Nebulöses und Sonniges auf dem Tatzelwurmweg

Eine Sage erzählt von einem Fabelwesen, halb Löwe – halb Lindwurm, das einst in den Stollen von Kobern-Gondorf  zu Hause war. An einem tendenziell sonnigen Tag möchte ich dem nachgehen.

Tendenziell bedeutet, das Wetter überlegt noch, wann es schön werden möchte, am frühen Morgen zeigt es sich noch sehr nebulös und überhaupt nicht einladend.

SymbolFolgen wir dem Tatzelwurm

Die Tatzelwurmstadt – Kobern

Mit dem Zeichen des Tatzelwurms begrüßt Kobern-Gondorf seine Gäste. Eine süße Idee. Überhaupt lebt der Ort, schon durch Symbolik sichtbar, mit ihrer Geschichte. Wer sich durch die Webseite der Stadt liest kann erkennen, dass sich da jemand liebevoll mit der Ortsgeschichte beschäftigt.

Ich mag diese warmen Farben der Häuser, empfinde es als wohltuend, dass das blaue Schild für die Fußgängerzone so zurückhaltend montiert ist, dem rustikalen Bau der Moselschänke so ihre Dominanz lässt.

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Kobern, die Stadt des Tatzelwurms

Ich werde am Ende meiner heutigen Wanderung noch eine kleine Runde durch den Ort drehen. Jetzt widme ich mich zunächst dem Wegeverlauf des Tatzelwurmweges.

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Bergbautätigkeiten gab es zwischen 1828-1896

Tatzelwurmweg_Kobern (9)Über den Weinbergen liegen noch zarte Fäden des Frühdunstes. Wen genau hinschaut wird die Niederburg links im Bild entdecken.

Es ist sehr still im Ort, der in wenigen Stunden im regen Treiben der neugierigen Besucher lebendiger wirken wird.

Kleine Füße – Große Stimmen

Gespannt lese ich die Geschichte des Glückskäulchen, das als Orakel denen diente, die das Hohesteinsbachtal passieren wollten. Hierzu warfen die abergäubischen Bangbüxen vor dem Gang durch das Tal Steine in das Orakel. Blieb einer liegen, war die Passage durch das Tal von Glück begleitet und die gefürchteten Geister blieben fern.

Bevor ich ein Foto dieses Orakels machen kann, vernehme ich ein Schreien, das mich etwas in Sorge veranlasst schnell weiter zu gehen. Ist da jemand in Not? Was erwartet mich? Schnell sichte ich des Rätsels Lösung.

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Zwerge erkunden das Hohesteinsbachtal

Eine muntere Gruppe kleiner Menschen wandert und schreit die Geister des Hohesteinsbachtales in die Flucht. Erleichert passiere ich die süßen Nachwuchswanderer.

Auf die Sonne warten

Tatzelwurmweg_Kobern (21)Zügig wandere ich weiter, bis mir bewusst wird, dass der Wald bei Erscheinen der Sonne eine besonders mystische Stimmung haben wird. So lasse ich eine Wandergruppe vorbeiziehen, lasse meinen Schritt unterirdisch langsam werden, vertrödele bewusst Zeit mit einigen mäßig gelungenen Selfies. (Ich lerne das wohl nimmer 😉 )

Nach einer relativ kurzen Zeit geschieht genau das, worauf ich gewartet habe. Die Sonne kämpft sich durch die feuchte Herbstluft und zaubert vorsichtig erste Stimmungen.

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Diesiges im Herbstwald
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Sonnenstrahlen schalten das Licht im Wald ein

Wenn mir ein Weg interessant erscheint und die Karte zeigt die Chance auf einen Blick in die Landschaft, dann schweife ich auch einmal ab, ergänze den ausgeschilderten Weg mit einem kleinen Schlenker. In diesem Fall macht mir der im Tal fest hängende Nebel einen Strich durch die Rechnung.

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Nebel über dem Nebenarm der Mosel
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Ein schmaler Pfad führt hinauf zum Panoramablick

Panorama auf Kobern-Gondorf

Von hier oben sieht der Mix aus Nebel und strahlend blauem Himmel doch gleich viel ansprechender aus. Der Kühkopf Turm hat es noch schwer sich vom nebeligen Umfeld zu distanzieren, aber auch er wird schlussendlich die Oberhand behalten.

Dort oben sitze ich eine ganze Weile in der warmen Sonne. Die Ruhe, die Gewissheit alle Zeit der Welt zu haben, um die kurze Wanderung und die damit verbundenen Eindrücke genießen zu können.

Mit dem Aufwind über das Moseltal – Rosenberg

Der Verein der Drachen- und Gleitschirmfliegerfreunde Rhein-Mosel-Lahn e.V. hat an diesem Platz ein Fluggelände errichtet. Hier können auch Gastflieger starten, sofern sie die Fluggeländeordnung beachten.

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Startplatz für Gleitschirmflieger am Rosenberg

Felder und ihre Früchtchen

Über Feldwege führt mich der rote Tatzelwurm weiter ins Landesinnere, weiter weg von meiner geliebten Mosel mit ihren wunderschönen Rundungen. In der Ferne wieder der Koblenzer Kühkopf Turm und die Moselbrücke der A 61

Seht ihr die kecken Rabenvögel auf den Schilderbäumen? Sie sind die Wächter der abgeernteten Felder, suchen und finden immer etwas leckeres zum Bäuche füllen.

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Vor mir liegen die weiten Flächen des Moselhinterlandes. Kartoffeläcker werden gerade abgeerntet. Hier und da liegen die leckeren Erdknollen auf dem Weg.

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Kunst am Hochstand :O

Römische Villen auf dem Rosenberg, das ist die Vergangenheit der Region. Eine Tatzelwurm-Informationsstele lässt mich einen Einblick in die römische Baukultur nehmen.

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Ein letzter Blick auf die dunkelbraunen Ackerböden, die von Traktorrädern tief gefurcht sind.

Der Wald hat mich wieder – Auf zum Sauerbrunnen

Wer in der Vulkaneifel wandert trifft immer wieder auf Mineralquellen, so auch hier. Die Nase zu dicht am ausgasenden  Boden nahe der Quelle zu halten, kann schonmal unangenehm werden. Deshalb Abstand halten.  Das Wasser ist trinkbar, schmeckt aber sehr eisenhaltig, ein Geschmack der nicht jedem behagt.

Ich treffe hier am Sauerbrunnen die Zwerge wieder und die sind sehr gut drauf uns sehr kommunikativ gestimmt. Mit Blick auf die Kamera fordert mich einer der kleinen Jungs auf doch mal Fotos von ihm zu machen zu machen. Ich erkläre ihm, dass ich das nicht darf. Ein paar Fotos lassen sich trotz des regen Gewusels hier doch fertigen.

Der kleine Bursche widmet sich inzwischen dem kleinen Bachlauf, dem er immer wieder springend nahe kommt. Davon darf ich Fotos machen, schade, dass er sie nicht sehen wird. Mir geht jedes Mal das Herz auf, wenn ich Kinder so naturnah erlebe.

Unter den Zurufen der Kinder „Schönen Urlaub noch“ und meinem „Einen schönen Tag noch“ ziehe ich weiter. Heiter ist die Stimmung, nach solchen wunderschönen Begegnungen.

Am Guidoborn fülle ich eine meiner Flaschen mit frischem Brunnenwasser auf. Ob es heilt, keine Ahnung, ich mag es aber ganz gerne.

Wanderwegevereinigung

Auf schmalen Pfaden durch den Wald schlendere ich weiter. Erinnerungen an eine Wanderung auf dem hiesigen Traumpfad mit den Wanderschnecken kommen auf. Was hatten wir Spaß. Auch im Rahmen meiner gut 30 km  Wanderung auf dem Moselsteig, bin ich hier gewandert.

Traumpfad, Moselsteig und Tatzelwurmweg teilen sich jetzt den Weg und die Bäume als Symbolträger der Wege. Romantisch schlängeln sich die Pfade durch die Hänge und führen mich allmählich wieder in die Sichtweite der Mosel.

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Matthiaskapelle und Oberburg Kobern

Ich erreiche die Matthiaskapelle, deren Rundbögen der Fenster als erstes sichtbar sind.

Sie wurde zwischen 1220 und 1240 n. Chr. in einem für diese Region außergewöhnlichen,  portugiesischen  Stil gebaut. Gebaut wurde die Kapelle, um dort eine Reliquie aufzubewahren, nämlich das Haupt des heiligen Matthias. Nach 130 Jahren wurde er in die Abteil St. Matthias in Trier überführt.

Der als außergewöhnlich empfundene Baustil der Kapelle ließ über die Jahrhunderte das Bedürfnis ungebrochen bleiben, die nötigen Restaurationen und Sanierungsarbeiten regelmäßig durchzuführen und den Bau so in einem gut erhaltenen Zustand zu halten.

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Fenster der Matthiaskapelle

Innen sieht es so aus, eine wunderschöne Kapelle, unbestritten!

Vor der Kapelle gab es hier schon die Höhenburg, deren Ringwall nur in Resten vorhanden ist. Beim Bau der Kapelle wurde das Areal der Burg um einiges erweitert.

Schade, dass die Zeit so viele solcher Zeitzeugen zerbröseln lässt, bzw. der Mensch in seiner Not in früheren Zeiten die Steine für den Hausbau nutzen musste.

Der Kreuzweg Kobern-Gondorf

Über den Kreuzweg mit aus Vulkangestein gefertigten Stationen geht es hinab zur Niederburg, deren Ruinenreste weithin sichtbar sind.

Klettersteig Grittebasje

Über einen felsigen, niedlichen, attraktiven Pfad darf ich nun Richtung Niederburg streben. Vor mir ein Schild, dass mich warnt es sei gefährlich, hinter mir eine Dame meines Alters, die mich ebenfalls warnt und veranlassen möchte den „normalen“ Wanderweg zu wählen.

Niederburg – Kobern

Von der Niederburg aus ist die Matthiaskapelle immer in Sicht. So kann ich eine Vielzahl der schönen Mauern fotografieren und habe als Schmankerl die Kapelle mit im Bild.

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Mauern der Niederburg Kobern

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auch hier verweile ich ziemlich lange, denn bald ist dieser kleine Wanderweg beendet und gerade hier scheint die Sonne so schön, gerade hier bin ich ganz alleine. Auch wenn die Geräusche des Alltags hier herauf dringen, so senkt sich doch noch ein Stück mehr Ruhe und Gelassenheit in mein Wesen, wenn ich an solchen Orten weile.

Zieleinlauf Kobern-Gondorf

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Schilderbäume für Wanderwege

Irgendwann schlendere ich dann doch Richtung Ort, dem ich noch genauer auf den Zahn fühlen möchte. Zudem meldet sich ein Hüngerchen und Kaffeedurst.

Einige Besonderheiten säumen den Weg. Ich passiere die Alte Mühle, auch Bergmühle genannt, die ein Restaurant beinhaltet.  Die kleine gotische Dreikönigskapelle auf dem Koberner Friedhof. Hier erfahre ich auch, dass es früher statt Namensschildern Hausmarken gab, die die nicht lesen könnenden Bürgern sagten welche Familien in den Häusern wohnten. Eine jüdische Synagoge und einen Romanischer Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert, sowie die alte St. Lubentius Kirche in Kobern darf ich bewundern.

Alles in allem ist der Ort wunderschön, das Eis in der Eisdiele lecker und der Kaffee ebenso. Mit einem Schlenker an der Mosel entlang beende ich meine heutige kleine Runde.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich kann nur jedem empfehlen nach der Tatzelwurmweg den Abstecher in den Ort anzuhängen. Ob zur Weinprobe, einem Käffchen mit Kuchen oder einer ausgiebigen Mahlzeit, alles ist möglich und das ruhige, bunte Treiben im Ortskern tut regelrecht gut!

2 Kommentare

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