Ein Bilderbuchwochenende sollte es wettertechnisch werden, so versprachen es die Propheten des Wetters. Nachdem ich den Freitag schon für eine Wanderung genutzt hatte, der Samstag mit Auto waschen, Blogbeiträge verfassen & Co ins Land ging, sollte Sonntag dann wieder gewandert werden. Der Rheinsteig von Rheinbrohl nach Leutesdorf steht auf dem Plan.

Rheinsteig von Rheinbrohl nach Leutesdorf

  • Start/ Ziel: Rheinbrohl, Hilgersstraße
  • Streckenlänge 17,5 km
  • Höhenmeter: 578
  • GPS Track – Rheinbrohl-Leutesdorf

Vorschlag für Wanderungen in der Region

WIr starten relativ früh ab Leverkusen, da wir Spike nach Linz zur Enkelin verfrachten. So muss er nicht so lange alleine daheim bleiben und seine kleine Freundin liebt den Knuffel heiß und innig.

Gegen 9: 45 Uhr landen wir am Bahnhof Rheinbrohl und ziehen zügig unter der nahezu geschlossenen Wolkendecke los.

 

Rheinsteig von Rheinbrohl nach Leutesdorf
Bahnhof Rheinbrohl

Das war ein Schuss in den Ofen, wie der Rheinländer sagt. Als wohlerzogene Optimisten glauben wir fest daran „Wir wandern der Sonne entgegen“ Die kann gar nicht anders als sich unserem Charme beugen…..

Rheinbrohl und der charmante Flair der Vergangenheit

Alte Häuser schick gemacht und ältere Häuser im Ursprungszustand belassen, so zeigt sich der Ortsbereich, den wir durchwandern. Das herausragende Schmuckstück aus alten Zeiten ist jedoch die alte Parkuhr an der Mauer.

Katholische Pfarrkirche Rheinbrohl St. Suitbert

Die alte Kirche im neugotischen Stil ist wirklich auffällig und im Nachhinein ärgere ich mich, die Schleife eines Wanderfreundes in den Wind geschlagen zu haben. Sie wurde vom berühmten Dombaumeister Vincenz Statz in den Jahren 1852 – 1856 gebaut.

Katholische Pfarrkirche Rheinbrohl St. Suitbert

Frühling liegt in der Luft

Ob Bäume oder Sträucher und auch die Blumen legen jetzt so richtig los. Gestern noch steckten die Blattknospen fest, heute stehen sie im frischen Grün entfaltet am Zweig.

Neben dem riesigen und sehr dicht bewohnten Insektenhotel wurden rostige Gesellen installiert. Nein nicht Ritter Rost, es ist wohl Don Quijote und Sancho Panza, die da den Rheinsteig besuchen. Eine heitere Darstellung.

DON QUIJOTE UND SANCHO PANZA
Don Quijote und Sancho Panza

Ehrenmal des Infanterie Regiments „Von Horn“ Nr. 29

Für die 3540 Gefallenen des Infanterie Regiments als Ersatzruhestätte  errichtet.  Im ersten Weltkrieg sind sie gefallen und bekamen 1933 dieses Ehrenmal.

Die Küchenschellen zwingen mich zu Boden

Wir wandern der Rheinbrohler Ley entgegen, einem schönen Aussichtspunkt.

Tanja zeigt plötzlich auf die Wiese vor uns und da stehen sie, die wunderschönen Küchenschellen, die sich stets freuen, wenn sich jemand vor ihnen zu Boden wirft. Klar dass ich genau das tue, um ein paar schöne Fotos zu fertigen.

Ein paar Gräser müssen dafür aus dem Blickfeld gedrückt werden, um der Kamera barrierefreies Blickfeld zu schaffen.

Küchenschellen

Rheinbrohler Ley

Normalerweise hat man von hier einen wunderschönen Blick auf den Rhein und Brohl-Lützing und auf der anderen Seite auf die Burgruine Hammerstein. Heute ist dieses Vergnügen aufgrund des bescheidenen Wetters etwas reduziert.

Rheinbrohler Ley

In einem relativ spitzen Winkel wandern wir weiter vom Rhein weg, um dann wieder auf ihn zu zugehen. Die Wege sind schmal und überwiegend schon gut abgetrocknet.  Es gibt ja nicht so viel zu schreiben, drum zeige ich euch die noch etwas kahle Natur auf dem Weg zum Rhein und Hammerstein.

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STOPP am Blumenbeet in Hammerstein

In Hammerstein kommen wir nicht sonderlich weit. Das frische „bunt“ der Magnolien und Narzissen ist so unwiderstehlich, dass wir hierfür sowohl die gebeugte Haltung als auch Pause in Kauf nehmen, damit die Pracht auf dem Kamerachip landet.

Narzissen und Magnolien in Hammerstein
Von allen Seiten schön

Mag ja jetzt übertrieben sein, die Fülle der Aufnahmen, aber meine Seele hungert nach Farbe. Da müsst ihr jetzt durch oder weg klicken grins Und hier unten sind auch schon die Sträucher und Bäume intensiver begrünt.

In Hammerstein

Kaum sind wir hinunter gewandert, müssen wir natürlich wieder hoch. Der Rheinsteig ist da gnadenlos, egal wie die Kondition der Wanderinnen daher kommt.

Die Insektenwelt ist schon fleißig unterwegs, Schmetterlinge, Bienen und Hummeln tanzen durch die warme Luft und ergötzen sich an ersten Blüten. Wir sind übereinstimmend der Meinung: „Das ist ein gutes Zeichen“

Kurz vor der Ruine Hammerstein steht eine tolle Sinnesbank, die wir gerne besetzen würden. Ein Wanderduo hat sie aber schon besetzt und gerade flüstere ich Tanja zu „Ich frage mal, ob die nicht aufstehen mögen“, da erheben sich die Beiden, lachen uns im Vorbeigehen zu und erklären, sie hätten schon erkannt, dass wir müde vom Aufstieg seien. Oh weia, die Wanderschnecken wieder!

Da ziehen sie hin, die verständnisvollen Bankfreigeber

Die Burgruine lassen wir aus, da weder die Ruine noch der Rhein ein Highlight darstellen. Ich habe mehrfach versucht wenigstens ein anständiges Bild zu gestalten, vergebens.

Weinberge und der Wildschutz

Wir laufen auf die Weinberge zu, deren Wegebezeichnung Olterberg Weg heißt. Eine Herausforderung war zunächst, das Wildschutzgitter zu öffnen. Unter meinem kritischen Blick und Kamera im Anschlag, müht sich Tanja mit dem Mechanismus ab.

Erste Trockenmauern voraus
Verflixt, wie geht das auf?

Wir bleiben gaaaanz unauffällig stehen, um dem Wanderpaar beim Öffnungsversuch zuzuschauen. Unter Gelächter und dem technischen Sachverstand des Herren, ist das Tor in Null-Komma-nix auf.

Gespannt, ob andere Wanderer schneller durch das Tor sind

Tierische Begegnungen an Trockenmauern

Immer wieder werden wir durch das leise Rascheln an den Mauern aufmerksam. Zahlreiche Eidechsen wagen sich aus dem locker aufgeschichteten Gestein. Sehr kleine und größere Exemplare huschen fix hinter ihren Opfern her. Kleine schwarze Spinnen scheinen sehr beliebt.

Eidechse auf Spinnenjagd

Eine Weinbergschnecke klebt an der Mauer und reizt mich zu einer Fotosession.

Weinbergschnecke

Hoch türmen sich die Felswände neben uns auf. Das ist immer wieder ein faszinierender Blick.

Es wird blau über uns

Hubertushof

Auf steilem, Serpentinen artigem Weg müssen wir wieder einmal nach oben. Die Wege sind jedoch so bezaubernd, dass wir in ausgesprochen gehobener Stimmung herauf schnaufen.

Rheinsteig- Schickane, gefühlt immer hoch

Ein netter Blick auf Hubertusburg ist uns gegönnt. Das Gebäude finde ich besonders attraktiv.

Oberhalb der Weinberge und glücklicherweise offen, dürfen wir den zunehmenden Sonnenschein genießen. Stets im Blick Vater Rhein und nahe bei uns eine Skulptur nach der Anderen.

An einer großen Streuobstwiese mit blühenden Obstbäumen steht eine Wandererskulptur. Natürlich muss er ertragen, dass ihm Wanderschnecken auf den Pelz rücken.

Tanja mag Wanderer
Küss die Hand

Was da blüht, die Blutpflaume, die Kirsche? Wir rätseln, lösen aber nicht auf. Schön sieht es aber aus.

Gegenüber schießt der Geysir in Andernach seine Fontainen nach oben. Da drüben war ich im späten Herbst auf dem Traumpfad Kleiner Stern unterwegs. Herrlich ist es auch auf der anderen Rheinseite.

Rotary Club Remagen Sinzig

Ich hatte es hier schon einmal erwähnt was Rotarier sind. Ich selber hatte aber den genauen Tätigkeitsbereich der gemeinnützig tätigen Menschen beinahe vergessen.

Die Rotarier in der Welt, immerhin rd. 1,2 Millionen Mitglieder, haben sich das Ziel gesetzt, dass jeder von ihnen bis zum Earth Day am 22. April 2018 eine Schippe greift, ein Loch aushebt und einen Obstbaum einsetzt. Damit sollen Umweltprojekte der Rotarier Clubs angeschoben werden.

Hier am Rhein wird vom Rotary Club Remagen Sinzig unter anderem der Streuobstwiesenlehrpfad gepflegt.

Skulpturen entlang des Rheins – Kunst- und Kulturweg

Sehr schöne, ansprechende Skulpturen sind am Wegrand installiert.

Wächter am Weinberg
Der besondere Blickwinkel
Vogelstuben
Erst beim Näherkommen entdecken wir die Nistangebote für die Vogelwelt. Ob sie wohl angenommen werden?

Und dann kommt der Wunsch nach Kaffee auf, nicht das erste Mal. Wir erblicken ein Gebäude, dessen Terrasse zum Rhein hin angelegt ist. Welch eine wunderbare Vorstellung hier zu sitzen und ein Käffchen zu trinken, ABER hier gibt es leider nichts.

Unvollendet

Ein kleines Weilchen wandern wir unter diesem beruhigend grünen Zelt. Die Sehnsucht nach dieser Farbe ist so unglaublich groß, ich wäre am liebsten eine Weile hier stehen geblieben.

Es grünt jahraus-jahrein

Schrecken der Höhenängstlichen – Abstieg zum Naturfreundehaus Edmundhütte

Plötzlich bleibt Tanja in ihrer unnachamlichen Haltung stehen. Deutlich anzusehen ist ihre Besorgnis, bei dem Blick in die Tiefe, die sich plötzlich auftut. Dazu muss ich bemerken, Tanja konnte früher nicht mal in einen tiefen Brunnen gucken, ohne dass sich ihr Bauch mit leichten Krämpfen meldete.

Tanja stocksteif

Auf ausgesprochen steilen, teils mit Drahtseilen gesichertem Weg, klettern wir hinunter zum Naturfreundehaus Edmundhütte.

Oberhalb von Leutesdorf auf Wiesenwegen

Nun kommen göttliche Wiesenwege. Die Sonne zeigt sich als fleißiger Heizstrahler, die Temperaturen dürften tatsächlich hier oben um die 30 Grad sein. Die Wasservorräte gehen zur Neige und mein Kreislauf meldet Abkühlbedarf. Blöd, denn der Weg ist wirklich berauschend schön, wenn auch die Aussichten ins Rheintal zunehmend industriell werden.

Eine Holztafel erregt unsere Aufmerksamkeit und lässt die Gehirnzellen fast verschmoren, so laut denken wir über die Übersetzung des Geschriebenen nach.

Erst Stunden später bekommen wir über Facebook die folgende Auflösung: „Du sitzt in der Schneekiste auch im Sommer“

Es handelt sich um eine alte Lagenbezeichnung, in der zu früheren Zeiten am längsten der Schnee liegen blieb. Das sind so kleine Highlights auf Wanderwegen, die aus einem eventuellen Leistungstief doch glatt mal heraus helfen.

Die Schleife bis zur Rheinhelden-Hütte

Eine weitere Verlängerung bis zur Rheinhelden Hütte hängen wir noch dran, wobei wir beide nicht so begeistert von dem Anblick waren. Allerdings konnte der Weg hinunter nach Leutesdorf uns dann doch noch einmal richtig in Begeisterung versetzen. Himmlische Wege führen hinunter. TOP

Aber jetzt erstmal der Weg zur Hütte. Die Aussichten weg vom Rhein sind unbestritten herrlich und die Kaltblüter auf der großen Wiese haben unsere volle Aufmerksamkeit bekommen, wohingegen die Zossen unverdrossen das frische Gras mümmeln und nicht einmal die Köpfe heben.

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Abwärts Richtung Leutesdorf

Das Gras steht auf dem Weg hinunter schon deutlich höher als in den höheren Lagen. Unglaublich wie schnell das Wachstum hier ist. Auf herrlichen Wegen erreichen wir nach zig Kehren Leutesdorf.

Noch einmal hinauf schauen, wo wir her gekommen sind. In 40 Minuten kommt unser Zug, der uns zurück nach Rheinbrohl bringen wird.

Noch einmal hoch schauen

Wir erreichen noch ein Gartenrestaurant direkt am Rhein und trinken einen Kaffee, bevor wir die Heimfahrt antreten. Fotos gibt es keine mehr, denn mein Kreislauf gibt jetzt endgültig auf. Schwindel und Übelkeit legen sich erst, als wir im Auto sitzen.

Fazit

Es war göttlich, unsere heutige Wanderung auf dem Rheinsteig von Rheinbrohl nach Leutesdorf, trotz einiger Leistungseinbrüche. Endlich warm, endlich Farbe in der Landschaft, Leben in der Natur und auch auf den Wanderwegen. Das nächste Mal nehmen wir mehr Wasser mit und ich eine Kleinigkeit mehr zum essen (sicherheitshalber)

 

7 Kommentare

  1. Der Bericht macht mal wieder Lust auf eine Rheinreise. Inzwischen haben wir uns zumindest die Wanderfaltkarten vom Rheinsteig und Rheinburgenweg angeschafft. Vermutlich erreichen wir nächstes Jahr über den Soonwaldsteig Bingen; in den nächsten Jahren geht’s dann links- und rechtsrheinisch bis Boppard, um dort wieder auf den SHS abzubiegen. Aber bis dahin melde ich mich noch und bitte um Tipps 😉 Es bleibt mir nichts anderes übrig, als bis ins hohe Alter fitt zu bleiben 😉 Den Klettersteig in Boppard habe ich mir schon gemerkt 🙂 LG

    1. Danke für den Lacher jetzt gerade. Deine Aussage „Es bleibt mir nichts anderes übrig……“ schwirrt auch durch meinen Kopf immer wieder. Mindestens bis 80 Jahre muss ich wandern, um die wichtigsten Regionen abzuklappern. Puh, da haben wir noch was vor. 😉
      LG Elke

  2. Meine Rheinsteig-Lieblingstour im unteren Mittelrheintal. Ich wandere diese Strecke immer wieder gerne, natürlich vor allem wegen der phantastischen Aussichten.
    Übrigens: keine Angst vor dem kurzen „Klettersteig“ an der Edmundshütte. Der ist völlig harmlos.

    Danke für die tollen Bilder, die es selbst im grauen Büroalltag möglich machen zumindest virtuell und in
    Gedanken ein wenig mitzuwandern.

    1. Och ich habe keine sonderliche Bange. Für Tanja ist das jedes Mal eine Herausforderung, wenn das Jahr gerade begonnen und wir solche Situationen das erste Mal erleben.
      Wir sind ja taff und „schaffen das“ 🙂
      Ja, der Büroalltag, ich kann es kaum erwarten ihn für ewig hinter mir zu lassen, bzw nur noch dann zu haben, wenn ich es selber möchte

  3. Da werden Erinnerungen wach! Don Quichote de la Rost habe ich gleich wiedererkannt und auch der steinerne Wanderer ist mir noch sehr vertraut, Das gleich gilt für den geheimnisvollen Mechanismus des Wildgatters.
    Ins Gedächtnis gebrannt hat sich die Etappe damals aber hauptsächlich, weil mir im Wald vor Nieder-Hammerstein zwei röhrende Hirsche kalte Schauer über den Rücken gejagt haben (zu der Zeit wusste ich nicht, was das für ein gruseliges Geräusch ist).
    Danke, dass du mit deinem Beitrag die Erinnerung noch mal hoch geholt hast.
    Audrey

    1. Oh ja, das kann ich mir denken. Leider habe ich bisher bei weitem noch nicht alles auf Rheinsteig und Rheinburgenweg erkundet. Aber, ich habe es ganz klar vor. Hi hi, röhrende Hirsche haben auch andere Wanderer schon in die Flucht geschlagen. Das klingt echt heftig 😉

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