Das Gefühl der Höhenangst ist ein Phänomen, das auch unter Wandersleuten existiert. Die Wahl eines  Wanderweges kann da unter Umständen ein Problem darstellen, weil schmale Pfade unbegehbar erscheinen. Stark ansteigende oder abfallende Wege lösen bei diesen Menschen schon Unwohlsein oder gar Panik aus. Meine Freundin Tanja konnte vor einigen Jahren nicht einmal in einen tiefen Brunnen schauen, geschweige denn einen Turm besteigen.

 Möglichkeiten „Das Gefühl der Höhenangst“ zu verlieren?

Das Gefühl der Höhenangst
Tanja auf dem Weg nach oben

Ich behaupte: „Ja, es gibt Möglichkeiten diese einschränkenden Gefühle hinter sich zu lassen“ Das beste Beispiel ist Tanja. Inzwischen schaut sie in die Tiefe, beklettert Felsen und hin und wieder auch Aussichtstürme. Sie empfindet schmale Pfade als Bereicherung und nur noch selten winkt sie ab, wenn es eine solche Herausforderung für sie gibt.

 

Wie man oben gut sehen kann, scheut sie auch diese lange Leiter nicht und blödelt sogar hin und wieder herum. Was hat nun dazu geführt, dass meine Freundin diese Panik so gut hinter sich lassen konnte?

Übung macht den Meister und Vertrauen in die Begleitung

Ich erinnere mich noch sehr gut an eine typische Situation zu diesem Thema. Wir „Wanderschnecken“ wanderten vor Jahren gemeinsam den Kasteler Felsenpfad. Bericht Kasteler Felsenpfad

Am Altfelsen blieb Tanja unten stehen und fotografierte zunächst unseren Aufstieg. Unten angekommen kam dann zaghaft von ihr: „Ich würde ja doch gerne da hoch“ Also steigen Tanja und ich gemeinsam hoch in die Felsen. Tanja klettert vor und kann sich Zeit lassen, sie weiß dass sie jederzeit auch wieder runter kann. Sie fühlt sich sicher und klettert und klettert bis ganz oben hin und kommt auch sicher und heil wieder hinunter.

Ihr könnt euch sicher vorstellen wie stolz sie war. Das Grinsen blieb für den Rest der Wanderung in ihrem Gesicht hängen. Das war ein Durchbruch, denn von nun an sind Kletterstellen für sie ein Abenteuer, dass sie zu schätzen weiß.

Mit Tanja erneut auf dem Weg nach oben

Nicht nur Höhenangst lässt sich überwinden

Vor ungefähr neun Jahren trieb mich eine Lebenskrise immer häufiger hinaus in die Natur, aber auch in ein Fitnessstudio. Wer mich kennt würde nie auf die Idee kommen, dass ich ein Fitnessstudio aufsuche. Der Grund sind die vielen Menschen dort. Mein Wunsch körperlich wieder richtig fit zu werden und zusätzlich gute Ernährungstipps zu erhalten motivierte mich damals mich dieser Herausforderung zu stellen.

Auf eine ähnlich motivierende Weise habe ich mich vor vielen Jahren einst zu einem Sprachkurs angemeldet, ebenfalls mit reichlich Mitstreitern, deren Anwesenheit mich ohne den dringenden Wunsch zu lernen sicher abgehalten hätte. (OK, hat nun nichts mit Höhenangst zu tun, aber Angst ist Angst)

Die ersten Läufe durch die Natur wagte ich zu Beginn meiner Läuferphase in Dünnwald. Dieser Wald ist nahezu schachbrettartig mit Wegen durchzogen, also mehr oder weniger unverlaufbar. Natürlich hinderte mich diese Tatsache nicht daran mich hoffnungslos zu verfransen. Wer nun glaubt diese bei mir Panik auslösenden Erlebnisse hätten mich von meinem Tun abgehalten, der irrt.

Die Steigerung erfährt mein hoffnungslos unterentwickeltes Navigationssystem 2011. Meine ersten Wanderungen stehen an, zunächst in Altenberg, später auf den ersten Traumpfaden. Herrje, selbst mit einem Garmin-Outdoornavi habe ich mich verlaufen und mangels Kenntnisse im Umgang mit dem Ding auch nur schwer den Weg zurück gefunden. Stress pur.

Höhenangst kenne ich auch

Meine erste Begegnung auf dem Layensteig Strimmiger Berg vor Jahren, war eine Herausforderung die Herzklopfen und einen Anflug von Panik auslöste. Später meine Erstbegehung des Mittelrhein Klettersteig habe ich abgebrochen und erst ein Jahr später vollendet. Hohe Türme, insbesondere die Leitern lösten ebenso Ängste aus, nicht immer aber sehr häufig.

Was hat nun den Ausschlag gegeben für die Entscheidung die Angst zu überwinden?

  • Es nicht zu tun ist schlimmer als es zu tun
  • Faszination für das Abenteuer und anfeuernder Wunsch es zu bestehen
  • Hinlenken der Gedanken weg von der Sorge, hin zu dem Besonderen, Erlebenswerten
  • Vertrauen in eine Gruppe, deren Reaktionen sie einschätzen kann
  • Ruhe und Gelassenheit bei der Entscheidungsfindung
  • Abschätzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit (körperlich aber auch psychisch
Es nicht tun ist schlimmer als es nicht zu tun

Egal ob Fitnesstudio oder alleine Wandern, es wäre für mich weitaus schlimmer gewesen daheim zu sitzen und mit einem Sack Problemen zu kämpfen. Es wäre schlimmer gewesen dick zu bleiben und unbeweglich und dafür brauchte ich Hilfe.

Faszination für das Abenteuer und anfeuernder Wunsch es zu bestehen

Es gibt Dinge, die ich nicht erleben muss. Dazu gehören z.B. Urlaube im südlichen Ausland. Nicht Angst hindert mich, sondern Desinteresse. Mein Heimatland kennen zu lernen und das so intensiv wie möglich, treibt mich raus auf die Wanderwege und hin und wieder eben auch auf Klettersteige.

Ich bin durchaus in der Lage mir einen Abbruch, wie den Mittelrhein Klettersteig, zuzugestehen. Der Gedanke daran dieses Abenteuer zu bestehen lebte aber fort. Das war das Leitmotiv es ein Jahr erneut zu versuchen und zu schaffen. Das war auch das Leitmotiv trotz ständiger Panikattacken alleine im Wald zu stehen und nicht zu wissen wo meine Wanderstrecke ist, den Weg zu suchen und bis zu seinem Ende zu gehen.

Hinlenken der Gedanken weg von der Sorge, hin zu dem Besonderen, Erlebenswerten

Ereilt mich wegen einer Situation, einem Vorhaben ein sorgenvoller Gedanke gehe ich diesem Gedanken für gewöhnlich eine ganze Weile nach. Ich bin ein Mensch mit reichlich Panik- und Angstgefühlen. Das ist der Grund für meine häufigen, morgendlichen Entscheidungsschwierigkeiten vor einer Wanderung. Manchmal ist es der Gedanke an rücksichtslose Autofahrer, der mich daheim verharren lassen könnte.

Wenn ich genug in meinen Sorgengefühlen geschwelgt habe schwenke ich um. Ich sage zu mir: WAGE es, tu es! An solchen Tagen werde ich regelmäßig mit besonders schönen Wandererlebnissen beschenkt. Ich habe jederzeit die Chance umzukehren, aufzugeben, es nicht zu tun. Diese Entscheidung treffe ich aber im Verlauf meines Vorhabens und das geschieht sehr sehr selten.

Stehe ich vor einer Leiter auf einem Klettersteig und mich überfällt Angst, dann mache ich eine kurze Pause, lasse das Gemüt und den Puls herunter fahren und starte mit Gelassenheit erneut.

Vertrauen in eine Gruppe, deren Reaktionen ich einschätzen kann

Was Tanja angeht, so hat sie damals gesagt: „Mir hat geholfen, dass ich in der Mitte meiner Freundinnen war, von denen ich weder Kritik noch Geläster erwarten musste. Ich wusste ich kann mir die Zeit nehmen, die ich brauche. Ich hatte Vertrauen.

DAS ist ein sehr wichtiger Aspekt, finde ich. Ich hatte es hier im Blog schon mehrfach erwähnt. Heike, die ich beim Bloggerwandern an der Mosel kennen lernte, gibt seit ein einiger Zeit Kurse für Höhenängstliche. Schaut mal bei Tharun Touren  Ihre unproblematische und Vertrauen weckende Art hat schon vielen Menschen den Naturgenuss, auch in Höhenlagen nahe bringen können.

Ruhe und Gelassenheit bei der Entscheidungsfindung

Unmittelbar vor einer Angst einflößenden Unternehmung ist es wichtig zur Ruhe zu kommen. Dem einen hilft etwas Süßes oder Deftiges in den Magen, der andere läuft dreimal im Kreis oder singt ein Lied. Es gibt für jeden Menschen eine passende Methode.

Abschätzen ihrer eigenen Leistungsfähigkeit (körperlich aber auch psychisch

Bei allem Mut zum Risiko und den Wünschen Abenteuer zu erleben ist es wichtig zu unterscheiden zwischen Angst, die durch ein Gedanken-Karussell entstehen, also unrealistisch sind und dem realen Nichtkönnen.

Wenn ich z.B. krank bin, gehe ich nicht zum Sport. Wenn ich körperliche Einschränkungen habe, gehe ich nicht auf schmale Pfade oder Klettersteige, bzw. vertraue mich einer fachlich kompetenten Führung an. Ich bin überzeugt, dass jeder einzelne sehr gut einschätzen kann, ob Ängste durch Gedanken entstanden sind, oder durch reale Hindernisse.

Kennt ihr diese oder ähnliche Ängste?

Mich würde freuen, wenn ihr ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern würdet. Vielleicht gibt es ja ähnliche Erlebnisse und Gefühle, die wir miteinander teilen können.

2 Kommentare

  1. Den Ehrgeiz, etwas schaffen zu wollen, kenne ich gut. Einer der Bergfriede der Altdahner Ruinen ist nur über eine fast senkrechte Leiter mit ziemlich schmalen Sprossen erreichbar (ist real deutlich düsterer dort als auf dem Foto). 1995 stand ich zum ersten Mal dort und habe mich nicht getraut. Das nagte aber so in mir, daß ich 1 Jahr später wieder dort war und dann dort hoch bin. Die Erfahrung, daß eine solche Leiter tatsächlich sicher und eigentlich problemlos zu besteigen ist, hat mich deutlich weiter gebracht. Heutzutage machen mir Leitern gar nichts mehr aus. Ähnlich ging es mir Jahre später mit dem Collis-Klettersteig an der Mosel. Beim ersten Mal auf halbem Weg abgebrochen, bin ich dort 1 Jahr später (relativ) locker raufgeklettert. Es ist mir gelungen, die Gedanken wirklich ausschließlich auf die nächsten Tritte zu richten und nicht über mögliche Gefahren nachzudenken. Andererseits weiß ich auch, daß ich gewisse Grenzen nicht überschreiten möchte. Die sind bei mir normalerweise dort, wo man sich nicht festhalten kann, z.B. schmale Grate, bei denen es links und rechts steil runter geht. Deshalb war ich z.B. auch nie auf der Teufelsley bei Reimerzhoven/Ahr. Ich gehe bis an die Stelle, an der der Grat ganz schmal wird, genieße die Aussicht aus sicherer Position und gehe dann wieder zurück. Auf den Karlsruher Grat bin ich gespannt. Ich will mir den anschauen. Ob ich dann drüber gehe oder die Umleitungen nehme, muß ich vor Ort entscheiden.

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