Eigentlich müsste es heißen „Zwei Omas und ein Opa auf dem Karlsruher Grat“, denn diese Tour haben Claudia und Rainer, aus dem südlichen Schwarzwald, mit mir gemeinsam unternommen.

Claudia und Rainer

Alle haben wir den natürlichen Werdegang zum Großelterndasein absolviert, mit entsprechenden Folgen für Fitness und Geldbeutel und auch die erhebliche Zunahme von Lebensfreude.

Die beiden Schwarzwälder haben lange Zeit sehr aktiv ebenfalls einen Blog geschrieben und sogar ein Schneeschuhwanderbuch geschrieben. Schaut einfach mal vorbei, bei Rainer&Claudia

Schon als ich meine Planung für den Schwarzwald aufnahm war klar, wir treffen uns. Viel zu lange besteht die Verbindung lediglich über Facebook. Eigentlich wollte ich auch Angelika und Wolfgang (mit Frau) treffen. Das scheiterte und wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Schwarzwald hat Leidenschaften geweckt und zwingt mich zu erneuten Besuchen.

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Während ich auf meine Begleitung warte entstehen schon die ersten Aufnahmen von der nahen Umgebung an Bahnhof und Kurpark Ottenhöfen.

Genießerpfad Karlsruher Grat

  • Start/ Ziel: Bahnhof Ottenhöfen Allerheiligenstraße
  • Streckenlänge: knapp 14 km
  • Höhenmeter: 667 m
  • Mein GPS Track 
  • Webseite Ottenhöfen
  • Einkehrmöglichkeiten: In Ottenhöfen bieten sich reichlich Lokalitäten an und unterwegs das Gasthaus am Bosenstein
  • Links vom Grat verläuft eine Alternativroute für Kletterunwillige. Der Grat ist wirklich eine Herausforderung und wagen sollten ihn nur diejenigen, die vernünftiges Schuhwerk tragen und Klettererfahrungen mitbringen. 

Wir treffen uns am Bahnhof und nach kurzer Begrüßung ziehen wir schwätzend los. Herrje, kein Wunder, dass ich nur wenige Fotos gemacht habe. Wir haben uns so viel zu erzählen und wollen uns im Schnelldurchgang ja auch näher kennen lernen.

Wir gewinnen an Höhe und haben einen fantastischen Blick auf den Ort, die Sankt Anna Kirche und die Landschaft drum herum.

Ottenhöfen
Helle, zarte, fluffige Schäfchenwolken stehen am Himmel

Den Toten zu Ehren, den Lebenden zur Mahnung, eines der vielen Erinnerungen an unruhige Zeiten, die heute mehr Bedeutung haben, als in den letzten Jahrzehnten.

Denkmal

Ab in den Wald und an die Sausteig Tränke

Nicht lange und wir landen an einer sehr schön gestalteten Getränkestation. Wer mag, kann sich dort mit allerlei unterschiedlichen Getränken versorgen. Süßigkeiten stehen in dem Kühlschrank neben Eierlikör und anderen alkoholhaltigen Getränken. Auch Schorle und Wasser ist im Angebot. Gegen Zahlung des auf der Liste notieren Betrages, dürfen sich die Bedürftigen bedienen.

Wieder tauchen wir in ein Waldgebiet ein. Hohe Farne säumen die schmalen Wege und legen sich den hoch gewachsenen Nadelbäumen wie hellgrüne Teppiche zu Füßen.

Karlsruher Grat Wald mit Farnen
Welch eine himmlisch grüne Pracht

Das Gottschlägtal und seine Edelfrauengrab-Wasserfälle

Wie um viele Orte in der Welt, die ein wenig geheimnisvoll und urig wirken, ranken sich auch um diesen Tal Sagen und Geschichten. Dazu später mehr.

Zunächst wandern wir über wunderschöne Wege am Gottschlägbach. Wäre Spike heute dabei, er würde das klare Wasser sicher trinken wollen und bei mir regt sich die Idee, meine Füße darin zu kühlen. Die dicken, mit Moos bedeckten Steine und die Stille hier, lassen den flüchtigen Gedanken an Zauberwesen, Gnome und Feen auftauchen.

Auf dem Weg zum Edelfrauengrab
Gottschlägbach – wunderschön klar und noch sanft dahin fließend
Auf gesicherten Wegen, teilweise über Treppen, werden wir durch das Gottschlägtal geschickt

So wild und romantisch wie das Tal ist, so grausam und wild auch die Sage, die sich darum rankt.

Die Sage von den Edelfrauengrab-Wasserfällen

Vor laaaaanger, laaaaanger Zeit lebte ein Ritter Wolf von Bosenstein in dieser Region. Seine Ehefrau nahm es mit der ehelichen Treue nicht sonderlich ernst. Sie vergnügte sich in Abwesenheit des Gatten mit ihrem Liebhaber, das schändliche Weib.

Hochnäsig verhöhnte sie eine Bettlerin mit ihren sieben Kindern und vertrieb sie. Die Bettlerin belegte sie mit einem Fluch, der sie später sieben Kinder auf einen Schlag gebären ließ. Eine Dienerin sollte die ungewollten Kinder ertränken, doch der Schlossherr verhinderte dies. Er ließ die Kinder zu Verwandten bringen und erst sieben Jahre später kehrten diese in Bettelkleidung, auf Geheiß des Schlossherrn zurück.

Die spielten auf Harfen und sangen dazu ein Lied über ihr Schicksal, woraufhin einer der Gäste die Frage stellte „Was mit einer so grausamen Mutter geschehen solle“ Die Schlossherrin selber sprach das Urteil, die Mutter solle mit einem Laib Brot und einem Krug Wasser lebendig eingemauert werden.

Und so wurde die Strafe vollzogen. Wolf ließ die Gattin in eine von Wasser umspülte Höhle einmauern, um sie später zu fluten und der Frau die restlichen Qualen zu ersparen.

So steht es geschrieben, und seit dem heißt diese Höhle „Das Edelfrauengrab“

Oben das Edelfrauengrab, darunter einer der Wasserfälle

Wir ziehen, nachdem wir die Sage auf einer Tafel abgelesen hatten, weiter durch diese zauberhafte Schlucht. Allmählich werde ich nervös, den der Karlsruher Grat ist nicht mehr allzu weit entfernt.

Allmählich wird das Gelände schroffer und die ersten hohen Felsstufen sind zu überwinden. Gut, dass wir alle mit einigermaßen langen Beinen ausgestattet sind, denn die Höhen sind sportlich.

Die erste Felsenstufen
Entspannender Zwischenabschnitt

Das Abenteuer kann beginnen

Es wird schwieriger, die Vorbereitung auf das eigentliche Klettererlebnis ist zwar noch einigermaßen sanft, trotzdem für Anfänger sicher schon eine Herausforderung. Eine prima Gelegenheit noch einmal zu prüfen, ob klettern wirklich etwas für den Neuling ist. Wobei es zwischendurch auch immer wieder Möglichkeiten gibt auf Seitenwege auszuweichen, die weit weniger kompliziert sind.

Die für mich eher hinderlichen Trecking- Stöcke verschwinden dann relativ zügig im Rucksack.  Eine unglaubliche, spannende und abenteuerliche Reise auf den felsigen Wegen beginnt. Ich bin unendlich dankbar für die Begleitung, denn so verlieren manche schwierig erscheinende Passagen erheblich an Schrecken.

Doch hin und wieder, man sieht es an der folgenden Aufnahme, werde ich doch unsicher bis leicht panisch. Doch mit Ruhe und Entschlossenheit werden auch diese Momente überstanden.

Mittelschwere Panikattacke :D
Vielleicht hilft Beschwörung „Haaaaaalte still, haaaaaalte still“

Meinem Sohn schickte ich per Whatsapp das Foto oben. Seine Antwort nur wenige Sekunden später: „Komm da sofort runter“ Tja Herr Sohn, das ist leichter gesagt als getan.

Einer der weiteren Sprüche aus den Reihen der Nichtkletterer „Wer da rum kraxelt will auch fliegen lernen“  Ähem, also muss das für manchen Außenstehenden doch dramatisch aussehen.

Erst einmal tief Luft holen und die flatternden Nerven zur Ruhe bringen
Nicht lange währt die Pause
Wir fühlen uns großartig

Meine Anspannung verliert sich, ein gewisser Mut macht sich breit und natürlich Stolz. Wir setzen uns eine Weile auf einen Felsen und staunen in die Tiefe und Weite des Schwarzwaldes. Welch ein erhabenes Gefühl hier oben zu sitzen. JA, für mich ist das etwas sehr besonderes.

Ein Blick nach oben lässt uns ein wenig erschauern. Es sind dunkle Wolken aufgezogen, in der Ferne ertönt ein Grummeln und die Sorge wächst, dass uns hier oben ein Gewitter überrascht.

Wir sputen uns, um von den Felsen, die als Blitzfänger geradezu prädestiniert sind, weg zu gelangen.  Eigentlich schade, denn diese wundervolle Tour sollte man in Ruhe beenden können. Das Risiko ist aber hoch hier oben und deshalb ist Vernunft angesagt.

Rast am Gasthaus Bosenstein

Wir erreichen kurz nach dem Grat das Gasthaus Bosenstein. Hier entscheiden wir uns für einen Kaffee und damit dafür anzuwarten, bis ein ggf. ausziehendes Gewitter vorüber gezogen ist.

Glücklicherweise machte das Gewitter einen ebenso lustlosen Bogen um unseren Standort, wie die Bedienung im Gasthaus. Der etwas getrübte Eindruck änderte sich für uns nicht, als beim Abkassieren das Gesicht freundlicher wurde.

Ganz ehrlich, dann schließt euer Gasthaus lieber. Nichts ist schlimmer für Gäste, wenn sie sich vorkommen wie unwillkommene Bettler.

Uns hält es dann auch nicht lange, da draußen warten Schmetterlinge auf unsere Fotografiergeräte.  Auch ein paar braune Rinder mit sanften Augen, aber teils hitzigem Gemüt, binden unsere Aufmerksamkeit eine ganze Weile.

Während Mama Kuh ihren Jungbullen scheucht
vergnügen sich die Kälber in einer Kleingruppe (vermutlich Kita)

Unter dunklen Wolken dem Ziel entgegen

Die Stunden fliegen nur so dahin. Wir nehmen uns für die wenigen Kilometer sehr viel Zeit. Doch in der Ferienwohnung wartet mein alter Vierbeiner und langsam werde ich ein wenig nervös. Auch die wieder herauf ziehenden dunklen Wolken lassen uns etwas schneller wandern.

Am Ende laufen wir nicht mehr auf dem richtigen Wegeverlauf. Umleitungshinweise haben uns meiner Meinung nach irritiert und unnötig vom Weg abgebracht. Trotzdem sind die Eindrücke herrlich, wenn auch Asphalt lastiger.

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Es ist eigentlich zu schade gewesen, dass der Abschied so schnell vollzogen wurde. Doch die Rückfahrt nach Rippoldsau-Schapbach ist recht lang, mein Kühlschrank bis auf einen Wurstzipfel, absolut leer und Spike wartet. Aus diesem Grund verabschieden wir uns noch vor dem Parkplatz voneinander.

Wir sehen uns, wenn alles so klappt wie gedacht, in absehbarer Zeit wieder. Immerhin haben wir uns noch reichlich zu erzählen und das gemeinsame Hobby Wandern und die Begeisterung für die Landschaften Deutschlands, verbindet.

Ach und beinahe hätte ich es vergessen, die Fotos die mich abbilden, haben Claudia und Rainer geschossen und bewundernswerter Weise mit dem Handy.

 

 

11 Kommentare

  1. Selbst vom sicheren, heimischen Balkon aus kriege ich eine leichte Gänsehaut, wenn ich deine Kletterpartie betrachte. Ich kann deinen Sohn wirklich gut verstehen! Und Chapeau fürs Durchziehen. Beneidenswert schön, der Schwarzwald!

    1. Hi hi, mir macht das auch erst seit ein paar Jahren Spaß, wobei ich nicht sicher bin, dass das noch lange funktioniert.
      Inzwischen kommen doch immer mal wieder Momente in denen die „Angst“ größer wird.

  2. Klasse gemacht und Klasse, dass ihr euch getroffen habt. Gerade letzten Sonntag waren wir zum Grillen (und Spazieren) eingeladen von holländischen Bloggerfreunden, die wir bis vor kurzem auch nur vom Internet kannten. Ein anderes Wanderbloggerehepaar aus Antwerpen hat sich dazu gesellt. Schön war’s! Ich sehe auch, dass du in der Nähe von Ortenberg und Gengenbach warst. In Schloss Ortenberg hat Annette ein Jahr gewohnt, bevor wir uns kennengelernt haben. In all den Jahren haben wir es (das Schloss und die Umgebung) nur einmal besucht. Müssten nochmal hin.

    1. Ja Guido, es war wunderbar die Beiden kennen gelernt zu haben. Durch Änderungen an meinem Arbeitsplatz werden jetzt hoffentlich ein paar Kräfte in dieser Richtung frei und so mal wieder mehr Treffen mit anderen Wanderern möglich.

      Aber wenn ich das so lese, WO warst Du eigentlich noch nicht? Irgendwie kennst Du doch sehr viel von Deutschland ;-)

  3. Ja, der Karlsruher Grat ist was ganz besonderes. Schön aber auch gefährlich. Manche sind übermütig und mit falschem Schuhwerk unterwegs. Eine junge Frau hat es mal mit Absatzschuhen probiert. Schön, dass dir der Graz gefallen hat und Du ohne Blessuren davon gekommen bist.
    Liebe Grüße
    Harald

    1. In Begleitung ging es, aber alleine…ich glaube da hätte ich mir ein-zwei Passagen gespart ;-)
      Grüssles
      Elke

  4. Boah, liebe Elke,
    HUT AB! Da hast du aber Mut bewiesen. Ich glaube, das wäre (noch) nichts für mich. Vielleicht in Begleitung? Vielen Dank für den Hinweis des Alternativpfads. Somit könnte ich da auch mal hin. Denn der restliche Weg ist genauso phantastisch!
    Ich bin so gespannt auf den Schwarzwald! Diesen Sommer ist es soweit!
    Liebe Grüße
    Aurora

    1. Hi hi, ich hätte ohne Begleitung auf den Grat verzichtet. Du wirst den Schwarzwald ♥
      LG Elke

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