Schon einige Monate steht auf meiner ellenlange To Do-Liste eine Wanderung im belgischen Bassenge. Der mir schon von einer anderen Wanderung bekannte „Mr. Pfade“ hat diese Tour ausgestaltet und lockt mich mit Bild und Wort nach Belgien zu Bunker und Höhlen bei Maastricht.

Die Anfahrt hat es in sich. Über relativ freie Autobahnen benötige ich 1 1/2 Stunden bis zu meinem Zielort. Aus dem Radio ertönt eine deutschsprachige Dame, die über Besonderheiten in Belgien/ Wallonien berichtet. So erfahre ich von der KultOurtalstraße, die mich zu einem erneuten Besuch Belgiens animieren wird. Außerdem testen die Belgier angeblich Streckenradare, sodass abbremsen an den Radargeräten und anschließendes Gas geben  zu einem teuren Unterfangen werden könnte.

Über diese spannenden Informationsfluten gelange ich dann endlich auf dem großen Parkplatz am FORT D’EBEN EMAEL . Hups, da stehen Panzer und da hinten diese dunkel gefärbte Wand gehört zu einem Bunker. Puh, und einsam ist es hier!

Bunker und Höhlen bei Maastricht

  • Start/ Ziel: Rue du Beau Caillou 2, 4690 Bassenge, Belgien
  • Streckenlänge: 11 km
  • Höhenmeter: 200m
  • GPS Track (Achtung belgische Karte installieren, bzw. belgische Papierkarte mitführen)
  • Einkehr in der Brasserie Moulin Loverix, wird vom Streckenersteller empfohlen, hatte leider heute an einem Montag, geschlossen.
  • Besichtigung des FORT D’EBEN EMAEL an nur wenigen Tagen im Jahr
Brasserie Moulin Loverix in Maastricht
Brasserie Moulin Loverix

Natürlich gilt meine Neugierde erst einmal der optionalen Einkehrmöglichkeit, direkt am Parkplatz des FORT D’EBEN EMAEL, Startpunkt meiner heutigen Wanderung. Leider ist diese nette Gaststätte auch bei meiner Rückkehr geschlossen.  Öffnungszeiten sind derzeit Mittwoch-Sonntag 11:00 – 19:00 Uhr.

Also wandere ich dann gleich mal los

FORT D’EBEN EMAEL

FORT D’EBEN EMAEL ist eine belgische Festung, die in den Jahren 1932 – 1939 gebaut wurde und zum Festungsring um Lüttich gehört. Unter dem Fort befinden sich in 55 Metern Tiefe Gänge von rd. 5,3 km Länge. Schon allein die Vorstellung da unten herum zu laufen, löst in mir Gruselgefühle aus.

Das nächste Mal muss jemand mit gehen, die kriegerischen Eindrücke sind massiv für mich
Ein kleines Stück durch den Wald und ich stehe an Kasematten
Kasematten mit Kasemattengeschütz
Kasemattengeschütz
Beobachtungskuppel (kann auch eine Scheinkuppel sein)

Mal wieder Gruselstimmung

Grusel, grusel. Immer wieder poppt in meinem Inneren ein Alarmschild. Es ist stellenweise sehr dunkel und einsam und das macht mir echt Angst. Nein, diese Angst ist nicht rational, sie ist einfach ein Gefühl, das immer wieder auftaucht. Trotzdem packt es mich, in solche Abenteuer zu starten.

Der Himmel ist grau, die Wolken hängen tief und untermalen das etwas kriegerische Landschaftsbild, wenn ich auf die Bunker treffe.

Aussicht auf den Albert Kanal und die Maas

Ziemlich überraschend gerate ich wieder in die Helligkeit und sofort fällt das beklemmende Gefühl von mir ab. Der Aussichtspunkt oberhalb des Albert Kanal, der hier parallel zur Maas verläuft, bietet spannende Ausblicke auf ein Kalksteinmassiv.

Der Albert Kanal verbindet die beiden belgischen Städte Lüttich und Antwerpen und wurde angelegt, um das Durchfahren der Niederlande über die Maas zu umgehen. Hier sehe ich das Bergmassiv aus Kalkstein, das an dieser Stelle vom Albert Kanal durchbrochen wird.

Bergmassiv aus Kalkstein
Beobachtungskuppel

 

Landwirtschaft gibt es hier auch

Schwupps und wieder verschwinde ich im Wald, doch es dauert nicht lange und die hellen Weizenfelder der Region breiten sich vor mir aus.

Genüsslich wandere ich dahin, genieße die weiten Blicke.
Ich liebe das strubbelige Antlitz dieser Felder
Der spröde Boden hat ein tolles Muster
Frau Mohnblume

Oberhalb des Albert Kanal verlaufen Naturschutzgebiete neben den Kalksteinhöhlen. Ich traue mich nicht hinein, sie sind reichlich dunkel und so allein…nö! Also wandere ich an den Außenseiten vorbei, was für mich spannend und eindrucksvoll genug ist.

Das Naturschutzgebiet Montagne Saint Pierre überrascht mit Kalkmagerrasen und der entsprechenden Vielfalt von Orchideenarten. Ich habe mich heute nicht darauf konzentriert, aber Bienragwurz und Co sollten hier zu finden sein.

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Unfassbar viele Schmetterlinge und andere Insekten

Wenn auch der Weg vielleicht nicht aus den Schuhen haut, so ist die Vielfalt der Insektenwelt erstaunlich und macht mich richtig froh. Vor allem Schmetterlinge tummeln sich auf den Disteln.

Diese Tierschutzgitter sind bewusst so gebaut, dass sie sich immer selbstständig wieder schließen.

Tierschutzgitter
Die Wege sind zugewachsen, werden aber heute von einem Landschaftspflegebetrieb gemäht

Durch das Naturschutzgebiet bergan

Bergan in Belgien, hier? Ja, genau hier führt ein schmaler, sehr attraktiver Wiesenpfad hoch. Grillen zirpen, rennen wir vor die Füße. Bienen und Hummeln fliegen und krabbeln zu Hunderten über diese Blütenpracht der Sorte „Regionales Geblüh'“

Irgendwann schaue ich auf mein Navigationsgerät und stelle fest, ich befinde mich 75 m unter dem Meeresspiegel.  Tja und ich habe das Gefühl ganz oben zu sein. Von nun an darf ich wieder an Feldern vorbei wandern. Zuckerrüben, Kartoffeln und Getreide wachsen hier. Hin und wieder blinzelt auch die Sonne durch die dicke Wolkendecke und entzückt mein Gemüt.

Zivilisation rückt näher

Nicht alle diese Höhlen bleiben ungenutzt, einige werden zum Unterstellplatz für landwirtschaftliche Maschinen, andere bauen in Nischen Türen ein und nutzen die natürlichen Räume zur Sicherung von Hab und Gut.

Die Menschen hier nutzen die Höhlen noch immer
Gut genutzte Höhlenräume
Andere Zugänge werden einfach von außen verrammelt
Hübsche Tierchen, finde ich und die Hörner dürfen sie auch behalten

Die Wege bleiben abwechslungsreich, lediglich rund ein Kilometer führt über innerstädtische Straßen und diese Tatsache ist gut zu verschmerzen.

An dem Nebenfluss der Maas der  „Le Geer“  führt ein schmaler Weg wieder zum Fort zurück.  Da die Gastronomie geschlossen ist, fahre ich ohne den so stark herbei gesehnten Kaffee wieder heim.

Fazit ganz klar: Das war klasse. Wieder einmal Eindrücke von einer Region, die ich dort nicht vermutet hätte. Ich denke da werde ich noch weitere Touren angehen.

6 Kommentare

  1. Den westlichen Teil dieser Strecke bin ich schon gegangen (GR5), aber den östlichen noch nicht; will ich bestimmt mal nachwandern. Irgendwann bald blüht die Heide, dann lade ich dich ein nach Lanaken ;-) – Fürs Hohe Venn muss es erstmal kräftig geregnet haben, da ist wohl Brandgefahr im Moment, schätze ich.

    1. Jahaaaaaaa, dort möchte ich schon so lange unterwegs sein. Wäre toll wenn wir das in diesem Jahr hinbekommen.

      Aber auch den westlichen Teil dort an den Bunkern werde ich im kommenden Jahr angehen. Das muss auch spannend sein!

  2. Liebe Elke,
    die Beklemmung, die dich befallen hat, kann ich gut nachvollziehen.
    In Maastricht gibt es außerdem ein sehenswertes fünfeckiges Fort in der Stadt sowie die sogenannten „Grotten“, das sind kirchenhohe Mergel-Abraumhöhlen, die man gegen Eintritt und mit Führung besichtigen kann. In den Grotten hat sich im Krieg die Bevölkerung versteckt. Die Führung ist unabdingbar, denn das Höhlensystem, das vom niederländischen Maastricht bis ins benachbarte Belgien führt, ist weit verzweigt und nicht beleuchtet und als Laie würde man sich in den überall gleich aussehenden Gängen nur verirren – und verhungern :-(. Den Besuch vor vielen Jahren, den ich unbedingt noch einmal wiederholen möchte, fand ich einerseits beeindruckend, andererseits auch irgendwie gruselig.

    1. Ha, meine Liebe ich suche mutige Begleitung für einen erneuten Besuch. Also falls Du, bzw. ihr mögt….. starten wir das gemeinsam!

      Klasse, dass Du davon schon etwas gesehen hast, ich hörte davon vor Monaten das erste Mal und war ganz wild darauf, dort hin zu kommen. Und ja, mich gruselt es in letzter Zeit öfter Mal ;D

        1. Kein Problem. Das geht ja sogar im Winter. 😍

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