Auf Pfaden entlang der Wupper

Wenn sich jemand Mr. Pfade nennt, dann bekomme ich schon Stilaugen. So schaue ich mir die unter diesem Namen gespeicherten Touren gründlich an. Kurze Anfahrt, viele genug Kilometer und reichlich Höhenmeter sollten es mal sein. Einiges gibt es heute zu beachten:

Die A 3 gesperrt und unter der A 1 liegt möglicherweise eine Bombe (zwischenzeitlich steht fest, es war ein Rohr, Leverkusen macht Geschichte. Meine Wetterapp verspricht für das Oberbergische etwas mehr Sonne, also fällt die Entscheidung schnell:

Auf Pfaden entlang der Wupper

Über die Wupper gehen

Die ersten Kanuten paddeln sich durch das kalte Wasser, der hier sieht ziemlich verschlafen aus, finde ich! 😉

Auf Pfaden entlang der Wupper (5)

Im Osten ist schon blauer Himmel zu sehen, während die gegenüberliegende westliche Seite noch dem Nebel unterliegt. Wir hoffen, dass sich das im Laufe des Tages noch ändert, denn  nur wenige Meter weiter auf dem Weg wirken die bunten Farben des Herbstes nicht mehr halb so schön, weil die Sonne in Verweigerungshaltung geht.

Auf Pfaden entlang der Wupper (18)Voller Erwartung auf einen Wegeverlauf, der uns gänzlich unbekannt ist, machen wir uns auf die Wandersocken.

Der müde wirkende Bock wartet scheinbar auch auf die wärmenden Sonnenstrahlen, guckt mal eben um´s Eck, um zu kontrollieren, ob sich schon etwas tut.

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Herrliche, mit Wurzeln durchzogene Pfade leiten uns gleich mal Berg hoch.

Tanja ist neuerdings mit einer DSLR Nikon D 3300 unterwegs. Es ist schon beachtlich, was sie mit dieser Kamera an Ergebnissen erzielt. Macht richtig Spaß ihr dabei zuzusehen.

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Tanja stellt von knipsen auf fotografieren um 😀

Es knackt neben uns im Buschwerk……

…nervös zucken wir zusammen, entdecken dann einen merkwüdig daher schleichenden Mann mit einem Messer in der Hand. Er ist nicht allein, tiefer im Wald sind noch mehr von seiner Sorte. Pilzsammler überschwemmen die Wälder, gerade in den frühen Morgenstunden können sie unbeobachtet ihr großen Waschkörbe füllen.

Wir begnügen uns mit der Fotografie, sehr bunt kommen einige der Waldgesellen daher.

Guten Morgen Frau Wupper

Himmlisch diese Waldpfade, auch ohne verwöhnende Sonnenstrahlen. Hin und wieder öffnet sich die waldige Grenze zur Wupper hin, herrliche Aussichten werden uns geschenkt.

Tanja fotografiert wieder etwas anders als ich und es ist schön, diese Unterschiede hier präsentieren zu können

Tanja Lichtgestalt

Dann geschieht das, worauf ich gehofft hatte. Die Sonne kämpft sich durch den Morgendunst und zaubert. Sie zaubert mit ihrem unvergleichlichen Herbstlicht eine so wundervolle Stimmung, dass der Spieltrieb in mir hervor bricht.

Ich sende Tanja in das Strahlenmeer und klack, klack, klack, landet eine Aufnahme nach der anderen auf dem KamerachipAuf Pfaden entlang der Wupper (44)Auf Pfaden entlang der Wupper (55)Auf Pfaden entlang der Wupper (56)

Es gibt hiervon noch unzählige Aufnahmen, wir konnten uns gar nicht satt sehen. Aber irgendwann, so will es das Bergische Gesetz, landen wir wieder auf Wiesenwegen und über uns nichts als blauer Himmel.

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Blick auf Remlingrade

Ein Hauch von Landwirtschaft

Tanja wendet sich in Ermangelung an Pferden den Rindviechern zu. Die Kommunikation klappt offensichtlich wunderbar.

Wechselvolles Bergisches Land

Wir wandern im flotten Wechsel über Wiesen- und Waldwege. Der noch vor einer Woche satt grün gefärbte Farn erscheint wie über Nacht in Herbstkleidung. Ich schwärme, weil ich diesen Anblick so schön finde und ernte hierfür etwas verständnislose Seitenblicke von Tanja.

Der Eistringhauser Bach begleitet uns eine Weile mit seinem munteren Geplätscher

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Wieder steht sie im Licht, die liebe Tanja

Die Oberste Mühle…..

Ist eine ehemalige Kornmühle. Der heutige Besitzer erwarb das Gebäude als Ruine und baute  es in den Jahren 1980 – 1984 komplett neu auf. Die Familie Neumann eröffnet das Restaurant „Oberste Mühle“ am 24. Juni 1984 und betreibt es heute noch.

Im Jahr 1512 taucht die Mühle erstmals in Kirchenrechnungen auf. Die Mühle konnte damals über viele Monate im Jahr nicht betrieben werden, da der Bach zu kümmerlich floss.  Im Keller fand man einen vermauerten Stein mit der Silhouette der Mühle mit einer Jahreszahl, die mit 11… anfängt. Demnach könnte die Entstehung noch weit vor der urkundlichen Erwähnung stattgefunden haben.

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Die Oberste Mühle lädt zur Einkehr ein

Uelfe und Uelfebad

Ziemlich flott durchwandern wir den kleinen Ort Uelfe dem ein kleiner Waldabschnitt folgt, bis wir am Uelfebad mit Restaurantbetrieb landen.

Das Uelfebad ist ein attraktiver Aufenthaltsort für Freizeitsuchende. Im Sommer draußen auf der Restaurantterasse sitzen, den Anglern zusehen oder den Papis, die mit ihren Kids die kleinen Motorbooet über das Wasser flitzen lassen und im Winter auf zugefrorenem Wasser Schlittschuhlaufen.

Früher wurde dieses Bad als Freibadanlage genutzt.

Im Hagen

Wieder streifen wir einen der kleinen Orte des Bergischen Landes, ohne jedoch auch nur einen Meter Teer oder Asphalt zu berühren. Weiche Wiesenwege fühlen wir unter unserem Füßen, bis wir wieder im Wald landen

Pilze in Einkaufstüten sammeln?

Uns kommen zwei junge Frauen entgegen, beide ein Messer in der Hand, dass sie zu verstecken suchen. Riesige Einkaufstaschen tragen sie in der anderen Hand. Mein Blick bohrt sich in die Augen der offensichtlich etwas verschämt daher kommenden Frauen.

Ein Stück weiter und wieder das vertraute Knacken im Wald. Eine weitere Person streift mitten durch den Wald, ebenfalls mit einer großen Tasche bewaffnet und die ist schon ungefähr zur Hälfte gefüllt. Für den Eigenbedarf? Ja, mich regt dieser Raubbau auf!

Auf Pfaden entlang der Wupper (140)
Pilzsammler im Wald

Eistringhauser Bach

Wieder begegnet uns der Eistringhauser Bach. Dieses Mal überqueren wir ihn und verweilen einen Augenblick, denn das fließende Wasser ist einfach nur schön.

Das Bergische Land macht seinem Namen alle Ehre

Gefühlt führt uns dieser Wanderweg permanent den Berg hoch. Das habe ich bei all den wieder wach gewordenen Eindrücken jetzt ganz vergessen.

Ich sehe Tanja fasziniert stehen bleiben, während ich mich noch den gefühlt 100sten Anstieg hoch kämpfe. Nach Luft schnappend sehe ich einen kleinen Wasserfall, der von einem etwas höher gelegenen Quell gespeist wird und unten im Eistringhauser Bach landet.

Und ja, auch jetzt müssen wir wieder hoch, kleine Strecken hinunter oder flach wandern zu genießen scheint uns kaum mal vergönnt. Drum nehme man sich fotografierend eine Auszeit.

Herkingrade

Bis Dahlhausen kreuzen wir wieder über Feld- Wiesen und Waldwege und finden traumhaft. Immer wieder loben wir diese göttliche Streckenführung. Mr. Pfade müssten die Ohren geklingelt haben.

Dahlhausen – Bahnhofsnostalgie

Museumsbahnhof Dahlhausen (Wupper)

Wir laufen in Dahlhausen ein. Schon oft bin ich hier gewandert, immer wieder wirken die alten Eisenbahnen faszinierend auf mich, jedes Mal scheint etwas verändert, oder ich nehme es verändert wahr.

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Immer schön die Wupper im Blick

Zwischen unserem Weg und den Industriegebäuden liegt die Wupper, die für viele Tuch machende Betriebe ein wichtiger Antriebsfaktor war.

1884 baute man die Eisenbahnstrecke Wuppertal – Radevormwald und die Wupper querende Brückenanlage für die Gleise, die nach dem Krieg von den sich zurück ziehenden Truppen gesprengt, aber kurze Zeit später schon wieder aufgebaut wurde.

Wülfingmuseum

1996 schloss die letzte Tuchfabrik hier an der Wupper. Wenn man die Gebäude, auch die für die Arbeiter, anschaut, dann ist erkennbar wie glanzvoll die Zeit der Tuchmacher gewesen sein muss.

An der Wupper in Radevormwald-Dahlerau liegt ein Industriedenkmal, das in Deutschland seinesgleichen sucht. Die ehemalige Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn und die angeschlossene Arbeitersiedlung Dahlerau stellen ein einzigartiges historisches Ensemble einer Industrieanlage dar. Die ältesten Teile der Fabrik wurden vor rund 170 Jahren auf den Fundamenten einer ehemaligen Fertigungsstraße für Sensen errichtet. Da die Tuchfabrik Wülfing im Laufe der Firmengeschichte mehrfach erweitert wurde, befinden sich hier Industriebauten aus verschiedensten Epochen, die sich zu einem einzigartigen Gesamtensemble an der Wupper entwickelt haben. Die Hauptfabrik, der „Altbau“, wurde zwischen 1836 und 1838 errichtet. Eine Spinnerei, der „Neubau“, wurde im Jahr 1907 daran angeschlossen. Entlang der Werksstraße reihen sich Gebäude unterschiedlicher Erbauungsjahre an und das Kesselhaus ist schließlich erst in den 1950er Jahren entstanden. So finden sich hier Ziegelbauten neben Bruchsteinbauten, die doch in einem geschlossenen Ensemble eine besondere Einheit vermitteln.

Zahlreiche Bestandteile der technischen Ausstattung sind bis heute erhalten und können im Rahmen der musealen Aufbereitung von den Besuchern bestaunt werden. Dazu zählen die Wasseranlagen, Turbinen, Dampfmaschine und Generator.

„Textilfabrik Wülfing in Dahlerau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EJS-20081016-0044 (Abgerufen: 10. Oktober 2017)

Wülfing-Museum Radevormwald-Dahlerau
Am Graben 4 – 6
42477 Radevormwald

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Noch einmal Kräfte sammeln

Nach diesem erbaulichen Abstecher in die Zivilisation und die Geschichte der Wupperstädte landen wir noch einmal im Wald.  Die Wupper bleibt in hörbarer Nähe.

Wunderschöne Wege, aber auch hier gilt die Regel wir wandern steil. Zunächst hoch, dann wieder hinunter, einige Pausen in gemächlichem geradeaus. Die Pfade sind überwiegend schmal und weisen einen ordentlichen Anteil an Wurzelwerk auf.

Da hilft nur eins, Spökes machen. Wir spüren die ungewohnten 19,5 Kilometer und die nicht unbeträchtlich 500 Höhenmeter dieses Tages. Wir werden diesen Wandertag lachend abschließen und auch die letzten Meter mit einem Grinsen im Gesicht gehen.

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Das war eine unglaublich schöne Wanderung und bei aller nächster Gelegenheit werden weitere Wege von Mr. Pfade erwandert. Da können wir beide nur „Danke“ sagen!

4 Kommentare

  1. Toller Bericht mit herrlichen Bildern. Ach so, Belgien, du hältst mich auf dem Laufenden? 😉
    Ja, die Pilzsammler: in Flandern ist Pilze sammeln gesetzlich verboten; es passieren wohl zu viele Unfälle; dennoch streifen meist Osteuropäer(innen) mit Tüten durch die Wälder, ähnlich wie beim Angeln übrigens. Die haben noch das Knowhow…
    Mich wird es erstmal wieder nach Holland ziehen; bin inzwischen bald an der Grensmaas angekommen und die Etappe führt über das weiße Städtchen Thorn ins belgische Maaseik und wieder über die Maas, wo Holland am schmalsten ist und die deutsche Grenze nur einige Kilometer weiter. LG

    Gefällt 1 Person

  2. Als Ersteller dieser wunderbaren Wanderung fühle ich mich natürlich sehr geehrt und möchte an dieser Stelle nochmal einen großen Dank aussprechen! Vor allem für das Vertrauen in mich und die Wertschätzung der Tour. Soviele fabelhafte und bezaubernde Bilder wecken sofort den Wiederbegehungswunsch bei mir.

    Gefällt 1 Person

Ich liebe Schwätzchen mit euch, drum kommentiert gerne ;-)

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