Wer kennt sie nicht, die Seitensprünge, die sich links und rechts der Mosel anschmiegen, zum erkunden einladen und dem Anhänger von Rundwegen eine Alternative zum Moselsteig bieten.

Ich bin bereits einige von ihnen gewandert und nehme heute den sehr kurzen Rundweg „Moselseitensprung – Felsen-Fässer-Fachwerk unter die Wanderstiefel.

Felsen-Fässer-Fachwerk

Vorher ein paar Informationen

  • Start/ Ziel: Sankt Aldegund, Parkplätze in St. Aldegund, am Moselstausee
  • Streckenlänge: 10,2 km mit Abstechern
  • Höhenmeter: 388 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es zur Genüge in Sankt Aldegund

Calmont (30)Abstecher zum Nachbarn: Unweit von Sankt Aldegund verläuft zwischen Ediger-Eller und Bremm der Klettersteig Calmont. Hier gibt es einen Blogbeitrag zum Calmont, den wir Wanderschnecken mit viel Freude und Spaß in Form einer Rundwanderung erschlossen haben. Die Moselschleife dort ist der Knaller!

SymbolIch wende mich aber nun dem in höheren Lagen noch unter diesigem Himmel liegenden Moselseitensprung Felsen – Fässer-Fachwerk zu. Parkplätze gibt es parallel zum Moselufer reichlich, ein großer Parkplatz bietet sich hierfür besonders an.

Pfarrkirche „St. Bartholomäus“

Die neugotische St. Bartholomäus Pfarrkirche (1870-1872) lohnt offensichtlich einen Innenbesuch. Wertvolle Skulpturen, Malereien aus 1913 und ein Barock-Seitenaltar warten auf bewundernde Blicke.

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St. Bartholomäus Pfarrkirche

Sankt Aldegund ist ein alter Ort mit nur 650 Einwohnern. Die haben allerdings zu einem großen Teil niedliche Fachwerkhäuser, die ab dem 15. Jahrhundert hier gebaut wurden. Der heute Wanderweg wird mich mit einigen dieser Häuser bekannt machen.

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Neben Wein mögen die Bewohner von St. Aldegund auch Wanderer/innen

Hin und wieder sind Informationstafeln aufgestellt, die zum Thema dieser Rundwanderung passende Themen und Erläuterungen aufweisen. Begeisterung kommt auf, wenn ich die Machart sehe, die mit den Plexiglasscheiben relativ unverwüstlich erscheint.

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Ab in die WeinBERGE

Nachdem ich gemütlich durch den Ort schlendern durfte, heißt es jetzt hoch und hoch heißt wirklich hoch, lange und andauernd hoch…. Menno meine körperliche Verfassung ist sooooo ………….egal……………hoch

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Blick auf St. Aldegund

Zwischen den reichlich mit dunklen Trauben behangenen Reben pruste ich den Weg hinauf, immer das vermeintlich Ziel (höchster Punkt) in Sichtweite. Hin und wieder drehe ich mich um, tiiiief Luft holend, trotz der dunklen Wolken und fehlender Atemluft  staunen und schön finden.

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Hoch, sehr hoch……

Das herbstlich gefärbte Laub an den Weinreben läutet auch bei Regenwetter, ich liebe diesen Anblick, kann mich nicht satt sehen.

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Staustufe und Schleuse von St. Aldegund

Im Mittelalter war St. Aldegund ein wichtiger Flusshafen. Vor allem Wein würde über die Mosel geschifft. Staustufe und Schleuse kann man von hier oben gut beobachten.

Kehr-Heiligenhäuschen

Noch ein kleines Stück auf einem schmalen Pfad und schon rückt das Kehr-Heiligenhäuschen in mein Blickfeld.  Die kleine Kapelle ist aus dem 18. Jahrhundert und gut erhalten. Das Kreuz an der Kapelle ist abends beleuchtet, muss herrlich aussehen. Im späteren Mittelalter soll hier eine Siedlung  mit dem Namen „Heiligenhausen“ existiert haben.

Zum Calmontblick ist es nicht weit

Goldkaul

Im 19 Jahrhundert versuchte man hier erfolglos Kupfererz abzubauen. Wie die meisten stillgelegten Bergwerke dient auch dieses heute den Fledermäusen als Schlafplatz. So ein wenig gruselig ist es schon, davor zu stehen und die Knipse hinein zu halten.

Auf dem Weg zur Josefshöhe spüre ich wieder die weichen Wiesenwege unter meinen Wanderstiefeln. Der Blick hinunter zur Mosel wird mir wieder für eine Weile gegönnt.

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Josefshöhe

Ein wunderschön gelegener Rastplatz taucht vor mir auf. Die Weinberge breiten sich unter mir aus und der kleine Ort Aldegund lässt sich von hier oben betrachten.

Einst schlossen sich einige Winzer, alle mit dem Vornamen „Josef“ zusammen und legten diesen Ruheplatz für Arbeitspausen an, frei nach dem Motto „Wenn wir schon ruhen, dann wenigstens mit Stil“ Erst später wurde vom THW die Schutzhütte gebaut.

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Die Beiden genießen den Blick auf St. Aldegund. Die Bank habe ich vorhin passiert.

Alles Buchsbaum – Palmberg-Pfad

Um 1800 brachten Franzosen den Buchs an die Mosel, die St. Aldegunder nannten ihn „Palmen“. Daraus resultiert auch der Name einer Weinlage im Steilhang oberhalb des Ortes “ St. Aldegunder Palmberg-Terrassen“

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Buchsbaumpfad

An die Weinberge schließt sich der in den Jahrhunderten nach 1800 gewachsene Buchsbaumwald an. Ein schmaler, ausgesprochen attraktiver Pfad führt mitten hindurch. Buchs ist auch im Winter grün und unbeschreiblich schön, hoffen wir dass dieser bezaubernde Wald nicht vom gefürchteten Buchsbaumzünsler befallen wird.  So ein radikaler Fresser, wie es die Raupen dieser Falter sind, schaffen sie innerhalb kürzester Zeit für kahlgefressene Buchsbäume.

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Lieber Gott beschütze uns Wanderer
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Ein wunderschöner und längerer Pfad durch ein Buchsbaumfeld

Wilde Wege

SymbolÜber teils „unordentliche“  Wege schlängelt sich der mit den Symbolen des Moselseitensprungs gekennzeichnete Wanderweg durch den Wald.  Immer wieder sind es die kleinen Dinge, wie hier der austreibende Rest eines gefällten Baumes.

 

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Die Natur setzt sich immer wieder durch

Und dann, nach dieser Phase Wald, öffnet sich die Landschaft und unter weiß/ blauem Himmel, praktisch wie für das Oktoberfest dekoriert, darf ich nun eine wohltuende Helligkeit spüren.

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Der Abstecher unter dem freien Himmel wärt nicht lange. Fix taucht der nächste Wald auf und mit ihm ein Wanderpaar, dem ich schon seit dem Buchsbaumweg entweder weglaufe oder hinterher.

Heinrich-Raulwing-Platz

Ein wunderschöner Walderholungsplatz oberhalb von St. Aldegund läd dann doch zu einer ausgiebigen Rast ein. Nicht weil Erschöpfung mich plagt, sondern weil es hier so schön ist, dass ich hier gar nicht mehr weh möchte.

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Heinrich-Raulwing-Platz
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Blick vom Heinrich-Raulwing-Platz
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Hinunter zur Mosel schaue ich vom Heinrich-Raulwing-Platz

Über schmale Pfade, die diesen Wanderweg wahrlich geradezu überschwemmen, geht es langsam wieder hinab nach St. Aldegund. Übrigens dank zahlreicher Bänke auf dem Weg, werden immer wieder Gelegenheiten zum Ausruhen angeboten.

Ich liebe die alten Treppen, die eine Ebene höher in die Weinberge führen. Heute sind die meisten zugewachsen, da sie nicht oder nur selten genutzt werden.

Durch die Weinberge

Wege durch die Weinberge sind stets breiter und meist befestigt, immerhin fahren hier die großen Wagen derer, die für die Weinlese zuständig sind.

Eine letzte, sehr attraktive Möglicheit mit Blick auf die Mosel zu rasten, bietet sich hier:

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Sinnesbank mit Blick auf die Mosel

Die alte Kirche

Noch einmal ein winziges Stück Wald und dann über einen steilen Pfad hinab in den Ort, der von Wildschweinen gut durch gearbeitet wurde, erreiche ich die Alte Kirche.

Moselseitensprung FElsen-Fässer-Fachwerk (16)Den Schlüssel bekommt man hier. Die Innenansicht habe ich heute ausgelassen. Auch heute gilt, das schöne Wetter nutzen und Spike noch ein wenig durch die Wachholderheide führen. Der alte Knabe schmollt sonst.

Die Alte Kirche wurde 1144 erstmals urkundlich erwähnt. Sie weist sowohl barocke, also auch gotische Merkmale auf. Ein Altar aus 1601 und die spätgotischen Wandmalereien sind Grund genug, sie von innen anzusehen.

Die Alte Kirche steht hoch genug, um von dort aus ein paar neugierige Blicke auf die schönen Häuschen zu werfen. Nach vorn gekippte Fassaden fallen mir auf und Dachpappe, die mit Steinen beschwert am Davonwehen gehindert werden soll. Alt ist der Ort, das sieht man von oben beinahe noch deutlicher als aus der Straßenebene heraus.

Brunnestiffje

Früher war diese Sammelstelle, in der das Wasser des Dorfbaches aufgefangen wurde, der Garant für die Wasserversorgung des Dorfes. Zum Schutz vor Verschmutzung wurde diese Wasserstelle sogar überdacht. Die Bevölkerung nannte diesen Platz „Brunnestiffje“ – „Brunnenstübchen“

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Brunnestiffje in St. Aldegund

Das war also der Moselseitensprung „Felsen – Fässer – Fachwerk“ und er hat mir ausnehmend gut gefallen. Abwechslungsreich mit vielen ansprechenden Zwischenzielen, die alle eine Geschichte erzählen. Gut gemacht „St. Aldegund“ und vielen Dank für die wunderbaren Wanderstunden.

6 Kommentare

  1. Hallo Elke! Schöne Tour! Uns wird es dann wohl auch mal an die Mosel verschlagen, aber es gibt ja so viele schöne Wege, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll 😀
    LG Thomas

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