Er ist scheinbar binnen weniger Monate zu einem gemütlichen alten Opa geworden, der für eine Spazierrunde drei Ewigkeiten braucht, der sich auch im Wesen verändert und längst nicht mehr alles „cool“ findet.

2013 – 2014

2013 zog Spike in mein Leben. Er bereichert es, stellt mich vor immer neue Herausforderungen den Alltag mit ihm zu meistern und ist eine Art Seelenhund. Seine Anwesenheit hat eine beruhigende, aber auch aktivierende Wirkung auf mich.

In den ersten Monaten war langsames Heranführen an Wandern Thema zwischen uns. Nicht gewohnt längere Strecken unterwegs zu sein, musste der damals schon elf Jahre alte Rüde erstmal Kondition aufbauen.

Dank seiner ungeheuren Lebensfreude und dem offensichtlichen Drang Wald und Wiese für sich zu erobern, gelang das sehr schnell und oft war er einen Berg schon hoch gerannt, während wir Mädels keuchend hinterher zogen. Je anspruchsvoller der Weg, um so freudiger nahm er ihn in Angriff.

2015

Aber eigentlich war es dann doch ein langsam fortschreitender Prozess. Hier im Juni 2015 während unseres Harzaufenthaltes hat sich Spike im Laufe einer Wanderung erstmals so platt hingelegt und ist feste eingeschlafen. Wanderung abgebrochen und Ruhetag eingelegt. Tags drauf war er wieder fit.

SpikeRuhemodus

2016

Insgesamt war 2016 noch ein recht gutes Wanderjahr, wobei durch meine Erkrankung die Gesamtkilometer weniger waren. Besonders fit wirkte er an Tagen mit höheren Temperaturen. Doch auch im Spätsommer wandere ich oft alleine, vermeide ihn über die Wanderwege zu zwingen.

BahnstadtApril2016 (95)

2017

In diesem Jahr wird dann jedoch deutlich, längere Strecken schafft er zwar, doch fehlt der Glanz in den Augen, das fröhliche Aufschauen, wenn er angelaufen kommt. Oft trabt er mit hängender Rute und Ohren hinter mir her.

Runde_Allrode (18)-Bearbeitet

Im Juni nehme ich ihn noch einmal mit auf Touren um 14 km und die schafft er auch. Nur der Spaß ist einfach futsch.

Mürmes- und Antoniusweg (196)

Hin und her gerissen und von einem schlechten Gewissen geplagt suche ich nach einer Betreuung für ihn, wenn ich auf längere Wanderungen gehen möchte. Kurze Strecken geht er mit, aber auch hier fehlt ihm deutlich die Lust. Auffällig ist allerdings, dass er zu Beginn eines Spazierganges lustlos hinter mir her trabt, sich teilweise regelrecht ziehen lässt……

Heimwärts geht es schneller

Auf dem Rückweg hingegen, schafft es der alte Sturkopf doch noch ein wenig Tempo aufzunehmen, wenn auch nur kurzzeitig.

Wesensveränderungen

Im März 2016 wurde Spike von zwei jüngeren Hovawart angegriffen und verletzt, seit dem ist er ganz offensichtlich fremden Artgenossen gegenüber erheblich unsicherer geworden. Mit jedem Lebensmonat verstärkt sich dieses Verhalten.

Er verbellt selbst Hündinnen, wenn er keinen eindeutigen Geruch aufnehmen kann, denn seine Ohren hören kaum noch etwas und sein Sehvermögen scheint je nach Licht auch nachzulassen.  Das macht ein Unterwegs sein anstrengender. Er der auf Wanderungen nahezu ausschließlich ohne Leine lief, verlangt jetzt nach der Verbindung zwischen mir und ihm.

Seine Lieblingshündin Kira wird nicht mehr so beharrlich umworben, nach ein zwei langsamen Runden um die kleine Maus, dann sind die Spuren im Gras wieder wichtiger. DAS wäre Dir noch vor 3-4 Monaten nicht passiert. Da musste Kira schon in Dein fast taubes Ohr bellen, damit Du sie in Ruhe lässt.

Fressen geht noch

Zum Mittag hin wirst Du nervös, dann bist Du ausgeschlafen und verlangst nach Fressbarem. Dein Appetit scheint kaum zu stillen, ich muss acht geben, dass Du nicht zu rund wirst.

Schmusen aber nicht zu feste

Er ist empfindlich geworden und gelegentlich quittiert er ein krabbeln und streicheln mit warnenden Brummen. Dann möchte er offensichtlich einfach nur Kontaktliegen, ohne anderweitige Berührung.

Tja alter Mann, Du wirst seltsam und schwer zu verstehen, aber ich gebe mir Mühe das verspreche ich Dir. Immer wenn ich Dein weiches Fell spüre, Deinen vertrauensvollen Blick wahrnehme, dann berührst Du mein Herz.

Wenn ich morgens über Dich hinweg steige, weil Du wieder quer vor der Schlafzimmertüre oder vor meinem Bett liegst und Du es erst viele Minuten später wahrnimmst, dass ich nicht mehr dort bin, wo Du mich vermutest…..

Wenn Du dann verschlafen und mit zerzaustem Fell auf mich zu schleichst und Deinen Kopf auf meine Oberschenkel legst und Dir Deine „Guten Morgen Krabbler“ abholst….., um Dich dann für ein-zwei weitere Stündchen wieder in Tiefschlaf fallen zu lassen, dann zieht es in meinem Herzen, weil ich nicht weiß wie lange ich das noch genießen darf.

Bleib noch etwas hier

Ich bin sicher, wir zwei werden noch Momente erleben, die es mir ermöglichen hier über Dich zu schreiben. Ich habe erst gefühlt  2.500 Bilder von Dir. Das reicht nicht. Also lass Dir Zeit mit dem Abschied nehmen.

 

Spike
Spike im Schnee in der Eifel (c) Volker Windheuser

 

 

18 Kommentare

  1. Liebe Elke, dein Beitrag hat mir gerade echt die Tränen in die Augen getrieben. Ich wünsche Euch beiden noch eine tolle und schöne Zeit!
    LG und ein sonniges Wochenende sendet Euch Nina

    1. Evelyn, manchmal könnte ich heulen, wenn ich ihn so matt liegen sehe und dann wieder, wie heute, lache ich mich schlapp über den alten Schlawiner. Alte Hunde sind älteren Menschen doch sehr ähnlich, wenn sie wütend sind, leben sie auf und wenn die Hormone nochmal anspringen. Es ist insgesamt ein Erlebnis, das absolut besonders ist und sicher dank vieler Bilder, ewig in Erinnerung bleiben wird.

  2. Oh, mir laufen einfach nur die Tränen, wenn ich das lese. Ich liebe Hunde und hätte auch gerne einen treuen Begleiter an meiner Seite. Diesen langsamen Abschied von unserem Berner Sennenhund habe ich als Jugendliche damals nicht erleben dürfen, weil er sehr kurzfristig an einem Gehirntumor verstorben ist.
    Ich wünsche dir noch viele schöne Stunden & Tage, Monate und vielleicht Jahre mit Spike!

  3. Mir bleibt gerade das MIttagsbrötchen im Halse stecken beim lesen dieser einfühlsamen Zeilen.

    So ein schöner Bericht von einem tollen Hund.

    Ich drücke uns und allen Hundehaltern, die gerade einen „Senior“ ihr eigen nennen, dass ihnen noch ausreichend Zeit bleibt, um einige schöne Momente zu geniessen. Dieser Tag „X“ wird sicherlich eines Tages kommen und er wird, wie immer, völlig unpassend über einen hereinstürzen. Mir graut es vor diesem Tag, wenn mich das erste Mal der alte Brummbär NICHT mehr an der Bettkante begrüßt. Er nicht mehr wohlig versonnen in seinem Körbchen rumwuselt, es von links nach rechts und doch wieder nach links dreht und er sich letztlich dann doch auf den Teppich daneben hinlegt.

    Lass uns die Monate/Jahre noch geniessen, die wir gemeinsam erleben dürfen. Ich leg mich abends jetzt hin und wieder zu Indy hinunter und dann machen wir „Kampfschmusen“. Das gestaltet sich z.Zt. ein wenig schwierig, weil dann der junge Wirbelwind Shaggy dazwischenfunken möchte. Aber wir (also Indy und ich) nehmen uns die gemeinsame Zeit und da muss Shaggy eben warten. Seine Zeit kommt noch, ganz sicher, aber im Moment achte ich darauf, den Kontakt zu Indy nicht zu verlieren. Viel zu kurz ist die gemeinsame Zeit die noch bleibt.

    Knuddel Deinen alten Brummbär mal von mir <3 <3 <3

    1. Hi hi, klar dass Shaggy dazwischen will, der kleine Racker. Indy wirkt aber sehr gelassen, was die neue Situation angeht. Ich denke dass er nicht das Gefühl hat, dass ihm einer was weg nimmt.

      Ja und die Dreherei in seinem Bett, die Geräusche dabei, meistens von Niesen begleitet, einfach der wahnsinn. Oder wenn er an der Couch liegt und leise schnarcht. Geräusche, die ich sehr vermissen werden, ab dem Tag der Tage. 😉
      Ich knuddle ihn, liegt in Sichtweite, könnte ja was runter fallen, von Brot. 😀

  4. Oja, beim Wandern habe ich auch immer als erstes gemerkt, wenn eines meiner Bärchen vom prallen Leben in die letzte Lebensphase überwechselte. Andere Wesensveränderungen folgten, aber der treue Blick und das in sich ruhende Vertrauen blieb bis zum letzten Tag. Genieße die Zeit mit deinem süßen Spike. Ich wünsche euch noch eine ganz lange gemeinsame Zeit mit kurzen Spaziergängen auf den Traum-Pfädchen und vielen kuscheligen Momenten.

  5. Liebe Elke, das klingt wehmütig, traurig und zum Schluss ein wenig hoffnungsvoll. Obwohl ich nie Hundebesitzerin war, verstehe ich sehr gut, was du beschreibst. Mein Kater – mein Begleiter über 19 Jahre – der unsere Söhne aufwachsen sah, immer zum Haus und zu uns gehörte, hat sich auch langsam verabschiedet damals. Er hinterließ nach 19 Jahren ein großes Loch und wir haben ihn alle schmerzlich vermisst.
    Ich wünsche dir, dass du noch eine lange und gute Zeit mit Spike haben wirst. Liebe Grüße, Sigrid

    1. Das Loch, das Spike einmal hinterlassen wird, ist sicher extrem groß. Er gibt so viel Wärme in mein Leben, das werde ich sehr vermissen.

      Trotzdem werden dann auch wieder Perspektiven entstehen, die jetzt nicht so leicht zu erreichen sind.

      Jetzt genieße ich die Zeit und hoffe, dass ich ihm einigermaßen gerecht werde.

      Liebe Grüße und jetzt schon ein tolles Wochenende
      Elke

  6. Viele nicht-Tierhalter können dass sich nicht verstehen, aber unsere Tiere sind mehr als als „nur“ Haustiere. Aus vielen Gründen, aber auch wegen der Kater, haben wir dieses Jahr keinen großen Urlaub gemacht. Unsere Alte Katze konnten wir problemlos auch mal für 10 Tage ins Heim geben, bei den „Jungs“ bin ich da nicht ganz so sicher. Aber 14 Tage nur 2 mal am Tag einen Dosenöffner….na mal sehe wie wir das Problem beim nächsten Mal angehen.
    Nun wünsche ich Dir und Spike noch viele entspannte Monate und hoffe oft von ihm zu lesen.

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