Unbestritten gibt es viele Menschen, darunter ist ein hoher Anteil Frauen, die sich aus Angst alleine zu wandern nicht in Wald und Flur begeben. Kürzlich gab es zu diesem Thema eine sehr kontroverse und emotional geführte Diskussion zum Mythos „Frauen sind ängstlicher als Männer“. Deshalb die Frage an meine Leser/innen:

Habt ihr Angst alleine zu wandern?

Alle seid ihr gefragt, Männer und Frauen! Ich würde gerne wissen welche Gründe es für euch gibt auf den Gang in die Natur zu verzichten, wenn ihr keine Begleitung findet?

Haben Männer den Mut zu ihren Ängsten zu stehen, oder können sie das aufgrund des ebenfalls existierenden Mythos vom „Starken Mann“ nicht tun?

Begeben sich Frauen in die Opferrolle, wenn sie davon ausgehen mehr Ängste zu entwickeln als Männer?

Meine eigenen Angst alleine unterwegs zu sein

Auch ich habe Angst und ich gebe zu, seit dem ich Spike nicht mehr an meiner Seite weiß wächst die Angst. Aber auch zusammen mit Spike gab es Situationen, die für mich Angst einflößend waren.

Im Jahr 2011 war ich erstmals alleine auf Wanderwegen unterwegs und wurde dabei mit meinem gänzlich fehlenden Orientierungssinn konfrontiert. Beinahe jeder Ausflug in die Natur war an irgend einem Punkt mit Panik besetzt, meist dann wenn ich nicht mehr wusste wo genau ich mich befand. Ohne mein Navigationsgerät wäre ich meiner neu entdeckten Leidenschaft wohl nicht weiter gefolgt. (Anleitung zur Nutzung eines Navigationsgerätes)

Mit jedem Erlebnis wuchs allerdings auch die Gewissheit „Niemand geht auf normalen Wanderwegen verloren“ Hinter der Fixierung auf die Angst vor Orientierungsverlust bleiben andere Sorgen und Ängste zunächst verborgen. Aber es gibt wirklich mehr als nur diese Angst.

Die Teufelsschlucht zwischen Grusel und Faszination

Im Jahr 2014 z.B., nehme ich die extrem lange Anfahrt in die Luxemburgische Schweiz in Kauf, um in der dortigen Felsenlandschaft zu wandern. Dort angekommen präsentiert sich die Landschaft in tiefem Nebel liegend. Wäre ich nicht so weit gefahren, das Unternehmen hätte ich wohl abgebrochen. Da kroch Angst in mir hoch, eine Gänsehaut bildet sich auf der Haut und jeden Moment glaube ich dass knöcherne Hände mir auf den Rücken packen.

JA, das ist irrational und gleichzeitig überfällt mich eine Faszination, die letztendlich die Oberhand gewinnt.

Angst alleine zu wandern
Nur ahnen was der nächste Schritt bringt

Gemischte Gefühle

Als die Sonne die Nebelgespinste durchdringt und unnachahmlichen Lichtspiele erzeugt bin ich dankbar für den Mut losgewandert zu sein.Alleine wandern kann schön seinNebel ist nicht der einzige Angstauslöser für mich.  Oft ist es das Knacken im Wald oder wie im Harz, ein Mann in Jogginghose mitten im abgelegenen Waldgebiet, der mir entgegen kommt und bei mir einen Panikanfall auslöst.

Manchmal ist es einfach ein ungutes Gefühl, wenn ich besonders dunkle Waldgebiete durchwandere. Die Erleichterung wieder unter freiem Himmel zu wandern ist dann oft unermesslich groß.

Liege ich da falsch, wenn ich vermute, dass wir Frauen hierfür anfälliger sind?

Und nun ihr

Um nun zu den unterschiedlichen Gründen für Angstempfinden zurück zu kommen meine Fragen an euch:

  • Wer hat Angst?
  • Wovor habt ihr Angst?
  • Spielt das Alter eine Rolle?
  • Spielt das Geschlecht eine Rolle?
  • Habt ihr auch in Gesellschaft Ängste da draußen?
  • Wird Angst durch Witterungsbedingungen beeinflusst?

Was fällt euch zum Thema „Angst alleine zu wandern“ ein?

Erstaunlich viele Rückmeldungen gab es in Bezug auf Angst vor freilaufenden Hunden im Beitrag: Benimmregel – Mein Hund auf Tisch und Bänken

Es wäre himmlisch, wenn sich Männer zu ihren persönlichen Angstfaktoren äußern würden.

Übrigens hat Anita in ihrem Blog über eine Wanderung auf der Traumschleife Hasenkammer und ihre Ängste beim alleine wandern geschildert. Gut nachfühlbar, was dort geschrieben steht.

Beeindruckend ist für mich im Nachhinein, dass schon Kinder lernen, dass alleine unterwegs sein kein Grund zur Panik ist, wie hier Ingrid erzählt.

Aus Männersicht ein Beitrag aus den Sozialen Medien von Thomas
Von der Angst alleine zu wandern

Also Angst habe ich eigentlich nicht wenn ich allein unterwegs bin. Manchmal ergibt es sich eben nicht anders, weil keiner mit kann oder man etwas ganz bestimmtes erkunden will was sonst keinen interessiert. Ich würde es eher Bedenken nennen, man sollte schon überlegen wo man allein rumkriecht oder klettert. Die Gefahr sich zu versteigen ist schon da, Stürze können immer passieren und ist man danach noch mobil?

Da ich auch immer Karten mitführe und mich nicht allein auf Elektronik verlasse ist die Orientierung kein Problem. Wenn man sich dochmal verläuft bringt durchdrehen ja auch nichts, man steht ja immer noch da wo man ist. Passiert eigentlich aber nur in schwerem Gelände… Die Sorge vor Unfällen ist da wirklich größer und ob es die Wurzel im Mittelgebirge ist oder der alpine Steinschlag ist da wirklich egal. Ich kenne im übrigen genügend Leute die allein unterwegs sind, Frauen wie Männer aller Altersgruppen. Kannst du gern für deinen Blog verwenden
VG Thomas

Britta schreibt bei Facebook zum Thema Alleine Wandern
Ich bin auch öfters alleine unterwegs. Die Natur macht mir überhaupt keine Angst! Dennoch kann ich nicht leugnen, dass ich Angst vor Übergriffen habe (…und das nicht grundlos!). Wenn sich jemand von hinten nähert, stellen sich meine Nackenhaare hoch. In solchen Momenten bleibe ich meistens am Wegesrand stehen und lassen denjenigen passieren.

Große Wandergruppen kommen für mich nicht in Frage, da ich das Wandern und auch die Fotografie dann nicht mehr genießen kann. Ich glaube nicht, dass Frauen von Natur aus ängstlicher sind. Ich denke, es liegt einfach an der heutigen Kriminalität, die Frau verängstigt durch den Wald ziehen lässt.

Vorläufiges Fazit

Ganz erstaunlich wie viele Leserinnen und Leser sich zum Thema „Von der Angst alleine zu wandern“ gemeldet haben. Hier im Blog, bei Facebook, Twitter und google+ wurde ebenfalls rege diskutiert.

Ergo, handelt es sich um ein Thema, das durchaus aktuell ist.

 

63 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    gestern bin ich auf der Suche im Netz auf deine Blog gestoßen und hängen geblieben. :-)
    Was für eine tolle, informative Seite. Hab herzlichen Dank dafür.

    Besonders das Thema mit der Angst hat mich gefesselt und ich habe fasziniert alle Beiträge gelesen.
    Und bin zu dem Schluss gekommen: Ich habe tatsächlich keine Angst! Gott sei Dank, bis jetzt.

    Entweder bin ich zu naiv (als Wanderneuling), oder mir „fehlt“ die schlechte Erfahrung.
    Wie auch immer. Ich war als Kind schon immer gerne draußen, liebe alle Geräusche etc.
    Ich wandere noch nicht lange, erst seit ca. 3 Jahren. Am Anfang immer mit meiner besten Freundin zusammen, die mich auch „angesteckt und infiziert“ hat.
    Seit diesem Jahr auch alleine. Oft hat sie keine Zeit und sonst komme ich nicht vor die Tür. Und das geht gar nicht! Zwischendurch finden sich zum Glück auch Lücken für ein Wandern zu zweit.
    Ich liebe die Natur, kann Gedanken laufen lassen und brauche die Bewegung, um Stress erfolgreich abzubauen.

    Anfangs hatte ich große Sorge, mich zu verlaufen. Ich tendiere aber dazu, überorganisiert zu sein. Daher sind immer eine Karte, ein Wanderführer und auch mal die GPX-Daten dabei. (für ein GPS-Navi war mir bis jetzt mein Geld zu schade) Der Rucksack ist gut bestückt, das würde aber eher zu einem anderen Thema hier passen. :-)
    Ich sage immer mindestens 1-2 Personen Bescheid, wann ich losfahre. Wo ich bin, welche Strecke ich gehe. Und melde mich kurz, wenn ich wieder am Auto bin.

    Angst vor Tieren habe ich nicht, eher Neugierde. Und Respekt!
    Ich gehe auch nur, wenn keine Gewitter angesagt sind.
    Und hier im Bergischen Land weiß ich, ich bin zumindest immer „nah dran“ am Zuhause. Was soll groß passieren? So dünn besiedelt, daß mich hier keiner findet, ist es in den meisten Gegenden nicht.
    Im Herbst geht es eine Woche ins Allgäu. Da bin ich gespannt, wage mich erstmals in die Berge.
    Aber Angst? Nein, eher nicht, auch hier Respekt. Ich werde mich weiter naiv rantasten und gucken, was geht.

    Etwas mulmig wurde mir allerdings letzte Woche, als mich zwei junge männliche Wanderer überholt haben.
    Klar, friedlich und nett waren sie. Aber der Gedanke, daß ich ihnen von Größe und Kraft weit unterlegen bin, kam kurz auf. Gott sei Dank ist auch hier nichts passiert. Auch hier habe ich noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, fröhlich grüßen hilft oft weiter.
    Ich kann aber durchaus jeden verstehen, der nicht so denkt und lieber in Gruppen geht.
    (meine Mama denkt auch immer, ich gehe verloren. Langsam lernt sie, daß das erwachsene Kind tatsächlich immer wieder nach Hause gefunden hat)

    So taste ich mich weiter voran und hoffe weiter auf Angstfreiheit. Und bin schon sehr gespannt, welche Wege und Strecken ich noch wandern werde. Die Liste wird länger und länger und länger…
    Und nächstes Jahr ist eine Hüttentour angedacht, die dann aber mit der besten Freundin.

    Herzliche Grüße
    Kerstin

  2. Ich wandere schon alleine und denke das gleiche wie du schon geschrieben hast. Wer sollte mir „in der Wildnis“ schon auflauern? Ich geh den Weg ja nicht regelmäßig zur gleichen Zeit.
    Angst habe ich allerdings dann, wenn mir Menschen mit freilaufenden Hund entgegenkommen – da ich Angst vor Hunden habe. Doch auf Hunde treffe ich auch im Alltag – und ich sag mir immer, dass die Hunde von Wanderern bestimmt viel entspannter sind als die in der Stadt und die Wahrscheinlichkeit, dass was passiert noch geringer ist wie in der Stadt. Aber es lässt sich halt schwer abstellen…

    Da fällt mir meine Halbtageswanderung in Schottland wieder ein. Ich hatte nicht wirklich eine Karte, keinen Kompass und wie gut die Wege ausgeschildert sind wusste ich auch nicht. Aber ich wusste, dass ich nicht auf den Berg rechts von mir steigen darf. Geradeaus würde ich irgendwann auf ein Fließgewässer treffen, an dem eine Straße entlang läuft – und wenn ich dieser Straße nach links folge komm ich wieder zurück in den Ort…
    Aber die Schotten sind gründlich mit der Beschriftung der Wandewege und so war die markierte Rundwanderung auch ohne Karte kein Problem und der Notfallplan mit der Straße musste nicht in kraft treten ;-)

    1. Hui hui und ich habe Deinen Kommentar irgendwie geschlabbert ;-)
      Ich denke, dass ein gewisses Unwohlsein in manchen Situationen für alle Menschen normal ist. Was Begegnungen mit Hunden angeht, verstehe ich Dich sehr gut. Wir wandern ja nicht nur ortsfern, und sobald man in die Nähe von Orten gerät sind die Einheimischen mit ihren Vierbeinern unterwegs und haben scheinbar oft das Gefühl „Och uns kennen die ja alle und wissen „Mein Hund tut nix“ Das habe ich gestern erst sehr unangenehm und nicht das erste Mal erlebt. Wenn mir ein kläffender Hund hinterher rennt, dann gerate auch ich in eine gewisse Panik und ehrlich gesagt, in mir taucht das Bedürfnis auf, den massiv von mir weg zu scheuchen.

      Puh Orientierung, ein heikles Thema, da hast Du Dich ja viel viel besser vorbereitet als ich es gewöhnlich tue. Alle Achtung ;-)

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar und schicke Dir ganz liebe Grüße
      Elke

  3. Liebe Elke

    Ich, Mann, 40, hatte schon als Kind oft Angst, wenn ich alleine war. Vor allem im Dunkeln, aber auch in schattigen, feuchten Wäldern. Immer häufigeres, beklommeneres Zurückschauen, ein pochendes Herz, diffuse Fratzenphantasien. Irgendwann aber hatte ich es satt, fühlte mich erbärmlich unfrei, denn ich liebte immer die Natur, spürte, dass ich draussen sein sollte.

    Irgendwann Anfang dreissig, schon Vater, berufstätig, studierter Psychologe, ein „gestandener Mann“, zwang ich mich zu einigen Nachtwanderungen. Erst kurz, ein bekannter Weg über freies Feld, dann länger, in den Wald, ins Unbekannte. Wenn ich Angst aufkommen spürte, blieb ich stehen und wartete, bis sie wieder nachliess. Schon nach drei Mal war die Angst verschwunden.

    Inzwischen liebe ich es, alleine zu wandern. Ich übernachte zumindest im Sommer und Herbst oft alleine draussen im Wald. Mehrtägige einsame Wanderungen sind für mich das Schönste überhaupt. Vollmondnächte in der freien Natur sind an Zauber kaum zu überbieten.
    Da ich Familie habe und sozial arbeite, ist die Ruhe beim allein Wandern eine köstliche Abwechslung.

    Ein Navi habe ich nie dabei. Zumindest hier in der Schweiz ist es nahezu unmöglich, auf Wanderwegen verloren zu gehen. Man muss im Gegenteil die Dörfer aktiv meiden, will man etwas abseits bleiben. Auch eine Lampe braucht man nicht, es ist eigentlich nie ganz dunkel.

    Was geblieben ist, ist Angst auf Bergtouren in ausgesetzten Passagen. Ich kann sie aushalten, aber sie ermüdet mich sehr.

    1. Lieber Simon,

      Du hast jetzt gerade bei mir ein sehr deutliches Gefühl von „Das kenne ich“ hervor gerufen. Als studierter Psychologe hast Du dem Unwissenden ja eine Menge voraus. Du kennst die Strategien, auch wenn deren Durchführung sicherlich eben solche Überwindung kostet, wie jedem Anderen.

      Auch ich bin froh und sehr dankbar, dass es mir gelungen ist, meine Ängste mit zu nehmen, sie aber hinter meine Bedürfnisse zu stellen. Es funktioniert und das stelle ich immer wieder fest.

      Vielen Dank für Deine offenen Worte und weiterhin viel Spaß da draußen.

      Jetzt schaue ich mir erst einmal Deinen Blog an.

      Viele Grüße
      Elke

  4. Da ich gerne unter der Woche wandere, bin ich zu 99,9 % alleine. Meine Lebensgefährtin arbeitet noch und hat nur an Sonn- und Feiertagen Zeit. Mit dem alleine wandern ist das so eine Sache. Das Alleinsein ist kein Problem an sich. Was aber, wenn ich unterwegs einen „Herzkasper“ oder ähnliches erleide ? Das Handy ist zwar immer voll geladen dabei, aber wenn man es braucht, hat man oft im tiefsten Wald keinen Empfang. Und wie soll ich beschreiben, wo ich bin ? Angst habe ich nur vor älteren Jägern ( so ab 70 plus X … ). Die sehen nicht mehr so gut und schießen zuerst und gucken dann, auf was sie geschossen haben. Auch hatte ich einmal das Problem mit einem „grantigen“ Dobermann, der sich mir entgegen stellte. Ich hatte mein Abwehrspray schon „im Anschlag“, als dessen Herrchen mit dem selten dämlichen „der macht nix !“ um die Ecke kam. Das Hauptproblem beim alleine wandern ist aber für mich, daß ich von „Couch-Potatoes“ umzingelt bin, die die 200 m zum nächsten Supermarkt mit dem Auto fahren. Wie willst Du denen das Wandern schmackhaft machen ? Wie sagte mal ein Arbeitskollege zu mir, als ich Wandern als Hobby angab ? „Ham ’se Dir den Führerschein abgenommen ?“ Dem ist nichts hinzuzufügen . . .

    1. Hi hi, ich musste über den letzten Satz doch herzhaft lachen. Jäger 70+ sind auch nicht zwingend meine Lieblingsbegegnung, überhaupt habe ich Schiss wenn im Wald geballert wird. Die Sorge um evtl. Gesundheitsprobleme wird mit jedem Lebensjahr größer aber andererseits kann es einen auch auf der Straße erwischen, baff Auto drüber und Ende der Geschichte. In sofern vertraue ich dann doch lieber darauf, dass alles gut geht ;-)
      Ich wünsche Dir auf jeden Fall noch reichlich schöne Wandererlebnisse allein, zu zweit oder vielleicht auch mal in Gruppen.
      Liebe Grüße
      Elke

  5. Ich habe eigentlich keine Angst davor, alleine zu wandern und würde das auch in der mir bekannten Natur problemlos tun. Problematischer wird es dann, wenn einem die Umgebung total unbekannt ist, diese eventuell gefährlich ist oder man sicher ist, dass der Weg gering frequentiert ist.
    Da gebietet einem der gesunde Menschenverstand (besonders wenn man unerfahren ist) eine helfende Hand dabei zu haben. Da ist es aber auch egal, welchem Geschlecht man angehört :)

    Lieben Gruß

  6. Ich denke, ich habe keine Angst davor alleine wnadern oder einfach nur in den Wald zu gehen. Als ich etwa 12 Jahre alt war, habe ich mich unglaublich viel mit Kräutern und Naturheilkunde beschäftigt. Um die Pflanzen auch „life“ zu sehen und zu sammeln, musste ich natürlich auch in den Wald gehen, aber ich mochte es noch nie mit jemand anderem zusammen zu gehen. Meine Familie und Freunde waren mir viel zu ungedulding. Ich konnte stundenlang im Wald sitzen, auf Bäume klettern, Kräuter sammeln oder Tiere beobachten, ohne dass mir langweilig wurde. Aber weder meine Schwester, noch meine Schwester und erst recht meine Freunde konnten das nicht verstehen. Deshalb bin ich sehr oft alleine wandern und in den Wald gegangen. Ich habe eine richtige Liebe zur Natur entwickelt.
    Ich persönlich kann diese Angst vor Wäldern nicht ganz nachvollziehen. Für mich schien es immer gefährlicher zu sein allein in einer Großstadt herumzulaufen. Dort sind so viele Menschen, dass man viel wahrscheinlicher einem der schlechten Sorte über den Weg läuft. Im Wald ist man ganz allein, in der Natur. Ich finde das sehr entspannend und es gibt mir eher ein Gefühl von Sicherheit. Aber das ist nur meine persönliche Wahrnehmung ;)
    LG Elisa

    1. Ich glaube, dass das erwachsene Gehirn viele Tatsachen und ein erhebliches Wissen im Kopf hat. Das alleine kann bei manchen Menschen schon diffuse Ängste auslösen.

      Es ist vermutlich immer die Frage was stärker ist, das Bedürfnis draußen zu sein oder die Angst.

      Ich wünsche Dir weiterhin gaaaanz viel angstfreie Zeit in der Natur, sie ist so schön wie kaum etwas anderes.

      Liebe Grüße
      Elke

  7. Hallo Elke und Ihr lieben Mitleser.

    Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass die Angst verschwindet, wenn man immer wieder alleine raus geht und postive Erfahrungen sammelt. Ich war schon als Kind viel im Wand und habe daher keine Angst vor der Natur, fühle mich aber (immer noch) unwohl, wenn ich alleine in der Pampa zelte. Ich mache es trotzdem immer wieder und merke, dass ich besser und ruhiger schlafe, je länger ich unterwegs bin. Ich suche mir für eine Solo-Trekkingtour mit Zelt überwiegend Gebiete aus, in denen es lange hell ist, und in denen ich mich sicher fühle – also z.B. Skandinavien.

    Fähigkeiten wie Orientierung kann man erwerben und trainieren, und das Risiko, in einen Notfälle zu geraten, kann man durch sorgfältige Planung stark reduzieren. Der Rest ist Kopfkino, und da hilft es, wenn ich mir bewusst mache, dass sich die schlimmste Geschichten nur in meiner Phantasie abspielen. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass ich eine wirklich gefährliche Situation instinktiv erfasse. Ich bin sehr oft alleine draußen, und mir ist noch nie was passiert.

    1. Mit Hund, liebe Judith, mit Hund würde ich zelten, ohne und so Mutterseelen alleine, niemals! Wobei es in Deutschland ja nie sooo sehr lange hell ist und andere Länder kämen für mich schon gar nicht in Frage.

      Wer in der Jugend Mut sammelt, hat es als Erwachsener zweifellos leichter. Meine sehr behütete Kindheit hat mich da nicht so reifen lassen und später fehlte mir auch der Impuls.

      Ich bewundere Deine Haltung und wünsche Dir noch ganz viele tolle Erlebnisse. Ach so ja, das Ding mit der Orientierung. Ich war einiges über 50 Jahre als ich anfing zu wander und überhaupt mich dem Auto so weit, vor allem über Autobahnen zu fahren (überbehütet, bequem, unselbstständig eben, auch durch Ehe) Es hat sich noch einiges verbessert und es wird sich auch in Zukunft noch etwas stabilisieren, aber Welten bewegen sich da wohl nicht mehr.

      Im nächsten Leben fange ich früher an :D

      Liebe Grüße und lieben Dank für Deine Gedanken
      ELke

      1. “ … aber Welten bewegen sich da wohl nicht mehr. …“ – Da bewegt sich ganz sicher noch was :-) Ich habe schon so einige Leute getroffen, die spät mir dem Wandern angefangen haben, und inzwischen alleine durch die Alpen laufen. Bleib‘ dran!

  8. Liebe Elke
    Ja wie Du habe ich all die Jahre meinen großen Vierbeiner an meiner Seite gehabt und bin mit ihm sehr viel und meist allein unterwegs gewesen. Selbst Aufstiege bei Nacht im Winter auf den Berg im Schnee oder Vollmondwanderungen konnte ich so in vollen Zügen genießen. Gerade das spontane und tun zu was man gerade Lust hat, hat mir dabei so gefallen. Der Hund geht zu jeder Tageszeit mit und mit ihm hab ich mich auch immer sicher gefühlt, so daß ich wunderschöne Momente der Ruhe und Stille auch als wunderbaren Ausgleich zum Alltag erleben durfte. Jetzt wo er leider in die Jahre gekommen ist und nicht mehr überall mit kann bin ich schon auch mal alleine los. Aber es fehlt einfach was … der Genuß ist nicht mehr derselbe und ich muss mich fast schon manchmal zwingen hier weiter zu machen. Ich hatte mir dann als Alternative das gemütliche radeln ausgesucht – einfach ganz was anderes machen – aber es ist kein Ersatz und gerade da hatte ich auch ein Erlebnis mit einem psychisch Kranken der mich dabei angegriffen hat – gut hätte auch sein können daß mir das beim wandern passiert wäre – aber seitdem ist nichts mehr wie es vorher war. Als ich dannach beim alleinigen wandern dann einem Mann bei Dämmerung begegnet bin, der mir nicht so wirklich sympathisch rüber kam, hab ich den ganz schnell überholt und mein Tempo sehr hoch gesteigert, damit ich schnell Abstand gewinne. Das zeigte mir doch wie eindrucksvoll so ein Erlebnis dann in einem drin steckt. Der Wandergenuß hatte hier bei der Tour gelitten. Aber dennoch hab ich so viele schöne Momente in all den Jahren gehabt, die ich nicht missen möchte und werde sicherlich weiterhin auch allein unterwegs sein und einfach hoffen, daß mir Wildschwein und zweibeinige Psychopaten auch künftig aus dem Wege gehen.
    Liebe Grüße Angelika

    1. Ja mir fehlt Spike auch so sehr, es ist ein Gefühl nicht allein und doch recht ungestört zu sein. Der alte Knabe fehlt mir, diesen dunklen Schatten an meiner Seite.

      Wenn ich so etwas erlebt hätte wie Du (aus meiner Kindheit kenne ich solche Erlebnisse leider auch) dann würde ich wohl erst recht Probleme haben los zu ziehen. Ach Angelika, unsere Senioren. Schade, dass sie alt werden und nicht mehr so mit können.

      Ganz liebe Grüße
      Elke

  9. Ich würde mal sagen, NEIN! Ich hab manchmal Bedenken, bzw. schließe natürlich in meine Überlegungen meine eigenen Schwächen mit ein. Z.B. habe ich mit Einbruch der Dunkelheit überhaupt kein Orientierungsvermögen mehr. Wenn Gefahr droht, dass mich also die Dunkelheit einholen könnte, lauf ich deutlich schneller, weil ich sonst verloren bin. Ich möchte nicht im Wald schlafen. Interessanterweise liebe ich ja Wege, die für andere nicht wie Wege aussehen, das ist nicht förderlich dabei. Weil man sich natürlich häufig verläuft und länger unterwegs ist als geplant. Vor Übergriffen habe ich keine Angst. Ich hab zweimal fast 50 Kilo Hund dabei, keiner ist so verrückt und versucht mir da nahe zu kommen. Übrigens hab auch ich „Sorge“ mit anderen Hunden. Wenn der Weg zum Beispiel durch einsame Weiler, bzw. Häusergruppen/Höfe durchgeht, gibt es da wahrscheinlich Hofhunde, die wütend rausstürmen könnten. Ehrlicherweise kam mir aber erst einmal einer krumm, den hab ich in die Flucht geschlagen, bevor mein Hund überhaupt reagiert hat. Möchte ich nicht. Ich versuche ja auch Niemanden mit meinen Hunden zu belästigen, bzw. möchte nicht, dass sich jemand vor uns fürchten muss. Wildschweine sind auch ein Thema, allerdings laufen die wirklich normalerweise weg, bzw. sind nicht zu sehen. Und da hab ich auch mehr Sorge um die Hunde. Angst vor Verletzungen hatte ich früher, als ich allein mit Mountainbike unterwegs war. Noch kein Handy. Was wenn dir was passiert. Jetzt achte ich immer drauf, dass der Akku voll geladen ist, damit ich Hilfe rufen könnte, wenn ich mich verletze. Meine größere Sorge wäre da aber auch, dass die mich holen wollen und meine Hunde nicht mitnehmen. Dann würde ich lieber verletzt im Wald liegen bleiben 🙂 Ansonsten – Angst entsteht ja hauptsächlich im Kopf und hat nichts mit der Realität zu tun. Abschütteln. Bei Nebel oder sonst schlechter Sicht nicht versuchen weit voraus zu schauen um irgendwas zu erkennen. Da sieht man alles, was sicherlich nicht da ist 😉 Und die Mehrzahl der Menschen, die sich im tiefsten Wald rumtreiben sind vermutlich auch Naturliebhaber. Keine Mörder, Vergewaltiger, etc. Vielleicht mal Jäger, aber ehrlicherweise hab ich mit denen noch nie Probleme gehabt. Vernünftig sein. Was kann ich mir zutrauen. Es macht Sinn einen Weg zu verlassen, oder umzukehren, wenn ich merke, das ist für mich zu gefährlich, weil z.B. rutschig. Das ist nur vernünftig, hat nichts mit Angst zu tun.
    Ach ja, Angst hatte ich einmal als ich schon seit Stunden niemanden getroffen hatte und irgendwo weitab von der nächsten Ortschaft stand und der Hund vermeintlich eine Wespe verschluckt hatte. Da hatte ich nahezu Panik.
    Ja, ich war früher auch ohne Hunde unterwegs, Joggen und Mountainbiken. Da wird man ja verrückt, wenn man ständig Ängste mit sich rumträgt. Einmal gefror mir wirklich das Blut in den Adern. Es war Sonntag. Schrecklich graues und nasses Wetter. Ich bin einmal den Kanal bei uns hochgelaufen und an der Wendestelle bei der nächsten Brücke waren Fischer. So richtig wie aus dem Horrorfilm standen die da mit ihren Gummiklamotten, vermummt quasi und drehten sich so in Zeitlupe zu mir um. BRRRRR….. da bin ich auch erstmal schneller gelaufen.

    1. Anki, mit 50 kg Hund hätte ich wohl auch keine Angst, selbst die 23 kg meines ehemaligen Begleiters haben für ein sicheres Gefühl gesorgt. Irgendwie sind wir Hundehalter doch alle gleich gestrickt, ob 23 kg oder 50 kg, wir müssen sie beschützen und das finde ich klasse, wenn auch lustig. Die mit ihren Zähnen….. aber wir sind halt so!

      Hi hi, die Situation mit den Fischern habe ich gerade bildhaft vor Augen und grusele mich mal eben bei dem Gedanken.

      Ich bin begeistert, von den vielen bunten Geschichten, die ihr alle zu erzählen habt. Das macht ja beinahe mehr Spaß als selber zu schreiben.

      Ganz lieben Dank für Deinen Kommentar und noch ganz viele angstfreie Erlebenisse draußen in unserer herrlichen Natur
      Elke

  10. Volker bemerkt bei Facebook:
    ich hatte dieses Erlebnis mal in Koblenz. Wir hatten Tickets für eine Vorstellung am Abend und suchten nun einen Parkplatz……natürlich erst mal in der unmittelbaren Nähe aber da war alles schon überfüllt. Also habe ich meine Frau in der Nähe des Einganges abgesetzt, damit sie schonmal die Plätze bezieht und ich suchte einen Parkplatz.
    Nachdem ich diesen etwa 1 km entfernt gefunden hatte, musste ich mich beeilen, damit ich es noch pünktlich schaffte. Also ging ich zügigen Schrittes und ich bemerkte schon bald eine Frau vor mir die in die gleiche Richtung ging und begann, sich zu mir umzuschauen. Sie wurde schneller, wechselte sogar die Strassenseite und blickte sich immer wieder zu mir um. Man konnte das Unwohlsein deutlich erkennen. Sie griff zum Handy, telefonierte mit irgendwem und ständig ein Blick zurück zu mir. Ich konnte mir denken, was Gesprächsthema war. Was sollte ich jetzt tun? Spreche ich sie an, würde sie sich bestätigt fühlen. Sage ich nichts, wird die Situation auch nicht besser.
    Stehenbleiben? Dann verpasse ich den Beginn der Vorführung. Also bin ich in den Laufschritt übergegangen, damit ich sie nun schnell passieren konnte.
    Ich habe sie nicht angesprochen, auch nicht angeschaut, die war schon genug mit sich selbst und dem Handy beschäftigt. Nachdem ich vorbei war, warf ich an einer Strassenecke nochmals einen Blick zurück. Sie stand nun auf dem Gehsteig und telefonierte noch immer.
    Es tat mir leid dass ich ihr offensichtlich solche Angst bereitet hatte, aber außer selbst stehenbleiben und/oder schnell vorbeigehen, sah ich nicht wirklich eine Option.

  11. Liebe Elke,
    wenn ich alleine unterwegs bin (mein Hund oder früher mein Pferd in Begleitung) habe ich keine Angst vor der Natur. Ich mache mir immer nur Sorgen, dass ich ins Visier eines Jägers geraten könnte, da ich oft schon vor Sonnenaufgang unterwegs bin. Menschen in Form von Jägern oder mehreren fremden Männern machen mir tatsächlich Angst. Deshalb bleibe ich aber nicht zu Hause.
    Bellende Füchse oder Rehe, grunzende Wildschweine und Dachse sind mir schon oft begegnet. Respekt hatte ich jedoch, als eine Rotte Wildschweine mit Frischlingen meinen Weg kreuzte. Da habe ich mir in Gedanken einen Baum zum Hochklettern ausgesucht und Angst um meinen Hund gehabt, den ich nicht von der Rotte angegriffen sehen wollte. Es ist aber nichts passiert, aber dennoch meide ich seit dem einen speziellen (Wildschwein-) Lieblingsweg, den ich sonst morgens immer gerne gelaufen bin… obwohl da zusätzlich noch der Faktor hinzugekommen ist, dass dort die Möglichkeit nun wahrscheinlicher geworden ist, dort jetzt mehreren fremden Männern zu begenen, was einem als Frau alleine unterwegs dann schon Sorge macht. Mehr Sorge als die Wildschweine.

    Im Nebel zu wandern finde ich richtig schön… alles so ruhig und geheimnisvoll!
    Gewitter und Sturm muss nicht unbedingt sein, würde bei entsprechender Vorhersage dann keine Tour machen, weil das doch gefährlich sein kann im Wald.

    Und im Herbst waren wir zu zweit nachts unterwegs und hörten ganz in der Nähe zwei röhrende Hirsche, die ihre Geweihe aneinander schlugen… da wollte ich nicht zwischengeraten. Dennoch würde ich das Gefühl eher Respekt nennen, als Angst.

    Ich bin auch schon allein auf allen Vieren durch den Wald gerobbt, weil ich mir den Fuß verknaxt hatte … war nicht schön, aber selbst da hatte ich keine Angst.
    LG Sabine

    1. Liebe Sabine,
      ich kann Deine Angst, Deinen Hund betreffen, sehr gut verstehen. So ging es mir bei meiner ersten Begegnung mit einer Rotte Wildschweinen auch. Auch bei dem Angriff zweier Hofhunde auf Spike bin ich dazwischen gegangen, um ihn zu schützen, ohne nachzudenken welche Folgen das für mich hätte haben können. Übrigens wurde hier in Leverkusen gerade die Tage eine Frau von einem Wildschwein auf ärgste angegriffen und das im Stadtgebiet. Da kommen mir ja schon Zweifel.

      Jäger, ja wenn es ballert bin ich auch sehr argwöhnisch und fremde Menschen machen mir nur Angst, wenn Sie so ganz anders gekleidet sind, also Joggingbux so weit weg von Siedlungen, das war mir schon komisch. Mit Hund habe ich weniger Angst als ohne, weil ich denke dass der schon recht rabiat auf einen Angreifer losgehen würde,

      Danke Dir für Deinen anregenden Kommentar und liebe Grüße
      Elke

  12. Liebe Elke,

    bei mir ist es nicht so richtig die Angst vor dem alleine wandern, denn das mache ich eigentlich ganz gerne. Angst bereiten mir kniffelige, steile Wege, wenn ich Höhenschwindel bekomme und das Gefühl habe, das Gleichgewicht nicht mehr halten zu können, weil mir die Beine so zittern. Da hilft es mir tatsächlich, wenn einfach jemand neben mir geht – egal wer.
    Gewitter oder Sturm, sowie eine Bachüberquerung auf rutschigen, wackeligen Steinen können mir auch Angst machen. Oder die Befürchtung, ich könnte umknicken oder mich sonst wie verletzen und hätte dann keinen Handyempfang.
    Aber nur selten überkommt mich beim Wandern die Angst aus dem Grund des Alleinseins. Am ehesten noch, wenn ich mitten in der Wildnis Zivilisatorisches entdecke, z.B. ein Auto mit offener Fensterscheibe im Wald, aber kein Mensch weit und breit.

    1. Mir fällt da noch was ein:
      Oft ist die Angst im Wald, z.B. bei Geräuschen, einfach nur unsere fehlende Erfahrung. Hören wir ein Vogelzwitschern, wundern wir uns nicht, macht uns das keine Angst, weil wir es kennen und wissen, dass es nichts Bedrohliches ist. Aber das Bellen eines Rehs kennt kaum jemand, der nicht seine Nächte im Wald verbringt. Manch ein Geräusch irritiert mich auf meinen Wanderungen und dann mache ich mich gern mit Spürsinn daran, herauszubekommen, was es ist. Kennt ihr das Knacken, wenn die Samenschoten vom am Wegesrand stehenden Ginster in der warmen Sonne aufplatzen? Ein Rascheln in der Nähe ist fast immer eine Amsel am Waldboden, die Futter sucht. Im Schiefergestein bei Sonne sind es Eidechsen.
      Einmal lief ich einen einsamen Waldweg an einem Hang entlang. Da ertönte in meinem Rücken ein gleichmäßiges „Wusch -wusch-wusch“, dass es mir das Blut in den Adern gefror. Ein Geräusch wie aus einem Horrorfilm! Als würde ein Mensch mit einem ordentlichen Stock das Gebüsch peitschen. Aber es war niemand da! Und das Geräusch war so regelmäßig! Dann hatte es aufgehört. Ich guckte wie gebannt, woher das Geräusch kommen konnte. Und dann ertönte es ein weiteres Mal und ich erkannte, was die Ursache war: ein Reh, das den bewachsenen Abhang von unten nach oben hinaufgesprungen war. Wusch (hüpf) – wusch – wusch.
      Es stand still auf dem Weg und schaute mich an. Und ich konnte meiner Erleichterung nicht anders Luft machen als laut auszurufen: „Ein Reh!“ – Da nahm das Tier panisch Reißaus und ich musste unheimlich lachen, weil das Reh jetzt mit derselben Angst vor mir davonlief, wie ich sie vorher vor ihm gehabt hatte.
      Solange man das Geräusch nicht einordnen kann, macht es einem Angst. Dieses Prinzip konnte ich selbst auch übertragen auf meine Höhenangst: Je öfter ich die positive Erfahrung mache, dass ich einen bedrohlichen Abschnitt meistern kann, desto kleiner wird die Angst.

      1. Ja, da sprichst Du etwas Wichtiges an. Genau so erging es mir mit den ersten Amseln, mit den unheimlich knarzenden Bäumen über mir, mit huschenden Blidschleichen & Co und ja, auch das Bellen eines Rehes musste ich erst erkennen lernen.
        Wenn ich im Dunkeln vor der Ferienwohnung in der Eifel stehe höre ich Geräusche, die ich nur erraten kann, wie z.B. Füchse, die schreien.

        Trotzdem zucke ich noch sehr oft zusammen, wenn plötzlich ein Geräusch neben mir wahrnehmbar ist. Alleine Wandern bleibt zunächst trotzdem noch ein Hobby voller Leidenschaft. Es geht mir nach Wanderungen immer besser, als beim Start.

        Vielen Dank für Deine ausgiebige Schilderung. Das ist soooo spannend hier zu lesen, wie es anderen Menschen da draußen ergeht.

        Liebe Grüße
        Elke

  13. Hallo Elke,
    Danke, dass Du die Diskussion von neulich in diesem gelungenen Beitrag aufgreifst! Nachdem, was ich in den Kommentaren las, sind das Wetter, die Orientierung und Verletzungsgefahr oft Ängste, die Alleinwandernde begleiten. Mir geht es, bis auf die Orientierung ähnlich, wobei das alles eine Frage der Vorbereitung ist, diese Risiken zu minimieren (wobei ist zum Teil etwas schluderig damit umgehe). Bei Gewitter und Sturm sollte man einfach nicht in den Wald, das Risiko von einem großen Ast getroffen zu werden ist gegeben. Orientierung habe ich mittlerweile eine ganz gute – das war auch schon anders. Das Alleinewandern genieße ich hingegen sehr, gerade auch bei dichtem Nebel, der die Landschaft in Watte packt und sie wunderbar riecht und schmeckt. Vor ein paar Wochen bin ich sogar gezielt los, gerade weil es Nebel gab, den ich im Wald und zwischen den Felsen erleben wollte. Aber auch ich habe Ängste! Ich selbst bin zB. jemand, der sich bislang noch nicht überwinden konnte, allein bei Dunkelheit draußen zu sein. Dagegen werde ich dieses Jahr etwas tun, um sie zu überwinden. Schritt für Schritt, bis es kein Problem mehr ist.

    Was die Frage zum Geschlecht oder zum Alter angeht, so empfinde ich Pauschalaussagen unangenehmessen. Jeder hat andere Sorgen und Ängste bzw. andere Vorlieben und Sehnsüchte. Ich persönlich mag Angst nicht, weshalb ich, sobald sie identifiziert ist, mit meinen Möglichkeiten kuriere. Ich bin nämlich davon auch überzeugt, die Ängste zu verstärken, wenn ich mich ihnen (moderat und Schritt für Schritt) nicht stelle.

    1. Liebe Bianca

      ja, ich kann es sehr gut verstehen, dass Du Angst nicht magst. Ich mag sie auch nicht und nur selten kneife ich. Angst schränkt ein.
      Nebel ist für mich aus unerfindlichen Gründen eine Überwindung, wenn die Gegend sehr einsam ist, andererseits aber auch unfassbar faszinierend.

      Ein wenig vermisse ich bei diesen vielen Kommentaren diejenigen, die eben NICHT alleine wandern, weil sie Angst haben. Andererseits ist dann wohl die Sehnsucht nach „draußen sein“ nicht so groß. Für mich ist Sehnsucht oft ein Faktor, der mich zu ungeahnten Leistungen bringt, wie den Klettersteig in Boppard. Manchmal ist es auch einfach nur Sturheit, nicht nachgeben wollen. Alles perfekt, um solche Dinge zu erleben, wie wir es tun.

      Ich wünsche Dir ein wanderbares Wochenende und weiterhin viele Abenteuer, auch im Dunkeln. Ich sage es Dir, Wandern im Dunkeln ist ein unvergessliches Erlebnis.

      Liebe Grüße
      Elke

  14. Hallo Elke,
    spannend zu lesen welche Ängste einem zu schaffen machen. Aber wie ist es Angst zu machen? Geht es nur mir so als Mann, oder ist der ein oder andere dabei der sich auch darüber Gedanken macht, ob er Ängste auslöst. Wenn ich 194cm, 100kg (im Augenblick zwar nicht mehr, aber immer noch nicht zu übersehen), bei schlechtem Wetter mit Käppi einer allein laufenden Joggerin auf einem Waldweg entgegen komme – was geht da in ihrem Kopf vor. Wie verhalte ich mich, damit im Gegenüber keine Angst aufkommt. Ich habe darüber mehr als einmal Nachgedacht. Gassigänger die im halbdunkeln vor mir her laufen müssen sind auch so ein Paradebeispiel. Wie sollte man sich verhalten um den anderen keine Sorgen zu bereiten?

    Bisher habe ich persönlich noch nichts angsteinflößendes erleben müssen. Einmal in den Bergen, als der Weg nicht klar war und ich ein wenig suchen musste, kam es mir in den Sinn das die Zeit für eine sichere Ankunft wohl knapp werden könnte. Dort gab es auch mal das Gefühl von „Alleinesein“, aber keine echte Angst.

    Liebe Grüße
    Jürgen

    1. Lieber Jürgen,
      das ist eine Seite der Angst, über die ich mir als Betroffene schon sehr oft Gedanken gemacht habe. Wie fühlt sich ein Mann, der einer Frau im Wald begegnet oder wenn ich abends mit Spike draußen bin?

      Du hast die Antwort gegeben. Es gibt Männer, die sich gedanklich damit befassen und meist sind es vermutlich jene, die einem offen ins Gesicht schauen und grüßen. Im Gesicht ist viel zu erfassen.

      Und ja, wenn hinter mir jemand geht oder läuft, dann rennt mir ein unbehaglicher Schauer über den Rücken, wohl eine Urangst. Ich bleibe dann oft einfach stehen und lasse denjenigen vorbei. Fakt ist, will jemand etwas Böses habe ich eh keine Chance. Bewaffnet laufe ich ja da draußen nicht herum, nehme aber sicherheitshalber den Schlüssel so in die Hand, dass es mindestens weh tut, wenn ich mich wehre.

      Komisch, mir kommen gerade so viele Gedanken zu dem Thema. Ich neige nicht zur übermäßig lautstarken Äußerungen, wenn ich unter Stress stehe, also müsste ich mich zwingen zu schreien. Puh, da hast Du was angestoßen, das sehr real ist und vor allem alltäglich.

      Vielen Dank für die neue gedankliche Ausrichtung zum Thema „Angst“.

      Liebe Grüße und weiterhin gute Genesung, damit Du bald wieder in Dein Programm einsteigen kannst,
      Elke

  15. Hallo Abenteurer,
    ich bin gerne zu zweit oder alleine unterwegs. Das Alleine Wandern und – Trekking genieße ich immer mehr. Sogar mit Zelt im Wald ( Trekking Camps in der Pfalz) oder in Schweden für einige Tage.
    Die Stimmung, die ich da empfinde, ist überwältigend. Angst habe ich so gut wie gar nicht….. Sonst könnte ich es so nicht genießen – wenn mir mulmig wäre, würde ich meine Tour sofort abbrechen, es soll ja keine Mutprobe sein.
    Andererseits bin ich aber auch vorsichtig. Vermeide die direkte Nähe zu Orten, habe Handy und Wanderkarten dabei, achte auf das Wetter, zelte nicht auf Lichtungen, …. Wenn man am Abend nach einer langen Wanderung an einem selbstgemachten Feuer sitzt, glücklich sein einfaches Essen genießt, der Sternenhimmel wie zum anfassen scheint , das ist so ein Gefühl von Freiheit, und ich bin so froh, es so zu erleben.
    Aber auch schon während Tagestouren die ich alleine unternehme, nehme ich Dinge viel intensiver wahr.
    Andererseits mag ich auch mal quatschend mit Freunden durch die Landschaft wandern- aber das Gefühl ist ein ganz anderes.
    Aber ich verstehe auch Menschen , die es nicht können oder wollen.
    Liebe Grüße

    Marion

    1. Puh Marion,

      ich gebe zu, schon bei dem Gedanken alleine mitten in der Wildnis zu sitzen und nicht zu wissen wer oder was da gerade durchs Unterholz schleicht, macht mir richtig Angst. Ich würde wohl kaum ein Auge zutun und vollkommen verkrampft die Nacht verbringen. Ich denke dieses Abenteuer werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr „genießen“. Ja, ich kann Deine Dankbarkeit für dieses Erleben sehr gut nachvollziehen, frei von Angst zu sein tut einfach gut und lässt viel Raum für Erleben.

      Alleine wandern ist für mich trotz verschiedener Ängste eine Bereicherung, auf die ich nicht verzichten möchte. Ja, alles ist intensiver, vollmundiger und die Aufmerksamkeit größer. Beides ist prima, zu seiner Zeit.

      Ich danke Dir für Deine Gedanken und für die Erkenntnis: „Es gibt verdammt mutige Frauen“ ;-)

      Liebe Grüße
      Elke

  16. Prinzipiell habe ich (w) keine Angst alleine zu wandern. Ich wandere ohnehin nur alleine und fahre auch alleine in Urlaub (egal ob nach Österreich, Aserbaidschan oder New York). Ich mag es unterwegs machen zu können, was ich will, wann ich will und wie ichs will, ohne Kompromisse eingehen oder Rücksicht nehmen zu müssen.
    Allerdings kommt mir in abgelegenen Wäldern oder auf einsamen Pfaden doch schon mal der Gedanke, ob man mich hier finden würde, wenn irgendwas passiert wäre oder welche Chance ich hätte, wenn jetzt irgendwas passieren würde.
    Wobei meine größte Angst ein Angriff oder eine Begegnung mit einem freilaufenden Tier ist (Hund ohne Begleitung, Wildschwein, Laufvogel (), Kühe, Reh und was man alles so in heimischen Wäldern oder auf den Feldern antreffen kann).
    (
    ) Eine unheimliche Begegnung mit einem abgehauenen Laufvogel (keine Ahnung was das für ein Tier war) hatte ich nämlich schon mal, wenn auch zum Glück nur aus der Ferne.
    Aber ein Wildschwein ist schon mal wenige Meter vor mir ausm Gestrüpp geschossen, das muss ich auch nicht nochmal haben!
    Ansonsten genieße ich die Bewegung und die Neugier darauf, was die Wanderung hinter der nächsten Kurve bereithält und komme so meistens gar nicht dazu, Angst zu haben. 🙂

    1. Wer so im Ausland frei herumzieht, hat vermutlich eh insgesamt weniger Ängste. Alle Achtung!!
      Tiere sind mir wurscht, solange sie auf Abstand bleiben, wobei Wildschweine tierisch schnell werden können ;-)

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar und wünsche Dir ein tolles Wochenende.

      LG Elke

  17. Maren schreibt bei Facebook:
    Was für ein spannender Beitrag! Ich finde die Fragestellung sehr interessant, weil ich mir darüber noch nie wirklich Gedanken gemacht habe. Besonders spannend finde ich aber auch die vielen ehrlichen und ausführlichen Antworten – von Frauen und Männern! 👍
    Und was ich auch sehr interessant (und irgendwie beruhigend) finde, ist die Tatsache, wieviele (auch) Frauen regelmäßig, bewusst und gern allein wandern gehen! Ich werde schon öfters verwundert angeguckt, wenn ich erzähle, dass ich allein unterwegs bin. Aber – wie viele hier auch schon berichtet haben – allein kann man das Wandern und die Natur einfach am besten und ungestört genießen. Es gibt nur sehr wenige Leute, mit denen ich gern einen ganzen Tag lang wandern gehe, so gern ich sie auch sonst habe. Bei einer Wanderbegleitung muss einfach alles passen – Tempo, Pausen, Fotopausen, Unterhaltung, aber auch mal Schweigen und Genießen und den Gedanken nachhängen können.

    Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ängste beim Wandern. Ich habe bisher noch nicht darüber nachgedacht, und das zeigt mir, dass ich eigentlich keine Ängste habe. Ich bin grundsätzlich eher ein vorsichtiger und gut vorbereiteter Mensch, deshalb wandere ich nur dort, wo ich mich sicher fühle – und dazu gehören eigentlich alle deutschen Mittelgebirge. Ins Gebirge traue ich mich leider nicht, da ich als Großstadtmensch einfach keinerlei Ahnung und Erfahrung habe, wie ich mich dort zu verhalten habe, wie ich das Wetter richtig einschätze, wie ich mich dort orientiere usw. Dasselbe gilt für Wege im Ausland, von denen ich nicht weiß, wie gut sie markiert und auffindbar sind. Da vertraue ich dann nur auf Empfehlungen und habe möglichst Kartenmaterial dabei.
    Hier bei uns vertraue ich in der Regel auf lückenlose Markierung und mein Handy, das mir im Zweifelsfall den Weg zeigt. Man ist ja eigentlich nie weit weg von Ortschaften. Und meistens drucke ich mir einen Kartenausschnitt aus oder habe eine Wanderkarte dabei, damit das Handy für Notfälle geschont werden kann (Flugmodus). Ich sage aber immer jemandem Bescheid, wo ich unterwegs bin und melde mich dann auch zwischendurch und am Ende kurz. Denn meine größte Sorge (nicht Angst) ist tatsächlich, dass mal was passiert und niemand weiß, wo er suchen soll.
    Wandern in der Dunkelheit und bei Schlechtwetter versuche ich zu vermeiden, wenn ich allein bin, da lege ich dann lieber einen Zahn zu, wenn es dunkel wird. In Begleitung kann eine Nachtwanderung aber zu einem ganz besonderen Erlebnis werden, v.a. wenn der Mond scheint oder Glühwürmchen unterwegs sind. ;-)
    Vor anderen Wanderern oder wilden Tieren habe ich überhaupt keine Angst, da „muss“ man vermutlich erst eine schlechte Erfahrung gemacht haben. Unwohl fühle ich mich nur, wenn ein Hund auf mich zugerannt kommt und bellend an mir hochspringt (gerade letztes Wochenende in einem Wald bei Berlin erlebt).
    Tolles Thema, zu dem einem sooo viel einfällt… ;-)

  18. Hallo Elke,

    eigentlich ist es ja eine Schande, daß ich seit fast 5 (FÜNF!) Jahren Deinen sehr sehr schönen Blog verfolge und tatsächlich noch nie etwas kommentiert habe. Ach, denk ich mir immer, demnächst schreibste mal was, demnächst, demnächst. Aber Dein Thema „Ängste unterwegs“ reizt mich dann doch spontan, mal mein Nähkästchen zu öffnen….

    Ich nordic-walke seit 12 Jahren mit immer noch wachsender Begeisterung – fast immer allein, da ich ein zwar sehr liebenswertes, aber hochgradig fußfaules Umfeld habe. Aber ich bin ganz gerne allein unterwegs, zumal ich auch kein ängstlicher Mensch bin. Gleichwohl ist bei mir ein – ich nenns mal – diffuses Unbehagen dabei. So kommt es immer wieder vor, daß mir mitten in der Wanderung ohne für mich ersichtlichen Grund ein Wald(stück) plötzlich unsympathisch wird und ich auf dem Absatz kehrt mache und im Schweinsgalopp zurück zum Auto eile. Dies macht die beste Planung zunichte! Wenn ich also heute eine Wanderung in mir unbekannter Gegend angehe hoffe ich immer, daß sie nicht zufälligerweise durch „so einen“ Wald führt.

    Überhaupt Wald – Geknackse im Unterholz sowie Fichtenreihen auf beiden Seiten des Wegs ist Grusel. Eine Bache mit Frischlingen könnte meinen Weg kreuzen, oder ein Wolf. Der erzeugt eine Art archaisches Grauen, auch wenn es heißt: ein Wolf tut einem normalerweise nichts. Ich hatte mich jahrelang damit beruhigt, daß der Wolf ja nicht übern Rhein hinüberkäme, um mir dann z.B. in der Eifel aufzulauern – bis ich las, sie kommen von Süden, vom Elsaß.

    Begegnungen mit Zweibeinern machen mir weniger Sorgen, es sei denn mir käme eine Gruppe von drei oder vier Männern entgegen. Mit einem einzigen hingegen – so hoffe ich – würde ich vielleicht fertig werden, immerhin habe ich Pfefferspray griffbereit und bin entschlossen, meine Haut möglichst teuer zu verkaufen. Wahrscheinlich mache ich das entsprechende Gesicht dazu, jedenfalls ist mir bisher noch keiner blöd gekommen.

    Also mein ultimativer Oberschrecken ist und bleibt das Gewitter, die geradezu panische Angst, vom Blitz erschlagen zu werden, obwohl das statistisch ziemlich unwahrscheinlich ist. Was hab ich schon in fremden Carports schutzsuchend vor mich hin geschlottert. Dabei zieht es mich justamente dann hinaus zum Wandern, wenn Gewitter schon angekündigt sind….. vielleicht möchte ich nachher das Gefühl genießen, „noch mal davongekommen“ zu sein oder so 😉

    In diesem Sinne und trotz allem – auf ein schönes neues Wanderjahr!

    Viele Grüße aus Godesberg
    Claudia

    1. Liebe Claudia,

      erst einmal möchte ich natürlich „Danke“ sagen, dass Du so treu meinem Blog folgst und freue mich um so mehr, Dich ein wenig über diesen Kommentar kennen zu lernen.

      Dieses Unbehagen bei gewissen Waldstücken hatte ich auch schon ganz oft. Früher bin ich als Joggerin auch umgedreht und habe die gemieden.
      Heute zwinge ich mich da durch, bin aber ziemlich flott dabei unterwegs. Ich habe am frühesten Morgen, beim Lesen der Passage mit den Wildschweinen so lachen müssen!
      Die sind aber auch fies sich einfach eine bequemere Route zu wählen. :)

      Insgesamt muss ich sagen, Du schreibst herrlich, spontan kam mir der Gedanke „Ideale Blogschreibe“ solltest Du Dir überlegen, das wäre sicher amüsant zu lesen.

      Dir wünsche ich ebenfalls ein tolles Wanderjahr, ohne Wildschweine und Gewitter, dafür mit reichlich wunderschönen Erfahrungen incl. Sonnenschein‘!

      Liebe Grüße
      Elke

  19. Rainer schreibt auf Facebook:
    Das Alleinwandern macht mir keine Angst. Bin schon immer Einzelgänger gewesen, seit ich aus dem Alter raus bin, in dem man der Mutter am Rockzipfel hängt. Im Dunklen fühle ich mich nicht wohl, aber ich wandere ja ausschließlich bei Tageslicht. Dunklere Waldstücke tagsüber machen mir dagegen nichts aus. Nachts würde ich nicht gern unterwegs sein wollen, aber dies erst recht nicht in der Stadt. Bedrohliche Begegnungen mit Menschen hatte ich beim Wandern bislang nicht. Vor Wildtieren habe ich Respekt. Wildschwein-Begegnungen hatte ich schon oft. Üblicherweise hauen die Tiere ab, wenn sie mich sehen. Angst hatte ich mal bei einer sehr direkten Begegnung mit einem anderen Einzelgänger, nämlich einem großen Keiler. Und ich geriet mal einem röhrenden Hirsch zur Brunftzeit nebst Gattin in die Quere, woraufhin ich mich zurückgezogen habe. Da hatte ich schon ziemlich Schiß. Angst habe ich manchmal bei extrem ausgesetzten Stellen, vor allen Dingen im Hochgebirge, aber auch bei zwei oder drei Situationen im Mittelgebirge. Ich habe aber erlebt, daß Selbstüberwindung einen manchmal voran bringt, wenn man weiß, wo seine Grenzen liegen und diese nicht überschreitet. Ich gehe heute manche Stellen völlig entspannt, die mir früher Angst gemacht haben. Angst vorm Verirren habe ich gar nicht, da ich einen brauchbaren Orientierungssinn habe. Insgesamt kann ich sagen, daß Ängste bei mir auf sehr spezielle Situationen beschränkt sind. Das Alleinwandern an sich macht mir keine Angst, sondern ist meist Genuß pur.

  20. Ja, auch ich habe manchmal Angst. Ich habe mich allerdings dadurch noch nie vom Wandern abhalten lassen. Ich gehe grundsätzlich alleine mit meinem Hundemädchen los. Ich kann Wandern nur alleine mit meinem Hund genießen, die Gesellschaft anderer Menschen stört mich tatsächlich dabei.
    Ich freue mich zwar, mal ein paar nette Worte mit anderen Wanderern zu wechslen, das reicht dann aber auch.
    Ich habe zunächst auch Angst, mich zu verlaufen. Trotz ausgearbeiteter Touren und Wanderkarten habe ich mich schon mehr als einmal verlaufen, und das hat mir doch schon etwas Angst gemacht. Ich weiß, es ist irrational, hier in Deutschland geht man nicht so ohne weiteres verloren, und ich habe auch mein Handy stets dabei, aber… anrufen und sagen: Hallo Polizei, ich habe mich im Wald verlaufen?????? Undenkbar :-D. Ein Wandernavi steht ganz oben auf meiner Wunschliste daher.
    Ich habe aber, da ich nunmal alleine bin, auch Angst, dass mir tatsächlich mal etwas zustößt… wie schnell ist einmal ein Knöchel gebrochen oder ähnliches? Deshalb hinterlasse ich IMMER meiner Freundin und meinen Mitbewohnern eine Nachricjt, wohin ich fahre und welche Route in etwa ich nehme. Und ich melde mich nach einer Tour dann auch per SMS oder Anruf etc zurück.
    Und ich habe Angst, dass meinem Hund einmal etwas zustößt. Sie läuft niemals unangeleint im Wald, trotzdem kann auch ein Hundebein mal brechen oder ähnliches. Und ca 28 kg bekomme ich auf weite Distanzen auch nicht unbedingt getragen….
    Ich habe immer „den halben Hausstand“ mit, wie eine Freundin sagt… Verbandszeug, ausreichend Wasser, eine Decke etc sind einfach Pflicht.
    Bisher ist, -dem Herrn sei gedankt-, nie etwas wirklich Schlimmes passiert. :)

    1. Boah, ich fange mal hinten an. Eine Decke habe ich nie dabei, wohl aber Verbandszeug. Alles Achtung, da schleppst Du ja neben Wasser für Dich und Vierbeiner noch einiges zusätzlich mit.
      Mit Hund hatte ich weit weniger diffuse Ängste, seit er nicht mehr mit läuft sieht das anders aus und hin und wieder gibt es auch Situationen, in denen ich mich gegen alleine wandern entscheide, wie jetzt nach den Stürmen.

      Die Angst vor dem Verlaufen herrscht hier in den Kommentaren tatsächlich vor. Das hätte ich niemals gedacht. Toll was so ein Beitrag an Erkenntnissen bringt.

      Vielen Dank liebe Steffi, für Deinen Beitrag hier
      Liebe Grüße
      Elke

      1. Liebe Elke,
        vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich bin auch überrascht, wieviel Rückmeldungen es gibt, und dass die Ängste doch ziemlich ähnlich sind. Sturm habe ich tatsächlich vergessen. Ich liebe Sturm, und es gäbe nichts Schöneres für mich, als bei Sturm in der Natur zu sein. Aber bei wirklichem Sturm gebietet es mir der gesunde Menschenverstand, meinen Hintern zuhause auf dem Sofa zu platzieren. Gerade die letzten Stürme waren nicht ohne, und die Zerstörung in den Wäldern ist doch gewaltig. DAS möchte ich dann auch nicht erleben. Abgesehen davon, dass ich damit tatsächlich ja auch eventuelle Helfer in Gefahr brächte. Wir kriegen es hier öfter mal über die Nachrichten mit, dass grad auf dem Brocken Leute runtergeholt werden müssen, weil sie so unvernünftig sind und bei Sturm loslaufen.
        Seltsamerweise hab ich beim Wandern keine Angst vor Übergriffen. Obwohl ich Überlebende schwerer Gewalt bin, macht mir das ausschließlich in meinem Umfeld, in meiner Wohnung, auf der Straße Angst, aber nicht im Wald…. Bei Gelegenheit stelle ich Dir mal ne Liste auf, was ich so mit mir rumschleppe 🙂
        Liebe Grüße und einen schönene Abend Dir

        1. Über Dich komme ich immer wieder ins kichern, herrlich ;-) und ich freue mich auf Deine Liste.

          Du hast dann wohl etwas erlebt, das mich beim bloßen Gedanken daran in große Angst und Panik versetzt. Toll, dass Du das Wandern dann doch so genießen kannst. Wobei Angst in der eigenen Wohnung schon sehr einschränkend ist. menno :(
          Dir auch einen schönen Abend, mit ganz vielen schönen Gedanken und Momenten

  21. Angst beim Wandern alleine ??

    Hatte ich das erste Mal ein klein wenig als ich ich Bergischen für ca. 3 h unterwegs war und mir lange keine Menschenseele begegnete. Verlaufen war eher nicht mein Problem, dafür hatte ich ja mein Navi dabei. Aber als der Weg etwas glitschiger wurde dachte ich mir schon : „Wenn du dich jetzt hier hinlegst kann das schon ein Weilchen dauern bis dich da jemand findet.“

    Etwas mulmig wird mir auch wenn mir grössere, freilaufende Hunde entgegenkommen.

    Meistens wandere ich aber mit meiner Frau, manchmal auch alleine. Beim alleinigen Wandern kann man so schön seine Gedanken fliegen lassen….

    Liebe Grüße

    Helmut

    1. Da sind einige Angstauslöser dabei, denen ich unterwegs auch begegnet bin. Vor allem im Winter, wenn kaum Wanderer unterwegs sind, dann wächst die Sorge bei einem Unfall nicht gefunden zu werden. Freilaufende Hunde flößen mir hin und wieder auch Respekt ein, wenigstens dann wenn sie laut bellend angelaufen kommen und/oder an Grundstücksgrenzen auftauchen.

      Liebe Grüße und lieben Dank für Deinen Kommentar. ;-)

  22. Hallo Elke,
    ein interessantes Thema, dass Du da ansprichst. Ob ich Angst hätte, wenn ich so ganz alleine im Halbdunklen so mitten im unbekannten Tannenwald wäre? Na klar! Deshalb gibt es für mich eine Lösung: wenn ich mal alleine wandern will (oder muss, weil sich keiner findet), dann suche ich mir Strecken aus, die ich gut kenne oder die unverlaufbar ausgeschildert sind. Oder bei denen ich weiß, dass sie gut frequentiert sind, wie dem Rotweinwanderweg. Angst hätte ich davor, von einem Mann überfallen zu werden, wobei ich natürlich genau weiß, dass dies ziemlich unwahrscheinlich ist. Angst vor dem Verlaufen habe ich nicht, da ich einen guten Orientierungssinn habe, außerdem mein Handy gute Dienste leistet.
    Zugegebenermaßen laufe ich meistens mit meinem Mann, deswegen stellt sich das Problem so gut wie nie. Zusammen haben wir aber durchaus auch Schiss – vor unbekannten wilden Hunden oder Wildschweinen.
    Wenn ich dauerhaft alleine wandern müsste, würde ich mich sicher öfter dem Eifelverein anschließen.

    1. Ach Ursula
      ich bin ja wirklich froh, dass ich nicht allein bin, mit meinen Ängsten beim allein wandern. Für mich käme zwar momentan das Wandern in größeren Gruppen nicht in Frage, aber die Neigung allein durch wilde Pampa zu ziehen lässt immer mehr nach.

      Interessant ist auch, dass ihr auch zu zweit von „Schiss“ überfallen werdet. Ganz lieben dank für Deine offenen Worte. ;-)

      Beim Stichwort „Eifelverein“ fällt mir ein, den könnte ich mit seinen Ortsgruppen doch gut mal im Blog thematisieren. Vielleicht eignet sich das Thema auch als Gastbeitrag von euch für diesen Blog?

      Liebe Grüße
      Elke

      1. Stichwort „Eifelverein“ : gebe ich gerne an Ebi weiter, der ist der Schreiberling bei uns. Hätte er aber Lust zu, hat er gesagt.
        Liebe Grüße
        Ursula

        1. Holla, manchmal sind die spontanen Ideen doch mal richtig gut. Ich freue mich sehr!!!!
          Liebe Grüße an euch
          Elke

  23. Liebe Elke, Du hast den Finger mal wieder am Puls der Zeit. Ja, es ist an der Zeit, über Ängste zu reden. Ich kenne Ängste beim Wandern und will mal versuchen, diese etwas zu differenzieren.

    Unter Angst verstehe ich ein Gefühl, das eine Bedrohung voraussieht. Da ist einmal die auch von Dir beschriebene Angst, durch dunkle Waldabschnitte zu laufen. Bei mir ist das keine Angst, aber eine Art von Bedrückung. Ich denke, da sind wir genetisch programmiert, dass wir bei uns bei Licht einfach sicherer fühlen.

    Ängste vor Naturgewalten habe ich hier im Mittelgebirge eigentlich nicht. Ich gehe gerne bei Sturm durch den Wald, auch wenn das gemeinhin als gefährlich angesehen wird. Ich lasse mich gerne vom Sturm durchpusten. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass ein ähnlicher Sturm im Hochgebirge bei mir auch Angst oder zumindest Zurückhaltung auslösen könnte.

    Ich habe keine Angst vor fremden Menschen im Wald. Nur einmal ist es mir passiert, dass eine Horde Männer mit geschulterten Büchsen auf mich zukam. Da wurde mir schon mulmig. Wie sich dann rausstellte, waren es Teilnehmer einer Treibjagd, die allerdings schon vorbei war.

    Verlaufen: Ich habe mich mittlerweile so oft verlaufen, dass ich weiß, ich komme immer wieder nach Hause. Ein gewisses Unbehagen ist dabei schon da, aber Angst wäre als Bezeichnung zu stark.

    Angst vor wilden Tieren habe ich in deutschen Wäldern auch nicht. Allerdings: Wenn ich nachts durch den dunklen Forst laufe und plötzlich knackt es neben mir sehr laut, dann stellen sich mir auch die Nackenhaare auf und das Adrenalin jagt durch die Adern. Das ist ja dann keine Angst, sondern wie nennt man eigentlich diesen Effekt.

    1. Hu hu Joachim,

      bei mir fängt der Knoten im Magen schon an, wenn der Wind heftiger weht und die Bäume mit den Kronen gegen einander schlagen. Das reiben ist für mich ein gruseliges Geräusch. Momentan nach Friederike würde ich, wenn ich nicht eher von der Sorge geplagt wäre einen unbegehbaren Wanderweg nicht umgehen zu können. Das ist mir einmal im Hunsrück passiert und das war saublöd, weil eine Umgehung nur weiträumig über Straße möglich war. Ansonsten besteht natürlich Gefahr durch umkippende Bäume, aber so etwas kann immer passieren.

      Verlaufen ist für mich nach wie vor der Horror, also richtig verlaufen, nicht mal eben ein wenig vom Weg abkommen. Da kommt bei mir auch die wenig hilfreiche Panikattacke. Bisher habe ich aber, und das sollte beruhigend sein, immer wieder heim gefunden :D

      Fremde Menschen begrüße ich auch normalerweise eher gerne und freundlich. Bei der Begegnung im Harz passte aber das Outfit desjenigen so gar nicht in die Umgebung und er wirkte irgendwie bedrohlich auf mich. War er aber offensichtlich nicht.

      Ich bin total überrascht und sehr froh, dass die Beteiligung zum Thema so offen ist. Ich hoffe es finden sich noch Menschen, die wegen ihrer Ängste eben nicht alleine raus gehen. Die existieren ja unzweifelhaft und davon lese ich ja auch immer wieder mal.

      Vielen Dank lieber Joachim und liebe Grüße

  24. Hallo Elke,

    interessant, mal über dieses Thema nachzudenken.
    Wenn ich wandern gehe, gehe ich meistens allein. Man kann so wunderbar seinen eigenen Gedanken nachhängen.
    Gerade in jüngster Zeit hört man von Gewaltverbrechen, die aber oft nachts und in Städten geschehen. Da kann man wirklich denken, was wäre wenn …
    Aber dann sage ich mir, wenn du jetzt nicht deine Tour gehst, wirst du bald die ganze Zeit nur noch zu Hause sitzen und die schöne Natur nur noch aus dem Fernsehen kennen lernen.

    Manchmal braucht es etwas Mut um einen Weg zu gehen. Auf der Saalehorizontale rund um Jena z.B. führt der Weg entlang der Kernberge. Mitunter kommt man der Seite, die nach unten geht, sehr weit nahe. Da habe ich meine Schritte ganz bewußt gesetzt. Schau mal die Bilder hier (http://www.buettners-hp.de/blog/2013/05/14/immer-an-der-wand-lang/) an. Angst hatte ich auf dem Weg nicht, vorsichtig war ich aber allemal. So etwas kommt vor, aber so richtig mit Angst hat das doch auch nicht zu tun.

    Oft hört man jetzt auch, dass Wölfe unterwegs sind. Da stell ich mir auch die Frage, wie soll ich mich verhalten, wenn mir einer begegnet. Eine befriedigende Antwort habe ich bisher nicht gefunden. Gleiches gilt für Wildschweine, besonders, wenn die Frischlinge haben.

    Wenn ich unterwegs bin, grüße ich jeden Entgegenkommenden, egal ober er grausig aussieht oder nicht, ob er jünger ist oder älter als ich. Meistens wird mein Gruß auch erwidert. Oft entwickelt sich daraus ein interessantes Gespräch, so wie es schon Guido sagte.

    An gesundheitliche Probleme hab ich bislang nicht gedacht. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich wegen einer früheren Erkrankung regelmäßig beim Arzt bin. „Pumpe“ etc. sind in Ordnung, die Füsse tun’s auch noch. Also los geht’s.

    Viele liebe Grüße von
    Frieder

    1. Ja Frieder,
      ebenso wie Du bewege ich mich weiter nach draußen, weil ich weiß dass ich sonst irgendwann überhaupt nichts mehr erlebe. Wildschweine und Wölfe gehören auch zu meinen Favoriten, was Angst“gegner“ betrifft und jedes Mal wenn ich diese Sorge verspüre ärgere ich mich, dass ich meine Wanderstöcke so selten mitnehme.

      Wenn ich Dich so lese hat bei Dir Angst genau die Funktion, die Angst haben soll, nämlich eine gewisse Vorsicht, bzw. Sorgfalt. Hierfür ist Angst ja hilfreich, so lange sie einen nicht lähmt.
      Bei gesundheitlichen Problemen denke ich eher an die Fähigkeit trotz er evtl. Verletzung noch selbstständig irgendwo weg zu kommen. Körperlich bin ich auch sehr gesund, vom Rücken und Hüfte mal abgesehen ;-)

      Vielen Dank für Dein ausführliches Statement lieber Frieder und liebe Grüße
      Elke

  25. Liebe Elke, ich werde auch von meinen Leserinnen öfters gefragt, ob ich denn keine Angst habe, wenn ich allein wandere und pilgere. Ich überlege jedes Mal aufs Neue und komme zu dem Ergebnis: Nein, Angst vor dem Alleinewandern habe ich nicht und hatte sie auch och nie. Bin schon als Sechsjährige ‚mal im Berner Oberland allein zu einer Bergtour gestartet, weil alle Erwachsenen noch schliefen und ich keine Lust hatte, auf die zu warten.

    Wenn mich beim Wandern bislang die Angst überkam, hatte das nie mit dem Solowandern zu tun, es war immer jemand dabei. Ich hatte Angst um meinen Freund, der nach einem Streit in Namibia wutentbrannt in die falsche Richtung losrief, von der ich wusste, dass dort eine tiefe Schlucht lag. Ich hatte Angst, dass meiner Recherchehelferin die Beine abgefahren werden, als sie sich in der Toskana vollkommen erschöpft an den Straßenrand legte. Ich hatte Angst, dass mein Mann Bärenkontakt bekommt, weil er sich bei einer Wanderung in den Rockies schweigend zum Pinkeln in die Büsche geschlagen hatte, während ich – weiterhin laut erzählend – dampfend frische Bärenlosung entdeckte. Ich hatte Angst, dass mein Hund Carl von einem reißenden österreichischen Hochwasserbach in eine Wehranlage gespült wird, als er beim Saufen ausrutschte und weg getrieben wurde.

    Wenn ich allein wandere, habe ich Selbst- und Gottvertrauen, keine Ängste. Verrückt, nicht? Beim Wandern ist mir noch nie etwas Böses widerfahren, das passiert eher im Alltag oder in Ortschaften. Ja, ich habe mich beim Wandern schon im Nebel verlaufen und kam erst nachts um vier Uhr wieder am Auto an. Ich bin beim Wandern schon in einen Sandsturm gekommen, musste wegen eines plötzlich aufkommenden Sturms 5 km extra um einen Wald gehen, wurde in einer Furt einige Meter vom Wasser mitgerissen, bin gestürzt, musste wegen einer falschen Wegbeschreibung in einer Schutzhütte biwakieren und eine andere falsche Wegbeschreibung führte in ein Waldbordell statt in ein Hotel. In Wales hat mir ‚mal ein Stier den Rucksack geklaut, um mir klar zu machen, dass ich nicht über seine Weide laufen soll.

    Irgendwie konnte ich in diesen Situationen keine Angst empfinden, obwohl dieses Gefühl sicher angebracht gewesen wäre. Ich dachte immer nur „Et hät noch immer jot jejange!“ – und es ging gut!

    1. Boah INGRID
      ich bin zwischen Lachanfällen (Bärenlosung) und Panikattacken hin und her gerissen.

      Ich denke Deine frühkindliche Sorglosigkeit und die Freiheit sich als Kind so früh selbstständig auf die Socken zu machen, haben da einen tollen Grundstein gelegt.

      Ich bin in der Stadt aufgewachsen und hatte bis in die Jugend hinein sehr eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten, weil meine Eltern sehr ängstlich waren. Mit über 30 Jahren bin ich ein erstes Mal alleine nach Holland gefahren und war stolz wie Bolle darüber.

      Beim Wandern habe ich auch schon verschiedentlich Abenteuer erlebt und jedes einzelne möchte ich nicht missen, sie gehören dazu, sie würzen das Leben.

      Vielen vielen Dank für Deinen Beitrag hier. Das ist mal eine ganz andere Sicht auf „Unterwegs sein“. Toll!!!!

  26. Interessante Frage, über die ich tief nachdenken muss. Also Angst vor der Natur habe ich eher nicht, nur vor Desorientierung einmal im Hohen Venn (das war der Anlass, mir ein Navi zu kaufen) und einmal in der Sierra in Süd-Spanien als selbiges Navi nichts erkannte und ich keine Wanderkarte hatte. Respekt vor Naturgewalten habe ich schon: bei drohendem Unwetter im Gebirge geh‘ ich zurück. Sonst ziemlich Angst vor streunenden Hunden! Zu Menschen unterwegs habe ich eher Vertrauen und spreche sie gerne an; blitzschnell entsteht daraus gar nichts oder ein interessantes Gespräch. Wer böse Absichten hat, befindet sich m.E. nicht im Busch, sondern eher in der Stadt, in Bahnhofsnähe z.B., und ist in einer Gruppe. Oder in einem leeren Abteil eines leeren Zuges. LG

    1. Also die Sorge fehlender Orientierung scheint im Vordergrund zu stehen. Das erleichert mich sehr, dass ich damit nicht alleine stehe.

      Der Kopf weiß, in einsamen Gegenden sind selten die Bösen unterwegs, mein Bauch und mein ängstliches Herz sprechen da ganz unvernünftige Warnsignale aus :D

      Liebe Dank Guido, für Deine offenen Worte

  27. Hallo Elke,
    Da ich auch größtenteils allein unterwegs bin, finde ich dieses Thema spannend.
    Ich habe Angst, wenn ich mich verlaufen hab. Davor die Orientierung nicht mehr wiederzufinden.
    Gewitter und Wildschweine machen mir auch Angst. Auch mir sind schon komische Gestalten begegnet und erzeugen ein mulmiges Gefühl. Bei Nebel und dunklem Wetter kommt es vor, daß ich Wald- oder Wegabschnitte gruselig finde. Angst würde ich das nicht nennen.
    Mit zunehmenden Alter wächst die Sorge gesundheitlich auf der Strecke zu bleiben. Ich lege meiner Familie einen Ausdruck meiner Wanderstrecke hin.
    Ich denke, daß auch Männer Angst haben. Sie sprechen vielleicht nicht so darüber. In Gesellschaft hab ich keine Angst. Auf jeden Fall sind meine Ängste nur kurze Momente und treten natürlich nicht auf jeder Wanderung auf. Alleinwandern ist für mich etwas absolut positives und die schönen Gefühle überwiegen.
    LG Ulrike

    1. Ja Ulrike, das Alter. Ich fühle mich nicht mehr so stark, physisch und psychisch. Früher war da eine Gewissheit in mir, die mir heute fehlt.

      Heute habe ich einen Zettel in der Geldbörse mit Notfallnummern und der Info, dass Spike allein daheim ist. Wäre mir früher nie in den Sinn gekommen.

      Alleine wandern ist und bleibt aber auch für mich ein Bedürfnis!!!

      Liebe Grüße
      Elke

  28. Ich gehe lieber mit meinem mann. Es gefällt mir besser, bin aber auch schon alleine gewandert. Da hatte ich Angst vor dem verlaufen. Wer mich los werden will, setzt mich einfach im wald aus und Feierabend. Schaffe ich selbst mit Navi.
    Außerdem bin ich nicht trittsicher und klammere mich gerne an meinem Mann fest. Stöcke helfen nur wenig.
    Ansonsten – wenn der Weg gut gekennzeichnet und keine extreme Stücke hat, bin ich recht furchtlos. Aber wie gesagt, dann fehlt mir ein Gesprächspartner.

    1. „Wer mich loswerden will“ das hat mir jetzt echt ein Lachen entlockt und ja, auch ich habe mich MIT Navi schon verlaufen.
      Mir fehlt zwar der Gesprächspartner nicht unbedingt, aber Mitwandererinnen verhelfen mir zu mehr Kraft und Ausdauer. In letzter Zeit spüre ich da beim allein wandern oft eine Schwere, die ich früher nicht kannte.

      Danke Dir für Deinen Beitrag ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

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