Ein Kesselchen Buntes auf der Schwede-Bure-Tour

Auf einer historischen Stadtmauer wandern, einen Kackstuhl testen, den jüdischen Friedhof besuchen, auch Trauben in stillgelegten Weinbergslagen stibitzen und am Ende Herzchen in Schiefer ritzen, all das und mehr findet ihr auf dem Wanderweg „Schwede-Bure_Tour“ am Rhein.

Wer dann noch nicht genug hat, der kann sich die Schönburg anschauen oder wie wir, dem Günderodehaus einen Besuch abstatten.

Schwede-Bure-Tour am Rhein

RundwegsymbolEine der wunderschönen Premium-Rundwege links und rechts des Rheins ist die Schwede-Bure-Tour. Mehr dieser Rundwege findet ihr hier im Blog: Rundwege Rhein oder auf der Webseite „romantischer-rhein.de“

Abstecher sind möglich in die nahe gelegene Schönburg und ganz besonders empfehlenswert, das Günderodehaus oberhalb von Oberwesel.

Frühe Morgenstunde auf der Oberweseler Stadtmauer

Schwede-Bure-Tour (1)
Evangelische Kirche

Der frühe Vogel fängt…..ihr kennt es ja. Genauso ist das mit Parkplätzen. Gegen neun Uhr in der Frühe können sich die Damen aus Leverkusen einen Parkplatz aussuchen. Wir nehmen den an der Evangelischen Kirche aus dem 19. Jahrhundert.

Bevor wir unsere Wanderung starten entschließen wir uns, einen Gang über die historische Stadtmauer von Oberwesel voran zustellen. Schon auf dem Weg dort hin erlauben wir uns Blicke in hübsch dekorierte Höfe, bestaunen so manche Besonderheit des Ortes, der vermutlich bereits 50 v. Chr. unter dem Namen Vosavia existiert hat.

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Oberwesel gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und liegt zwischen St. Goar und Bacharach. Für Wanderer/Innen ist diese Region beidseitig des Rheins ein Wandertraum. Wir widmen uns jetzt jedoch erst einmal der Stadtmauer.

Mittelalterliche Stadtmauer von Oberwesel

Schwede-Bure-Tour (10)
Gang über die Stadtmauer von Oberwesel

Nachdem während der gesamten Anfahrt nach Oberwesel der Himmel mit einheitlichem weiß-grau dominierte, reißt nun die Wolkendecke auf und schenkt mir so eine perfekte Kulisse zum fotografieren.

Während wir es genießen einsam über die lange städtische Mauer zu schlendern, machen wir uns Gedanken um die gebeutelten Anwohner, denen die Touristen vermutlich viel zu häufig in die Fenster linsen. Die eigentlich sehr schönen und begehrten Dachgärten verlieren da ein wenig an Attraktivität.

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Einen der Wehrtürme können Schwindelfreie besteigen. Wir beschließen schwindelfrei zu sein und begeben und an den Aufstieg. Schmale sehr enge Stufen lassen mich sogar das Fotografieren vergessen. Das hole ich erst oben auf dem Turm nach, der eine fantastische Aussicht auf die Rheinkurve erlaubt und auf die Dächer der Stadt.

St. Martinskirche

Sie zieht unsere Blicke geradezu an, die St. Matrinskirche, die einen Glockenturm in der Bauart eines Wehrturmes aufweist und in die Stadtmauer integriert ist. Imposant, wehrhaft und doch sakral.

Schwede-Bure-Tour (26)
Rechts der Ochsenturm, links der Katzenturm

Nicht nur nach unten schauend gibt es sehenswertes wie die Rheinschleife und die Gänseliesel unten im Garten, auch der Blick über die Hügel hinüber zum Günderodehaus lohnt sich, das gut erkennbar in der Morgensonne liegt.

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Wir hangeln uns vorsichtig die Stufen wieder hinab und setzen unseren Gang über die Stadtmauer fort, landen kurze Zeit später wieder unten auf den Straßen, bewundern dort noch hier und da ein paar touristische Highlights, ziehen dann aber zügig weiter und damit auf den Wanderweg…

Schwede-Bure-Tour

Wir wandern nach kurzem Aufstieg, entlang der Stadtmauer mit ihren Türmen und können uns nicht satt sehen. Immer wieder werden die Kamera, bzw. das Handy gezückt, um die Eindrücke für die Ewigkeit zu konservieren.

Aussicht am Kackstuhl

Eine geradezu göttliche Aussicht auf den Rhein bietet der Rastplatz am Kackstuhl. Klar, dass Tanja sich auf dem „Kackstuhl“ platziert. 😉

Bald verlassen wir das Rheinpanorama……

und wenden uns dem Landinneren zu. Den Rhein werden wir am Ende unserer kleinen Wanderung wieder sehen. Wir haben nun ungefähr 200 Höhenmeter zu überwinden. Aus irgend einem unerfindlichen Grunde wollen meine Beine nicht laufen und trotz noch mäßiger Temperaturen empfinde ich eine stauende Hitze, die eine Art Saunagefühl auslöst.

Wir müssen das Tempo sehr drosseln, will ich nicht im Wasserbad wandern. Die kurze Überlegung die Tour abzubrechen verwerfe ich wieder, zu sehr genieße ich solch einen Wandertag mit Tanja.

Schwede-Bure-Tour (66)
Das Verlangen diese schöne Bank zu besetzen ist sehr groß

Der Himmel zieht sich wieder zu, der schöne blaue Himmel verschwindet hinter dem Einheitsweiß. Wie so oft hat die Sonne der Feuchtigkeit Auftrieb verliehen und braucht jetzt eine Zeit, bis sie Kraft genug hat diese dünne Schicht wegzubrennen.

Schwede-Bure-Tour (68)
Eine Weile wandern wir auf befestigten Wirtschaftswegen
Schwede-Bure-Tour (72)
Blick auf die Schönburg

Jüdischer Friedhof

Vom Weg weg führt uns eine Hinweistafel zum Jüdischen Friedhof. Nachdem wir eine Informationstafel zu diesem Ort gelsen hatten, durchschreiten wir das Tor mit dem Davidsstern, sehen die verwitterten Grabsteine und lassen Gruselfantasien aufsteigen.  Im 18. Jahrhundert angelegt, diente dieser jüdische Friedhof den Gemeinden Perscheid und Oberwesel als Begräbnisstätte. Im Tor und auf Grabstein finden wir Davidssterne.

Schwede-Bure-Tour (80)Besonders die angeknabberte Umrandung der Gruft lässt Tanja sicherheitshalber einen Satz nach vorne machen. Sie erzählt was von knochigen Händen, die heraus greifen könnten und wie gruselig es hier wäre, würde auch noch Nebelstimmung herrschen. Besser ich denke nicht darüber nach und fotografiere fleißig.

Unbeschadet an Körper und Geist verlassen wir die Begräbnisstätte und wenden uns wieder dem Wanderweg zu, noch immer unter der lästigen Wolkenschicht.

Ein Kaffee in der Rheingoldschenke

Schwede-Bure-Tour (90)Alternativ zur Sonne gönnen wir uns eine Tasse Kaffee in der Rheingoldschenke, die uns auf einem Hinweisschlid angekündigt wird. Meine müden Beine freuen sich!

Eine freundliche Dame serviert uns den Kaffee an einem Tisch mit normalerweise herrlichen Ausblick in die Landschaft.

Schwede-Bure-Tour (92)
Rheingoldschenke

Der Kaffee ist klasse, die Lebensgeister wieder geweckt, also ziehen wir bald weiter.

Ein toller Rastplatz und ein winziges Stück Rhein

Nur kurze Zeit später erreichen wir einen traumhaft gelegenen Rastplatz mit Blick in ein tief eingegrabenes Tal. In der Ferne ist der Glockenturm der St. Martinskirche in Oberwesel zu erkennen.

An Tannenbaumschulen vorbei wandern wir eine Weile durch das helle Wiesengrün, lediglich die hohen Zäune nerven ein wenig. Doch ein Blick nach oben lässt ein Strahlen über unsere Gesichter huschen, die Sonne kämpft sich durch den Wolkenschleier und gewinnt mehr und mehr an Raum.

Wir passieren den Ortsrand vom Damscheid, klauben uns von den Brombeersträuchern links und rechts die gesunden Früchte. So lässt es sich wandern.

Schwede-Bure-Tour (118)
Wir sehen ein sehr zufriedenes Gesicht von Tanja
Schwede-Bure-Tour (119)
Himmelblau auf Grün, eine tolle Kombi

Tanja auf der Suche nach dem Edelweiß

Unsere Handy melden Whatsapp Nachrichten. Tanja schaut nach und bestellt Grüße von Conny, die in den Bergen Urlaub macht und uns mit wunderschönen Bildern die Nase lang macht. Die Idee Conny ein nettes Foto zu schicken ist schnell geboren und so macht sich Tanja auf den Weg in den Fels, um ein „Edelweiß“ für Conny zu pflücken 😀

Tanja ist immer für einen Spaß gut und ich brauche immer nur fotografieren. 😉 Auch typisch für meine Freundin ist ihre Taktik einen anderen Weg hinunter zu wählen. Da funktioniert sie wie unser Navigationsgeräte im Auto, die führen auch immer auf unterschiedlichen Wegen zu einen Ort hin und wieder zurück.

Wieder haben die Rheinschleifenmacher einen tollen Rastplatz installiert. Ein fantastischer Blick in die spätsommerliche Landschaft lässt noch einmal die Herzen höher schlagen.

Hoch oben über dem Tal

Wir sind begeistert von der herrlichen Wegeführung, hoch oben über dem Tal. Der Blick hinunter löst bei Tanja jedes mal ein bisschen Grusel aus, aber nicht so heftig wie bei der Erwähnung des Wortes „Schlange“  oder „Natter“.

Die winzig kleine Ringelnatter (ca 10cm) veranlasst sie zwar erst zu einem Schreckensschrei, dann siegt aber die Neugierde, da der Kopf eine ziemlich deutliche, v-ähnliche Form aufweist. Die Natter hat mehr Panik als wir und schlängelt flott davon.

Ein wunderschöner „Russischer Bär“ flattert vor uns herum. Wir müssen Geduld haben, bis er sich endlich mit geöffneten Flügeln setzt und ablichten lässt.

Schwede-Bure-Tour (161)
Russischer Bär

Die süßen Trauben von Oberwesel und die Schönburg

Es geht romantisch weiter, Wiesenwege und viel Platz zum schauen. Was will das Wanderinnenherz mehr. Wir erreichen die Weinberge. Während rechts am Weg die Reben süße, schwere Last tragen, stehen links die Trockenmauern an aufgegebenen Weinbergen. Hier und da baumeln Trauben herab, ab denen wir uns mit gutem Gewissen vergreifen.

Oberhalb von Engeholl steht die kleine Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes aus Bruchstein.

Schwede-Bure-Tour (173)
Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes in Engehöll

Und dann tauchen auch auf unserer linken Seite Weinberge auf, überwiegend dunkle Trauben hängen hier. Sie sind schon kräftig gefärbt und erscheinen riesig. Da kann sich schon mal ein Hüngerchen melden.

Zu unserem großen Erstaunen leiten uns die roten Symbole der Schwede-Bure-Tour hinauf in den Weinberg. Dankbar genießen wir die weichen Wiesenwege und den herrlichen Blick in die Weinberge. Die Schönburg lässt sich auch wieder blicken, sie scheint zum Greifen nah und doch liegt ein tiefes Tal zwischen uns und dem alten Gemäuer.

Es gibt immer wieder etwas Spannendes zum Schauen, wie drei Bussarde, die aus dem tiefen Tal plötzlich aufsteigen und über den Wäldern schweben, auf der Suche nach Nahrung.

Die Schönburg lässt sich immer wieder gerne fotografieren

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Schönburg

Ich lasse euch einfach mal teilhaben an den herrlichen Eindrücken. Was soll ich da viel schreiben?

Landsknechtsblick und Schwede-Bure

Tanja ist so munter und ich schlapp wie ein nasser Waschlappen 😀 aber die antreibende Kraft einer gut gelaunten Begleitung ist sehr hilfreich und so kämpfe ich mich tapfer weiter über die zugegeben mäßig ansteigenden Pfade.

Adeline GruhlkeSeit einiger Zeit werden wir von einer Wandergruppe mal überholt, mal bleibt sie hinter uns. Kurze Gespräche ergeben sich. Eine der mit wandernden Damen hat mich erkannt und ein Foto geschossen und es mir später per Facebook übermittelt. Vielen Dank dafür liebe Adeline.

Eine weitere, wunderschöne Rastmöglichkeit bietet der Landsknechtsblick. Unter uns die Häuser von Oberwesel, rechts von uns trohnt die Schönburg auf ihrem Berg. Noch vor kurzer Zeit konnten wir auf sie herab sehen und jetzt nimmt sie schon wieder ihre erhabene Position ein, die ihr zusteht.

Waldige Pfade lenken unsere Schritte zum Schwede-Bure. Ein Platz, der Liebespaare schon oft veranlasste Herzchen in den Schiefer zu ritzen. Tanja gibt sich gleich ans Werk und kritzelt etwas in die Schiefertafel.

Hier hinter den vermutlich für die Liebespaare bereit gestellten Bänken befindet sich eine Höhle, ein so genanntes Schwedenloch. Früher haben die Menschen Schutz vor feindlichen Truppen in diesen Schwedenlöchern gesucht.

Kalvarienberg Kapelle

Nicht weit und wir erreichen eine wunderschöne Kapelle, die wir natürlich auch von innen besichtigen. An der linken Seite der Türe hängt ein Seil, zieht man daran, läutet die Glocke und erzählt so den Oberweseler Bürgern, dass jemand an der Kapelle ist.

Schwede-Bure-Tour (225)
Kalvarienberg Kapelle Oberwesel (1845)
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Kalvarienberg Kapelle Oberwesel – Innenraum
Schwede-Bure-Tour (229)
Kalvarien Kapelle Oberwesel

Kreuzweg nach Oberwesel

Auf dem Kreuzweg wandern wir nun hinab zu unserem Auto. An den Stationen halten wir immer wieder an, um uns die teilweise beeindruckenden Zeichnungen anzuschauen.

Fazit

Das übereinstimmende Fazit zu dieser Rheinschleifenrunde ist, sie ist großartig. Wir waren begeistert von der Vielfalt, die uns die Schwede-Bure-Tour uns geboten hat. Die Wege wunderbar gepflegt und die Ausschilderung perfekt.

Abstecher zum Günderodehaus

Im Anschluss haben wir noch einen unserer Lieblingsplätze am Rhein besucht, das Günderodehaus. Hier gab es Kaffee und riesige Stücke Kuchen und ganz herrliche Aussichten auf den Rhein und Oberwesel.

Dort oben ist an den Wochenenden ein typisch touristischer Betrieb, das Beschaffen von Kaffee und Kuchen hat ca. 1/2 Stunde gedauert. Der Blick nach oben zeigt, der Himmel hatte sich inzwischen wieder zugezogen.  Nach einer ausgiebigen Runde über das Terrain fahren wir heim und haben unglaublich Glück ohne Stau Leverkusen zu erreichen.

Übrigens, wer eine traumhafte Stimmung oben am Günderodehaus erleben möchte, der fahre im Herbst dort hoch. Dann sieht das nämlich so aus:

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7 Kommentare

  1. Ich war eigentlich nicht krank. Aber möglicherweise machte mir das heiße Klima (29°C) und die Höhe etwas zu schaffen, aber am meisten, die vielen Stufen!
    Mal schauen, wann ich dazu komme, die Berichte zu schreiben. Ab morgen muss ich wieder arbeiten. Da freu ich mich so …. gar nicht …. drauf.

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  2. Lebe Elke,
    das lockt direkt zum Nachwandern!
    Ich war gerade eine Woche im Tessin an Lago Maggiore und werde demnächst in meinem blog auch davon berichten, aber stell dir vor, ich fühlte mich die ganze Woche wie du: schwer wie ein nasser Sack. Ich kam die Berge nicht gut hoch…😣 Toll war es trotzdem.
    Und noch eine Parallele: Habe neulich einen mir bis dato neuen Schmetterling gesehen und so lange gefilmt, bis ich passendes Material zur Recherche hatte. Rate mal, was es war! Ein russischer Bär!
    Gruß
    Aurora

    Gefällt 1 Person

Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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