Kein Urlaub darf zu Ende gehen, ohne dass wenigstens eine Wanderung im Gestrüpp endet. Im Schwarzwald sollte das meine Wanderung zur Teufelskanzel sein. Ich folge zunächst dem Tourvorschlag der Kur und Tourismus GmbH Bad Peterstal-Griesbach.

Wanderung zur Teufelskanzel

  • Start/ Ziel: B28 über Freudenstadt nach Bad Peterstal-Griesbach, 3,3 km hinter Alexanderschanze auf der linken Seite, großer Parkplatz
  • Streckenlänge: 8,6 km
  • Höhenmeter: 285 m
  • GPS Track – Orignial
  • Dank verschiedener Unvorhersehbarkeiten endete mein Track auf 11 km und 363 Höhenmetern. Die Geschichte erzähle ich euch jetzt.

Ab mittags sind, wie auch in den letzten Tagen, Gewitter gemeldet. Wo die sich ereignen weiß man nicht, aber wenn sie sich ereignen, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Gerade hier im Süden sind Fluten durch einige Ferienorte gerauscht und haben erhebliche Schäden verursacht. Also bin ich in diesem Urlaub stets darauf bedacht früh am Start zu sein.

Es könnte ja folgendes passieren…..

Weshalb ich mein Auto auf dem Parkplatz fotografierte hat seinen Grund. Ich bin ja eine Schisserin, gebe ich zu und sehr phantasiebegabt. Der Wanderparkplatz liegt an einer stark abschüssigen Straße und im auslaufenden Kurvenbereich. Meine rege Phantasie zeigt mir nun Bilder von einem aus der Spur geratenen LKW und ich rechne mir aus, welche Fahrstrecke auf den Parkplatz ein solcher LKW nehmen würde. Mein Auto stelle ich aus dieser Schusslinie heraus. Wehe einer lacht!

Ich starte also frohgemut und zuversichtlich meine kleine Tour, genieße den Feldweg mit den reich blühenden Wiesen neben mir, erfreue mich an den wilden Erdbeeren und habe immer wieder Sicht auf Bad Griesbach und das Tal der Wilden Rench.

Teuflisch abenteuerliche Wanderung zur Teufelskanzel

Die Qual der Wahl rechts oder links?

Ich entscheide mich für rechts, also hinunter, um am Ende einen Abstieg zu haben. Diese Wahl sollte für mich noch einen erheblichen Vorteil bedeuten, denn lange bin ich nicht auf dem vorgezeichneten Track unterwegs.

Baumfällung

Ein Schild weist mich auf Forstarbeiten hin, abgesperrt ist der Weg jedoch nicht. Ich wandere also weiter, zumal ich keine Forstmaschinen höre. Einiges an gefällten Bäumen liegt hier herum. Das Geäst liegt wie ein Teppich vor mir, teilweise in dicken Schichten.

Der Kampf gegen die Hinterlassenschaften der fleißigen Forstarbeiter scheint erfolgreich zu sein bis ich an einer Barriere von mehreren quer liegenden Tannen scheitere. Die sind unüberwindbar.  So gekämpft und doch verloren. Ich bin überrascht und enttäuscht, dass ich das fotografieren vergesse.

Missmutig mache ich kehrt und trotte zurück. Der schöne Plan, so ein schöner Weg…. OK, denke ich bei mir, plane ich um und wandere woanders. Aufgeben? Nein, eigentlich doch nicht meine Art. Also suche ich auf der Karte meines Garmin (eine topografische Karte übrigens) nach einer Ausweichmöglichkeit und glaube sie gefunden zu haben.

Die Laune steigt, ich fotografiere wieder.

Die nächste Endstation

Ich folge einem Feldweg, der auf der topografischen Karte auch als Weg eingetragen ist, auf der Reit- und Wanderkarte der Openstreetmap jedoch an einer Stelle ins Leere läuft. Jetzt beginnt der Kampf der Gigantin, denn noch einmal kehre ich nicht um. Mehrjährige Tannen und hohe Farnfelder stellen sich mir in den Weg, es fehlten nur Wildschweine.

Die schwüle Hitze lässt Schweiß in Strömen rinnen, den wiederum finden Kleinsttiere  fantastisch. Bald bin ich umringt von allem was fliegt und an meinen Beinen setzen sich die ersten Zecken zum genüsslichen Blutmahl nieder.

Die 300 m bis zum nächsten begehbaren Wanderweg erscheinen mir wie 3 Kilometer. Auch hier habe ich es versäumt Fotos zu machen. Ich gebe zu, der Stressfaktor war ziemlich hoch, zumal ich eine große Panik vor Zeckenbissen habe. Ich habe hierzu mal einen Zecken-Beitrag verfasst.

Beruhigende Worte

Endlich wieder einen gut begehbaren Weg erreicht freue ich mich, und das ist selten, über den breiten Forstweg.

Da hinten steht des Försters Auto

Ein in grün gekleideter und mit Farbsprühdose bewaffneten Forstbeamten frage ich, ob denn das schon wieder vor mir auftauchende Schild „Baumfällung“ bedeutet, dass ich hier nicht weiter darf?

„Nein“ erklärt er mir. „Es liege nur Material auf dem Weg, das aber gut überwindbar sei.“ Ich glaube das mal, obwohl ich kleine Zweifel in mir höre. Todesmutig stapfe ich weiter, bereit diesen Weg zu einem Erfolg zu erklären.

Es liegt viel Holz im Schwarzwald

Ein Träumchen beginnt

Irgendwann werden die Ast-Teppiche dünner und der Weg nimmt einen Charakter an, der mich vollkommen in seinen Bann zieht. Meine hoch gezogenen Schultern dürfen langsam entspannt absacken, die Kamera kommt wieder häufiger zu Einsatz.

Teufelskanzel
Solche Wege sind für mich ein Geschenk der Natur und einer Region. Hier befinde ich mich unterhalb der Teufelskanzel
Immer wieder treffe ich auf gut überwindbare Wegesperrungen in Form von gefallenen Bäumen
Felswände türmen sich neben mir auf
Ein Posthorn und der Name A. Orthmann 1888. Ich finde im www nichts dazu

Wer hier nicht mehr weiter laufen möchte, kann den steil herauf gehenden Weg nehmen. Ich entscheide mich natürlich für´s weiter wandern und das ist sehr gut. Viele schöne Eindrücke hätte ich versäumt, wäre ich die Abkürzung gegangen.

Abkürzung auf steilem Weg hinauf (Begehen auf eigene Gefahr, warnt ein Schild)

Weiter zum Bärenfelsen

Hin und wieder treffe ich auf Sturmgeschädigte und unterwandere diese mit mulmigen Gefühl im Bauch. Die Faszination für den Weg gewinnt aber immer wieder schnell die Oberhand.

Von den Felsen rinnt Wasser auf die Wege, hin und wieder sind sumpfige Wegabschnitte zu passieren. Ab und an gönnt der dichte Wald Blicke in die Schwarzwaldlandschaft.

Ein geflecktes Knabenkraut steht einsam am Wegesrand

Ein einsames, geflecktes Knabenkraut weckt meine besondere Aufmerksamkeit. Wie kommt es hier so alleine hin, ich kann nicht ein weiteres Exemplar entdecken.

Ich suche nach weiteren Arten von Orchideen, werde aber nicht fündig. Ich schätze ein wenig sitzt mir die unsichere Witterung im Genick, die dunklen Wolken ziehen mal herauf, dann wieder ab.

Mal wieder blauer Himmel über mir

Im zickzack Kurs am Bärenfelsen hinauf

Auf schmalem, etwas mediterran duftenden Waldweg (der Renchtalsteig verläuft hier) ziehe ich mich, inzwischen etwas müde, den Hang hinauf.

Endlich oben an der Lettstädter Höhe

Ich kann zwar nichts entdecken, was den Namen Lettstädter Höhe begründen würde, bin jedoch froh auf der Höhe zu sein. Endlich oben angekommen, keine nennenswerten Anstiege mehr vor der Nase. Ich gebe zu, meine 62 jährigen Muskeln möchten nun entspannen.

Als ich diese wunderschönen Riesen erreiche, sehe ich in der Nähe schon die Blitzhütte.

Ausgiebige Rast an der Blitzhütte

Trotz der wachsenden Sorge vor drohenden Gewittern lasse ich mich an der Blitzhütte nieder. Dieser Platz ist zu schön, um ihn einfach zu passieren. Wildblumen wachsen reichlich und werden geradezu von Schmetterlingen und anderen Insekten hofiert. Alle sind damit beschäftigt die für sie passenden Nahrungen aus dem Blüten zu sammeln.

Blitzhütte

Innere der Blitzhütte

Im Inneren der Hütte liegen Hüttenbücher, die aber leider keinen Platz für Einträge mehr haben. Es wurde wohl seit spätestens 2017 kein neues Buch mehr ausgelegt. Das Hütteninnere hat einen sehr urigen, warmen Charme.

Sicher eine halbe Stunde verbringe ich an diesem herrlichen Ort. Ein paar Zecken zeige ich konsequent den Weg ins nächste Gebüsch. Die Tannennadeln unter meinem Shirt dürfen auch wieder Frischluft schnuppern, der Apfel aus dem Rucksack findet den Weg in meinen Magen. Alles hat nun wieder seine Ordnung, Kraft für die letzte Etappe ist aufgetankt.

Auf dem Westweg zur Hildahütte

Wenn ich das richtig verstanden habe bin ich hier in Bannwaldgebiet. Heißt, es soll Urwaldcharkater entstehen. Ein zunehmender Trend, der meine absolute Zustimmung findet. Die Natur sollte viel Raum erhalten und wir als Gäste sind gut beraten alles dafür zu tun und als Gäste anständig zu handeln.

In den Büschen liegt Totholz, Mystisch wirken solche Anblicke
und wieder das gefleckte Knabenkraut
Eine Fülle an Orchideen haben hier Platz gefunden

Die Menge an Knabenkräutern ist unfassbar groß. Selten habe ich auf solcher Art Wegen ein derart reiches Vorkommen erblickt.

Urige, natürliche Wege ziehen sich durch den Wald
Auf dem Westweg unterwegs. Wenn der überall so schön ist, gehört er auch meinen Wanderplan nach Spike

Die Hildahütte passiere ich ohne Pause, jetzt möchte ich auch langsam das Auto erreichen und damit die Sicherheit vor den tatsächlich jetzt nahenden Gewittern.

Auf dem Parkplatz steht mein Auto unversehrt aber immer noch einsam. Eine holländische Wandergruppe rastet auf der vorhin noch leeren Sitzgruppe.

Fix starte ich mein Auto und erreiche schnell wieder meine Ferienwohnung.

Nicht zum nachwandern empfohlen, was ich da heute absolviert habe, aber einen kleinen Blick auf die Karte sollt ihr schon bekommen. Viel Spaß ;-)

Übrigens, ihr bekommt selbstverständlich noch sehr viele Wanderbeschreibungen, auch zu längeren und populären Wanderwegen aus dem Schwarzwald. Das muss aber warten, bis ich den Besuch meiner Enkelin genossen habe. Ihr Hiersein lässt ein konzentriertes Schreiben längerer Beiträge nicht zu.

Bis dahin wünsche ich euch schöne, sonnige und friedliche Zeit

Elke

 

 

 

3 Kommentare

  1. Hallo Elke,

    ein schöner Beitrag über eine interessante Wanderung. Mit den Tücken bist du ja offensichtlich gut zurecht gekommen. Wie ich bei den aktuellen Bedingungen bei Outddoractive gelesen habe wird auf Baumfällarbeiten hingewiesen. Es ist natürlich sehr zielführend, wenn keine Umleitungsstrecken ausgeschildert sind.

    Wie ich lese, kommen noch mehr Berichte über Wanderungen im Schwarzwald. Da bin ich mal gespannt.

    Liebe Grüße
    Harald

    1. Ja Harald, der Hinweis kommt von mir. Hatte ich gestern verfasst. So hatte ich ein tolles Abenteuer.

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