Von Angesicht zu Angesicht, so der Titel eines Buches mit ganz besonderem Inhalt. Es bringt uns auf „Auf Augenhöhe mit heimischen Insekten“ Rachel Carson, Pionierin der Umweltbewegung bringt es auf den Punkt: „Je klarer wir unsere Aufmerksamkeit auf die Wunder und die Realitäten des uns umgebenden Universums richten können, desto weniger Zerstörungslust werden wir empfinden“
Von Angesicht zu Angesicht
Auf Augenhöhe mit heimischen Insekten
Schon immer interessieren mich Insekten, egal welcher Art. Leider fehlt mir die Fähigkeit mir Details richtig einzuprägen. Das hindert mich aber nicht daran sie durchweg als schön und spannend zu empfinden.
Bei Zecken und Mücken hört bei mir die Freundschaft auf. Glücklicherweise habe ich nur ausgesprochen selten dass zweifelhafte Vergnügen auf eine dieser beiden Spezies zu treffen.
In diesem Beitrag werde ich keine Bilder einfügen, denn nicht eine Fotografie aus meinem Fundus kommt auch nur annähernd an die Qualität derer, die im vorliegenden Bild/Textband eingefügt sind.
Wie deutlich die Unterschiede zwischen einzelnen Insekten sind zeigt sich auf der ersten Doppelseite mit Abbildungen verschiedener Insekten. Auf der rechten Seite dominieren schwarz, bzw. dunkel gefärbte Käfer und links finde ich Insekten mit filigranen Flügeln und einem, nach unseren Empfinden, wunderschönen Aussehen.
Die darauf folgenden Doppelseiten zeigen fantastische Abbildungen verschiedenfarbiger Insekten, teilweise skurril geformt.
Einem Impuls folgend blättere ich einmal durch das ganze Buch und bin ziemlich überwältigt von den detaillierten, sehr groß dargestellten Makros.
Ein Blick ins Buch, auf der Seite des Kosmos Verlags, lohnt sich. Eine kleine Auswahl der im Buch abgebildeten Makros vom Fotografen Torben Danke machen Lust auf mehr.
Was die meisten Menschen nicht wissen
Ohne Insekten kein Obst, ohne Insekten zu 80% auch keine Blüte. Sehr überrascht war ich über die Aussage, das in Mitteleuropa tatsächlich bis Beginn des 20 Jahrhunderts Insekten nahrungstechnisch eine Rolle gespielt haben. In Kochbüchern werden z.B. Rezepte mit Maikäfern beschrieben.
Die wenigsten dürften wissen, dass die Feige nur deshalb zur Feige heranwachsen kann, weil sie von Wespen heimgesucht wird. Die krabbeln in das Innere der weiblichen Feigenblüte und bestäuben sie. Die Feigenwespe wird dieses Bemühen nicht überleben. Seit ich das weiß sehe ich den riesigen Feigenbaum in unserer Nachbarschaft mit ganz anderen Augen.
Während ich auf der linken Buchseite 24 lese, wie sich die ein oder andere Insektenart ernährt, fällt mein Blick auf die rechte Buchseite Nummer 25, auf die Detailaufnahme des Vorderbeins eines Waldmistkäfers. Schwarz, lila und türkis leuchtet mir da entgegen. Faszinierend dieser Anblick und so groß wie ich es in der Natur niemals sehen würde.
Die krabbeln momentan zu Hauf über den Waldboden. Wer nur kurz hinschaut sieht einen schwarzen Käfer, wer einen Augenblick länger verweilt, sieht die bläulichen Flügel. Liegt er gar auf dem Rücken, ist das blau nicht mehr zu übersehen.
Das genaue Gegenteil ist der Ohrwurm. Aber nein, nicht der den wir ständig im Ohr haben, sondern der geflügelte.
Männchen haben große Augen
Seite um Seite werde ich von Abbildungen überrascht, die mich faszinieren, interessieren und neugierig machen. Die erklärenden Texte sind gut verständlich und verschaffen Einblicke in eine Welt, die mir bisher mehr oder weniger verschlossen blieb. Larven, Raupen und auch die Insekten im Endstadium habe ich alle schon einzeln betrachtet gesehen. Welche phänomenalen Entwicklungen ein Insekt durchläuft wird auf jeder Buchseite für mich inhaltliche größer und beeindruckender. Und wer genau liest der erfährt auch, warum die Männchen oft größere Augen haben als die Weibchen. 😊
Hin und wieder muss ich zweimal lesen, weil mir die Fachbegriffe für die Ansichten, z.b. der Insektenaugen, nicht geläufig sind. Das lohnt sich aber. Der Aufbau eines Insekten Auges ist viel komplexer, als ich bis dahin annahm. Was hier im Buch an Bildmaterial zur Verfügung gestellt wird ist für mich mit ehrfürchtigem Schaudern verbunden. Nicht nur die fotografische Leistung, sondern auch der außerordentlich saubere und detaillierte Druck dürfte jeden Liebhaber solcher Aufnahmen faszinieren.
Insektenarten
Folgende Arten greift der Autor in diesem Buch auf.
- Käfer
- Schmetterlinge
- Zweiflügler
- Hautflügler
- Schnabelkerfe
- Libellen
- Florfliegen
- Ameisenjungfern
Schnabelkerfe, noch nie gehört oder gelesen. Wanzen gehören zu dieser Art. Auch die Ameisenjungfern wurden mir noch nicht vorgestellt. Nach lesen des Buches „Von Angesicht zu Angesicht“ weiß ich mehr und bin mir dennoch bewusst, da gibt es weit mehr als das Werk hier erfassen könnte.
Unter der Rubrik Schmetterlinge finde ich ein Porträt der Hirschlausfliege. Diese Großaufnahme zeigt Details, die so ein bisschen spooky sind. Das Bild könnte ich mir an die Wand hängen, so herrlich ist es. Besonders anziehend wirken auf mich die riesigen Augen. Aber auch die Zunge einer deutschen Wespe wäre als dekoratives Wandbild eine Augenweide. DAS ist ein Buch nach meinem Geschmack, Volltreffer!
Von Angesicht zu Angesicht
Es ist ein faszinierendes Buch, das mich in meiner Auffassung bestätigt, dass es lohnt bei allem in unserer Welt genauer hinzuschauen, auch auf die kleinsten Wesen. Das Buch ist meiner Meinung nach geeignet Berührungsängste abzulegen (OK, bei Zecken…., aber über die habe ich noch nichts gelesen).
Auf Augenhöhe mit heimischen Insekten – faszinierende Fotos und wissenswerte Wunderfakten von Dominik Eulberg, Thomas Hörren, Thorben Danke
Erscheint am 23.09.2024
ISBN: 978-3-440-17900-0
Abmessungen: 304 x 237 x 22 mm
Seitenzahl: 208
Ich bedanke mich beim Kosmos Verlag, der mir dieses außerordentliche Buch für eine Rezension zur Verfügung gestellt hat.
Danke für diese, meines Erachtens sehr persönliche, Beurteilung des Buches. Ich wurde dadurch veranlasst das Buch direkt vorzubestellen.
Ja, für mich ist dieses Buch eine absolute Bereicherung. Ich wäre gespannt wie es Ihnen gefällt.