Langsam kriechen wir über die Landstraßen der Eifel,  nähern uns unserem Ziel Udenbreth, um den Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad zu erkunden. Links von uns die unendliche Weite der ländlichen Wiesen. Auf der weißen Schneefläche sitzt unbeweglich ein gut genährter Hase. Die Chance eine unserer Kameras aus dem Kofferraum zu holen und das provokativ ruhig sitzende Tier zu fotografieren ist gleich null, also fahren wir weiter.

Für Tanja am heutigen Tag Grund genug immer wieder vor sich hin zu jammern „Hach, den hätte ich so gerne fotografiert“ Hi hi, ja ich weiß liebe Tanja, ich bin sooooo fies.

Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad

Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad (2)An einer unordentlich angeordneten Reihe von Einfamilienhäusern vorbei erreichen wir einen Parkplatz mit einem riesigen Schild, das uns andeutet „Wir sind hier richtig“. Das Schild und die vielen kleinen Hinweise „Achtung Loipe“ widersprechen sich und so wagen wir es nicht, das Auto auf den Parkplatz zu stellen. Wir wählen eine Lücke im Schnee.

An diesem Parkplatz startet der Gebirgsstelzenpfad, einer der Wanderwege, in der  Gemeinde Hellenthal, von der Biologischen Station Kreis Euskirchen konzipiert und umgesetzt. Unterstützt wurden sie von Eifel- und Heimatvereine, sowie  Tourismusverbände. Mehr zum Thema: Biologische Stationen Rheinland

Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad

  • Start/Ziel: Hellenthal-Udenbreth, Zum Wilsalmtal 80
  • Streckenlänge:
  • Höhenmeter: 180m
  • GPS Track
  • Einkehr: Rucksackverpflegung
  • Achtung: Weg hat keine separate Ausschilderung, Karte und/oder GPS Track nutzen

Im Winter beachten

Ab Koordinaten: N50° 23.483′ E6° 25.624′, ungefähr 400 m hinter dem großen Wanderparkplatz hinter Frauenkron(unten in der Karte eingezeichnet)  empfiehlt es sich im Winter den Lewertbach zu überqueren und auf der anderen (östlichen) Seite zu folgen. Damit erspart man sich einen recht langen Schattenweg. 

Auf die Rutschbahn

Begeistert steigen wir aus dem Auto und begeben uns auf den weißen Wanderweg und flutsch, liege ich schon lang ausgestreckt auf dem vereisten Wanderweg. Das Ergebnis regelmäßigen Auftauens tagsüber und hartem Frost über Nacht. Beste Voraussetzungen also, sich samt den mitgeführten Kameras regelmäßig auf die Nase zu legen, was wir dank umsichtigem Setzen unserer Füße in der Folge zu vermeiden wissen.Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad (5)

Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad (9)

Einfach nur Schnee und grüne Tannen und Fichten

Es gibt zu diesem Wanderweg nicht so viel zu erzählen. Wir hangeln uns teilweise über die vereisten Wanderwege, genießen die wärmende Sonne auf unseren Gesichtern, babbeln mehr oder weniger unentwegt über das was uns bewegt, während neben uns gurgelnd und plätschernd der Wilsambach und später die Kyll fließen.

Wir entdecken in der Schnee bedeckten Landschaft ein Rudel Rehe, das ganz offensichtlich das laute Knirschen der Wanderstiefel auf dem Schnee vernommen hat und mit weiten Sprüngen flüchtet.

Und weil es so ist, wie es ist, bekommt ihr nun ein Rudel Bilder zum stillen anschauen.

Westwall – Vom Bollwerk zum Biotop

Höckerlinien, die unter der Erde mit Betonstäben miteinander verbunden sind, sollten  Sperren gegen Kriegseindringlinge auf immerhin 630 km an Deutschlands Grenzen sein. Ich habe sie schon an vielen Orten in der Eifel gesehen.

Heute sind sie bemooste Steine, die sicher so manchem Unwissenden Rätsel aufgeben. Rund 54 Sorten unterschiedlicher Moose finden sich auf den Hinterlassenschaften grausamster Kriege. Auch Flechten und deren Pilzbewohner häufen sich darauf. So wandelte die Zeit das Bollwerk in ein Biotop, das neben Pflanzen auch reichlich tierische Bewohner beherbergt.Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad (39)

Frauenkron

Auf einem kleinen schattigen Abschnitt wandern wir Richtung Frauenkron. In diesem  kleinen Örtchen  wendet sich unsere Marschrichtung nach Udenbreth zurück.

Der Ort mit seinen modernen Holzhäusern, aber auch alten Bruchsteinhäusern, einem großen, zugefrorenen Teich ist nett anzuschauen und so erreichen wir nach kurzweiligem Wandern bald wieder Feld- und Wirtschaftswege.

Bald erreichen wir einen großen Wanderparkplatz mit Sitzmöbeln und Schutzhütte. Dort lassen wir uns eine Weile nieder und verputzen unsere Bananen, Kraftfutter für die Beine sozusagen. Eine ordentliche Portion Wasser/Tee hinterher und weiter geht es.

Viel Schatten und tiefer Schnee

Eine kleine Weile sind uns noch sonige Wegabschnitte vergönnt, dann wechseln wir auf einen sehr schattigen und nahezu unbegangenen Wirtschaftsweg, der sowohl Kraft als auch Nerven kostet. Der Schnee ist vereist und tief, sodass die Füße ziemlich hoch gehoben werden müssen. Ich spreche noch meinen Gedanken aus, dass die Spuren im Schnee evtl. von Ursula und Ebi sein könnten, die erst kürzlich hier unterwegs waren.

Ebi hat zum Eifelverein einen schönen Beitrag verfasst: Der Eifelverein – Was wäre wenn es ihn nicht gäbe

Wir stapfen etwas verdrossen durch den Schnee und verfluchen die Tatsache nicht den Abzweig auf den auf der anderen Seite des Lewertbaches verlaufenen Pfad genommen zu haben, der durchgängig von der Sonne verwöhnt von hier aus sichtbar ist.

Nachwanderern sei also im Winter die oben beschriebene Ausweichroute zu wandern.

Und endlich wieder Sonne

Es erscheint uns unendlich lange zu dauern, bis wir wieder sonnige und einigermaßen gut begehbare Wege erreichen. Die Beine haben nun eher Puddingcharakter aber wir wollen im Sommer ja fit sein, also betrachten wir diesen Abschnitt als Muckitraining.

Nach dieser Strapaze erholen wir uns, indem wir herum albern und ich versuche. trotz all dem Gelächter, Tanja einen Strahlenkranz um den Kopf zu zaubern. Nun ja, sie fällt dabei beinahe in den Graben und ich rutsche fast mit der Nasenspitze in den Schnee.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Einmal noch eine Steigung bewältigen, dann dürfen wir endlich steigungsfrei die Zielgerade Richtung Parkplatz vollenden.

Gebirgsstelzen- und Schwarzstorchpfad (101)
Schwere Beine – unübersehbar ;-)

Der Blick in die wunderschöne Eifellandschaft lässt dann trotzdem Wehmut aufsteigen. Die Sonne gibt alles und viel zu früh reisen wir wieder Richtung Heimat.

Elke im Schnee7
Übrigens haben wir ab Schutzhütte die dicken Kleidungsstücke ausgezogen. Die Sonne hatte recht viel Kraft

Fazit:

Wir hatten einen wunderschönen Wandertag, wenn auch sicherlich die Alternativroute für den Winter den Genuss um einiges erhöht hätte. Im Sommer würde ich eine Wegeführung mit einem höheren Naturwegeanteil bevorzugen, der hier auch mühelos und mit wenig Aufwand erreichbar ist.

Wer allerdings dem Thema des Weges folgen möchte, der sich mit dem an den Bächen reichlich vorkommenden Tierreich befasst, der bleibt besser nahe der Bäche auf den vorgegebenen Wegen.

Durch die hohe Lage (bis 690 m) finden Wintersportfreunde in der Region, hier vor allem „Am Weißen Stein“ reichlich Gelegenheit zum rodeln und Ski fahren.

4 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    Sehr schöner Bericht! Deinem Fazit ist nichts hinzuzufügen. Ich weiß nicht, ob ich den Weg im Sommer so toll fände, da dort in der Ecke erfahrungsgemäß sehr viele Wanderwege asphaltiert sind. Den unbefestigten Abschnitt haben wir als „Erstbegeher“ wirklich mühsamst erklommen. Habt Ihr unsere Fußabdrücke gesehen?

    Liebe Grüße
    Ursula

    1. Hi hi, das werde ich noch zufügen. Wir haben nämlich überlegt, ob ihr diese Spuren hinterlassen habt. Als Erstbegeher muss das ein Grauen gewesen sein. Ich spüre heute auch als Nachwandererin meine Muskeln schmerzhaft :D
      Insgesamt sind die Blicke in die Landschaft ja göttlich und auf der Karte sind ja etliche Feldwege zu sehen. Aber um das festzustellen, muss ich den Versuch nun auch nicht unbedingt haben.
      Liebe Grüße
      Elke

  2. Das ist ja direkt bei Losheimergraben! Auf der anderen Grenzseite bin ich mal im April eine tolle Narzissenroute gegangen (ab Krinkelt)! Ach, was ist die Eifel doch schön! Zu jeder Jahreszeit! Wenn ich deine sonnigen Winterbilder so sehe, dann möchte ich mir für nächsten Winter (ich geh mal davon aus, dass der diesjährige vorbei ist) eine richtige Schneewanderung aussuchen. Das ist für mich wirklich zu lange her.

    1. Ja, die Narzissenroute habe ich auch noch nicht geschafft, bin aber auch immer unsicher, ob mir nicht der Ginster wichtiger ist. ;-)

      Schneewandern musste an diesem WE noch einmal sein, mir ist ja immer lieber wenn dann jemand mit geht

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.