Auf der Sonnenseite von Rech

Herbst in den Weinbergen, das bedeutet Jubel, Trubel Heiterkeit, vor allem Heiterkeit. Nun neigt sich aber der Herbst dem Ende zu, die Weinlese ist lange vollbracht, das Weinlaub leuchtet in allen erdenklichen, herbstlichen Farben. Das letzte Aufbäumen der Natur, bevor alles in die winterliche Ruhe wechselt.

Fündig werde ich, auf der Suche nach einer mittelschweren Wanderung im Ahrgebirge, beim Team von Natur Aktiv Erleben. Ein wenig Rotweinwanderweg, eine gute Portion Hinterland und zum krönenden Abschluss reichlich Gelegenheit sich durch die Weinberge zu bewegen, ohne auf die oft überlaufenen Wegen des Rotweinwanderweges zu geraten. Vorteil darüber hinaus ist, die Wege sind nicht geteert, sondern allenfalls geschottert.

Auf der Sonnenseite von Rech

  • Start/ Ziel: Rech, Burgwiese großer Parkplatz
  • Streckenlänge: 14,20 km
  • Höhenmeter: 362 m
  • GPS Track
  • Einkehr: Restaurant St. Nepomuk (sehr leckerer hausgemachter Kuchen)
  • Weinstuben gibt es reichlich in Rech

Tanja und ich fahren früh um 8 Uhr nach Rech, parken auf dem Parkplatz in der Nähe der Nepomukbrücke. Gleich gegenüber eine Möglichkeit der Einkehr, auch mit hausgemachtem Kuchen.

Ab in die Weinberge

Wir laufen über die Nepomukbrücke, queren die B 267 und erreichen am Bahnhof Rech mit Cafe´-Biergarten Zum Herrenberg, über eine grell rot gefärbte Brücke, die Weinberge. Cafe´-Biergarten Zum Herrenberg

Es wird schnell klar, die ersten Winzer haben die Reben schon kurz geschnitten und für den Austrieb 2018 vorbereitet. Einige Lagen erscheinen nun im attraktiven Mondlandschaftsdesign. Bisher überwiegt aber noch das knallig bunte Outfit.

Bunt gefärbte Weinblätter an der Ahr in Rech
Bunt gefärbte Weinblätter

Bald wird dieses Design auf alle restlichen Weinberge übertragen, die Winterruhe haben sich Reben und Winzer redlich verdient. Tanja sucht nach den richtigen Einstellungen für die Kamera, muss sich erst einmal daran gewöhnen, dass sie nicht so nah an ihre Objekte heran kann, wie mit der Kompakten.

Die Saffenburg….

Auf der Sonnenseite von Rech (17)bzw was davon übrig ist, werden wir heute aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und bei unterschiedlich attraktiven Lichtverhältnissen betrachten können. Von hier aus, eher suboptimal.

In meinem kleinen Artikel Herbst an der Ahr hatte ich meinen ersten hautnahen Kontakt mit dem alten Gemäuer.

Der GPS Track, den ich mir von der Webseite Natur Aktiv Erleben herunter geladen hatte, zwingt uns höher und höher hinauf. Immer wieder blicken wir nach unten zu unserem Startpunkt in Rech.

Da liegt sie, eingebettet zwischen die Hänge der Weinlagen und den typischen Felsen des Ahrgebirges.

Blick auf die Saffenburg aus erhobener Position
Saffenburgruine

Blüten im Herbst

Unterschiedlichste Reste aus der vegetationsreichen Zeit zeigen sich an den Wegrändern. Sie genießen den Vorteil der sonnigen Lagen, die für den Weinanbau so wichtig sind.

Hinter den Weinbergen rätselhafte Kisten

Unser Weg führt uns nun ins Hinterland, raus aus den Weinbergen, hinein in Wald und Wiese. Wegkreuze, merkwürdig platzierte Kisten, und angemalte Bäume begegnen uns nun. Die Kisten lösen leichte Ängste bei uns aus, deshalb wagen wir es nicht, sie zu öffnen, obwohl wir sehr sehr sehr neugierig sind.

Nachfragen bei Facebook ließ Vermutungen aufkommen, dass in diesen Kisten Leckereien für Wildschweine versteckt sind. So genannte Kirrungen werden platziert, um das Wild schießen zu können.

Hummel – Hummel

Auf einer ganz „Gewöhnlichen Kratzdistel“ sitzt eine Hummel. Lebt sie noch? Es regt sich nicht ein Glied an dem kleinen Tierchen, wie fest geklebt scheint sie.

Gewöhnliche Kratzdistel mit Hummel drauf, Tanja fotografiert sie
Die einzige noch blühende Distel hat Besuch
Kratzdistel mit Hummel
Kratzdistel mit Hummel

Vorsichtig hauche ich sie an. Sie richtet sich auf und sieht aus, als wolle sie drohen, oder doch nur den Bauch frei machen, damit die warme Atemluft sie gänzlich einhüllen kann?

Wehrhafte Hummel auf Kratzdistel
Wehrhafte Hummel auf Kratzdistel

Dicke Teppiche…

hat der Herbst schon ausgelegt. Noch ist dieser Blätterteppich bunt und dämpft der Wandererinnen Schritt, Gleichzeitig versteckt der Wurzeln und Steine, über die unachtsame Füße schnell stolpern können. So ist Vorsicht angeraten, dem der diese Wege beschreitet.

Herbstlicher Acker

Und als wir den Wald verlassen, empfängt uns der blanke Acker, ein paar Halme undekorativ über den Boden gestreut, in der Ferne ein paar Häuser, etwas trostlos und doch….typisch Herbst eben

Und wenn sich die Sonne im richtigen Winkel zu unserem Wanderweg gesellt, dann sieht das so aus:

Sonne auf herbstlicher Landschaft

Schlamm am Baum

Ein urig, romantischer Pfad schenkt Wanderglück, das ist so, Pfade sind unsere Lieblingswegeform. Dann, wie aus dem Nichts, stehen wir auf einer Lichtung.

Einige Bäume haben schlammige Füße und das gibt erneut Rätsel für uns auf, bis wir…..

Herrliche Wege, unter dem bunten Blätterhimmel des HerbstesWer hat dem Baum die Füße eingeschmiert?

diese Schlammkuhle sehen. Kaum vorstellbar, dass sich hierin jemand freiwillig wälzt. Wildschweine tun das und kratzen sich denn an den Bäumen die Borsten sauber, so die Erklärung Wild-erfahrener Facebookfreunde.

Schlammkuhle für Wildschweine
Schlammbadewanne für Wildschweine

Und wieder in den Herbstwald

Ohne Worte, für mich persönlich sind die jetzt folgenden Fotos gleichzusetzen mit dem Gefühl da draußen in diesen herrlich bunten Wäldern zu sein. Eine alte, verlassene Hütte erregt unsere Aufmerksamkeit. Sie zerfällt allmählich, die eisernen Gerätschaften daneben werden hierfür sicher länger brauchen.

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Bevor wir wieder ins Tageslicht geraten und damit in den Weinbergen wandern, wandern wir auf so genannten Balkonwegen durch den Herbstwald.

Die Weinberge bekommt Sonnenlicht

Wir treten nun endgültig aus dem Wald heraus und bleiben nun in den Weinbergen, bis wir Rech wieder erreichen. Dicke Wolken hängen tief am Himmel über uns, lassen nur gelegentlich genug Platz für das Sonnenlicht. Doch wenn sie dann scheint, und ab dieser Stunde tut sie es etwas häufiger, dann glänzt das gesamte Ahrgebirge in den herrlichsten Farbtönen.

Blick auf Mayschoß in der Herbstsonne
Blick auf Mayschoß

Auch hier jetzt einfach bildliche Eindrücke

Pheromonspender in den Weinbergen
Pheromonspender

Erinnert ihr euch noch an meinen Artikel aus dem Frühjahr über die Pheromone, die erfolgreich die Population der Traubenwickler hemmt? Sicher nicht, drum gebe ich euch noch einmal den Link zum Artikel: Duftspender in den Weinbergen

Nun hängen die vermutlich leeren Spender noch an den Zäunen und Reben und müssen in großer Zahl im Frühjahr ersetzt werden.

Was blüht denn da, so heißt ein Buch vom Kosmos Verlag, das ich zur Bestimmung meiner Entdeckungen nutze (nicht immer erfolgreich, weil ich manchmal zu schusselig bin mir Details zu merken) Hier das dürfte die Wiesen-Margerite sein 😉

Wiesen-Margerite
Wiesen-Margerite

Verwirrungen

Und weil wir mal wieder gequasselt haben, statt auf den GPS Track zu schauen, verpassen wir den Weg, der uns in den Weinbergen eine Etage tiefer bringt. Wir sind inzwischen weit voran gekommen und wollen nicht umkehren, also steigen wir zwischen den Reben hinab…naja wir tasten uns hinunter, die Schieferplatten sind ziemlich instabil.

Steiler Abstieg zum Wanderweg im Ahrgebirge oberhalb Mayschoß
Gewagter Abstieg zum richtigen Weg

Wir sind beide erleichtert, als wir wieder festen Boden unter den Wanderstiefeln haben, stellen fest, dass wir im Laufe der Jahre ein wenig unsicherer geworden sind. Vor Jahren haben wir solche Abstiege mit links gemeistert, oder nicht?

Am Fels vorbei, in den Weinbergen oberhalb Mayschoß
DAS ist Ahrgebirge
Blick in die Weinberge oberhalb Mayschoß
Himmlisches Licht in himmlischer Landschaft

Auf der Sonnenseite von Rech (177)

Disteln und Kamillein den Weinbergen
Blumenstrauß im Herbst Disteln und Kamille

Der Höhepunkt des heutigen Wandertages…

führt über diese in den Fels gehauenen Stufen. Die Saffenburg-Ruine passieren wir, lassen sie dann hinter uns. Im warmen Nachmittagslicht leuchtet sie und auch die Weinberge. Wir sind von diesem Wegstück hellauf begeistert. Ein Finale, das dieser Wanderkreation gebührt.

Am Ende kehren wir noch zu einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee im Restaurant St. Nepomuk ein. Am vorletzten Tag im Oktober noch einmal draußen sitzen, einen Wandertag ausklingen lassen und eine unglaublich tiefe Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die Deutschland uns Wanderern zur Verfügung stellt, spüren.

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