Gegensätzlicher können Eindrücke nicht sein, wenn ich meine Frühjahrswanderung auf dem L´OMMER JON und diese Winterwanderungen gegenüberstelle. Zartes Grün dominierte damals, flächendeckend weiß heute. Abenteuerlich gestaltet sich diesen Mal  die Rückfahrt.

L´OMMER JON

Symbol den Wanderweges L´OMMER JONTipp für Nachwanderer: Mal abgesehen von der tief verschneiten Landschaft, es fehlen an vielen Stellen die wegweisenden Schildchen. Nehmt Karte oder GPS Track zur Hilfe.

  • Start: Wanderparkplatz in Lindlar/ Frangenberg – Josefstr.
  • Streckenlänge:  7,3 km
  • Höhenmeter: 150 meter
  • GPS Track
  • Lindlar Touristik

Sonntagmorgen

Leverkusen präsentiert sich am frühen Morgen beinahe sonnig, von Schnee weit und breit keine Spur. Tanja möchte Schnee, ich auch, trotz der gestrigen, eher suboptimalen Erfahrung mit dem weißen Zeug. Dazu gibt es hier einen Beitrag: Altenberger Advendsmarkt. Die Facebook- Wetterseite von Oliver Baldsiefen meldet für Lindlar schon seit gestern ergiebige Schneefälle und somit bestes Winterwanderwetter.

Ich kippe meine Bedenken dem Schnee nicht gewachsen zu sein über Bord und erwarte Tanja´s Erscheinen am frühen Morgen. Nur 40 Minuten später erreichen wir den Sportplatz in Lindlar, parken mein Auto mitten in einer Art Schneeburg und wandern zügig los.

Unterbreidenbach und Mittelbreidenbach

Die Orte Unterbreidenbach und Mittelbreidenbach schimmern in der Ferne immer wieder durch die laublosen Bäume

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Es wird schnell klar, viel Buntes wird es heute nicht geben. Der Himmel erstrahlt in reinlichem Weiß, die Landschaft hüllt sich ebenfalls in eine Art weißes Brautkleid und nur gelegentlich geben verdorrte Buchenblätter und durchschimmerndes Tannengrün einen Hauch an Farbe zu.

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Wenn sich dann der Himmel verdunkelt, gibt das einem Bild doch mehr Kontrast

Vor den kleinen Ortschaften breiten sich riesige Felder aus, die lasse ich bei der Bildgestaltung einfach mal weg, weil rein-weiß! 😉 Hier liegt Spich fast greifbar nahe am Wegrand.

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Blick auf Spich

Wir spekulieren natürlich darüber, ob wir von Astbruch und umstürzenden Bäumen verschont bleiben. Der Schnee ist sehr nass, hat extrem hohes Gewicht und hat schon so manches Geäst in die Knie gezwungen. Mit diesen Gedanken betreten wir den winterlichen Wald.

Ein Fahrzeug hat seine Spuren hinterlassen und offenbart, was an anderer Stelle unter Schnee verborgen liegt, nämlich Schlamm und wässriger Boden. Dieser Schneelandschaft kann man also lästerlich hinterhersagen „Außen hui, innen pfui“

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Wäldchen hinter Spich
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Tief verschneiter Wald

An der Abbiegung Richtung Kurtenbach ist Rätselraten angesagt, denn Schilder sind zunächst nicht zu sehen, bis wir auf die Idee kommen die Schneeschicht auf dem Baumstamm abzuwedeln.

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Da sind sie ja!

Bald treten wir aus dem Wald wieder heraus, wandern an den tief verschneiten Feldern und an dem Wunschbaum vorbei, den ich im Frühjahr entdeckte. Die Wanderwegezeichen haben sich von ihren Plätzen gelöst, es wird Zeit für Nachbegehung des Wegepaten, den dieser Weg hoffentlich hat.

Die Wach-Gänse von Kaufmannsommer

Bald schon gerät Kaufmannsommer in unser Blickfeld und damit eine sehr muntere und gesangsstarke Gänsetruppe. Sofort begeben wir zwei uns in Position und knipsen die Kamerachips voll.

Übrigens, die Anzahl der in Kaufmannsommer lebenden Tiere übersteigt deutlich die Anwohnerzahl. Nur 35 Seelen zählt der Ortsteil von Lindlar.

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Der Bergische Dom-Gänse…oder so
Gänse
Angriff der Killergänse  (c) Tanja Visinski

Durch mein mitleidiges Hirn schwebt die Frage „Werden sie Weihnachten und Sylvester überleben?“ Ich wünsche der wehrhaften Schar, dass sie zur Bewachung des Grundstückes abgestellt wurden, habe aber erhebliche Zweifel.

L´OMMER JON – LINDLAR -Gänsewache (14)
Diskutieren die gerade meine Gedanken?

Nachdem wir das redselige Geflügel hinter uns gelassen haben, entdeckt Tanja eine kleine Wiese mit Weihnachtsdekoration. Klar, Kamera hoch und druff gehalten, ertönt hinter uns eine männliche Stimme: „Gefällt euch das?“ Ja klar gefällt uns das. Wir fixieren den Herrn, der so gründlich seine Zufahrt fegt.

Tanja „Aber es regnet doch gleich“ Er: Ja, aber erst wird es schneien und da bin ich froh, wenn der Weg nicht so voll liegt“ OKEEEE, wir hatten nur Regen auf dem Schirm.

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Der fleißige Herr erzählt uns noch, dass die Straße runter die Alte Mühle steht, früher mit angegliederter Bäckerei, und dass diese aufwändig saniert wurde, dann machen wir uns wieder auf die Socken, der Wetterumschwung rückt uns mit jeder Minute näher.

Alte Mühle Kaufmannsommer
Eine altes Mühlengebäude in Kaufmannsommer

Einmal im Kreis in Rölenommer

Der kehrende Einwohner des kleinen Ortes behält recht, die ersten Schneeflocke fallen auf uns herab. Die ersten, sicher auch die klügsten Schafe aus der kleinen Herde, stellen sich bereits und das schützende Dach der Holzhütte. Wir müssen weiter. Unser nächstes Ziel ist der Ortsrand von Rölenommer.

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Es beginnt zu schneien, die Schafe sind schlau und stellen sich unter das Dach

Plötzlich und wie aus heiterem…ähem wolkigem Himmel wurden wir von  Millionen Schneeflocken angegriffen. Es tobt und trubelt um uns herum, innerhalb kurzer Zeit sind die Jacken weiß.  Gegenwehr sinnlos, sie waren in der Überzahl.  L´OMMER JON, ein Weg mit Abenteuercharakter, wenn Frau es denn will.

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Blick auf Rölenommer

Eigentlich sollten wir den Ort nicht durchqueren, aber wie das bei dauerquasselnden Frauen so ist, verpasst sie den rechten Weg, kommen vom selbigen ab und erfreuen sich dadurch netter Anblicke. Also alles richtig gemacht.

Aber irgendwann lösen wir uns aus dem Kreisverkehr um den Ort und nehmen den richtigen Abzweig. Tanja äußert den Wunsch den fantastischen Trekkingschirm mal gründlich abzulichten und mich gleich mit.

Das alles erledigt sie mit meiner ohnehin schon feuchten Kamera, meine Rache folgt auf dem Fuß, das Ömmelsgesicht musste jetzt mal mit in den Blog. Dabei war sie glänzender Laune, der winzige, eine Augenblick reichte für den Auslöser meiner Kamera.

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Tanja gegen die Schneeflocken

Ach ich versäumte zu berichten, wir hatten ganz kurz, aber wirklich sehr kurz, den Gedanken abzukürzen prust, bei 7 km Wegstrecke wirklich peinlich Natürlich haben wir diesen Gedanken nur oberflächlich diskutiert und den Weg in der Gänze genossen.

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Schneetreiben zwischen Rölenommer und Müllersommer – Die Ortsnamen sind der Knaller

Ich gebe zu, bei diesem Wetter ist eine Kamera eher hinderlich und doch ist es schön mit einer relativ guten Foto Qualität heim zu kommen. Das Wetter ist, trotz schwer begehbarem Untergrund, ein Träumchen für Flachländer.

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Teiche auf dem Weg nach Müllersommer

Wieder zurück in Frangenberg

Recht zügig erreichen wir unseren Startpunkt, nehmen uns trotzdem Zeit für die Kleinigkeit am Wegesrand, wie dieses aussagekräftige Straßenschild.

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Eingeschneite Tanja

Mein Auto ist dick eingeschneit, wir auch, die Rucksäcke alles klatschnass. Beste Voraussetzungen um im Autoinneren für zarten Nebel auf den Autoscheiben zu sorgen.

Damit nicht genug, meine Tankfüllung reicht für 36 Kilometer, rd. 40 Kilometer müssen wir zurück legen, um heim zu kommen. Also die nächste Tankstelle anvisieren. Machen wir! Dort angekommen hängen überall Zettel an den Zapfsäulen „Kein Super“

Ist jetzt Zeit für Panik?

An der Kasse erfahren wir, dass die Tanklaster den Weg hier hoch nicht riskieren können, seit Freitag sind die Tanks für Super leer. Eine Alternative bietet sich nur 1 km weiter an einer weiteren Tankstelle an. Mit klopfendem Herzen fahren wir dort hin.

Es plumpst ein riesiger Felsbrocken der Erleichterung von meinem Leid geplagten Herz, hier ist noch Super genug vorrätig. Dafür hängen HIER Zettel „Kein Diesel“, zum Entsetzen eines anderen Kunden, der jetzt zu unserer erst gewählten Tanke fährt.

Der Sprit kostet hier satte 1,44 Euro, also wird nur ein Drittel voll getankt, dann machen wir uns endlich auf den Heimweg.

Autobahn oder Landstraße

Wir erreichen nach längerer, sehr langsamer Anfahrt über restlos verschneite Straßen die Zufahrt zur A 4. Schon dort staut sich der Verkehr. Tanja schlägt vor über Landstraße heim zu fahren und das erweist sich als goldrichtig.

Mit gutem Abstand zum Vordermann knödeln wir laaangsam Richtung Heimat, bloß nicht stehen bleiben. Bis Bergische Gladbach verläuft alles supi, aber in der Stadtmitte stehen sie, die Wohnwagen und PKW, die Fahrer fegen die Straße frei, um den Reifen wieder Griff zu geben.

Ich kann nur sagen, so schön diese Winterstimmung ist, auf den Straßen ist trotz aller Vorsicht immer das Risiko gegeben mit Beulen heim zu können. Und der größte Gek kommt zum Schluss.

Leverkusen on ice

Leverkusen hatte nicht den geringsten Hauch von weiß aufzuweisen, als wir morgens in unser Wanderabenteuer gestartet sind. Jetzt liegen rd. 15 cm Neuschnee. Leverkusen und Umland hätten für eine Schneewanderung eigentlich völlig gereicht.

4 Kommentare

    1. Das stimmt, das Wetter spielt keine so große Rolle, vor allen Dingen aber was die entspannende Wirkung des Unterwegs seins angeht. Wir haben diesen strubbeligen Wandermoment sehr genießen können 😉
      LG Elke

  1. Schönes Winterabenteuer 🙂 Das mit dem Astbruch, ist gar nicht so weit gesucht. Meiner Trauerzypresse vor der Haustür ist ein 4 m langer Ast abgebrochen und ein paar kleinere. Schlimm fand ich das. Die wachsen nicht wieder an 🙁

    1. Oh das ist ärgerlich, mit Deiner Zypresse.
      Ja unser Schneeabenteuer war göttlich, leider viel zu kurz und zu nass für die Kamera 😉
      Hoffe es kommt noch Schnee!
      LG Elke

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