Deutschland liegt trocken und präsentiert sich in vielen Regionen eher herbstlich als sommerlich. Eine der wenigen Ausnahmen, was das bunte Blätterkleid angeht, ist das Hohe Venn. Meine erste diesjährige Wanderung bei Raeren zeugt von dem satten Grün der gesamten Umgebung. Unter dem Titel: „Das Hohe Venn und Burg Reinhardstein“ fand ich gestern erneut eine spätsommerliche, wunderschöne Atmosphäre.

Die Trockenheit hat jedoch auch hier Spuren hinterlassen und die Fluss- und Bachbetten zu Rinnsalen werden lassen. Auch der Wasserfall, den ich als Hauptattraktion in meiner Runde wähnte, gleicht einem tröpfelnden Wasserhahn. Was die Pflanzenwelt angeht ist aber das Hohe Venn gerade jetzt ein Augenschmaus.

Entdeckt habe ich diese Kombination aus zwei der belgischen Genusstouren („Über Stock und Stein“ „Wanderweg mit Panorama“ ) im Profil von Ursula und Hans-Eberhard Peters bei Outdooractive. Beide kenne ich von gemeinsamen Wanderungen, aber auch aus der Mitgliedschaft im Eifelverein.

Das Hohe Venn und Burg Reinhardstein

  • Start/Ziel: Parkmöglichkeit gegenüber der „Mühle von Bayehon“ (Route du Bayehon, 4950 Waimes)
  • Streckenlänge: 16,3 km
  • Höhenmeter: 390 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten: Mühle von Bayehon und Burg Reinhardstein
  • Webseite Touristik Ostbelgien mit noch mehr Genusstouren

Besonderheiten

  • Die Burg ist nur im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Führungen vollständig erkundbar.
  • An Wochenenden, besonders Sonntags, ist auf den Wegen reichlich Betrieb. Mountainbiker rasen mit Affenzahn durch die Botanik. Es empfiehlt sich aus meiner Sicht diese wunderschöne Wanderung in der Woche zu erleben.

Klug parken

Hohes Venn und Burg Reinhardstein

Um es gleich vorneweg zu sagen, ich habe nicht klug geparkt. Bei meiner Ankunft leer, füllte sich der kleine Parkplatz im Laufe des Tages. Meine Abfahrt war mit Schwitzen verbunden, so eng standen die Autos am Nachmittag. Kluge Menschen parken in vorderster Reihe.

Nach parken folgt wandern

Nun denn, ich ziehe dann mal los und zwar in Richtung Mühle von Bayehon, bzw. daran vorbei. Sie hat bereits geöffnet, liegt jedoch noch in morgendlicher Stille in der kleinen Landschaftskuhle.

Hohes Venn und Burg Reinhardstein
Mühle von Bayehon

Nach einer kurzen Phase über einfache Wirtschaftswege lande ich am Ruisseau de Bayehone, dem kleinen Flüsschen, das sich später in einen Wasserfall ergießt. Heute plätschert das stellenweise rötlich gefärbte aussehende Wasser eher gemächlich und spärlich dahin. Trotzdem, erstmals seit langem höre ich das schöne Geräusch fließenden Wassers.

Beinahe gänzlich fehlt das Gezwitscher der gefiederten Bewohner des Waldes. Es ist unangenehm still, nicht einmal Meisen sind zu hören und auch kein Sperber, kein Ruf von Greifvögeln. Es ist als wären alle in Tiefschlaf versunken.

Ruisseau de Bayehone
Kahl geschoren durch Wind und Wetter oder dem Borkenkäfer, oder vielleicht Beiden?

Die Brücken über den Ruisseau de Bayehone

Die Wege sind ein Traum, der Duft wieder einmal so wundervoll harzig, dass ich diese würzigen Düfte tief in mich einsauge. Plötzlich vernehme ich ein Rufen, später ertönt eine Hundepfeife. Offensichtlich ist da ein Hund abhanden gekommen. Als ich den Halter entdecke, kommt „schon“ sein Rüde mit hängender Zunge den Hang herunter, offensichtlich von einer Jagd zurück.

Brücke über den Ruisseau de Bayehone
Brücke über den Ruisseau de Bayehone
Herrlich frisches Grün, ein Anblick den ich im Rheinland in diesem Jahr sehr vermisse
Nicht immer sind die Brücken von Sturmschäden verschont geblieben
Das Landschaftsbild wechselt flott und überrascht mit immer neuen und schönen Anblicken
Ein erster kleiner Wasserfall

Der Wechsel zum Puhon

Auch der Puehon ist ein kleiner Fluss, der dem Ruisseau de Bayehone zufließt. Sein Charakter ist ein gänzlich anderer. Es wächst eine Menge Grünzeug, wie die „Gewöhnliche Pestwurz“ darin.

Eine der wenigen Rastplätze auf dieser Wanderung
Hier gedeiht die „Gewöhnliche Pestwurz“

Der Feuersalamander ist bedroht

Auf die Wanderwegen sickert Wasser aus den Hängen. DAS ist wohl einzigartig in diesem Sommer. In solchen dauerfeuchten Gebieten ist der Feuersalamander heimisch.

Das possierliche Tierchen ist derzeit akut vom Aussterben bedroht, wie der Aushang hier zeigt, auch in dieser Region. Eine Pilzinfektion, die durch Sporenübertragung rasend schnelle Ausbreitung verursacht, führt innerhalb kurzer Zeit zum Tod.

Es wird darum gebeten auf den Wegen zu bleiben und nach einer Wanderung die Schuhe mindestens eine Woche trocknen zu lassen, damit der Pilz, der zum Tod der Tiere führt, sich nicht weiter verbreitet.

Die Trampelpfade zur Burg Reinhardstein

Hach ich komme schon wieder ins Schwärmen, wenn ich die Bilder sehe und mich an das glückselige Gefühl erinnere, das mich beim Wandern auf den schmalen Pfaden durchströmte. Wanderglück mit einer hohen Intensität!

Urig und naturbelassen
Die hohen Stämme bilden eine Art Allee
Da thront sie auf der Höhe, die Burg Reinhardstein
Ein Blick zurück lässt den Mund offen stehen. Vielleicht war ich an diesem Tag auch leicht sentimental, egal!

Ein kurzer Abstecher ist nötig, um zur Burg zu gelangen. Da die nächste Führung jedoch erst in dreißig Minuten sein wird, erkunde ich so weit wie möglich das Gelände davor, kehre dann wieder zurück auf meinen Wanderweg.

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Die Staumauer der Talsperre Robertville

Schon 1924 wurde der Stausee Robertville angelegt. Er staut das üblicherweise reichlich fließendes Wasser der Warche. Momentan plätschert es allerdings eher.

Staumauer der Talsperre Robertville

Der Hahn im Geländer (Wappentier der Wallonie) erinnert mich sehr an den Wanderweg „Hahn und Henne“ im Schwarzwald und verhalten muss ich kichern. Ach was war dieser Urlaub schön. Meine Gedanken gehen einen kleinen Augenblick zurück in den Juni, verweilen aber auch einen Moment in der jüngsten Vergangenheit und Themen, die mich als Bloggerin berühren.

Nicht immer ist es leicht sich selber treu zu bleiben. Vielleicht schreibe ich dazu gelegentlich einen gesonderten Beitrag. Immerhin: Heute, genau vor sieben Jahren, habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Diese Entscheidung hat mir in jedem dieser sieben Jahre Neues beschert und mir zu jeder Zeit viel Freude gemacht. An dieser Stelle möchte ich mal „DANKE“ sagen, für all jene, die hier so regelmäßig lesen.

Langsam schlendere ich über die lange Mauer, genieße den Blick auf die ruhige Wasserfläche und die hier herrschende, wohltuende Stille. Der Blick in die Tiefe lässt mich ein wenig schwindelig werden, aber das ist immer nur ein kleiner Augenblick, dann bleibe ich doch an das Geländer gelehnt, ein paar Minuten stehen.

Ein Käffchen bitte

Chalet Du Barrage

Wer mich kennt, weiß um meinen unstillbaren Kaffeedurst und wenn sich mir ein so idyllisches Plätzchen wie hier am „Chalet Du Barrage“ Leider kann ich es nicht von vorn zeigen, weil alle Tische besetzt sind und ich damit keine Chance auf menschenleere Darbietung bekomme.

Der Milchkaffee war köstlich, die Dame hinter dem Tresen super nett und die Tischnachbarn ebenso. Nur wenige Minuten, dann ist die Tasse mit dem Milchschaumgetränk in meinem immer empfangsbereiten Kaffeemagen. Rucksack auf, Kamera gezückt und ab durch die Mitte (wie mein Vater zu sagen pflegte)

Ein schmaler Weg hinter dem Chalet Du Barrage führt mich schnell wieder in die Natur

Hinauf zur Nase von Napoleon (Nez de Napoléon)

Die hübsche Burg Reinhardstein verliere ich immer nur kurze Zeit aus dem Blick, wenn Büsche oder Bäume die Sicht versperren. Am Ende habe ich sie dann praktisch umrundet und somit von allen Seiten betrachten können. Mal auf gleicher Höhe, mal von oben herab darf ich das alte Gemäuer betrachten.

Burg Reinhardstein
Burg Reinhardstein

Mit meinem Teleobjektiv kann ich sie etwas näher heranholen. Offensichtlich findet gerade eine Führung statt, denn Menschen wuseln da herum.

Burg Reinhardstein Nahaufnahme
Burg Reinhardstein

Auch diese Passage im Nadelwald mag ich besonders gern. Obwohl die Fichten zum großen Teil unten kein Grün mehr bringen, sie bleiben stehen wie tapfere Soldaten

Eine Weile wechselt die Landschaft wieder, kein Blätterdach über dem Kopf und zu Füßen die Wiesen, dazwischen die bereits blühende Heide.

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Und da ist sie, die Nase von Napoleon. Einige Wanderer, auch eine größere Wandergruppe, tummeln sich dort und fotografieren sich gegenseitig vor dem Felsen. Ein Ehepaar lässt sich von mir ablichten, die Wandergruppe bittet auch um Hilfe. Schnell drücke ich einer der Damen die Kamera in die Hand und bitte sie einfach mal abzudrücken. Hat sie gut gemacht, finde ich.

Die Nase von Napoleon
Gegenüber meines Standplatzes zeigt sich dieses Bild

Auf verwunschenen Pfaden geht es nun langsam und gemächlich hinab zur Warche. Eine Weile bleiben das nette deutsche Ehepaar aus Düren und ich nun zusammen und schwätzen ein wenig über dies und das, aber hauptsächlich über unser Vorhaben das Leben so gut wie möglich auszukosten.

In diesem Fall sind es wir Frauen, die die Kamera ununterbrochen vor der Nase haben und jede noch so kleine Winzigkeit auf Ewigkeit konservieren. Wie heißt es so schön „Gleich und gleich gesellt sich gern“ Der Gatte quittiert es mit einem Grinsen.

WER kann bei solchen Motiven widerstehen?

Spätestens jetzt ist klar, hier sehe ich nicht nur ein Hohes Venn und Burg Reinhardstein, nein ich sehe vor allen Dingen die Kunst der Natur. Geröllhalden mit dicken Moos besetzten Steinen, Bäume die schon Jahre hier liegen und langsam verfallen, den Kleinstlebewesen Unterkunft schenken.

Der Ruisseau de Bayehone – Platz für Romantik

Sehr urig und abwechslungsreich verlaufen nun die Wege, immer am Ruisseau de Bayehone in hörbarer und sichtbarer Nähe. An das Wasser gelange ich auch gelegentlich und genieße den Blick auf das gurgelnde Geplätscher des durch sein Pyritgehalt in roter Färbung daher kommende Wasser.

Stege führen über normalerweise nasse Untergründe. Doch die lange Dürre hat auch hier die Böden ausgetrocknet.
Fantastische Bäume, die trotz kaum noch vorhandenen Stamm tapfer ihre Blätter und Äste entwickeln

Diese Umgebung ist so unbeschreiblich schön, dass mir das vorwärts gehen beinahe schwer fällt. Der Farn so hell und grün, die Gräser ebenso stark und frisch. Baumwurzeln durchziehen die Böden und malen solch zauberhafte Muster. Das sind die Wege, die mich ganz stark anrühren.

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Der Wasserfall von Bayonne

Der Wasserfall, wegen dem sich so viele Menschen hierher begeben, hat ebenso wenig Wasser wie ganz Deutschland. Versiegt ist das normalerweise schon weithin hörbare Naturschauspiel. Da oben Menschen herum turnen, erspare ich mir den Abstieg zu seinen Füßen und verschiebe dies auf einen nächsten Besuch.

Der Wasserfall von Bayonne
Wasserfall von Bayonne

Eine Winzigkeit Enttäuschung schleicht sich in mein Gemüt, aber das ist vertane Zeit.  Schnell bin ich wieder in den Anblick der Umgebung versunken, genieße den Blick in das weiter abwärts etwas reichlicher fließende Gewässer.

Es bleibt schön und mein Herz ist am Ende dieser Wanderstunden voller Dankbarkeit für diese Entscheidung hierher zu fahren. Die Wegeführung besticht durch Natur und noch einmal Natur. Brücken sind nicht designed sondern natürlich. Kleine Besonderheiten wie der Steg neben dem Schotterweg eine Zugabe der Wegeplaner, die mir außerordentlich gefällt.

Fazit:

Die Wegeführung und die Idee die beiden Genusstouren zu einem längeren Wandererlebnis zusammen zu fassen ist genial. Abwechslungsreich und wunderschön präsentiert sich die Landschaft. Dafür beide Daumen hoch. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen! Ich hatte bisher kein so deutliches Bild von dieser Region, aber langsam bildet sich wieder einmal eine Liebe heraus und die wird mich sicherlich öfter hierher schicken.

Für mich weniger schön waren Begegnungen mit „Ausflüglern“, die nahe der Burg und dem Wasserfall unterwegs waren. Kinder, die Steine die Abhänge herunter werfen, trotz darunter verlaufender Wanderwege, Eltern die ihr schreiendes Kleinkind über die steinigen Wanderwege zerren und rasende Radfahrer haben phasenweise erhebliche Einbußen im Genusswandern verursacht. Vor allem das gefühllose Verhalten des Vaters seinem ca. 2 – 2 1/2 jährigen Kind gegenüber hat mir die Tränen in die Augen getrieben.

Diese Ereignisse machen den Weg nicht schlechter und ich habe an diesem Tag wahrlich Menschen getroffen, die ich jederzeit wieder sehen wollte.

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