An der Ahr wandern, das ist in den Monaten Mai bis Oktober ein garantierter Genuss. Die Reben tragen Blätter und im Spätsommer die süßen Trauben. Eine Wanderung Zwischen Rech und Mayschoß, die mir schon lange am Herzen liegt, ist eine, die ich bei Outdooractive gefunden habe. Hier wird sie „Mayschoß – wAHRhaft wunderbar wandern!“ genannt.

Zwischen Rech und Mayschoß

  • Start/ Ziel: Rech, Burgwiese
  • Streckenlänge: 15 km
  • Höhenmeter: 510 m
  • GPS Track
  • Einkehrmöglichkeiten gibt es dicht am Startpunkt und werden im Rahmen der Wanderung tangiert.

Rech an der Burgwiese diente mir schon häufiger als Startpunkt für Wanderungen. Auf der Sonnenseite von Rech z.B., war eine ganz großartige Wanderung, die ich zusammen mit Tanja erlebte. In der Kategorie „AHR“ findet ihr noch weitere Wandervorschläge in dieser Region. Gerade jetzt sind all diese Wanderungen nachwandernswert.

Ausgetrocknete Nadelbäume

Ein erster, weniger schöner Anblick taucht schon am Start vor meinen Augen auf. Ein Blick in die Wälder am Hang zeigt deutlich die Auswirkungen der langen Trockenperiode, die wir in diesem Sommer erlebt haben. Sie werden sich nicht mehr erholen können und darüber hinaus bei der nächsten Gelegenheit einfach umfallen, da ihr Wurzelwerk ausgesprochen flach ist.

Trockene Nadelbäume

Hinauf zur Saffenburg

Gleich zu Beginn heißt es „schnauf“ den Berg hinauf. Meine Gedanken gehen ziemlich genau ein Jahr zurück. Damals schlenderte ich mit Spike hier hinauf. Der alte Knabe mochte gar nicht so recht, war ja auch schon 15 Jahre alt und nicht mehr so fit. In diesem Beitrag sieht man aber deutlich den Unterschied 2017 (regenreicher Sommer) und 2018 (trockener Sommer).

Die Hänge bieten einen trostlosen Eindruck, kaum Gräser zu sehen

Ein paar Eindrücke von der Saffenburg und Umgebung

In dem o.g. Beitrag stehen schon ein paar Daten, die ich heute nicht wiederholen möchte. Ein kurzer Abstecher zur Saffenburg beschert mir ein paar Fotos mit blauem Himmel, die mir damals nicht vergönnt waren.

Die Saffenburg werde ich auf meiner heutigen Runde von allen Seiten sehen.  Ich weiche leider vom Originlatrack ab und wandere den Ahrsteig weiter.

Das war eine blöde Entscheidung, denn im Gegensatz zu dem Track bietet der Ahrsteig meinen Füßen unangenehm dicke Schotterschichten.

Glücklicherweise dauert die Qual nicht übermäßig lange und so lande ich flott auf Waldwegen, auch befestigt, aber bei weitem nicht so schlimm.

Marienruh
Marienruh

Auf felsigen Pfaden

Schon die Zuwegung zum Aufstiegspfad der Schrock Hütte erweist sich als abenteuerlich. Schroffe Felswände ragen neben mir auf, auch sie sind mit struppigen, ausgetrockneten Pflanzenresten übersät.

Mit Seilen gesicherte Passagen
Blick auf….. ja auf was eigentlich? Ich tippe auf Teufelsley

Aufstieg zur Schrock Hütte

Über felsige und teilweise mit Wurzeln durchzogenen Pfaden geht es tüchtig aufwärts.

Spannung mischt sich mit ein wenig Wut über die ausgefahrenen Wege.

Diejenigen, die hier mit dem Rad runter fahren sollten sich überlegen, dass sie nicht alleine auf diesem Planeten und auch nicht auf diesen Wegen sind. Die Wurzeln der Bäume sind blank gefahren, der Boden so kaputt und stark verdichtet, dass Wanderer hier kaum Halt finden. Hinauf geht ja noch, doch auf dem Weg nach unten bin ich fies in die Bäume gekracht, weil tatsächlich nicht die geringste Chance auf Sicherung bestand.

Im Grunde dürfte hier aus meiner Sicht niemand mehr gehen oder fahren, weil die Natur, insbesondere die Wurzeln der Bäume, ernsthaft Schaden nehmen.

Schrock Hütte

Schrock Hütte geentert

Schnaufend und prustend komme ich an der Hütte an. Geräusche hinter der Hütte lassen mich ein wenig schaudern. Meine Fantasie geht mal wieder mit mir durch. Bevor diese sich Bahn brechen kann sehe ich den Grund für die Geräusche, ein MANN. Verdattert platze ich dann gleich mit meinen letzten Gedanken heraus. Das Grinsen in seinem Gesicht war eindeutig und er versichert mir, dass er mich nicht schubsen wird.

Ein nettes Gespräch entwickelt sich mit dem Allgäu-Fan, der in dieser Region hier erstaunlich wenig Wege kennt. Er verabschiedet sich dann bald, denn der Gang über die Teufelsley wartet auf ihn (grusel)

Einmal ums Eck und da ist er, der Unbekannte
Herrliche Aussichten bieten sich von dort oben

Wundervolle Wege tun sich auf. Nur kurz aber dafür um so traumhafter. Dann begebe ich mich auf den unwegsamen Abstieg, überlebe einen Sturz in die krummen Bäume und bin heilfroh irgendwann wieder unten zu sein. Jeder Mountainbiker hätte, ob meiner Flüche und Beschimpfungen, ein deutliches Klingeln in den Ohren haben müssen.

Verwunschen
Schroff und wunderschön

Der nächste Traum folgt schnell

Ganz anders, aber herrlich mediterran erscheint ein kleines Stück des folgenden Weges. Wobei mediterran noch am ehesten auf die Geruchswelt zutrifft, die von einzeln stehenden Kiefern herrührt.

Dort hinten zu dem vertrockneten Baum möchte ich. Mal sehen, was es dort zu sehen gibt

Zwischen mir und der Burgruine Are liegt die Ahr, die im tief eingeschnittenen Tal dahin fließt. Übrigens war ich auch dort schon im Rahmen einer Wanderung. Sie scheint zum Greifen nah und doch wäre es ein ziemlicher Weg bis zur Ruine.

Burg Are
Der Duft dieser Kiefern ist betörend

Von nun an geht´s bergab Richtung Reimerzhoven

Das erschreckende sind ja im Ahrtal immer die steilen Abstiege. Sie vermitteln eine Ahnung davon, welche Mühen es im Anschluss, dem logischen Aufstieg zu meistern gibt. So bin ich nur mäßig erleichtert, dass es eine Weile in die Tiefe geht. Hier zeigen sich die Schäden des trockenen Sommers besonders stark. Das Laub hängt, unter Hitzestress verdorrt, an den Ästen.

Herbstfarben an der Ahr

Immer wieder erhasche ich einen Blick auf die Burgruine Are. Neugierige Rundumgucker haben sich auf der Aussichtsplattform versammelt. Für mich gilt „Einsam wandern macht glücklich“ und hier ist es einsam. Nur selten treffe ich auf andere Wanderer/innen.

Aussichtsplattform auf der Burgruine Are
Aussichtsplattform auf der Burgruine Are

Hinab hinab hinab immer näher an die Gleise und dem Tunnel in Reimerzhoven.

Bahngleise
Eisenbahntunnel in Reimerzhoven
Viadukt Reimerzhoven

Verführerische Traubenträume

Täusche ich mich, oder hängen die Reben in diesem Jahr besonders voll? Ich habe keine Schäden an den Stöcken feststellen können. In regenreichen Sommern können da mal schnell ganze Lagen befallen sein. Wie herrlich prall hängen die Trauben da, verführen zum naschen. Eine darf ich, nur um zu testen wie süß die sind. Mjammi, da muss ich meine Finger verknoten, um zu verhindern, dass der Rucksack geöffnet und ein Vorrat angelegt wird.

Anstelle dessen warte ich, bis ich an den Trockenmauern auf wilde Trauben treffen, jene die auf verlassenen Weinlagen wachsen. Da stört es niemanden, wenn vorwitzige Hände danach greifen. Ziemlich schnell sind die gepflückten Trauben verschwunden.

Dunkle Trauben in den Weinbergen an der Ahr
Wieder fallen die herbstlichen Farbnuancen auf

Weinort Mayschoß

In den Weinbergen um Mayschoß ist zu dieser Zeit einiges los. Der Rotweinwanderweg verläuft über gleiche Strecke und lockt die Weinseligen an. Sie streben sicher dem Gasthaus Michaelishof entgegen und es sind viele.

Herrlich bunt

Die Weinberge im Herbst, sie verzaubern immer wieder. Welch ein Vergnügen hier unterwegs zu sein. Die kleinen und größeren Weinorte kuscheln sich in die tiefen Täler zwischen Wald und Weinberge. Die Hänge wirken wie mit dem gepinselten Farbtupfern versehen, harmonisch herbstlicher Töne.

Nur durch ein winziges Waldstück unterbrochen wandere ich von Weinlage zu Weinlage, meist in der wärmenden Sonne. Und weil das etwas zum schauen und genießen ist, kriegt ihr ein paar, viele Fotos ;-)

Mayschoß behalte ich nun meist im Blick, während in an Reben vorbeiwandere, die teilweise schon rötliches Laub tragen. Die Weinlese ist in vollem Gang. Hier und da stehen riesige Körbe oder Anhänger mit der süßen Last. Welch ein Qual für eine Naschkatze wie ich es bin.

Eine große Stele informiert über die hier übliche Methode den Traubenwickler von seinem schändlichen Tun abzuhalten. Ich hatte einst darüber berichtet: DUFTSPENDER IN WEINBERGEN DES AHRTAL

Ein vorletzter Blick auf Mayschoß und die immer wieder schön anzuschauende Kirche und dann erreiche ich einen besonders schönen Platz.

 

 

Zurück nach Rech

Zwischen mächtig aufragenden Felswänden gelange ich an den letzten Aussichtspunkt auf Mayschoß-

Attraktiver Felsdurchbruch
Noch einmal Mayschoß

EIn Teil der Weinberge liegt nun schon im Schatten. Die Sonne steht jetzt am frühen Nachmittag  im September schon tiefer. Die Schatten strahlen bereits eine gewisse herbstliche Kühle aus, während nur wenige Tage zuvor die warme Luft auch am Abend nicht weichen wollte.

Der schönste Streckenteil des heutigen Tages

Der aus meiner Sicht schönste Streckenabschnitt des heutigen Tages folgt nun. Prima, dass gerade jetzt kaum Gegenspieler aus Richtung Rech hier auftauchen. So kann ich diese felsige Wegstrecke bis ins letzte Körnchen auskosten. Die Saffenburg thront oben auf dem Fels und lässt zu, dass ich sie gefühlt 100 Mal ablichte.  So ist das mit den Kamerasüchtels

Über die rote Brücke zum Nepomuk

Von Rech aus gesehen ist die rote Brücke der Eingang zum Rotweinwanderweg. Schön markante Wegeführung. Für mich bedeutet das Erreichen der Brücke ein Ende der heutigen Wanderung. Lediglich die  St.-Johannes-von-Nepomuk-Brücke Rech muss ich überqueren und ein Stück der Straße folgen, dann stehe ich wieder an meinem Auto.

Der Weg nach Rech
St.-Johannes-von-Nepomuk-Brücke Rech
Ziemlich trockenes Ahr-Bett
Nepomuk auf der Brücke in Rech (St.-Johannes-von-Nepomuk-Brücke Rech)

Fazit

Für mich war dieser Wandertag ein herausragender. So vielfältig auf verhältnismäßig kleiner Strecke, das ist tatsächlich Entspannung und Genuss pur. Herzlichen Dank an das hier schon öfter benannte Ehepaar Peters, die diese Strecke ausgearbeitet haben.

2 Kommentare

  1. Liebe Elke,
    ich wünschte, ich könnte so schöne Fotos machen wie du. Ich bin eine verkürzte Version dieser Tour für das Wanderbuch gleich zweimal gelaufen, habe aber nicht annähernd so tolle Aufnahmen gemacht wie du. Du könntest eigentlich auch ein Wanderbuch schreiben :-) .
    Gruß, Aurora

    1. Ach Du, wenn ich sehe was Du neben dem Schreiben noch alles erwanderst, bin ich neidisch auf Deinen Aktionismus. ;-) Für mich ist das echt nichts, zu viel Arbeit. Ich bin froh, dass es Menschen wie Dich gibt, die daran Spaß haben und uns so mit neuen Büchern beglücken.

      Aber es freut mich total, dass Dir die Fotos gefallen.
      Liebe Grüße
      Elke

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