Ihr kennt sicher den Traumpfad Booser Doppelmaar. Diesem begegne ich auf meiner heutigen Runde mehrfach, aber Thema meiner heutigen Wanderung ist ein Verbrecher, Mörder und Dieb, der hier in der Region sein Unwesen trieb. Ich bewege mich heute auf dem

Stumpfarmweg

Am 5. April 1886 erblickt der kleine Johann Mayer das Licht der Welt. Der Vater war ein umherziehender Tagelöhner namens Johann Wilhelm Mayer ohne bekannten festen Wohnsitz.

Ein unstetes Leben wurde dem Säugling beschert, denn auch die Mutter war eine Reisende, die sich erst später niederließ und wenigstens eine Zeit lang Ruhe fand.

Die Schule in Boos besuchte der kleine Johann Mayer unregelmäßig. Als Heranwachsender  musste er, wie in dieser Zeit üblich, für sein tägliches Brot arbeiten.

In einem Steinbruch verlor er beim Hantieren mit Sprengstoff seinen linken Unterarm. Seit dem wurde er „Stumpfarm“ genannt. Diese körperliche Einschränkung hatte zur Folge, dass Johann Mayer nicht mehr uneingeschränkt im Berufsleben einsetzbar war, für den Kriegsdienst taugte er auch nicht.

Nachdem er seinen letzten Arbeitsplatz um das Jahr 1916 verlor tauchte er in die umgebenden Wälder von Boos ab, lebte in hohlen Baumstümpfen. Fortan lebte er auch mehr und mehr mit Rechtsbrüchen und davon erzählt die Geschichte meiner heutigen Wanderung.

Symbol des Stumpfarmweg
Symbol des Weges ist der Kopf der Stumpfarm. Die spitze Hutkrempe zeigt die Laufrichtung an.

Informationen zum StumpfarmWeg – Wanderwege der Eifel

Stumpfarmweg (2)
Blick auf Boos
Stumpfarmweg (3)
Das Wassertretbecken habe ich links liegen lassen.

Schuhe aus und rein in das Wassertretbecken, so lautet die stille Botschaft dieses Schildes und jedes seiner Art- Ich bin jedoch regelmäßig zu faul meine Wanderstiefel auszuziehen und später nach der Treterei die Socken über feuchte Füße zu friemeln.

Ich bewundere all jene, die sich von diesen widrigen Umständen nicht abhalten lassen und sich in das kalte Nass begeben.

Die Eifel zeigt sich diesig

So sehr viele dieser diesige Bilder werde ich wohl nicht in diesen Beitrag integrieren, aber die schnuffigen Schafe und Esel, die dürfen in den Blog!

Am Rande von Boos

wandere ich dahin, genieße die weiten Blicke auf die Umgebung, unterhalte mich mit den Weidetieren, erfahre aber nichts wesentliches von ihnen, sie gucken nur stumm.

Was tut Frau, wenn sie unbedingt Fotos zeigen möchte? Ja richtig, sie fotografiert Blumen. Die letzten ihrer Art in diesem Herbst, bald werden sie zusammen fallen, Platz machen für die Knospen des nächsten Frühjahres.

Stumpfarmweg (22)

Stumpfarmweg (27)
Blick auf Boos

Honig to go

Vor mir taucht ein großes Schild auf und weist mich auf die Möglichkeit hin, Honig zu erwerben. Die Bienenstöcke stehen gleich in der Nähe.

Ich bin bekennender Honig-Fan und kaufe nur Honig aus kleinen Imkereien. Hier war klar, ein Glas Blütenhonig und ein Glas Waldhonig wandert in meinen Rucksack. Auf einem Zettel steht die Kontoverbindung und einige weitere Informationen, die es mir ermöglichen den selbst gewählten Preis für den Honig zu überweisen.

In der Rheinzeitung vom 07.08.2016 steht zu dem hier anbietenden Imker folgendes: Gerhard Steffens ist seit 33 Jahren mit Leib und Seele Imker. Schon sein Urgroßvater gehörte dem Mayener Bienenzuchtverein an, dessen Vorsitzender Steffens ist. Steffens versorgt insgesamt 40 Bienenvölker. Ein Teil davon gehört seiner Tochter. 

Eine Webseite zu ihm finde ich nicht.

Booser Eifelturm auf dem Schneeberg

In kurzer Zeit erreiche ich den 25 Meter hohen Booser Eifelturm. Natürlich kraxe ich hinauf und schaue mir an, wo Stumpfarm sein Unwesen getrieben hat. Auf 557 m Eifelhöhe steht der Turm aus 2003.

An Tagen mit freier Sicht könnte ich hier bis hin zu Westerwald und Hunsrück schauen und über die Eifellandschaft mit ihren erloschenen  Vulkankegeln .

Booser Maar

Hinter dem Turm führt eine Treppe in den Wald.

Sehr schnell erreiche ich das Booser Maar.

Die kleine Holzbrücke ist normalerweise schnell überquert, bei Nässe lädt sie zu einer unsanften Landung auf den Pöter ein. Dieser Einladung folge ich, allerdings ohne die Schlussszene. Ich kann mich gerade noch abfangen.

Stumpfarmweg (74)
Bei Nässe schmierig glatt

Durch das Nitztal nach Brücktal

Die Kindheit von Stumpfarm bis zum ersten Mord

Parallel zum Mörsbach wandere ich ins Nitztal. Hier treffe ich auf ein erstes Schild zum Thema Stumpfarm. Beginnend im Kindesalter bis zu seinem ersten Mord wird sein Lebens- aber auch Leidensweg geschildert.

Weg zum Nitzbach
Weg zum Nitzbach

Die auf der Informationstafel geschilderten Vorgänge unterscheiden sich ein wenig von der Internetfassung. Wie auch immer, er tötet wohl eine Frau, die ihm zunächst aus Liebe gefolgt war. Er wurde verhaftet, jedoch in den Wirren der Revolution im Jahr 1918 schon nach einem Monat wieder freigelassen.

Während ein Wiesenweg mich unter trostlos wirkendem Himmel gen Brücktal leitet, lenke ich meine Blicke lieber auf die restlichen Blümeleins am Weg.

 Brücktal

Stumpfarmweg (93)Gleich am Ortsanfang steht das große gelbe Schild und lädt damit ein, hinein zu wandern. Mache ich dann mal. Merkwürdige Dinge haben die Brücktaler

Stumpfarmweg (95)

Stumpfarmweg (97)
Ein in die Jahre gekommenes Vogelhaus – Sozusagen Familie Fatter-Flodder

Viele Bäume haben ihr Blätterkleid bereits abgelegt, die Maisfelder sind abgeerntet. Ein kleiner Rest ist stehen geblieben, warum bleibt mir verborgen.

Stumpfarmweg (105)
Maisfeld nach der Ernte

Die Sonne wagt sich durch eine Wolkenlücke und färbt die Landschaft in ein milchiges gelb. Dieser kleine Urlaub ist tatsächlich sehr sonnenarm und doch genieße ich die weite der Eifel und die frische Luft.Herbstsonne auf dem Ort Brücktal

Nördlich meines Standortes befindet sich die Nürburg, heute nur als dunkler Körper im Nebel wahrnehmbar.

Blick auf Nürburg
Blick auf die Nürburg

Noch eine Weile plätschert der Nitzbach neben mir bevor ich ihn überquere. Eine Brücke erregt meine Aufmerksamkeit, sie ist dekorativ eingerahmt von herbstlich gefärbten Bäumen. Wobei der Herbst in seinen letzten Zügen liegt, er präsentiert sich lange nicht mehr so bunt.

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Toter Mann

Stumpfarmweg (136)Wieder treffe ich auf eine der Informationstafeln, die von weiteren Morden berichtet, eine Frau und zwei Männer, wobei Johann Mayer hier äußerst sadistisch vorging, indem der den Männerleichen jeweils die Köpfe abschnitt und diese vertauschte.

Ich bin ganz ehrlich, mit diesen Schauergeschichten kann man mich doch etwas verunsichern. Waldstücke, die sich dunkel zeigen, Geräusche wie Knacken und Knarzen lösen ein mulmiges Gefühl im Magen aus.

Stumpfarmweg (137)
und wenn dann noch eine Behausung dieser Art herum steht, dann sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Ab Stumpfarm ist schon lange nicht mehr….

Viel gibt es nicht mehr zu berichten, denn ich kürze den Weg etwas ab, um schneller wieder bei meinem Seniorhund zu sein. Die Bilder zeigen auch eher den herbstlichen Niedergang der ‚Natur, denn freundliche Stimmung. Eine kleine Diashow hierzu.

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Wieder in Boos angekommen

Mit ein paar bildlichen Eindrücken verabschiede ich mich von meinem heutigen Wanderweg, nicht ohne am Ende noch das Ende des Stumpfarm zu schildern.

Das Ende des Johann Mayer – genannt Stumpfarm

Stumpfarm tötet nahezu alle Menschen, zu denen er eine tiefere Beziehung pflegte, verschonte Personen ohne Bezug zu ihm.

Im Sommer 1922 wurde er von einer Sippe Landfahrer überwältigt und nach Kaisersesch zur Wache. In Koblenz wurde ihm der Prozess gemacht. Am 7. Februar 1923 wurde sein Todesurteil gesprochen und am 29. Dezember 1923 vollstreckt. Grausam wie er zu Lebzeiten war, war auch sein Tod, der durch das Fallbeil herbei geführt wurde.

Die Todesstrafe in Deutschland

Übrigens wurde, und das wusste ich auch so genau nicht, die Todesstrafe in der BRD erst am 24. Mai 1949 per Gesetzt abgeschafft. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in der Hessische Verfassung noch immer die Todesstrafe vorgesehen ist. Sie kann nur deshalb nicht ausgeübt werden, weil das Grundgesetz über Länderrecht steht.

Die DDR hat die Todesstrafe erst 1987 abgeschafft, die letzte Hinrichtung fand 1981 statt. Der Stasi-Hauptmann Werner Teske wurde für seinen Plan in den Westen zu gehen mit dem Tode bestraft. Am 26. Juni 1981 wurde das Urteil per Genickschuss vollstreckt.  Der Staatsratsvorsitzende Erich Honecker hätte die Möglichkeit gehabt mittels Gnadengesuch das Urteil auszusetzen, hat er aber nicht.

Oft ist „Draußensein“ wichtiger als schöne Bilder

Diese kleine Wanderung tat gut, vielleicht wäre es sinnvoll an Tagen mit Schlechtwettergarantie die Kamera daheim zu lassen, andererseits möchte ich natürlich über meine Wanderentdeckungen berichten und dieser Weg ist definitiv eine Bereicherung auf der Wanderliste.


 

6 Kommentare

  1. Scheint eine schöne Tour zu sein! Die Geschichte dazu – ein wenig gruselig aber gleichzeitig faszinierend. 😉
    Im Übrigen: bevor ich unterwegs nichts fotografiere, widme ich mich ebenfalls gern den Pflänzchen am Wegesrand 😉

    1. Das geht mir genauso, die Geschichte dieses Verbrechers hat mich richtig in den Bann gezogen. Hierzu einen Wanderweg zu basteln finde ich eine richtig gute Idee.

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