Im Alter von 57 Jahren begegneten mir erstmalig im Leben mit Seilen gesicherte Wege und Leitern auf Wanderwegen. Das war für mich, die schon auf einer Trittleiter Probleme beim runter steigen hatte, eine Herausforderung.  Seit der ersten unfallfreien Begegnung liebe ich leichte Klettersteige in Deutschland, wobei ich ja meist in RLP und NRW unterwegs bin.

Leichte Klettersteige in Deutschland

Was bedeutet nun „leichter Klettersteig“?

Es gibt bei den Klettersteigen (italienisch =Via Ferrata) Schwierigkeitsgrade, mit denen ich mich offen gestanden noch nicht eingehend auseinander gesetzt habe. Fest steht allerdings, dass der anstrengendste Klettersteig, nämlich der in Boppard, mit einen Schwierigkeitsgrad gering bis mäßig schwierig in Kategorie (B) eingestuft ist.

Kategorie „A“  wenig schwierig

  • Wege: Meist felsige Wege, nicht immer steil, öfter ausgesetzt
  • Sicherung: Ketten, Drahtseile, kurze Leitern
  • Keine besondere Kondition nötig, jedoch Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
  • Die meisten Klettersteige dieser Art können (nach persönlicher Entscheidung) ohne Selbstsicherung begangen werden

Kategorie „B“ gering bis mäßig schwierig

  • Wege: Felsige und steile Wege, die teilweise ausgesetzt sind, Felsstufen
  • Sicherung: Drahtseile, Ketten, Trittstifte, Eisenklammern, lange Leitern
  • Kondition: Sollte gut sein, in Armen und Beinen
  • Selbstsicherung mitteln Klettersteig-Set empfohlen

 

Mein persönlicher Klettersteig-Werdegang

Die Reihenfolge ist chronologisch nach Begehung und nicht nach Schwierigkeitsgrad.

Traumschleife Layensteig Strimmiger Berg – Oma lernt Klettern  A

Zu dieser Wanderung hatte ich mich entschlossen, wohl wissend dass es Leitern geben würde. Da es Umgehungen gibt, hatte ich offen gelassen, ob ich es wage oder nicht.

Ich hatte nur nicht einen blassen Schimmer, dass die so steil sein würden. Auf jeden Fall war das vom Gefühl her schon sehr abenteuerlich. Inzwischen wurden weitere Kletterpassagen dem Weg zugefügt.  Hier ein frischer Beitrag dazu: Kletternde Wanderschnecken im Hunsrück gesichtet

Layensteig Stimmiger Berg (253)

Alles was ohne Helm und Seil zu bewältigen ist, ist Pille Palle

Der Oelsberg Klettersteig ist wahrlich ein kleiner.

Conny ist unsere Worte und Satzfinderin. Meist sind unsere Wanderungen von einem dieser Worte oder Sätze begleitet. Damit ist lachen garantiert. Für mich war dieser winzige Steig tatsächlich pille palle, für Tanja eher die Hölle. Sie leidet unter Höhenangst, bzw. litt darunter. Heute ist sie schon so viel mutiger.

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Calmont Klettersteig – A

Auf dem Calmont war ich schön häufiger. Der Calmont ist der steilste Weinberg Europas und heißt übersetzt „Heißer Berg“. Auch hier war ich mit meinen Freundinnen unterwegs. Tanja ist über sich hinaus gewachsen. Der Calmont bietet überwiegend Leitern und enge Felspfade.

Er ist meiner Meinung nach relativ leicht.

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Mittelrhein Klettersteig – B

Er ist der Klettersteig, den viele schon vom Ansehen her fürchten und das aus meiner Sicht vollkommen zu recht. Lange Leitern über tiefen Abgründen und Trittstifte, die um einen Fels herum führen können schon beim hingucken Angst einflößen.

Mein erster Versuch 2012 scheiterte an meiner Panik. Nachdem ich 2013 erstmalig auf dem Calmont unterwegs war, ging ich mutig auch den Mittelrhein Klettersteig an. Es hat mir ungeheuer viel Spaß gemacht und am Ende durfte ich mir stolz auf die Schultern klopfen. Hey, ich habe es geschafft und in diesem Jahr wird es mit Wanderfreunden eine Wiederholung geben.

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Collis Klettersteig – Herausforderung für ältere Damen  A

Im Jahr 2015 stehe ich vor diesen Haken und Triffstiften und habe Herzklopfen wie bei meiner Ersterfahrung mit Klettersteigen. Dieser Klettersteig ist nicht so einfach, wie es scheint und das hat nur einen Grund. Die Haken und Tritte sind sehr weit auseinander. Wer kurze Beine hat, wird es schwer haben.

Er führt aber durch eine traumhafte Landschaft, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Der Klettersteig kann umgangen werden.

Collis Klettersteig (45)

Erdener Treppchen

Der ist wirklich etwas für Anfänger und wie Conny sagen würde „Pille Palle“ Er führt durch steile Moselhänge, aber die Leitern sind recht kurz und gut zu bewältigen.

Erdener Treppchen (113)

Zwischen Hatzenport und Lehmen

Ist zwar kein richtiger Klettersteig, aber mit Seilen gesicherte Wege gibt es da einige und es macht tierisch Spaß. 

Zwischen Balduinstein und Obernhof

Auch dies ist kein Klettersteig, aber ein sehr steiler felsiger Weg mit Seilsicherung. Dieser Abschnitt des Lahnwanderweges ist wunderschön.

Leider gar nicht so viele wie ich gerne hätte, aber ich werde weiter klettern und immer wieder neue Klettersteige vorstellen, ebenso Wege und Pfade, die so spannend sind wie die letzten beiden.

Habt ihr Klettererfahrungen?

Falls ihr schon Klettersteige der Kategorien „A“ und „B“ kennen gelernt habt, bitte erzählt mir über eure Erfahrungen. Immerhin werde ich noch einige Reisen machen wollen und dabei ist mir jeder Tipp willkommen!

Rainer berichtet bei Facebook von jenen Klettersteigen- und steigchen, die er selber kennt. Die stehen bei mir natürlich auch alle auf dem Plan, werden so nach und nach in Angriff genommen.

  • Hölderstein-Klettersteig im Westerwald. Der Perfekte. Da sitzt wirklich jeder Tritt und Handgriff an der genau richtigen Stelle. Eine wahre Freude.
  • Rabenack-Steig bei St. Goarshausen (Rheinsteig). Führt zu einer Felsnase mit tollem Ausblick.
  • Rabenlay bei Hatzenport. Herrlicher Einstieg auf dem WeinWetterWeg zum Warmwerden. Tolle Landschaft.
  • Dolling bei Hatzenport. Mini-Steigchen. Nicht weiter erwähnenswert, aber nette Auflockerung der Wanderweges.
  • Rioler Klettersteig (Mosel). Reiner Natursteig ohne Eisen und Leitern (nur Halteseil). Mitten im Wald. Bei Trockenheit pille palle, bei Nässe schwieriger (und man sieht aus wie Sau).
  • Im Nordschwarzwald gibt’s noch den Karlsuher Grat. Den kenne ich noch nicht, will ihn aber im September in Angriff nehmen.
  • Und dann gibt es tatsächlich an der Mosel noch einen, den ich nicht kenne und von dem ich erst kürzlich erfahren habe: Klettersteig Thörnicher Ritsch. 

Die Angst vor Höhen verlieren

Gerade bevor ich diesen Beitrag veröffentlichen möchte fällt mir ein. Wer Ängste im Zusammenhang mit wandern hat, wenn es an Trittsicherheit fehlt oder Angst vor Höhe ein Problem ist, wendet euch an Fachleute. Ich hatte vor einiger Zeit dazu einen Beitrag verfasst. „Selbstbewusst unterwegs mit Heike

Heike, die ich einst bei einem Wandermarathon kennen lernen durfte, bietet Kurse an. Wer sich interessiert, schaut mal auf die Seite „Tharun Touren

Eure Sicherheit

Bei allem was wir tun sollten wir immer unsere Sicherheit im Auge haben. Meine Einschätzung deckt sich sich nicht immer mit der Einschätzung anderer Menschen. Gesunder Menschenverstand und eine gute Selbsteinschätzung sind wichtig, bevor wir uns auf die Socken machen.

In jedem Fall ist es wichtig auch Begleiter/innen, sowie Tier und Kinder besonders zu schützen. Was mein Spike geschafft hat, kann nicht jeder Hund.

In dem Sinne wünsche ich euch stets sichere Wege, ganz viel Spaß.

PS

Heute bekomme ich ein Foto von meinem vierjährigen Enkel. Der beginnt früh genug hoch hinaus zu wollen. Fantastisch, ich bin stolz wie Bolle, obwohl ich dazu ja nicht beitrage ;-)

7 Kommentare

  1. Hallo Elke,

    erst vor einer Woche war ich an der Mosel und hatte gleich zwei von diesen Exemplaren vor der Nase. Zum Collisturm hab ich die harmlose Variante gewählt, da mir diese Tritte zu weit auseinander waren. Außerdem bin ich nicht schwindelfrei und aus diesem Grund habe ich mich auch nicht auf den Calmont – Klettersteig getraut. Ich bin dann die harmlose Variante auf dem Moselsteig nach Ediger – Eller gewandert, wo es nach Eller hinunter auch ganz schön kniffelig steil war. Zusätzlich machte ein kräftiger Schauer das ganze extrem glatt. Ich wundere mich immer, wenn Leute mit völlig unpassendem Schuhwerk auf diesen Steigen unterwegs sind und denke darüber nach ob ich ein Weichei bin.

    LG Ulrike

    1. Ach Ulrike, ich habe vor ein paar Tagen von meinem Altesten solche Vorwürfe gehört, wie leichtsinnig ich sei auf solchen „Wegen“ unterwegs zu sein ;-) und der andere Sohn geht mit dem Vierjährigen schon an die Kletterwand. Wir sind unterschiedlich und das ist sehr gut so. Passiert ja immerhin auch immer wiedermal was, bei solchen Turnübungen.

      Liebe Grüße
      Elke

  2. Hi das ist ein echt schöner Beitrag! Vor allem die Bilder, auf denen es schon so schön nach Sommer aussieht. Da bekomme ich sofort Lust zu wandern :D Klettersteige bin ich leider noch nicht gegeangen. Dafür werde ich aber im Sommer auf 10 4000er in der Schweiz klettern. Da freue ich mich schon drauf.
    Lg
    Oli

  3. Ein Kommentar von Thomas, den ich hier veröffentlichen darf
    erstmal herzlichen Dank für die üppigen Informationen.

    Ich wusste gar nicht, das in deiner Gegend so viele leichte Klettersteige existieren… Sicher ist die Einrichtung selbiger auch einem gewissen Hype geschuldet, Klettersteiggehen wird immer mehr zum Trend und ist mittlerweile eine eigene Spielart des Kletterns und bei weitem nicht anspruchslos.

    In den Alpen führt das schon zu einem erhöhtem Bergungsaufkommen wegen Überforderung, vor allem konditionel. Die Einstufung hast du ja schon schön erklärt, siehe Bild zum Vergleich der Schwierigkeitsgrade. Im deutschen Mittelgebirge ist mir eigentlich kein Klettersteig über C bekannt, wobei im heimischen Sandstein die Stiegen auch bis B unversichert sind. Absolute Höhentauglichkeit ab B ist eigentlich obligatorisch, alpin bedeutetet das noch Gehgelände, teils aber ausgesetzt. Ab C sind dann schon Kletterfähigkeiten und gute Kondition gefragt, nichts mehr für reine Wanderer.

    Vor allem in den Hochalpen und am Gardasee sind die Steige recht lang und kräftezehrend, das sollte nicht vergessen werden. Ich selbst betreibe das schon recht lange und klettere (noch) bis einschließlich D. Die alpinen österreichischen Steige sind meist exakt so schwer wie eingestuft, die italienischen weichen nach oben und unten ab und sind teils auch etwas vernachlässigt. Auch im böhmischen Mittelgebirge werden Steige eingerichtet, diese sind teils um eine Stufe schwerer als bezeichnet. Je älter man wird um so vorsichtiger wird man auch, ich würde deshalb immer eine Selbstsicherung empfehlen, schon für den Kopf, auch wenn es technisch und konditionell vielleicht nicht wirklich nötig ist.

    Ich freue mich für dich das du es gewagt und gefallen daran gefunden hast, super. Und gerne wieder für deinen Blog verwendbar ;-)

  4. Ich wusste gar nicht, dass es so viele schöne Klettersteige in Deutschland gibt, muss ich unbedingt mal ausprobieren! 😍

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