Zweimal haben mich Wanderungen im belgischen Nachbarland restlos begeistern können. Eine weitere Genusstour im Hohen Venn habe ich mir schon vor einigen Wochen bei outdooractive vermerkt. Unter dem Thema „Gespenster am Noir Flohay“ startet diese Runde am Signal de Botrange“

Genusstour im Hohen Venn

  • Start/ Ziel: Route de Botrange 133, 4950 Waimes, Belgien
  • Streckenlänge: 12 km
  • Höhenmeter: 180 m
  • GPS Track
  • Einkehr: Restaurant Signal de Botrange am Startpunkt
  • Achtung: Hunde sind auf dieser Route nicht erlaubt
  • Buch Empfehlung: Streifzüge durch das Hohe Venn

Bevor ich die Fotos zu dieser Wanderung zeige, möchte ich mit ein paar Worten diese „Genuss“tour grob beschreiben. Zu leicht machen sich Wanderer/innen auf den Weg, wenn Details nur die schönen Seiten zeigen, die beschwerlichen oder unschönen Details weg lassen. Das möchte ich vermeiden.

Das Hohe Venn bietet dem Entdeckergeist ungeheuer viel. Wer sich Zeit, ein geschultes bzw. aufmerksames Auge mitnimmt und evtl. ein Fernglas oder eine Kamera mit großes Teleobjektiv, der wird voll auf seine Kosten kommen. Die Wege hat man jedoch, vermutlich aufgrund der hohen Nässe, mit dicken Schotterschichten zugedeckt, sodass diese Wanderung für manchen sehr beschwerlich und eintönig erscheinen kann.

Genusstour im Hohen Venn

Der erste Blick von der Aussichtskanzel

Auf einem ersten Schotterweg gelangen Spaziergänger und Wanderer zur Aussichtskanzel.

Die wenigen Bäume ragen wie magere Finger in den Himmel. Wer hier einmal bei Nebel oder Regen unterwegs war, wird diesen Eindruck gespenstischer wahrnehmen.

Das Wallonische Venn breitet sich vor meinen Augen aus. Das größte Hochmoor Europas mit all seinen stillen Geheimnissen wirkt seltsam auf mich.

Das Wallonische Venn
Die Nachttemperaturen sinken hier schon stark ab, sodass am frühen Morgen Tau auf der Landschaft liegt.
Genusstour im Hohen Venn
Blick zurück auf Signal Botrange

Zone „C“ und Zutritt verboten

Zutritt verboten

Die Schutzzone „C“ ist absolut tabu für uns normalen Wanderer/innen. Lediglich im Rahmen von Führungen ist es gestattet diesen sensiblen Bereich zu betreten.

Auch links und rechts der Wege herrscht zu einem großen Teil Betretungsverbot und wird mit diesen Schildern gekennzeichnet.

Aus diesem Grund werde ich auch recht schnell gezwungen meine ursprünglich vorgesehene Route anzupassen. Ein kleiner Bogen um den verbotenen Bereich führt mich schnell wieder auf meine Wanderroute. Noch habe ich Wiesenpfade unter den Füßen. Das wird sich schnell ändern, zu meinem Leidwesen.

Die nun folgende Schotterpiste ist zwar gepflegt und gibt fotografisch gesehen etwas her, für meine Füße erweist er sich dann doch als anstrengend. Hin und wieder ragt eine einsame Kiefer neben mir auf, später einzelne Eschen, deren roten Beeren in der Sonne leuchten.

Ein einsamer Wanderer stürmt regelrecht an mir vorbei. Wandern in so hohem Tempo würde mir wohl keinen Genuss bescheren. So sehr trödeln wie ich es tue, ist jedoch wohl auch nicht jedermanns Sache.

Erste nervenaufreibende Langstrecke auf Schotter
Die Vogelbeere ist reif.

Wieder einmal schmückt ein Gedenkstein meinen Weg.

Auf einer großen Tafel werden Details zum Naturschutz in der Region kund getan. Besonders die stark geschützte Zone C findet hier Erwähnung.

Zone C

Auf Holzstegen durch das Venn

Auf die Holzstege trifft man hier im Hohen Venn immer wieder. Sie überbrücken sumpfige und nasse Gebiete, machen das Erkunden dieser besonderen Fläche erst möglich.

Bei einem großen Brand vor Jahren wurden große Teile zerstört, teilweise zu sehen an verkohlten Resten der alten Stege.

Typisch hier, die schnurgerade Wegeführung
Sieht aus wie die Liegefläche von Wildschweinen

Wurmstichig

Die hohen Fichten sind als solche kaum mehr erkennbar. Ob es der Borkenkäfer war, der hier für den Verfall sorgte, vielleicht mit Hilfe eines kleinen Sturms? Das was normalerweise viel Wasser präsentiert, liegt hier beinahe trocken. Das brackige Wasser ist dunkel und schürt eben die Gedanken, die Krimifans wie ich so gerne im Hirn spazieren führen.

Etwas kurviger ziehen sich hier die Planken durch das Hochmoor
An dieser Stelle habe ich mich nicht getraut den in der Beschreibung vorgegebenen Bogen zu wandern. Der Pfad ist deutlich erkennbar, doch darf ich hier überhaupt einfach durchlaufen? Ich zweifele und gebe diesen Zweifeln den Vorrang, laufe auf den Stegen weiter.
Auch hier die Gerippe der Kiefern

Die Hill ist mein Begleiter

Das dunkelbraun gefärbte Wasser steht meist, eine erkennbare Strömung gibt es nur an wenigen Stellen. Sehr glücklich bin ich bei diesem Anblick, über die Stege, die mich sicher und auch trocken durch diese Landschaft führen.

Die Hill
An der Hill

Birken, auch eine typische Baumart solch karger Böden. Sie hält sich beinahe überall dort, wo anderes keine Chance hat.

Birken im Hohen Venn

Quarzitblock, immer wieder verwirrende Muster im Stein

Dieses Stück entlang der Hill empfinde ich als den romantischen, sehr schönen Teil der Wanderrunde. Viele kleine Details am Wegrand lassen mich immer wieder anhalten. Die meist in kleinen Gruppen gewachsenen Birken mit schneeweißen Stammteilen faszinieren mich gerade hier besonders. Sie heben sich so stark von den beinahe steppenartigen Fläche ab und ragen damit wie Leuchtstäbe nach oben.

Birken ohne Grünzeug

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Brücke über die Hill

Auch diese auf das höchste romantische kleine Brücke lässt mich verweilen. Ausnahmsweise wird mir auch die Geduld geschenkt, auf die Sonne zu warten, die sich immer wieder hinter den Wolken versteckt. So spaziere ich dann um das nette Ensemble herum. Schwupps sind an die 20 Aufnahmen auf dem Chip. Gut, dass es die digitale Fotografie gibt. Verschwendung gibt es seit dem nicht mehr.

Von der Vennlandschaft, wie sie auf der Informationstafel dargestellt ist, bleibt in diesem trockenen Sommer nichts mehr. Ich erinnere mich an einen ersten Besuch im Poleür Venn, damals stand das Wasser höher und reizvoller.

Der krasse Gegensatz

In der Ferne ein Kiefernwald, entweder abgebrannt oder vom Schädling zerstört.

Spindeldürre Kieferfinger
Wirkt gesund und frisch grün, der Kiefernwald links neben mir

Bis hierher bin ich begeistert, empfinde den Weg als Geschenk- Kräftige, alte Bäume ragen in den Himmel. Erst beim näheren Hinschauen wird klar, dass der Stamm des großen Baumes bereits ausgehöhlt ist.

In der Wiese finde ich meinen allerersten Enzian. Dieser Tatsache bin ich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht bewusst. Ein Lungenenzian ist mir da in die Kameralinse geplumpst.

Schotter ist kein Geld

Dieser Schotterweg zieht sich über mehrere Kilometer und schon der Anblick lässt mich furchtsam erschauern. Das Ergebnis am Ende ist ein schmerzendes Kreuzbein und wieder Probleme mit meiner Hüfte. Drei Tage Regeneration waren nötig.

Schotterpiste

Na ja aber gucken muss ich denn doch, und fotografieren natürlich auch. Hier zeigt die Genusstour im Hohen Venn für mich dennoch wenig Genuss.

Der Boden ist knochentrocken
Es wird nicht besser und ich komme scheinbar nicht voran
Hin und wieder die Knie beugen, Beweglich bleiben ist alles!
Endlich, der Blick zurück offenbart was ich zurück gelegt habe
Herbst im Venn

Dann lande ich wieder an Signal Botrange, meinem Startpunkt. Einen Milchkaffee gönne ich mir noch, bevor ich die Heimreise antrete. Gut, ich war draußen an der frischen Luft, ich hatte über eine anständige Strecke auch ein sehr schönes Wandererlebnis. Das bittere Ende der Genusstour im Hohen Venn hat aber sehr an meiner Kondition gezerrt, einfach weil der Wanderspaß auf der Strecke blieb.

Das nächste Mal wird gründlicher geplant, bzw. ein Wanderfreund für die Streckenwahl zu Rate gezogen.

Übrigens: Trockenen Fußes durch das Hohe Venn! Wer das von sich behauptet, war sicher im Sommer 2018 im Hohen Venn unterwegs.

7 Kommentare

  1. Tja, schuldbewusst denke ich an mein Versprechen, gemeinsam das Venn zu durchqueren als Streckenwanderung; ich habe es nicht vergessen, bin halt immer anderswo unterwegs. Und dann gibt es noch Belgiens einzigen Nationalpark De Hoge Kempen… Bald ;-)

    1. Ach Guido, wir werden das irgendwann schaffen. Meist entscheide ich spontan, mal eben, so schnell kütt sowieso keiner mit ;-)

      1. Siehste, ich hab wieder keinen Bescheid bekommen über deine Antwort, obwohl ich anklicke, Benachrichte mich über nachfolgende Kommentare via E-Mail. Was mach ich falsch?

        1. Das ist merkwürdig Guido, erklären kann ich das mir nicht :(

  2. Ein schöner Bericht. Ich bin dort oft und gerne unterwegs.

    Du darfst den Weg zum Noir Flohay laufen. Der und ein anderer in der Nähe von Baraque Michel sind Naturpfade, die durch das Venn führen und die meiste Zeit des Jahres zugängig sind. Die gute alte Wanderkarte ist in diesem Bereich zu Planung am Besten.

    Informationen über eventuelle Sperrungen im Venn bekommst du im Haus Ternell bzw über deren Internetseite. Es ist durchaus sinnvoll sich kurz vorher dort zu informieren, damit man nicht mitten in der geplanten Tour plötzlich vor einem gesperrten Weg steht. Die bieten auch geführte Touren in die C-Zone an, bei denen man viel über das Venn erfährt.

    Zu Verteidigung der von mir heissgeliebten Hill möchte ich sagen, dass sie normalerweise ein sehr munterer Bach/Fluss ist der kräftig über die Steine braust. Stillstand ist ihr meist fremd und mit reichlich Wasser ist sie noch viel, viel schöner. Die Arme kann ja nichts für die anhaltende Trockenheit😉

    Mir gefällt deine Blog und werde als begeisterte Wandererin bestimmt noch die ein oder andere deiner Touren „nachwandern“.

    Liebe Grüße Andrea

    1. Hallo Andrea

      an späterer Stelle plätscherte die Hill auch wieder. Die Trockenheit hat tatsächlich viele Flüße und Bäche trocken gelegt. Die Stimmung ist dann auch eine ganz andere.
      Die Region werde ich sicher noch oft bewandern.
      Danke für Deinen Kommentar und jetzt schon Mal ein wanderbares Wochenende.
      Liebe Grüße
      Elke

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