wanderziel. LG

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Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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