Schwarzwälder Wandersinfonie, so haben die Touristiker des Kurortes Bad Peterstal-Griesbach ihre drei Premiumwanderwege getauft. Sie gehören zu der großen Familie der Genießerpfade im Schwarzwald (Am Ende des verlinkten Blogbeitrages sind sie aufgelistet), über die ich hier schon hingebungsvoll berichtet habe.

Schwarzwälder Wandersinfonien – Heute der Wiesensteig

  • Start/ Ziel: Wanderparkplatz Weiherplatz in Bad Griesbach
  • Streckenlänge: 12,5 km
  • Höhenmeter: 483 m
  • GPS Track
  • Einkehr: Höhengasthaus Herbstwasen und Renchtalhütte

Der letzte Urlaubstag ist angebrochen und noch ein einziger Wanderweg auf meiner Urlaubs-Wander-Wunsch-Liste ist ohne ein Erledigthäkchen. Am Ende des Tages ist der Haken dran und ein herrlicher Wandertag liegt hinter mir.

Eine mühselige Anfahrt zum Weiherplatz

Schwarzwälder Wandersinfonien Wiesensteig
Start am Weiherplatz

Wenn die direkte Verbindungsstraße zwischen zwei Orten im Schwarzwald gesperrt ist, dann heißt es deftige Umwege in Kauf nehmen. Leider haben die Straßenbauer es versäumt auf die Sperrung aufmerksam zu machen und so irre ich zunächst planlos herum, um einen Zuweg zum Wanderparkplatz zu finden.

Nach einer zusätzlichen Fahrzeit von 30 Minuten lande ich dann doch auf dem geräumigen und noch ziemlich aufgeräumt wirkenden Parkplatz am Weiherplatz im Wald.

Für Kinder ein Paradies, schätze ich. Neben einer Grillhütte haben die Verantworlichen eine Weitsprungsandkiste installiert. Daneben ein Balken mit Abbildungen von Tieren, wie Hase, Fuchs etc und deren Sprungkraft. Ich vermute meine Sprungkraft liegt etwa zwischen Schnecke und Maus.

Auf zur Wilden Rench

Nachdem ich den kleinen, ziemlich versteckt liegenden Wanderparkplatz mit all seinen Besonderheiten erkundet habe, folge ich den Wegweisern hin zu einem Stauweiher mit dem alten Wehr.

Genießerpfad Wiesensteig
Stauwehr

 

Die Rench war drei Jahrhunderte lang ein Flößerweg. Mühselig wurde das Holz über die Rench transportiert, hierfür waren auch die Stauanlagen nötig.

Stauweiher mit Wehr am Weiherplatz Bad Griesbach

Ein Schild warnt uns Wandersleut vor Überflutungen und Rutschgefahr auf den schmalen Wegen entlang der Wilden Rench, die später nur noch „Rench“ heißt. Heute ist aber von rutschigen Wegen und auch von hohem Wasserstand überhaupt nicht die Rede.

Zwischen dem dichten, frischen Grün fließt in Stufen die Wilde Rench. Es ist am heutigen Tag fast zwei Monate her, dass ich im Schwarzwald zu Gast war. Welch ein Unterschied zwischen heute, den nach Wochen Trockenheit dürren und ausgetrockneten Böden und dem damaligen Frühsommergrün.

Wilde Rench

Dicke Steine liegen in dem Wasser, das sich unbeirrte seinen Weg sucht. Immer wieder schaue ich gebannt auf das munter fließende Gewässer. Wasser dieser Art ist wie Lebensfreude, so lebendig und voller Sprungkraft ;-)

Kein Hindernis kann die Wilder Rench stoppen

Von der Rench zur Wilden Wiese

Das Wandersymbol des Genießerpfades schickt mich auf die andere Uferseite der Wilden Rench und bald erreiche ich das Höhengasthaus Herbstwasen.   Die ersten Wanderer/innen stehen vor dem Haus, mit großen Trekkingrucksäcken ausgestattet scheinen sie auf längere Tour zu gehen.

Schwarzwälder Wandersinfonien Genießerpfad Wiesensteig
Höhengasthaus Herbstwasen

Heute hängen dicken Wattewolken über der Landschaft. Sie sind nicht mit Regen beladen, so scheint es. Sie verzieren den blauen Himmel mit ihren launischen und schnell wechselnden Formen.

Das hier ist die typische Schwarzwaldlandschaft mit ihren schmalen Sträßchen, die von einem Ort zum anderen führen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich nicht mehr mit Schweißausbrüchen rechnen musste, wenn ich sie befahren musste. Wenn auf solchen, kaum für zwei PKW ausreichenden Straßenbreiten ein Sattelschlepper mit Baumstämmen auf Dich zukommt, dann kommt Freude auf.

Wunderschön gesägte Figuren und Symbole auf den Wegen der Schwarzwälder Wandersinfonien

Ein wunderschöner Rastplatz lädt zu einer Pause ein, die ich für das Ablegen meiner dicken Jacke nutze und ein paar Fotos mit der Wanderomi, die viel zu oft und lange in ihrem Rucksackfach verbringen muss.

Diese Rast dauert an, denn der Ausblick ist genial und die Atmosphäre wirkt so friedlich.

Aus der Ferne ist das Gebimmel von Kuhglocken zu hören. Ob die Tiere das gut finden? So regelmäßig, wie die Dinger bimmeln, scheinen die Weidetiere in dauernder Bewegung zu sein. Hätte ich so ein Klingeldings um den Hals, meine Bewegungen wären sachte zum Schutz meiner Ohren.

Durch Wald und Wiese

Wiesenpfade im Wechsel mit Wurzeln durchzogenen Waldwegen werden meinen Füßen nun präsentiert. Himmlische Aussichten in die Umgebung lassen mich ein über das andere Mal den Weg aus den Augen verlieren und stolpern. Ich kann eben nur eins, gucken oder laufen ;-)

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und dann entdecke ich auch die musikalischen Kühe. Sie streben einem höher gelegenen Weideabschnitt entgegen, immer wieder den Kopf zum Gräser zupfen senkend.

Da sind die Bimmelkühe

Märchenwald

Manchmal überrascht ein Weg durch unvorhersehbare Eindrücke. So geschehen als ich über Trittsteine einen urigen Waldweg beschreiten darf. Der schnelle Wechsel der Landschaftsformen bringt einiges an Spannung in den eigentlich nicht so langen Wanderweg.

Wie im Märchenwald fühle ich mich hier und als der Wald so dunkel wird, dass es einen gruseln könnte, trete ich schon wieder ins Tageslicht. Puh, ich gebe zu, das ist ein Weg nach meinem Geschmack.

Erst als ich aus dem Waldstück heraus trete, verliert sich der Klang der Glocken. Eine wohltuende Stille breitet sich aus. Ich mag es, wenn die Welt nur voller Grün und Vogelgezwitscher erscheint. Von einer Art Balkonweg habe ich Blick ins Tal. Die sanft geschwungene Wiesenlandschaft mit den Hofanlagen dazwischen, strahlt Harmonie aus.

Das Schild war sehr durstig, oder die Bierflaschen haben das Schild umgeworfen. Die Schuldigen liegen auf jeden Fall beieinander, sodass man nicht lange suchen muss :)

‚Der Schnapsbrunnen mit Saftflaschen. Die Säfte schmecken übrigens ausgezeichnet.
Herrlicher Anblick
Aufgeräumter, sehr attraktiver Ortsweg entlang der Obstbäume
Manchmal ist es der Wegeverlauf, der mich zum fotografieren reizt

Viele schöne Ideen der Anwohner

Hier überrascht mich nicht das erste Mal in dieser Region der Erfindungsreichtum und die liebevolle Bereitschaft etwas für die Gäste und Wandersleute zu tun. Auch Kindern wird in diesem Fall die Rast schmackhaft gemacht.

Bunte Wiesen laden nicht nur mich ein

Im folgenden gibt es jetzt einfach mal ein paar Fotos der Wiesen und Wiesenbewohner, an denen ich nun vorbei schlendern darf. Herrje riecht das hier gut! Oben in der Hütte liegt eine Art Gipfelbuch, in das ich mich natürlich eingetragen habe.

Abstecher zum Martinshof

Auf weiterhin wechselvollen Wegen trabe ich dahin. Die Temperaturen sind angenehm und die Wege sind gut zu gehen. Es duftet nach herben Kräutern und Blumen, hin und wieder auch nach Kiefern.

Wer mag, der genehmige sich einen Abstecher zum Martinshof. Hier stehen große Bänke und Tische, in einem Riesenkühlschrank werden frische Produkte der Region vorgehalten. Auch Getränke können hier käuflich erworben werden. Für Gruppen und Einzelwanderer eine schöne Möglichkeit der ausgiebigen Rast.

Über Rohrenbach zur Renchtalhütte

Ich liebe diese Art Aussichten und ich freue mich, als absolutes NavigationsUntalent, die Renchtalhütte oben auf dem Berg identifiziert zu haben. ;-)

Erster Blick auf die Renchtalhütte

Der kleine Ort Rohrenbach ist bald erreicht und durchquert und natürlich führen alle Wege mal wieder bergan. So viel Aufstieg und Abstieg hatte ich bisher selten in einem Wanderurlaub. Es tut gut, sich einmal so zu verausgaben.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wunderbare Rast an der Renchtalhütte

Mit göttlicher Aussicht ins Renchtal verbringe ich meine kleine Pause bei einem traditionellen Stück Schwarzwälder Kirschtorte. Einmal in diesem Urlaub muss das sein, auch wenn dieses Stück mit seinen besonderen Ausmaßen, eine Kalorienbombe sein dürfte.

Eigentlich würde ich jetzt am liebsten hier oben sitzen blieben. Es sind kaum Gäste da, die Stille ist herrlich. Ach ja, mir geht es hier im Schwarzwald so richtig gut. Und hier an dieser Stelle empfinde ich den Begriff „Schwarzwälder Wandersinfonien“ als ungemein passend.

Doch irgendwann löse ich mich von diesem Ort, bezahle meine Rechnung und zwinge mich wieder auf den Wanderweg.

Stur geradeaus

Die nächsten drei Kilometer verlaufen auf ziemlich eintönigen Schotterwegen, eine Schande für einen so hoch bewerteten Premiumweg. Ich gebe zu richtig gehend wütend zu sein, weil mich diese Tatsache maßlos enttäuscht. Auf insgesamt 10,6 km Wanderstrecke ist das einfach zu viel.  Eine Umgehung ist nur unter Inkaufnahme eines sehr großen Umweges möglich, also war das für die Wegeplaner sicher keine Option. Es bleibt ein Unverständnis gegenüber den Bewertungen durch das Deutsche Wanderinstitut.

Wenn der Weg nicht so toll ist, guck nach links und rechts

Links und rechts dieser Schotterpiste gibt es reichlich zu entdecken. Da sind die wundersam geformten Wurzelwerke der Bäume, ein Ameisenhaufen mit einer rege wuselnden Schar arbeitender Tierchen und auf den Wiesen wächst das gefleckte Knabenkraut in unterschiedlichsten Varianten.

Endlos
Urige Wurzeln
Der Ameisenstaat, gut organisiert und immer fleißig
Und nicht zu vergessen, der Brandbrunnen

Fischfelsenhütte – Das Abenteuer Wilde Rench beginnt neu

An der Fischfelsenhütte biege ich kurz zu der nassen Wand am Schöngrundbächel, wo das Wasser teils rieselnd, teils fallend der Wilden Rench zufließt.

Ein paar Selfies gefällig?

Was nun folgt haut mich beinahe aus den Wanderstiefeln. Nä wat is dat schön! Die Wilde Rench, das Sonnenlicht, das sich endlich vollständig entfaltet den Weg auf das Wasser gesucht hat. Wie erleichtert bin ich, dass die vergangenen drei Kilometer nicht das letzte sind, die mir im Gedächtnis haften bleiben.

Hier lasse ich es mir eine ganze Weile gut gehen. Ein paar Aufnahmen mit Selbstauslöser sind jetzt fällig, Zeit genug habe ich noch dafür!

Selfies muss ich noch üben
Herrlich erfrischens

 

Unentschlossen

Die Rench gibt mir ein Abschiedsständchen. Über Trittsteine, die in ihrer Formgebung und Natürlichkeit einen kleinen Balanceakt erfordern, auf Wurzel durchzogenen Pfaden werde ich wieder Richtung Weiherplatz gelenkt. Das ist ein Finale, das Seinesgleichen sucht.

So hat dieser Genießerpfad Wiesensteig aus der Schwarzwälder Wandersinfonie mir, in der Gänze betrachtet, ein tolles Wandererlebnis beschert. Ich bin dankbar ihr bewandert zu haben. Meine persönlichen Highlights waren die Blumenwiesen, die Renchtalhütte und natürlich der Wegeverlauf an der Wilden Rench.

6 Kommentare

  1. An so einem Flößerbach war ich im Harz auch, doch der Schwarzwald sieht so total anders aus als das Harzgebirge, irgendwie lieblicher, nicht so schroff, oder vertue ich mich da?

  2. Oh, das macht so Laune, die Bilder zu betrachten. Ich freue mich schon riesig auf meinen Urlaub im Schwarzwald!
    Zurzeit kann ich zwar nicht so lange Touren gehen, aber hoffe, bis dahin geht es mit neuen Einlagen besser.
    Gruß aus Bonn
    Aurora

    1. Oh je, ich wünsche Dir ganz feste, dass Du mit den neuen Einlagen gut laufen kannst. Ich trage ja auch welche und muss immer aufpassen, dass die gut angepasst sind.
      Außerdem brauchst Du ebenso göttliches Wetter, wie ich es hatte, mindestens ;-)
      Liebe Grüße
      Elke

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.