Warnungen gab es für heute genug. So klang es aus dem Radio: „Unter dem frisch gefallenen Schnee ist mit einer Eisschicht zu rechnen“ Ach, denkt sich die kluge Frau, umkehren geht immer, ich versuche das einfach mal.

So schlau meine Wanderpläne aus dem Sauerland heraus ins Bergische Land zu verlegen, war ich immerhin. Das Eis beschränkt sich an solchen Tagen jedoch nicht auf öffentliche Straßen, sondern ist auch auf Wanderwegen zu finden.

Eifgenbachrunde

Mit einem blauen Himmel lockt das Bergische Land bei meiner Ankunft am Reisegarten Schöllerhof nicht gerade. Die ersten Autos stehen auf dem riesigen Parkplatz, Menschen mit Vierbeinern steigen aus, auch Läufer rüsten sich für den morgendlichen Lauf. Ganz offensichtlich halten die beunruhigen Nachrichten kaum jemanden von seinen Aktivitäten ab. Na denn….

Auf schmalem Pfad hinter den Schöllerhof

Ich husche auf der Landstraße hinter das Gebäude Schöllerhof und beginne mit dem Aufstieg über einen schmalen, gut beschneiten Pfad. Wie sehr ich mich auf meine kleine Runde freue, das kann ich euch kaum beschreiben. Wie so oft geht das Herz auf und alle Sinne auf scharf gestellt.

Winter am Eifgenbach (4) - Schneelandschaft
Schmaler Weg hinter dem Schöllerhof

Dieser Pfad hier ist einer meiner Lieblingswege. So vermeide ich erfolgreich den Teerweg, der unterhalb und parallel verläuft. Zu jeder Zeit eine angenehme Alternative. Rechts von mir ragen einzelne Zweige der Stechpalme in den Weg. Ich finde die Schneemütze steht ihnen gut!

Winter am Eifgenbach (8)
Die Stechpalme, der immergrüne Strauch mit Schneehaube, mag ich sehr!

Friederike und ihre Wutschneise

Ziemlich viel Holz hat Sturmtief Friederike durch den Wald geworfen. Es steigen kritische Gedanken an die Begehbarkeit meiner geplanten Route auf.  Tapfer kämpfe ich die dummen Sorgen nieder und stapfe weiter durch den frischen Schnee.

Winter am Eifgenbach (10)
Die ersten Bäumchen liegen quer
Winter am Eifgenbach (14)
Durch die Lücken schauen

An kleinen Tännchen vorbei, noch immer auf schmalem Weg, lande ich dann auf einem gut ausgebauten Forstweg. Auf den Reifenspuren liegt der Schnee der vergangenen Nacht und außer den Spuren von Rehen und Hasen finde ich keine Anzeichen dafür, dass hier heute morgen schon jemand spazieren ging.

Winter am Eifgenbach (22) - Schneelandschaft
Schnee bedeckter Forstweg

Mein sicherer Gang erweist sich als leichtsinnig, denn ganz schnell liege ich der Länge nach im Schnee und hinterlasse damit eindeutige Spuren. Wie die Wetterfrösche voraussagten, unter dem Schnee befinden sich geschlossene Eisschichten.

Winter am Eifgenbach (25)
Nadelgehölz im Gegenlicht sind wunderschön
Winter am Eifgenbach (26)
Die Sonne zeigt sich und beleuchtet die Landschaft so zauberhaft

Ein erster Mountainbiker zieht selbstsicher an mir vorbei, hinterlässt eine saubere, tiefe Spur im Schnee. Eine Rinne, die ich garantiert nicht begehen werde. Ein Stück weiter treffe ich auf einen weiteren Biker, der mich und meinen Blog kennt, nett solche Begegnungen und ein wenig auch Streicheleinheiten für mein Ego.

Waldweg an Elke – Küss mich

Nur noch eine kleine Weile und 2-3 Ausrutsch und ich quere die L 101. Schon der winzige Abgang zur Straße hinunter ist gewagt. Husch, schnell über die Straße und auf der anderen Seite – wusch liege ich wieder da.

Diese Methode des Erdkontaktes wird mehr und mehr zur Gewohnheit. Ständig rutschen mir die Füße unter dem Hintern weg. Endlich erinnere ich mich an die Spikes, die ich bei der letzten Schneewanderung erfolglos versucht hatte über die Stiefel zu ziehen.

Winter am Eifgenbach (37)
Spuren einer Bodenuntersuchung mit dem Hintern

Ich beneide Reh und Hase, die so leichtfüßig über die Schneedecke schweben, dass die Spuren nicht tief genug werden, um solche Landungen hinzulegen, zumindest heute nicht.

Winter am Eifgenbach (39)
Waldtiere sind leichten Schrittes unterwegs

Mit Grödel geht alles besser?

Ich krame die beiden Gummischuhe mit den kleinen Spikes aus dem Rucksack, ein Kauf ohne näheres Wissen zur Funktionalität und Methoden des Anlegens. 3 Jahre liegen sie bereits ungenutzt herum, heute ist ihr Tag. Ohne eine gewisse Dehnung ist das alte Gummi nicht über die Stiefel zu kriegen, also zerre ich mit Kraft und schlussendlich sitzen sie auch felsenfest unter der Sohle.

Winter am Eifgenbach (41)
Damit rutscht Frau nicht mehr?

Jetzt sollte einer unbeschwerten Fortführung meiner Wanderung nichts mehr im Wege stehen. Aufrechten Ganges stolziere ich weiter und – WUSCH wieder küsst mein Hintern den Schnee und meine Kamera, die am Gurt befestigt auf ihren Einsatz wartet, wird gleich mit getauft. Na jetzt reicht es aber

Das Sönnchen hilft den Weg zu erhellen, verhindert aber nicht ein paar weitere Rutschpartien, die zwar nicht jedes Mal mit einer Bauch- oder Podexlandung einhergehen, aber eben doch eine Menge an Konzentration erfordern.

Winter am Eifgenbach (60)
Wintersonne
Winter am Eifgenbach (63)
Zaghaft beleuchtet die wärmende Sonne die Wege

Auf dem Höhenweg über Gut Luchtenberg

Licht geflutet wandere ich eine Weile über den Höhenweg. Wie herrlich so weit schauen zu können – wusch und wieder Bodenkontakt. Diese komischen Dinger unter den Schuhen hätte ich mir sparen können, aber inzwischen habe ich eine gewisse Übung und lande nicht mehr so ungünstig. Hat doch was, diese sportliche Einlage.

Den nun folgenden, abwärts führenden Pfad, schaffe ich auf meinen beiden Füßen. Vorsichtig trete ich auf die kleinen, aus dem Schnee herausragenden Grasbüschel und gewinne Meter um Meter bis hinunter zum Eifgenbach.

In Begleitung des Eifgenbach durch die weiße Schneelandschaft

Über die kleine Brücke erreiche ich das andere Ufer und folge einen Augenblick den Symbolen des Eifgenbachweg und denen der Zuwegung des Bergischen Panoramasteigs. Hier versammeln sich auch einige lokale Wanderwege.

Ich überquere den kleinen Dünweger Bach, dieses Mal ohne eine Brücke. Das Wasser ist nicht tief, drum macht das meinen Wanderstiefeln nichts aus.

Winter am Eifgenbach (86)
Überquerung des Dünweger Bach

Auf breitem Wege folge ich weiter dem Eifgenbach bis zur alten Burscheider Talsperre, bzw. was davon übrig blieb.

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Weg neben dem Eifgenbach

Es war einmal eine Talsperre in Burscheid

Mittels Damm und Wehr hat man zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Wasser des Eifgenbaches gestaut. In den 1930er Jahren setzte man den Ausbau der neuen Burscheider Talsperre fort. Ab 2008 wurde das ganze Projekt stufenweise wieder zurück gebaut. Die Reste der Anlage stehen heute unter Denkmalschutz.

Dieser Ort kann mir eigentlich nichts Neues mehr zeigen und doch ereilt mich ein jedes Mal die Faszination. Glücklicherweise bleibe ich so lange, bis ich den kleinen Sonnenfleck im Wasser entdecke, der teilweise den beschneiten Stein mir erfasst. So entsteht wieder einmal eine unerwartet schöne Lichtsituation für ein Foto.

Der Eifgenbach beherrscht heute meine Wanderung und plätschert teils munter, teils durch die Eisflächen träge geworden neben mir her. Brücken werden überquert und Eisschollen fotografiert. Menschen die mir begegnen lachen, erfreuen sich des schönen Wetters, erzählen von der ein oder anderen Begegnung mit dem Erdreich.

Kletterparcour

Zwei Bäume haben sich so in den Weg gelegt, das sie ein ernstes Hindernis sein können. Einen kann ich gebückt unterqueren. Den zweiten Querlieger kann ich nur per Klettereinlage überwinden und das ist für den ein oder anderen sicher nicht ganz einfach. Froh die Hindernisse hinter mir gelassen zu haben, zieht es mich nun ziemlich zügig Richtung Parkplatz.

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Nicht einfach den zu überwinden. Zwei Bäume liegen hier hintereinander.
Winter am Eifgenbach (144)
Der Hund ist nicht echt, wirkt aber sehr bedrohlich und wachsam

Die nun kommende Brücke ist auch eine meiner Lieblingsquerungen. Die meisten Biker meiden sie und durchfahren den Eifgenbach.

Heute treffe ich hier ein Paar mit Hund. Dieser schlaue Kerl versucht 3-4 Mal mit dem Stock über die Bürcke zu gelangen, merkt dass das so nicht funktioniert, dreht sich leicht nach links sodass der Stock hindurch passt und läuft unfallfrei drüber. Klasse!

Winter am Eifgenbach (155)
So geht es nicht, das merkt auch der Vierbeiner

Was soll ich sagen? Nach 10 km langsam wandern und etlichen Flüchen bin ich richtig müde. Der nächste Tag zeigt, die Schulter hat etwas mitbekommen. Trotzdem hätte ich um nichts in der Welt diesen Tag drinnen verbringen wollen. Manchmal muss Frau sich Herausforderungen stellen (Mein Motto für 2018)

Am Ende gibt es noch die Übersichtskarte aber vorher stelle ich noch meine neuen Hinfallverhinderer vor!

Richtige Grödel

Grödel

Tanja und ich haben uns s. g. Grödel zugelegt, nachdem wir uns zu oft hingelegt haben. Die Dinger werden unter die Wanderstiefel montiert und funktionieren ähnlich wie Schneeketten, eben nur für Schuhe.

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Wie ich erfahren durfte, haben einige meiner Wanderbekanntschaften genau diese Marke unter den Stiefeln, wenn sie im Winter mit vereisten Wegen rechnen müssen. Meine alten Grödel, die ich hier unter den Stiefel hatte, haben ja nicht den geringsten Widerstand geleistet. Die Neuanschaffung wird mir, wenn ich den Schwärmereien derer glauben kann, die die Chainsen besitzen, diese blöden Erfahrungen künftig ersparen.

3 Kommentare

  1. Hallo Elke, schöne Wanderung in winterlichen Verhältnissen. Die billigen Dinger, die ich gekauft und ausprobiert habe, sind deinen alten sehr ähnlich. Deine neuen sehen allerdings viel robuster aus. Muss mal überlegen, ob sich das für mich lohnt auch solche zu kaufen (um einmal oder zweimal im Jahr anzuziehen); ich vermute, dass man damit auf schnee- und eisfreien Teerstraßen nicht gut läuft und die gilt es immer wieder zu überbrücken. Ob jetzt der Winter wirklich vorbei ist? Die Kiebitze im Feld sagen ja :-)

    1. Tja die Frage stelle ich mir auch, mit den schneefreien Wegabschnitten. Die Dinger lassen sich aber, wie Heike Tharun sagt, sehr leicht unterschnallen

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