Wandern ist mehr als nur wandern

Kennt ihr die Tage an denen es in einem rumort? Die Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit. Es wird verglichen, was war damals schön, was ist heute schöner?

„Wandern“

ist doch ein prima Begriff um alles im Leben zu beschreiben.

Heute ist ein Tag, der mit Sicherheit einiges in meinem Leben verändern wird. Jeder Tag ist so, denn jeder gewanderte/gelebte Tag ist Entwicklung. Heute soll aber mehr als nur ein Berg erklommen werden und ich hoffe ich erreiche ihn, den Gipfel. Das werde ich später am Tag erfahren.

Unser Leben ist Wanderschaft, es gleicht einer Dauerwanderung von einem Etappenziel zum nächsten und solange ich wandere, lebe ich. Oder anders herum, diese Wanderung endet mit dem Tod. Der Weg ist das Ziel, denn wenn ich den Weg schlabbere, habe ich mein Leben verschenkt.

Anstrengungen lohnen sich

Rückblickend kann ich sagen, habe ich auf meiner Lebenswanderung einige verdammt steile Berge erklommen. Gut, dass ich das zu Beginn meiner Tour nicht wusste, möglicherweise hätte ich sie sehr früh beendet. So geht es sicher vielen Menschen. Die Belohnung war nach jeder schlimmen oder schweren Erfahrung eine ganze Portion mehr Lebenserfahrung und gewonnene Stärke.

Ich vergleiche mich selber gerne mit einem Baum – OK OK ein Baum wandert nicht, höchstens in die Breite und nach oben, trotzdem finde ich den Vergleich passend.

EfeuerbaumEin Baum entwickelt sich auch langsam. Er bildet jährlich, nein teilweise täglich neue Äste aus, alte Äste sterben ab. Manche Bäume sehen ziemlich krumm aus und üben schon deshalb eine Faszination auf viele Menschen aus. Kommt ein Sturm auf sind alle Bäume gefährdet, vor allem aber diejenigen, die sich nicht dem Wind beugen können, die starr sind.

 

Gemeinschaft macht stark

Auch die Solitärbäume sind einer Gefahr ausgesetzt, wie z.B.  Blitzableiter zu sein und zu verbrennen. Wie der Mensch hat er einen schwereren Stand, wenn er allein steht. Gemeinschaft macht stark, wenn Wurzeln mit denen des Nachbarbaums verbunden sind.

Jede Baumart hat einen eigenen Charakter und ich bin überzeugt, dass ich mir den  als Lieblingsbaum wähle, der meine Sehnsüchte am ehesten unterstützt. Ich liebe z.B. die dicken, alten Stämme mit ihren Narben und Wucherungen, die trotz vieler Stürme überlebt haben. An ihnen gibt es unendlich viel zu entdecken und vieles erschließt sich mir erst bei genauerem Hinschauen. Sie strahlen für mich Wärme, Kraft und Stärke aus.

Welcher ist dein/Ihr Lieblingsbaum? Welche Sehnsüchte leben in dir/Ihnen?

Ich sehe auf Wanderungen oft Bäume, die abgebrochen sind oder der Forstarbeiter hat sie abgesägt und doch nach kurzer Zeit bemüht er sich schnellstens wieder Zweige zu bilden. unkaputtbar, wenn auch ganz anders als die Masse.

Jahreszeiten sind LebensAbschnitte

Im Herbst/Winter verliert der Baum sein Laub, aber niemals würde er deshalb auf den Gedanken kommen das Wachstum der Blätter zu unterbinden.  Schon in dem Augenblick, wenn der Herbst und die herein brechende Kälte das Sommerlaub verdorren und herab fallen lassen, bildet sich das neue Leben.

Wir Menschen haben manchmal soviel Angst davor etwas zu verlieren, dass wir uns Geliebtes und Gewolltes nicht ins Leben holen, sei es Kinder, Haustiere oder Freiheiten. WAS verpassen diese Menschen, nur weil sie Angst vor Verlust haben?

Jedes meiner Haustiere war einzigartig und ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit ihnen hatte. Meine Lebensgefährten, sie haben mir anstrengende Zeiten beschert, aber auch unglaublich schöne Strecken.  Dank der erlebten Ehejahre durfte ich Zweisamkeit kennen lernen und Kinder bekommen und groß ziehen. Diese brachten dann Freundinnen und Freunde mit und teilweise deren Eltern. Heute bin ich Oma.

Meine Partner sind weg, zwei meiner Söhne leben so weit entfernt, dass ich sie nur selten sehe. Ich musste sie in ihr eigenes Leben entlassen und das tut heute noch ziemlich weh. Die erstenJahrzehnte ihres Lebens habe ich aber mit ihnen erlebt, hatte sie ganz nah bei mir. Diese Zeit und Erinnerung nimmt mir niemand weg.

Auch an einem Baum sterben Äste ab und er pumpt alle aufgenommene Energie in Form von Wasser, Wärme und Licht in die restlichen Bestandteile seines Seins. Das Leben ist nicht beendet, wenn etwas stirbt. Manchmal muss etwas sterben, damit gesunde Anteile weiter wachsen können. Entlassen wir Dinge und Menschen aus unserem Leben, die nicht mehr zu uns gehören wollen oder die unseren Weg nicht verstehen, uns Steine in den Weg legen. Lassen wir die Äste absterben, die uns am Wachstum hindern. Zum Wachstum gehören auch unsere ganz eigenen Fehler, die Irr-und Umwege. Nur der in eigener Verantwortung begangene Weg macht uns stolz.

Der Weg ist das Ziel

und in diesem Sinn will ich weiter leben.  Jeder Tag birgt eine Chance aus einem jungen Zweig etwas Großes zu machen.

Danke an alle diejenigen, die insbesondere in den letzten Monaten für mich da waren und mich auf meinem Weg begleitet haben, selbst wenn sie ihn  nicht zu Gänze erfassen und verstehen konnten.  Wenn es besonders dunkel erschien, waren immer Lichter in Form von Menschen da. Dieses Glück hat nicht jeder.

Danke aber auch an diejenigen, die gegangen sind. Sie haben mir Raum für Neues gegeben und die Chance dort hin zu sehen wo die Wärme ist und die Zuversicht. Sie haben es mir erspart mich zu rechtfertigen und dauernd zu erklären.

Der Nachtrag zum heutigen Tage:

Der Gipfel ist erstürmt. Ich habe heute so viele gute Nachrichten bekommen, dass ich es kaum fassen kann. In meinem Berufsleben wird sich nun einiges ändern, das Alte musste ich dafür loslassen. Der alte Baum hat neue Zweige, vielleicht nicht mehr so kräftig wie die alten, aber sie sind leuchtend grün und wunderschön.

Damit ist meine Geschichte lange nicht zu Ende, das wird sie erst sein, wenn ich die Erde über mir habe.

Eines meiner Lieblingssongs:

2 Kommentare

  1. Liebe unbekannte Elke,
    Ihre Gedanken sprechen mir zutiefst aus meiner Seele. Solche Worte setzen viel voraus: Dankbarkeit, Demut, Selbstreflektion und eine große Liebe zu sich, zu anderen und zum Leben. Schön, dass ich auf meiner Sche nach „Fotografieren“ und „wandern“ auf Ihren Blog gestoßen bin. LG Simone

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