Zwischen Schneegestöber und einzelnen Sonnenstrahlen wanderte ich durch den Naturpark Bergisches Land. Versprochen waren vier Stunden Sonne, erhalten habe ich über die gesamte Wanderzeit Schnee und Schneeregen aber auch eine außerordentlich amüsante Begegnung. Um darüber mehr zu erfahren, müsst ihr lesen.

Ganz ehrlich, ich hätte heulen können, als ich schon auf der Anfahrt nach Lennep erahnte, dass es mit den versprochenen Sonnenstunden nichts werden würde. Unterwegs, während die Scheibenwischer regelmäßig ihr wisch-wasch von sich geben, spiele ich mit dem Gedanken einfach umzudrehen, wieder heim zu Spike.

Den Preis noch einen weiteren Tag mehr oder weniger sitzend zu verbringen, will ich jedoch nicht zahlen. Also Zähne zusammen gebissen und auf das Beste hoffen.

Tippeltour Pilgerpfad und Heerweg

Die heutige Wanderung habe ich aus dem Band Tippeltouren – Das Bergische Land von Peter Squentz. Sie verläuft zu einem großen Teil auf asphaltierten oder geteerten Wegen, berührt einige Hofschaften und Dörfer. Mit Blick auf den hohen Wasseranteil in Luft und auf den Wegen sicherlich die bestmögliche Wahl.

  • Start/Ziel: Wuppertal, Spieckern 37 – Wanderparkplatz
  • Streckenlänge: 11,1 km
  • Höhenmeter: 197 m
  • GPS Track
  • Einkehr ist im nahe gelegenen Beyenburg möglich. Hier lohnt sich auch der Besichtigung der schönen Ortsmitte. Vorige Woche habe ich dazu etwas geschrieben: Von Beyenburg um den Bilsteiner Kopf

Der große Wanderparkplatz bietet Raum für eine Vielzahl Autos, ob er wohl je richtig genutzt wird? Nebenan befindet sich die Feuerwache und wenn ich durch die winterlich kahlen Büsche und Bäume schaue, erblicke ich den Bauernhof Walbrecken in Spieckern, ein riesiger Hof.

Pilgerpfad und Heerweg (1)
Bauernhof Walbrecken in Spieckern

Pilgerpfad und Heerweg (10)

Trübe sind die Aussichten und still ist es hier oben. Auf der spiegelglatten Straße stapfe ich bergab und biege am Ende der Straße links ab. An den Straßenlaternen und Bäumen entdecke ich regelmäßig die Muschel, das Symbol des Jakobsweges. Solch modernes Hinweisschlid sehe ich zum ersten Mal seit ich wandere.

Für eine Weile werde ich diesem Zeichen folgen, das Tanja so heiß und innig liebt. Ich hoffe es ihr bald nachtun zu können und mindesten den Moselcamino pilgern.

Pilgerpfad und Heerweg (6)

Durch winterliche Landschaft nach Frielinghausen

Die Wege sind sehr nass, kein tief gefrorener Boden hält den Schnee trocken, binnen kurzer Zeit wird er gänzlich dahin geschmolzen sein. Noch spüre ich eine Menge Asphalt unter den Stiefeln. Es ist schön, dass der Blick nach rechts ein Grinsen in mein Gesicht zaubert. Herrlich, die Pappdame im Baumhaus.

Pilgerpfad und Heerweg (12)Eine schöne Abwechslung bietet der Feldweg. Auf den Strommasten und den Zaunpfählen sitzen Rabenvögel. Sie schwingen sich mit hartem Flügelschlag nach oben, wenn ich mich ihnen nähere. Sie haben eine große Fluchtdistanz.Pilgerpfad und Heerweg (14)Mir gefällt der Verlauf dieses Feldweges, der schon schemenhaft die ersten Blicke auf den Ortsrand von Frielinghausen erlaubt. Das nenne ich im Wanderverlauf „locken“. Kennt ihr das? Wenn ein Weg nur erahnen lässt wie es weiter geht? Das je nach Umgebung die Spannung steigen kann, in der Hoffnung ein ganz bestimmtes Landschaftsbild vorzufinden oder einfach die erwartungslose, jedoch gespannte Haltung?

Frielinghausen im Naturpark Bergisches Land

In diesem Fall erwartet mich nichts spektakuläres, ein Dorf eben, mit sehr unterschiedlicher Bebauung und noch immer mit der Jakobsmuschel an den Bäumen.

Es dauert nicht lange und der kleine Ort ist durchwandert. Ein geteerter Wirtschaftsweg führt an Wiesen und Weiden vorbei. Gerade habe ich den Ort hinter mir gelassen, da beginnt es zu schneien. Nicht ein bisschen, nein richtig heftig und vor allen Dingen nass.Pilgerpfad und Heerweg (23)Die Kamera verschwindet in einer dafür bereit gehaltenen Tüte, aber zuvor drehe ich mich so, dass der Schnee mir nicht die Linse versaut und mache ein Foto. In die andere Richtung fotografiert wäre es deutlicher zu sehen gewesen, was da runter kam.

Inzwischen ist der Boden noch wärmer geworden und die Flocken schmelzen beim ersten Kontakt mit dem Teer.

Nun folgt ein Wegabschnitt ohne fotografische Untermalung, dafür ist mir meine Nikon zu schade, die bleibt sicher in der Tüte. Bald legt sich das Flockengetümmel und sie darf wieder frische Luft schnappen.

Tümpel und Nadelwaldgebiete geben meinen neugierigen Blicken Futter. Wenn schon mieses Wetter, dann wenigstens was für Aug und Ohren. Die Waldvögel geben sich sehr verhalten, vermutlich pennen die um Kräfte für das Frühjahr und die kommende Brutperiode zu sammeln.

Ich nähere mich unaufhaltsam der ……

Herbringhauser Talsperre

Die Herbringhauser Talsperre versorgt im Verbund mit der Kerspetalsperre die Wuppertaler Einwohner. Ich mag das grün schimmernde Wasser, das durch die Baumreihe zu sehen ist.

Der Uferbereich dieser Trinkwassertalsperre ist mittels Zaun geschützt.

Pilgerpfad und Heerweg (34)
Herbringhauser Talsperre

Begegnungen

Schon von weitem höre ich das Bellen eines größeren Hundes. Fast automatisch denke ich an Spike, ein kleiner Impuls lässt mich noch immer nach der Leine greifen, um ihn zu sichern, aber mein pelziger Freund ist ja gar nicht mit dabei.

Es nähert sich ein Paar mit zwei herrlich aussehenden Vierbeinern. Mehr oder weniger im Vorübergehen klagen wir die lügnerische Wetter App an, die doch Sonne versprochen hatte. Lachend erklären die Beiden, dass sie sich aufgrund der positiven Prognose von Leverkusen hierher begeben haben, um die angekündigten vier Stunden Sonne zu kassieren.

Das Gelächter war groß, als wir die Ähnlichkeiten erkennen. Wir Leverkusener haben es drauf, wie die Spürhunde wittern wir unsere Miteinwohner auch auf fremden Terrain.

Ich bitte darum für meinen Blog und die Erinnerung an die Begegnung ein Foto schießen zu dürfen und dann trennen sich unsere Wege wieder.Pilgerpfad und Heerweg (42)

Baum fällt nicht

Während der gesamten Wanderung spähe ich immer wieder nach oben. Registriere schräg stehende Bäume, die hier allerdings eher selten anzutreffen sind. Friederike, unser letzter Sturm, hat in anderen Regionen erheblich mehr Holz gefällt.

Staumauer Herbringhauser Talsperre und Wasserwerk

Auch an der Staumauer gibt es einen hohen Zaun, der verhindert dass Unbefugte darüber klettern oder sonstigen Blödsinn anstellen. Die Staumauer ist riesig, ich schlendere über sie und genieße die Blicke über die stille Wasseroberfläche.

Es war schon richtig eine kurze Wegstrecke für den heutigen Tag zu wählen. So kann ich mir Zeit zum Schauen nehmen, aber auch für wichtige, tiefschürfende Gedanken. Davon habe ich derzeit eine ganze Menge und in der Bewegung lässt sich vieles gut verarbeiten.

Ich weiß schon, warum ich das Wandern so liebe.

Immer wieder tanzen dicke Schneeflocken von Himmel. Mein Haupthaar ist gut nass, weil ich Kapuzen so blöd finde und den Trekkingschirm vergessen habe. Den Satz „Attraktive Wanderin….“ werde ich im Zusammenhang mit mir dann wohl nicht nutzen können :D

Kurz hinter dem Wasserkraftwerk führt ein uriger Waldweg wieder einmal bergan. Noch immer steckt meine Kamera in der Tüte und wird nur bei Bedarf heraus gefriemelt.

Richtung  Rottland

Um Hofschaften herum wandere ich über die Höhen, mit wunderschönem Blick über die Wiesen und Felder. Die Sonne wagt sich zaghaft hin und wieder durch die dicke Wolkenschicht und zaubert zuweilen mit ihrem goldenen Schein eindrucksvolle Bilder.

Ich muss das immer wieder betonen, kein Fotoapparat der Welt kann die Realität so festhalten, oder das was ein Mensch wahr nimmt.

Mich entzücken die Sonnenstrahlen auf den hellen, ganz weit entfernt stehenden Häusergruppen. Ich sehe die Sonne wandern, wie sie Teile der Landschaft erhellt, weiter wandert und Schatten zurück lässt. Das sind Momente, die auch bei solcher Wetterlage Eindruck hinterlassen, Erinnerungen schaffen.

Was soll ich viel erzählen, der Rest des Weges ist schnell gewandert. Überwiegend sind es Feldwege, die mich wieder Richtung Spieckern führen. Die Sonne verschwindet wieder, lässt Wanderin und Landschaft in trübem Grau zurück.

Rückwirkend bin ich dankbar mich raus gezwungen zu haben. Allein die nette Begegnung mit den Leverkusenern und das Schauspiel der Wandersonne, haben mir für heute Geschenke gemacht, die ich mit heim nehme.  Wie immer bin ich nach dieser Wanderung besser gelaunt, habe dem Winter vorübergehend ein Schnippchen geschlagen.

Ich kann nur jedem empfehlen: „Geht raus, egal bei welchem Wetter (OK nicht wenn Friederike tobt)“

4 Kommentare

  1. Genau das habe ich gestern gemacht! Trotz Wetterbericht hinaus und siehe da, die Hälfte der Wanderzeit anständiges Wetter! Dann allerdings Wind und Regen. Aber ebenso froh, wieder gewandert zu sein ;-) LG

    1. Ja es tut einfach gut draußen zu sein, aber sich selber in das Hinterteil zu treten, das ist richtig anstrengend ;-)

  2. Vielen Dank für den tollen Bericht und Bilder aus meiner alten Heimat (Frielinghausen, bzw. Hardtbacher Höhe)
    Danke!
    Grüße aus´m Pott

    1. Eine schöne Heimat Peter,
      ein wenig Sonne und Grünzeug an die Bäume und das Wandervergnügen verdreifacht sich, oder Schnee wäre auch toll!!!!
      Ich wünsche Dir einen tollen Tag im Pott
      Elke

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