Bei Sonne und Temperaturen, die das Ablegen der wärmenden Jacke erlaubt, zieht es mich wieder einmal zum Schöllerhof. Von dort aus können einige Varianten an Wegeverläufen gestaltet werden, die stets ein Plätschern eines der vielen Bäche garantiert. Heute: Über Berg und Tal zur Dhünntalsperre

Ich vermelde es gleich, aufgrund der reichlich struppig liegenden Bäume, musste ich von meiner geplanten Route abweichen und die Dhünn durchqueren. Demnach ist die heutige Variante etwas für Abenteurer, alle anderen müssen auf einen parallel verlaufenden, breiteren Weg auf der gegenüber liegenden Uferseite der Dhünn wandern.

Über Berg und Tal zur Dhünntalsperre

  • Start/Ziel: Odenthal, Schöllerhof
  • Streckenlänge 13,3 km
  • Höhenmeter: 323 m
  • GPS Track  ein Track ohne Abenteuer
  • Einkehrmöglichkeiten: Am Dom oder Märchenwald, bzw. Haus Rösgen
  • Abstecher zum Dom lohnt sich immer, für Familien mit Kindern der Märchenwald
  • Noch mehr Wanderungen ab Schöllerhof
Berg_und_Tal_Schöllerhof (1) Berg und Tal zur Dhünntalsperre
Reisegarten Schöllerhof

Wie lange kenne ich diesen Ort hier schon, lange bevor der Reisegarten so wie er heute ist, existierte. Zusammen mit dem alten Gebäude des Schöllerhof bildet das ganze einen attraktiven Startpunkt für hunderte von Sonntagsspaziergängern. Deshalb bin ich dankbar für den Wochentag und die Ruhe.

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Zwei Stieglitze futtern sich die Bäuche voll

Ich nehme den Teerweg unter die Füße, den ich gefühlte hundert Mal mit Spike zusammen ging. Kurze Zeit später bietet sich die Möglichkeit links auf einen kleinen Pfad, parallel zum Teerweg auszuweichen.

Die Böden sind gefroren, in den Pfützen eisiges Wasser, das unter meinen Füßen nicht nachgibt, wohl aber Gelegenheit zu einer Rutschpartie bietet.

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Waldpfad links vom Teerweg

Der Weg führt in einem sanften Bogen über die Brücke der Dhünn. Dort sollten Nachwanderer sich auch hinorientieren. Denn den Weg links hinein, den ich wähle, kann man nicht bis zur „Maria in der Aue“ wie ich es eigentlich geplant hatte, weitergehen. Dank Sturmtief Friederike ist auch hier der Wald stark umdekoriert.

Abenteuerwege sind die schönsten

Ich zeige euch trotzdem, für die wagemutigen unter euch, den heutigen Wegeverlauf in Bild und Wort.

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Waldweg links der Dhünn

Einiges haben Forstarbeiter schon aufgeräumt, aber eben nicht bis zum Ende. Die gefrorene Eisfläche sorgt für stramme Waden und allerhöchste Konzentration. Die ersten quer liegenden Fichten sorgen für Klettermöglichkeiten.

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Sturmtief Friederike hat ordentlich Bäume durch den Wald geworfen
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Früher von Baumreihen verborgen, heute Blick frei auf „In der Aue“
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Auch hier hat Friederike gewütet. Es gelingt mir einen Ausweichroute zu gehen, die Jogger hier offensichtlich schon stark frequentiert haben

Wie Spargel stehen die dünnen Fichten im Hang. Der nächste Sturm wird sie sicherlich ebenso zu Boden befördern, wie ihre Geschwister.

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Fichten in Schräglage

Mutig gehe ich auf den nun folgenden Wegen weiter. Die Sonne wärmt so unglaublich stark, ich kann es kaum fassen in dieser Helligkeit und auf diesen wunderschönen Wegen zu gehen.

Liebe Mountainbiker lasst die Wege heil

Der Waldboden ist zerfurcht, teilweise von den Rädern der hier häufig vertretenen Mountainbiker. Ich habe wirklich nichts dagegen, dass wir uns die Wege teilen, das hier ist aber nicht mehr schön.

Irgendwann stehe ich vor mehreren umgestürzten Bäumen, die mich zu ernsthaften Klettereinlagen zwingen und nur wenige Meter weiter ist dann endgültig Ende. Der Weg ist als solcher nicht mehr erkennbar.

Ich beschließe mir einen Weg durch die Dhünn zu suchen und auf der anderen Seite weiter zu laufen. Dank der hervorragenden Verarbeitung meiner Lowa Renagade gelange ich trockenen Fußes auf die andere Bachseite.

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Hier überquere ich die Dhünn

Rutschend durch das Dhünntal

Bäumemikado gibt es hier zwar nicht mehr, dafür aber spiegelglatte Wege, die kaum Ausweichmöglichkeiten bieten und wenn, dann immer auf der Wegeseite, die ich gerade nicht begehe. Ich sag es euch, meine Beinmuskulatur weiß heute nach lächerlichen 13 km was sie geleistet haben.

Schwupps an Maria in der Aue vorbei geschlittert

Friederike war ein wütender Sturm, nichts und niemand bot der Schutzhütte Schutz vor ihrem aufbrausenden und zerstörerischen Wirken.

Durch die Bäume schimmert die große Anlage „Maria in der Aue“, bisher hatte ich nie die angemessene Bekleidung an, als ich dort vorbei kam.

Der verwunschene Torbogen mitten im Wald

Immer schön an der Dhünn entlang werde ich schnurstracks, wie schon x-Male zuvor, Richtung Torbogen geleitet, von dem ich nicht weiß, was damit auf sich hat. Niemand scheint das zu wissen. Aber schön ist er allemal.

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Herrlich frühlingshafte Stimmung herrscht auf den Waldwegen.
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Der verwunschene Torbogen an der Dhünn, immer wieder faszinierend.

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Über Loosenau zur Dhünntalsperre

Die grün bemoosten Felsen begrenzen den schönen Waldweg auf meiner linken Seite. Aus den Hängen fließt das Schmelzwasser ins Tal und bildet Rinnsale auf dem Waldboden, die dann zu rutschigen Eisflächen mutieren, wenn es nachts abkühlt.

Loosenau

Früher Pulvermühle des Fabrikanten Conrad Loosen, dann Ausflugslokal und heute Forsthaus vom Wupperverband. Das ist das Gebäude Loosenau.

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Bauernhof Loosenau

Über Haus Lindscheid zur Staumauer

An der psychosomatischen Klinik vorbei erreiche ich, nach Durchschreiten eines großen Tores, die Staumauer der Dhünntalsperre.

Herrliche Aussichten auf die Talsperre und auf das Tal der Dhünn. Ein kleiner Plausch mit einem Rentner, kleine Aufreger über Politik und Politiker inclusive und dann ziehe ich zügig weiter, Spike wartet!

Und noch einmal Rutschbahn und der Bömericher Bach

Mir kommen drei junge Leute entgegen, die sich halb kaputt lachen, weil einer sich elegant auf die Nase gelegt hat. Ich bekomme die Warnung mit auf den Weg „Da hinten ist es sehr glatt“ Mutig bin ich ja und laufe natürlich weiter und es sieht zunächst so aus, als ging alles gaaaaanz easy.

Doch irgendwann taste ich mich über eine geschlossene Eisfläche um irgendwie an einen begehbaren Wegrand zu gelangen. Nicht leicht, aber es hat unfallfrei geklappt.

Die nun folgenden Wegabschnitte ohne Eis nehme ich dankbar entgegen. Ein Blick auf mein Navi sagt mir „Hui, ich schaffe im Schnitt 4,2 km in der Stunde“ das ist fein, trotz Eis für mich eine tolle Zeit.

Ich passiere die herrlichen Gebäude des Kochshof, flaniere die Feldwege entland, höre ich der Ferne die munteren Stimmen einer Wandergruppe. Ich lasse sie bei meinem zügigen Tempo jedoch bald weit hinter mir und sehe bald Gross Grimberg vor mir.

Nun geht es zügig hinunter wieder zum Ausgangspunkt zurück. Es ist inzwischen anstrengend immer wieder trockene und nicht vereiste Wege zu finden, aber es nützt nichts, Vorwärtsgang rein und ab!

Ein erneuter Plausch mit einem Landsmann aus der Türkei, der von der frühen Rente in seinem Land schwärmt. Er erzählt, dass er sehr viel wandernd unterwegs ist, Rheinsteig, Rheinburgenweg, vieles im Siebengebirge und auch hier im Bergischen Land ist ihm schon unter die Wanderstiefel geraten.

Finde ich ausgesprochen toll und interessant. Beschwingt nach diesem angenehmen Austausch, gehe ich den kleinen Rest des Weges an und land nach kurzer Zeit wieder am Auto.

Ein Fazit

Was soll ich sagen? Toll! Immer wieder wandernswert. Auch wenn ich diese Gegend beinahe wie meine Westentasche kenne, ich besuche sie immer wieder gern. Jetzt bin ich möd, aber auch froh noch den Beitrag fertig zu haben. Einige andere liegen noch ungeschrieben auf meinem Schreibtisch.

3 Kommentare

  1. Ich wollte eigentlich schreiben: Man wartet und hofft auf etwas Zukünftiges. Allerdings bleibt immer auch ein gewisses Maß an Ungewissheit. Sagt Friederike Gräff, die ein Buch über das Warten geschrieben hat. Und manchmal ist das Warten auch eine ewig enttäuschte Illusion. Und es wird bis zum Schluss nicht klar, warum man eigentlich wartet.“, und anschließend den Reutter-Verweis von Dir einsetzen, aber da er schon da ist, brauche ich das ja nicht mehr. 🙂

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