Auf den Spuren der Wanderteufel

Kasteel, so heißen die Schlösser bei unseren Nachbarn. Ein besonders schönes steht in Arcen und dort waren wir (Tanja und ich) am vergangenen Wochenende.

IMG-20171008-WA0001.jpgDas Wetter punktet mit reichlich Regen, zu unserm Entsetzen auch noch rd. 14 km vor unserem Startpunkt in Arcen

Sollte mein digitaler Wetterprophet eine Fehldiagnose gestellt haben? Werden wir mit Schirm, Charme und ohne Melone durch den Regen wandern? Neiiiiiin, bitte nicht.

Es ist kaum zu glauben aber der Himmel klart dort auf, wo wir hinwollen. Glück ist mit uns, wir haben das verdient 😉 und so treffen wir am Parkplatz bei teils blauem Himmel ein.

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Das müsst ihr wissen

  • Start/Ziel: Niederlande: Arcen, Kruisweg
  • Streckenlänge: 19,1 km
  • Höhenmeter: 130m
  • GPS Track
  • Einkehr: In Arcen gibt es reichlich Möglichkeiten
  • Der Eintritt zum Schloss Arcen kostet 15 €
  • Die Tour hat Jürgen Weiß von Wanderwegewelt für einen Wandertag mit der Wandergruppe „Wanderteufel“ entworfen

Für 30 Cent über die Maas

Nur eine kurze Weile und wir landen schon an der Maas, die ich in diesem Jahr schon mehrfach auf Wanderungen gestreift habe, z.B. in Steyl. Die Seilfähre bringt uns für kleine 30 Cent hinüber.

 

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Ab zur Fähre

Wo ist die Sonne jetzt hin?

Die Sonne wird es heute schwer haben, Wolken treiben träge über der Landschaft, drohen mit ihrer dunklen, feuchten Fracht immer wieder mit Duschen, unterlassen es jedoch, wohl weil sie unsere bösen Blicke wahrgenommen haben.

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Eine merkwürdige Uferfigur, erinnert sie an mißlungene Überfahrten mit der Fähre?
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Blühende Wände, noch einmal Widerstand leisten, gegen die kommende Wintersaison
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Gefährliche Wasserüberquerung

An den nur noch spärlich mit blühenden Rosenfeldern vorbei erreichen wir das Kasteel de Borggraf, eine Burg aus dem Jahr 1551.

 

Kasteel de Borggraf

Wenn die Sonne einen Blick durch ihren Vorhang wagt, taucht sie die Landschaft in ein gelb-oranges Licht. Leider immer nur Momentaufnahmen. Auch der Blick durch die Bäume wird dann gleich attraktiver.

 

Wir besuchen das Kasteel de Borggraf nicht näher, sondern ziehen weiter. Der blattlose Baum regt auch Tanja dazu an die Kamera fleißig zu betätigen.

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Baumskelett
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Großes Feld mit Tagetes

Der Esel mit dem irren Blick

Nette Pferdchen und ein etwas durchgeknallter weißer Esel stehen auf einer Weide. Ob er wohl von den hier reichlich wachsenden Fliegenpilze genascht hat?

 

Noch eine kleine Wegstrecke, dann zücken wir wieder den Geldbeutel, um die Maas mittels Seilfähre überqueren zu können. Dort drüben wartet ein kleines Waldgebiet auf uns, das uns auf direktem Weg, entlang der Maas, zum Kasteel Arcen führen wird.

Belebtes Maas-Ufer

Über uns formieren sich die ersten Zugvögel, bereit für den langen und anstrengenden Flug Richtung Süden. Die Komorane derweil, machen es sich auf den zahlreichen Masten am Maasufer gemütlich, sie bleiben im Winter hier. Tanja nähert sich vorsichtig dem Ufer, um einen der fleißigen Fischer zu fotografieren.

 

Neben uns knackt es im Busch und ich denke spontan an Wildschweine. War da nicht auch ein „grunzen?“, mein Herz klopft stürmisch. Ich frage Tanja, ob sie denn nichts gehört habe. „Nö“ kommt lakonisch zurück.

Dann stehen sie plötzlich vor uns, dunkle Galloway Rinder, die mit den Wuschelköpfen. Sie sehen nicht danach aus, als wollten sie uns vorbei lassen. Offensichtlich sind sie sich ihrer Heimrechte bewusst. Fünfundzwanzig Meter Abstand, so lautet die Regel, aber wie soll das gehen, wenn sie die gesamte Breite des Weges einnehmen?

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Da ruft einer nach Verstärkung

In einem größt möglichen Bogen umgehen wir die sturen Weidetiere. Ich muss sagen, dieses Mal bin ich froh, selten habe ich ein so unwohles Gefühl gehabt, wenn auch vermutlich unbegründet.

 

Schloss Arcen und die alte Wassermühle

Wir erreichen nun die zum Schloss und am Schloss vorbei führende Straße in Arcen.

Arcen ,eine niederländische Festungsstadt, liegt 10 km nördlich von Venlo am Ufer der Maas nahe der deutschen Grenze.

Erste Blicke in die Parkanlage sind uns vergönnt. Das Verlangen den gesamten Park zu erkunden ist groß, da wir jedoch noch etliche Kilometer zu wandern haben und der Eintritt mit 15 Euro zu Buche schlägt, verzichten wir darauf.

 

De Ijsvogel

Wir passieren einen alte Wassermühle und heutige Kornbrennerei, „De Ijsvogel“ Die Mühle aus dem 17. Jahrhundert hieß früher „Wijmarse Watermolen“. Etliche Umbauten ließen das heutige Erscheinungsbild entstehen. Zwei Wasserräder trieben früher die Mahlwerke für Öl und Getreide an. Im Jahr 1917 wurde die Produktion eingestellt.

Noch ist es still auf der großen Terrasse, später als wir heim fahren, ist kein einziger freier Platz mehr zu finden.

 

Das Schloss Arcen ….

stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das heutige Schloss wurde auf den Ruinen einer früheren Burg errichtet, die wiederum auf den Überresten der ersten Burg „Huys den Kamp“ gebaut wurde. Achtung es folgen nun reichlich Fotos. Ich muss da noch einmal hin, um weitere 100 zu fertigen 😀

 

Sind wir hier wirklich in den Niederlanden?

Nun folgen Waldwege und Pfade, die wir hier nun wirklich nicht erwartet hätten. Mischwald umgibt uns, Pilze in allen Varianten wachsen links und rechts und auffällig viele Fliegenpilze stecken vorwitzig ihre roten Köpfe mit den typischen weißen Pickeln aus dem Waldboden. Beinahe erwartet man, dass Schneewittchen und die sieben Zwerge auftauchen.

Tanja hockt andauernd am Waldboden, bereit jeden Rotschopf auf den Kamerachip zu bannen. Einer erscheint aber auch schöner als der Andere.

 

Straelens Schuitwater

Eine Torf- und Teichlandschaft die durch ehemalige, vom Fluss abgetrennte Maasarme entstand. Für Wanderer ist das durch einen Graben umgebene Gewässer nur über den Aussichtsturm einsehbar.

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TANJAAAAAA – Also ächt!!!!

Für ganz kurze Zeit gibt die Sonne noch einmal ein Gastspiel, sodass ein paar freundliche Aufnehmen entstehen konnten.

 

Noch nicht Richtung Duitsland

Wer nun glaubt wir folgen dem Pfeil Richtung Deutschland, der täuscht sich. Wir bleiben im Nachbarland.

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Richtungsweiser und Knoopunten

Wieder durch den Wald zur Fossa Eugenia

Im Jahr 1626 beginnen die Spanier mit dem Bau eines 50km langen Kanals. Dieser sollte die Maas mit dem Rhein verbinden. Die Niederländer hatten sich von Spanien losgesagt, was diese dazu veranlasste mittels diesen Kanales den schwunghaften Handel des Rheins nach Antwerpen zu lenken. Insgesamt war das Pojekt wohl nicht so erfolgreich wie erhofft. Mehr Wissenswertes gibt es hier: Niederheinblick

 

An großen Feldern mit Gewürzpflanzen, wie z.B. Petersilie vorbei, wandern wir und stoppen unter Bäumen mit Esskastanien. Jede sammelt für daheim eine ordentliche Portion für den Ofen.

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Arcen Ortsmitte

Ein touristisches Schmuckstück, so wird Arcen bezeichnet und dem stimmen wir zu. Im typischen Baustil der Niederländer präsentieren sich die Häuschen des kleinen Ortes. Wir lassen uns an einem Restaurant nieder, bestellen einen super leckerer Kaffee mit der üblichen Sahne auf Likör dazu.

 

An der Maas und weiteren Galloways vorbei

Langsam werden wir des flach wanderns müde. Meine Hüfte zickt schon länger rum und anscheinend findet mein Rücken flach wandern auch nicht so günstig. Also wandern wir nun erst einmal relativ schweigend und zügig Richtung Parkplatz.

Wieder stellen sich die sturen, schwarzen Weidetiere in den Weg. Nur hier haben wir viel Platz zum umgehen und so ist das Thema recht zügig erledigt und wir wieder allein auf dem Weg.

 

Auf weiterhin schönen Wiesenwegen erreichen wir dann den Parkplatz und damit das Café de Hertog Jan Proeverij mit einer eigenen Bierleitung. 😀

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Bierleitung Hertog Jan bier

Fazit:

Insgesamt für eine Wanderung in dieser Region eine außergewöhnlich schöne Streckenführung mit reichlich optischen Highlights.  Viele wunderschöne Pfade, herrlich die Kiefernwälder auf sandigen Böden, natürlich das Schloss und die alte Mühle.

Wir waren beide überrascht! Vielen Dank an Jürgen, der diese Runde auf so liebevolle Weise gestaltet hat.

9 Kommentare

  1. Tolle Beschreibung und noch tollere Bilder. Ich kenne Arcen nur als den Ort wo meine Eltern fast jeden Samstag hinfahren um das dortige Solebad zu besuchen. Das die Gegend dort so wunderschön ist, war mir gar nicht bewusst

  2. Herrlich die Wanderung nochmal durch deine Augen zu erleben; alles bekannt und doch anders durch die Herbstfarben. Sieht so aus, als hättet ihr mit dem Wetter noch Glück gehabt. Spätestens im Sommer werden wir auch wieder dort sein und diesmal sparen für den Eintritt ins kasteel 🙂

  3. Ich fühle mich gebauchpinselt. Ich würde am liebsten gleich noch einmal los. Meine Idee hinter der Wegeführung war es, die verschiedenen Landschaften hier am Niederrhein und den Niederlanden in einer Wanderung zu zeigen. Dennoch sollten die Übergänge deutlich und die Wege möglichst Pfade oder Waldwege sein. Ich finde es schön in deinem tollen Bericht genau das wiederzufinden. Für die Wanderteufel war ich geneigt den Premiumwanderweg Galgenvenn auszuwählen. Ich finde aber diese Wanderteufelrunde einfach viel abwechslungsreicher.

    Danke für diesen tollen Wanderbericht bei dem ich noch viel, vor allem über die Gebäude, lernen konnte.

    Liebe Grüße und bis zum Wochenende
    Jürgen

Ich liebe Kommentare ;-)